Rezensionen 10.09.2018

Brett Newski - Life Upside Down [Backseat / Soulfood / Believe]

Brett Newski ist ein Reisender. Der US-Amerikaner hat ohnehin zu viel an seinem Geburtsland auszusetzen, um dort sein Leben lang resident zu sein. Menschsein in Amerika kostet Kraft derzeit - davon erzählt sein neues Album „Life Upside Down“.

Und um das gleich zu sagen: Trotz Newskis Reiselust und Nomadentum, über das man allenthalben lesen kann, klingt „Life Upside Down“ überhaupt nicht nach dem xten Aufguss des folkpunkigen Liedermachers mit Cajon und Schrammelgitarre, dessen Sound an den Lagerfeuern und Stränden dieser Welt zuhause ist. Diese Klischeefalle umgeht Newski eindrucksvoll (wobei man gerade im letzten Jahr durch das aktuelle Tim Vantol-Album erfahren durfte, dass das nicht nur schmerzfrei, sondern auch ziemlich ausdrucksstark geht) - er unternimmt zu seiner Fernsucht sogar auch eine klangliche Zeitreise und befördert uns mit zehn neuen Songs zurück in die 90er Jahre, als man Alben noch gerne hörte. Und Alben wie diese einem die Welt erklären konnten. Pixies, Teenage Fanclub, Beck - oh ja, die introvertierten Slacker hatten die Deutungshoheit über unser Innenleben inne, und Brett Newski muss ihnen gut zugehört haben. Während er mit zurückhaltenden Vocals die Dämonen des Alltags aufarbeitet, scheppern die Gitarren, schlappen die Drums mit betontem Lo-Fi-Flavour, mogeln sich die schönen Harmonien und feinfühligen Melodien ins Ohr hinein. Titel wie „Ride“, „The Afternoons“ (der stärkste Song der Platte) und der Titeltrack sind allesamt gut, ganz ohne Frage hat Brett Newski seine Hausaufgaben gemacht - allein, es fehlen Alleinstellungsmerkmal und Punch (ich hätte gerne etwas mehr von den vielzitierten Weezer-Vergleichen herausgehört), um aus „Life Upside Down“ eine richtig gute Platte zu machen. Rein gar nichts ist hier daneben gegangen, das Album feiert klanglich eine unvergessliche Zeit und kommt ohne jegliche Füllmasse aus, aber es verschwindet leider auch genauso schnell wieder aus dem Fokus, wie es hineingeraten ist. Macht nichts. Die Presseinfo schreibt mir, die Platte rege dazu an, „sich mit den Selbstzweifeln nicht alleine zu fühlen und die Energie in etwas Positives zu verwandeln“ - dazu taugt sie allemal.


Text: Kristof Beuthner