Fundgrube 03.06.2015

Neue EPs! Mit The Secnd, Dikembe, Golf, The Artificial Harbor und Toneron

In der letzten Zeit liegen immer mal wieder EPs auf meinem Plattentisch, bei denen sich einfach keine große, "vollwertige" Review ergibt. Das soll aber nicht heißen, dass sie unter den erwähnten Plattentisch fallen, oh nein.

Hier ist ein kleiner Überblick über das, was als Vorbote für demnächst erscheinene Alben funktionieren soll. Oder als Nachklapp zu Alben, die uns im letzten Jahr ganz gut gefallen haben.

The Secnd - II [Believe Digital / Soulfood]

The Secnd wissen ziemlich genau, wo sie hinwollen. Aus Zutaten wie elektronischem Pop und stadiontauglichem Bombast mit Panic-At-The-Disco-Gedächtnis-Vocals hat sich die Band einen Hybriden zusammengebastelt, der definitiv nach oben strebt, gerne aber auch ein paar ambitioniert nach Querverweisen suchende Gourmethörer mitnehmen möchte. Die Reise führt die Band demnächst sogar ins Vorprogramm von Silbermond - keine Angst, so schlimm klingt "II" nicht in einer Sekunde. Aber man darf den vier Songs durchaus anheim stellen, dass sie aus Gründen der Radiokompatibilität die ein oder andere Ecke und Kante rechtzeitig abgesägt haben. Das wird Radiohörern dann auch gefallen, da bin ich sogar sicher.

Dikembe - Ledge [Jeremy Records]

Zu unseren liebsten Neuentdeckungen des letzten Jahres gehören fraglos Dikembe, deren zweites Album "Mediumship" es dann auch folgerichtig in die Nillson-Jahrescharts schaffte. Die "Ledge"-EP ist ein würdiger, vier Songs starker Nachklapp, der nochmal alle Stärken der Jungs aus Gainesville, Florida bündelt. Um es konkret zu machen: Träge Drums, nölig-genuschelter Gesang, schön lärmig-schräge Gitarrenriffs. Das ergibt vier mal entspannt brachialen Alternative, der weniger an der Hardcore-Schwelle steht als die beiden Alben, aber trotzdem schön stylisch daher kommt. Alle vier Stücke hätten uns auch nicht weniger davon abgehalten, "Mediumship" im letzten Jahr abzufeiern. Gerne immer mehr davon.

Golf - Ping Pong [Chateau Lala / Broken Silence]

Die EP von Golf ist in Wirklichkeit im März schon erschienen, hat mich aber nicht losgelassen, so dass sie jetzt doch nochmal zu Ehren kommt. Deren avantgardistischer Pop, der sich aus Gitarre, Gesang, Bass, Drums und Elektronik speist, klingt seltsam verschroben und traumwandlerisch; die Texte sind nur auf den ersten Blick NDW-einfach und bieten viel Interpretationsraum. Der Gesang ist aber so schön exaltiert, dass diese Band auf den Bühnen der hippen Festivals wie Melt, Dockville oder Appletree sehr schön aussehen dürfte und viele junge Menschen bestimmt gerne dazu tanzen. Ich für meinen Teil wollte das immer wieder hören um hinter den Style und die Kühle zu blicken. Das solltet ihr vielleicht auch tun.

The Artificial Harbor - The Artificial Harbor [Siluh]

Die EP von The Artificial Harbor aus Brixen in Südtirol umfasst dann sogar nur insgesamt drei Songs. Immerhin genug, um Blicke auf sich zu ziehen. So euphorisch klingt ihre Version von Sixties-inspiriertem Indierockpopfolkwhatever, dass man wirklich nur schwer weghören kann. Julian Angerers Englisch ist das einzige, was nicht so richtig ins Amerika-Bild passen will, zu deutlich höre wenigstens ich immer mal wieder den österreichischen Akzent heraus. Doch die drei Stücke sind über jeden Zweifel erhaben, entbehren nicht einer gewissen Hymnenhaftigkeit und dürften sich spätestens zur Veröffentlichung des ersten Albums in vielen Playlisten wiederfinden. Ein sehr gelungener Appetizer.

Toneron - Toneron [Sportklub Rotter Damm / Believe Digital]

Erfreulicherweise kommt inzwischen immer mehr auch isländische Musik in unseren Fokus, die nicht feengleich daherschwebt oder mit folky Naturromantik aufwartet. Wie Toneron zum Beispiel. Das Duo erweitert sogar die gängigen Vorstellungen von düsterem Synthiepop um einige Ideen, wie zum Beispiel, Achtung: Ein Saxophon. Bitte? Ihr dachtet, dieses Instrument sei tot? Dann hört euch bitte mal allein das erste Stück dieser EP namens "Backspacer" an. Die Musik von Toneron steht auf einem bekannten Gerüst, aber der Facettenreichtum der Isländer ist faszinierend. Dass das Schlagzeug bei aller Synthetik gerade nicht aus dem Computer kommt, hört man, und das tut den fünf Stücken auf der EP auch gut. Erinnert an Bands wie Torpedo, von denen man leider nicht mehr viel hört - bei Toneron sollte das anders laufen.

 

Texte: Kristof Beuthner