Rezensionen 28.02.2012

Lambchop - Mr. M [City Slang / Universal]

Auf Mr. M verarbeitet Lambchops Chef-Bariton Kurt Wagner den Tod seins Songwriter-Kollegen und Freundes Vic Chesnutt. Nach diesem Verlust 2009 ist Wagner zunächst in ein kreatives Loch gefallen, aus dem er sich erst langsam über den Weg der Malerei (das Cover von Mr. M stammt von ihm) herausgearbeitet hat. Eine bahnbrechende Veränderung hat diese Ver- und Entpuppungs-Phase allerdings nicht mit sich geführt – warum auch? Im Fall Lambchop gereicht das nicht zum Nachteil.

Allerdings wirft das auch die Frage auf, wieso man sich ‚Mr. M‘ und nicht das 1996er Album ‚How I Quit Smoking‘ oder das letzte Album ‚OH (ohio)‘ anhören soll? In medias res: ‚If Not I’ll Just Die‘ eröffnet mit einem Streicherarrangement, dass in der Schmacht-Szene eines Südstaaten-Epos seines Gleichen sucht, bevor ein mit Jazzbesen gespielter Beat das Fundament stellt für Wagners erste Textzeile: ‚Don’t know what the fuck they talk about‘. ‚Gone Tomorrow‘ zieht das Tempo geringfügig an und improvisiert am Ende mit Jazz und breiten Orchester-Klängen. Das Instrumental ‚Gar‘ kombiniert Steelguitars mit weichgezeichnetem Burt Bacharach- Easy Listening. Kurz: Lambchop spielen stilsicher auf der Klaviatur ihres bisherigen musikalischen Schaffens. Totale Reduktion hinterlegt mit bittersüßer Schwülstigkeit. Auf Ausbrüche wartet man vergebens. Und trotzdem erweitern sie das elfte Album um eine weitere Dimension. Songs wie ‚Never My Love‘, eine Liebeserklärung an Wagners Frau, oder ‚2B2‘ sprechen ihre eigene Sprache. Letzterer arbeitet mit retardierenden Momenten und beschreibt in aller Seelenruhe das Abschmücken des Weihnachtsbaumes, das gemeinsame Kochen, den gemeinsam geteilten Alltag. Diese Alltäglichkeiten werden zum eigentlich Essentiellen des Lebens erhoben. Eine Einsicht die dem Verlust eines guten Freundes oder einfach nur der Lebenserfahrung geschuldet ist? Wie dem auch sei - Slow-Motion-Folk, Behaglichkeits-Swing, salonfähiger Country-Sound – alles musikalische Umschreibungen die Lambchop seit jeher begleiten. Aktuell scheint es jedoch als hätten sie auch eine inhaltlich Entsprechung gefunden. Die lässt sich allerdings nicht so leicht kategorisieren. Sie macht Lambchop 2012 nur eindeutig überzeugender.

 

Text: Thomas Markus