Rezensionen 25.03.2016

Folly & The Hunter - Awake [Outside Music / H'Art]

Wo viele ihre künstlerische Kraft aus Zurückgezogenheit und Abgeschiedenheit schöpfen, war für Nick Vallee und Folly & The Hunter aus Montreal das Leben auf Tour und zwischen den Städten ein wahrer Quell an Inspiration für ein wahrhaft majestätisches Pop-Album.

Folly & The Hunter sind eigentlich keine unbeschriebenen Blätter mehr; mit „Residents“ und „Tragic Care“ veröffentlichte die Band immerhin bereits zwei Alben. Doch ihr dritter Longplayer heißt nicht umsonst „Awake“: Es wirkt, als wären Nick Vallee und seine Mitstreiter aus einer Art Dornröschenschlaf erwacht. Fraglos: Die letzten Jahre waren die erfülltesten und inspirierendsten in ihrer kleinen gemeinsamen Historie. Eine ausgedehnte Tour durch Nordamerika und Europa, Teile davon als Support für Half Moon Run, viele neue Städte, noch mehr neue Eindrücke: Das kann dir vor lauter Anstrengung die Schuhe ausziehen, aber es kann dich auch in riesengroßem Maße inspirieren, und glücklicherweise hat es sich für Folly & The Hunter genau so ausgewirkt. Zusammengewachsen sind die Bandmitglieder, vereint in den gemeinsamen und so prägenden Erfahrungen, aber auch in den gemeinsam durchlebten Gefühlen zwischen Glück und Sehnsucht. Während dieser Erlebnisse entstand „Awake“, an Tagen im Hotel, in Bussen und Flugzeugen, vor und nach Shows. Die neu gefundene Verbundenheit hört man dem Album in jeder Sekunde an: Die Band präsentiert uns hier ein sehr reifes und in sich ruhendes Pop-Album, das in überbordenden Harmonien schwelgt und mit hymnischem Leuchten in die Ohren und die Herzen drängt.

Die Instrumentierung (Percussion, Gitarre, Bass, Klavier), die warme, facettenreiche Stimme von Nick Vallee und das präzise Songwriting tun alles, um Folly & The Hunter ein noch spannenderes Jahr zu bescheren als die letzten es waren. Songs wie der Titeltrack, „The Way We Are“, das ruhige „Lose That Light“ oder „Breath“ sind Stücke, die auf dem Mixtape für die Angebetete genauso gut aussehen wie im Radio, und das ist absolut positiv zu verstehen: Wenn eine Band so viel Wärme und Energie in Popmusik transformieren kann, ist die (Mainstream-)Musikwelt noch nicht verloren. Auch, wenn die Grenze zum Stadionbombast hier und da überschritten wird, weil die Melodien dann doch diesen kleinen Tick zu slick und schwärmerisch geraten und einem statt Immanu El und den frühen, den guten Coldplay plötzlich Grenzgänger wie Keane und Kodaline als Vergleich einfallen, wahrt die Band über die gesamte Laufzeit ihre große Klasse; bekommt immer wieder die Kurve zum edel-majestätischen, folkverliebten Hymnen-Pop der schönen Art, ohne in Formatradio-Gleichgültigkeit abzurutschen. „Awake“ ist für den versierteren Hörer sicherlich keine klangliche Offenbarung, dafür aber genau das richtige für den Musikhörer in uns, der sich gerne mal von ein bisschen Bombast und wundervollen Melodien das Herz durchspülen lässt. Was die Band ausdrücken will, vermittelt sich eins zu eins: Das große Glück, in der Lage zu sein, durch die Welt zu reisen und großer Geste die Menschen abzuholen. Beweis genug dürfte das sich schwelgerisch immer stärker auftürmende „Travelling“ sein. Mission accomplished, würde ich sagen.


Text: Kristof Beuthner