Rezensionen 21.07.2017

Captain, We're Sinking - The King Of No Man [Run For Cover / ADA / Warner]

Die Flut an wirklich starken Emo-Punk-Platten aus den Staaten will einfach nicht verebben: Auch das dritte Album von Captain, We’re Sinking ist ein berauschender Mix aus tollen Melodien, Weltschmerz und Wiederaufstehenslust nach dem tiefen Fall.

Für die Familie Barnett ist das ohnehin ein (zumindest im Musikalischen) starkes Jahr: Während Greg Barnett mit seinen Menzingers und „After The Party“ einen Riesenpopularitätsschub erfahren hat, steht nun auch sein Bruder Bobby mit einer neuen Platte da. Wo Gregs Band allerdings häufig ihr Heil in der Hymnenhaftigkeit sucht (was übrigens keinesfalls despektierlich klingen soll, „After The Party“ gehört zu den stärksten Rockalben dieses Jahres) sucht Bobby Barnett mit seinen Mitstreitern Erlösung in der Katharsis. Verlorene Beziehungen, dunkle Momente in denen der Geist nicht weiß wohin mit sich, und ja, auch ein Todesfall - das sind alles bekannte Themen des Emo; besonders schmerzhaft haben das in diesem Jahr zuvor etwa Sorority Noise auf den Punkt gebracht. Bei Captain, We’re Sinking äußert sich der Schmerz und vor allem die Diffusität, die er zurück lässt, in einem immer wieder Einzug haltenden Bruch mit den üblichen Drei-Akkord-Konventionen. Ein gewollter Missklang hier und da, Delays, die immer wieder auch unterkühlt-distanzierten Vocals von Barnett - das alles wird nicht nach Schema F dargeboten; „The King Of No Man“ ist dadurch eine Platte, die man so schnell nicht wieder vergisst. Songs wie „Don’t Show Bill“, das zwischen stoischem Sprechgesang und emotionalen Ausbrüchen schwankt, oder der dunkel fließende Titeltrack sind kleine Emo-Epen, in denen die Seele mit Macht nach außen drängt, wo sie in der Freiheit vielleicht versteht, warum alles immer so weh tut - „The King Of No Man“ verfügt aber auch über unwiderstehliche Pop-Momente wie im Opener „Trying Year“ (das zum Abschluss der Platte noch einmal in einer überaus süßlichen akustischen Version daherkommt, die man sich durchaus hätte schenken können) oder im mitreißenden „Water“. Das macht das dritte Album von Captain, We’re Sinking zu einem absoluten Allrounder, das mal ganz nach unten zieht, dann wieder ganz nach vorne treibt und uns Hörern zunächst in die Katharsis der Band mitnimmt, um uns - genau wie Barnett und seine Jungs - gestärkt daraus zu entlassen.


Text: Kristof Beuthner