Fundgrube 14.10.2015

Dürfen wir euch vorstellen? The Polish Music Scene. 6 von 10.

In "Dürfen wir euch vorstellen? The Polish Music Scene." präsentiert Nillson einmal pro Woche und insgesamt zehn Mal an der Zahl einen musikalischen Act aus Polen. Dabei geht es weder um Aktualität noch um die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Genre; einzig die popkulturelle Relevanz für die polnische und internationale Musikszene ist entscheidend. Polens Musikszene ist vielseitig und hat mittlerweile eine ähnliche Dichte an herausragenden Bands wie Skandinavien. Diese Reihe soll wunderbaren Projekten eine kleine Plattform geben.

Wir bleiben an der Ostseeküste, auch wenn uns der knapp 350 Kilometer lange Weg von Swinoujscie nach Gdansk nicht ganz am baltischen Meer entlang führt. Die Trojmiasto (Dreistadt), zu der neben der Heimatstadt von Günter Grass auch die Städte Sopot (übrigens Heimatstadt von Klaus Kinski) und Gdynia zählen, ist Wirkungsort einer 2012 gegründete Alternative Band. Mateusz Danek, Kamil Hordyniec, Jacek Rezner und Szymon Wegner sind Wilga. Die vierköpfige Band überzeugt mit erdiger, authentischer und äußerst innovativer Rockmusik. Daneks Stimme geht dabei mit der scheppernden Gitarre eine Symbiose ein, die die Band deutlich von den bisher vorgestellten, eher atmosphörisch geprägten Acts unterscheidet.

Häufig bildet die E-Gitarre das unverkennbare Zentrum der vielschichtigen Songs. "Die elektrische Gitarre ist ein unglaublich variantenreiches Instrument. Die Möglichkeiten, die Gitarrenmusik bietet, sind unauschöpflich.", sagte Kamil Hordyniec kürzlich im Interview mit einem polnischen Kulturmagazin. Wir finden, dass man das hört und möchten euch Wilga hiermit ans Herz legen.


Hanseatische, polnische und deutsche Geschichte sprießt in Gdansk an jeder Häuserecke. Günter Grass fasst es in seinem Roman "Die Blechtrommel" folgendermaßen zusammen:

"Zuerst kamen die Rugier, dann kamen die Goten und Gepiden, sodann die Kaschuben, von denen Oskar in direkter Linie abstammt. Bald darauf schickten die Polen den Adalbert von Prag. Der kam mit dem Kreuz und wurde von Kaschuben oder Pruzzen mit der Axt erschlagen. […] Das geschah in einem Fischerdorf und das Dorf hieß Gyddanyzc. Aus Gydannyzc machte man Danczik, aus Danczik wurde Dantzig, das sich später Danzig schrieb, und heute heißt Danzig Gdansk." 

Als Zentrum der Solidarnosc-Bewegung, die einen bedeutsamen Teil zum Fall des Eisernen Vorhangs beitrug, wurde in den 1980er Jahren in Gdansk erneut Geschichte geschrieben. 


Text: Daniel Deppe
Titelbild: Lukas Wiedau