Rezensionen 22.07.2013

John Vida - Siegerurkunde EP [Eigenvertrieb]

Was ja bei diesem Wetter ganz geil ist, ist im Park rumzuliegen und sich Musik zu wünschen, und plötzlich fangen irgendwo so zwei Typen an, mit Cajon und Gitarre ein paar Songs zu spielen. Die Sonne ist dann da und die gute Stimmung auch, und wenn man auf die Texte achtet, kriegt man auch noch was für den Kopf mit.

So oder so ähnlich wird es ja klanglich und gefühlsmäßig immer häufiger als Lebensgefühl vorgeschlagen, wenn Liedermachertrios oder Duos oder One-Man-Bands den Weg nach draußen suchen, und die Cajon sollte eigentlich eh den Preis kriegen als Rhythmusinstrument 2013 (plus rückwirkend für die letzten zwei, drei Jahre, in denen sie immer schon mal vereinzelt in Erscheinung getreten ist im weitesten Kreis der Populärmusik). John Vida aus Braunschweig kommen aus der gleichen Richtung und sind auf einer guten Reise, um sich langfristig festzusetzen. Wissen wir schon bzw. haben wir schon im Auge seit der famosen Debüt-EP aus dem letzten Jahr, und weil es seitdem mit einem Label immer noch nichts war, gibt es eben mit der "Siegerurkunde" eine ganz treffend betitelte zweite Visitenkarte auf die Ohren. Arbeiten wir zunächst mal die Klischees ab: Nein, John Vida klingen nicht nach Dosenbier und Grillwurst. Nein, John Vida verbreiten keine altkluge Kifferlyrik und Hosentaschenphilosophie. Ja, hier texten kluge Köpfe und natürlich, ja, hier wird mit Worten gespielt, dass es nur so eine Freude ist. Und ebenso natürlich hat das, trotz merkbarem Schritt nach vorne seit dem Debüt, immer noch einen gewissen Selfmade-Charakter in Musik und Text, was aber auch so sein muss. Denn machen wir uns nichts vor: Zu perfekt darf diese Art Musik sowieso nicht klingen. Es gibt wenig schlimmeres als Ecken-und-Kanten-Musik ohne Ecken und Kanten.

Es ist vorstellbar, was hier gehen könnte, sobald die Jungs vom Eigenvertrieb abzurücken in der Lage sind. Die Entwicklung sieht so aus, dass der Fokus vom Rap umfunktioniert wurde zu einem Sprechsingsang mit gesungenen Refrains, und das steht John Vida durchaus ganz gut, weil sie kluge Köpfe sind, die sehr clever die Unzulänglichkeiten des eigenen Seins und der Welt an sich reflektieren und durch den zunehmenden Pop-Appeal eine gute Schippe Charme drauflegen. Textlich ist es ausgefeilter, produziert ist es voller und musikalisch ist es prägnanter. Mit "Melodie" und "Vulkan" sind jetzt auch die ersten kleinen Hits dabei, und weil das so ist, kann man die "Siegerurkunde" definitiv als guten Schritt nach vorn bezeichnen. John Vida sind auf dem Weg!


Text: Kristof Beuthner