Fundgrube 07.09.2015

Guts & Mambo - Beach Diggin', Vol. 3 [Heavenly Sweetness / Broken Silence]

Der Sommer holt noch einmal kräftig Luft und pfeift auf den meteorologischen Herbst. Aber weil der schönste Sommer eh in einem selber schlummert, ist die Empfehlung der folgenden Platte eigentlich an gar keine Jahreszeit gebunden.

Das hat schon Albert Camus gesagt: "'Im tiefsten Winter fand ich heraus, dass ich, tief in mir, einen unsterblichen Sommer mit mir trug." Oder die Wise Guys aus Köln: "Ich drücke einfach auf den kleinen grünen Knopf, und die Sonne geht an in meinem Kopf". Da kann ein adäquater Soundtrack nicht schaden, im Gegenteil. Wer sich schon seit längerer Zeit stetig auf der Suche nach dem perfekten Sommer-Mixtape befindet, so seit ein paar Jahren ungefähr, dem dürften zwei Dinge nicht entgangen sein. Erstens: Die Zahl derer, die solche Compilations anbieten, ist immens. Zweitens: Es gilt leider eher das Prinzip von Masse statt Klasse. Die hundertste Latin House-Mische. Der tausendste Chillout-im-Sonnenuntergang-Brei. Dabei ist es so einfach: Man muss einfach nur den richtigen Leuten vertrauen.

Seit dem Jahr 2013 heißen zwei der absolut verlässlichen Größen Guts und Mambo. Ersteren kennen wir vielleicht etwas besser, immerhin ist der Franzose für einige der hübschesten Hip Hop-Konstrukte der letzten Jahre verantwortlich (was auch sein aktuelles Werk "Hip Hop After All" eindrucksvoll beweist); letzterer ist als Streetartist ebenfalls zu einigem Fame gelangt, außerdem ist er verantwortlich für die feinen Guts-Designs. Die Suche nach dem exzellenten Summer-Soundblast führte die beiden zusammen und direkt zu zwei großen wie großartigen Vinyl-Sammlungen, die in nächtelangen Sessions auseinandergepflückt wurden, um die Quintessenz des in Musik gefassten leichten Lebens, wie es uns nur der Sommer schenken kann, ans Tageslicht zu fördern.

Das Ergebnis ist die "Beach Diggin'"-Reihe, die ihren saucoolen Namen verdient. Guts und Mambo toben sich nämlich tatsächlich rein kopfmäßig an Stränden aus - der auf den Balearen lebende Guts ist da sowieso bewandert. Die Herkunft der vierzehn Tracks auf Vol. 3 liegt nämlich vorwiegend in der Karibik - Jamaica, Trinidad, Guadeloupe - und bis auf Kanada auch ansonsten ausschließlich an Orten, mit denen wir weiße Strände, kristallklares Meer und kalte Drinks assoziieren. "The perfect soundtrack to chill on the beach", steht auf der Hülle - stimmt definitiv, wenngleich sich auch zum ein oder anderen Tune brillant die Hüften schwingen lassen. Heiße Exoticas, sexy Instrumentals und schmeichelnd-streichelnde Downbeats schmusen mit Soul, Funk, Bossa, Latin Jazz und Tropical, dass einem bei all der Coolness ganz warm wird.

Die Interpreten (ein bißchen Namedropping? Gene Lawrence, Franko Xavier, Gilles Rivard, Billy Cole) sind ausnahmslos Insider (oder wenigstens mir nicht bekannt), umso unbedarfter kann man an die Sache heran gehen. "Beach Diggin' 3" ist so unendlich smooth, stylish und lässig, dass diese Sache mit dem kleinen grünen Knopf im Kopf sich insofern erledigt, dass man ihn nicht erst drücken braucht beim Genuss dieser exquisiten Compilation; er drückt sich quasi von selbst. Strandgefühl ohne Folkloretourismus, karibischer Vibe mit delikater Patina und die Hitze der Nacht: Guts und Mambo haben sich mit ihrem dritten Streich nochmal selbst übertroffen.

Da muss man nicht einmal Anspieltipps zur Seite stellen: Das ganze Ding ist von vorne bis hinten stark; all killer, no filler, wie man so schön sagt. Lasst uns den Sommer noch ein bißchen verlängern.


Text: Kristof Beuthner