Fundgrube 09.09.2015

Dürfen wir euch vorstellen? The Polish Music Scene. 1 von 10.

In "Dürfen wir euch vorstellen? The Polish Music Scene." präsentiert Nillson von heute an einmal pro Woche und insgesamt zehn Mal an der Zahl einen musikalischen Act aus unserem östlichen Nachbarland. Dabei geht es weder um Aktualität noch um die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Genre; einzig die popkulturelle Relevanz für die polnische und internationale Musikszene ist entscheidend. Polens Musikszene ist vielseitig und hat mittlerweile eine ähnliche Dichte an herausragenden Bands wie Skandinavien. Diese Reihe soll einen Teil dazu beitragen, wunderbaren Projekten eine kleine Plattform zu geben.

Neben einer kurzen Vorstellung der einzelnen Acts möchten wir immer auch einen Blick auf den Herkunftsort der Bands werfen und euch auf eine Art "musikalische Reise" durch Polen mitnehmen. Musik wächst und gedeiht nicht nur in den Großstädten des Landes. Den Start macht eine Alternative-Band, die sich sogar nach ihrer Heimatstadt benannt hat: Myslovitz.

In der ursprünglichen Formation um Sänger Artur Rojek war die Band der europaweit vielleicht erfolgreichste Act aus Polen. 2003 mit "The Sound of Solitude" in insgesamt 27 Ländern präsent, erhielt Myslovitz durchweg positive internationale Resonanz. Myslovitz war und ist mit ihrem melancholischen Gitarrenrock popkulturelles Vorbild für viele polnische Bands. Längst hat die Band, insbesondere nach dem Ausstieg von Artur Rojek, nicht mehr die Präsenz im europäischen Musikmarkt wie in den 00er Jahren. Der Song "The Sound of Solitude", hier im polnischen Original "Dlugosc Dzwieku Samotnosci", steht aber auf jeden Fall für die Ewigkeit.


Myslowice
, Heimat der Band und unweit von Kattowitz in Schlesien gelegen, hat eine ähnliche Historie wie die Städte des Ruhrgebiets. Der Strukturwandel macht dem von Zechen und Schwerindustrie geprägten Ort (ca. 75.000 Einwohner) zu schaffen. Myslovitz-Gitarrist Przemyslaw Myszor bezeichnete Myslowice als "deprimierend wie alle Kleinstädte. In Polen gibt es nur wenige Großstädte. Und mit Großstadt meine ich einen Ort, an dem es Kultur gibt". Myslovitz hat trotz ihres ambivalenten Bezugs zum Ort wichtige Impulse für die Kulturszene in Myslowice und damit vielleicht auch für einen erfolgreichen Strukturwandel gegeben.


Text und Titelbild: Daniel Deppe