Rezensionen 11.03.2012

Die Antwoord - Ten$ion [Cooperative Music / Universal]

Die Antwoord sind zurück, und man will wissen: »Wie war nochmal die Frage?« Auf jeden Fall irgendwas mit Rap-Rave, Zef, Afrikaans und WTF?.

Doch fangen wir mal vorne an. Wer oder was ist »Die Antwoord«? Das sind Frontmann Ninja und Frontfrau Yo-Landi Vi$$er, komplettiert durch DJ Hi-Tek. Dabei ist das Trio laut Eigenauskunft »a fre$, futuristik, flame-throw-flow-freeking, zef rap-rave krew from da dark dangerous depths of Afrika«. Man sieht: man kommt leicht ins Schwimmen wenn man hier drumrumredet, was die Antwoord am Ende sein soll – das ist gleichzeitig ein Stück der Faszination, die Die Antwoord ausmacht.

Bleiben wir also bei den eher musikalischen Details: Es ist Rap. Soviel steht fest. Aber dieser Rap wird nicht über derbe Beats, sondern zumeist über sägenden Rave drappiert, der einfach fetzt. Die Songs der Antwoord flowen dabei allerfeinst und sind durchweg abwechslungsreich. Das Spezielle an dieser eh schon ungewöhnlichen musikalischen Cocktail ist aber das Afrikaans von Ninja und Yo-Landi, das interessant klingt und mit akzentreichem Englisch vermengt wird.

Besagter Cocktail bedient sich quer durch den Garten an allen Genres. Der Rap dreht sich standesgemäß um die eigene Crew und die Zef-Side. Die Beats klingen bisweilen stark afrikanisch (»Fatty Boom Boom«) und leicht verspielt, aber auch sehr straight forward nach dem Rave und Techno der frühen 90ern. Mit starken Synthies vermengt sich das in »Baby's on Fire« zu einer Reminiszens an die glorreichen Zeiten des Euro-Dance (Stichwort: 2 Unlimited und der Tribal Dance). In diese Kerbe schlägt dann auch die aktuelle Single (»I Fink U Freeky«) und man muss sagen: Das ist originell und fesselnd, weil es die etwas angestaubte, dezent peinliche Musik der 90er erfrischt und mit unglaublicher Wucht und Stimmung ins Jahr 2012 katapultiert. Klassischere Rap Songs fehlen dennoch nicht, wie »Hey Sexy« beweist, welches mit viel Whoop! deutlich bei Ludacris' »Move, Bitch« sampled.

Das ganze Album ist paralysierend. Es zündet nicht direkt beim ersten Hören, doch zieht es unweigerlich in seinen Bann. Das ist in weiten Teilen auch Yo-Landis unwiderstehlich flowender Stimme zu verdanken, die angenehm mit der Präsenz Ninjas konstrastiert. Unterstrichen wird die besondere Rolle der Antwoord von Musikvideos wie dem aktuellen zu I Fink U Freeky.

Es bleibt zu attestieren: Das ist definitiv heißer Scheiß. Wer etwas für Rap übrig hat, sollte dieses Album dringend seiner Sammlung hinzufügen.

Text: Arne Seemann

Links:

Ninja und Yo-Landi