Rezensionen 12.11.2016

Kjartan Sveinsson - Der Klang der Offenbarung des Göttlichen [Krunk]

Auf der Suche nach der vollkommenen Erfüllung: Das ehemalige Sigur Rós-Mitglied Kjartan Sveinsson vertont nach dem Roman „Weltlicht“ von Halldór Laxness ein isländisches Theaterstück über einen Poeten, verloren in Zweifeln und Hoffnungslosigkeit, seinen Lebenssinn zurückfindend durch die Inspirationskraft der isländischen Natur.

Bereits 2014 luden Sveinsson und der Regisseur von „Der Klang der Offenbarung des Göttlichen“, Ragnar Kjartansson, zur Uraufführung des Stücks in die Berliner Volksbühne. Das Filmorchester Babelsberg und der Berliner Filmchor sorgten für die Untermalung von sieben Gemälden isländischer Künstler, die als Bühnenbild fungierten und die Geschichte von „Weltlicht“ erzählten, ohne dass gesprochen wurde; rieselnder Schnee auf malerische Landschaft, Quellen, Felsen, weite Lande wurden gemeinsam mit der Musik Sveinssons zum Off-Kommentar über die Sinnsuche eines gescheiterten Poeten, der sich in seine isländische Heimat begibt um in diesem zweifelsohne malerischen Setting seine Lebenskraft zurückzufinden.

Dass die dazugehörige Musik nun, gut zwei Jahre später, via Krunk auch den Weg in unsere (in manchen, vielleicht vielen Fällen vielleicht sogar theaterfernen) Ohren findet, ist ein Glücksfall. Denn selbige Ohren sind neuerdings der klassischen Musik ja nachweislich wieder recht zugetan (vor allem dank der Klavierwerke eines Ludovico Einaudi und den zeitgenössischen Kompositionen eines Oláfur Arnalds oder Nils Frahm). Doch vor allem erinnert Sveinssons majestätischer Score nebst seinem Thema an das neuere Werk eines Terrence Malick, der seit seinem 2011er Meisterwerk „The Tree Of Life“ immer wieder Menschen auf eine bildgewaltige Sinnsuche schickt - nach dem richtigen Weg im Leben in besagtem „Tree Of Life“, nach der wundervollen wie zerstörerischen Kraft der Liebe in „To The Wonder“ oder der zerstörerischen Macht von Geltungssucht und -drang in „Knight Of Cups“. Hier wie dort untermalen Themen aus Streichern und Chor die existenziellen Gedankenwelten der Protagonisten mit poetischen Bildern von weiten Landschaften und intensiver Schönheit. Auch Sveinsson illustriert in episch-majestätischer Feierlichkeit eine Geschichte von Hoffen, Suchen und Erlösen; er lässt die Streicher schwelgen und die Chöre jubilieren; seine strauchelnde Figur wird am Ende ihren Frieden finden und sich anhand des endlosen Meeres vor zerklüfteten Felsen, den weiten Wiesen und hohen Bergen, den Sonnenauf- und -untergängen vor der scheinbaren Ewigkeit der Natur seiner eigenen Bedeutungslosigkeit bewusst werden - und somit auch der Bedeutungslosigkeit der Dinge, die ihn so sehr haben am Sinn seiner Existenz zweifeln lassen. Das im Titel des Stücks beschriebene „Göttliche“ liegt also im von Gott geschaffenen, dem puren, unverfälschten Leben. So findet man auch als Hörer Kraft und Trost in der Vergegenwärtigung der schöpferischen Schönheit. Sakral? Kitschig? Vielleicht - doch eher naturromantisch als gottesfürchtig; vor allem aber musikalisch prächtig und innig. Schön, dass wir zuhören dürfen.

Text: Kristof Beuthner