Rezensionen 29.02.2016

Neues aus dem Bureau B: Sølyst – »The Steam Age« und Qluster – »Echtzeit«

Zwei neue Veröffentlichungen auf Bureau B stehen exemplarisch für zwei Vektoren der Innovation mit denen »Krautrock« sich in die Musikgeschichte eingeschrieben hat: das Erkennen der Möglichkeiten des Rythmus und der Klangfläche.

Während auf Sølysts dritten Album »The Steam Age« der ewige Rhytmus das jeweilige Zentrum der Songs bildet, ist die Musik auf Qlusters neuem Album »Echtzeit« in diesem Sinne dezentral, da die Ambient-Flächen, die für die Stücke auf »Echtzeit« das leitende Element bilden und die HörerInnen durch das Album führt, sich in immer neue Richtungen bewegen. Repetition findet eher auf Ebene der Synthesizer- oder Klavierläufe, die die Band – derzeit bestehend aus Hans-Joachim Roedelius, Onnen Bock und Armin Metz – den rythmusfreien Flächen hinzufügt, statt. Das Album verdunkelt sich zwar an einigen Stellen, klingt im Ganzen jedoch warm, und liest man die ur-deutschen Songtitel wie »Verweile doch« oder »Auf der Lichtung« dazu könnte man fast sagen: romantisch. Wenngleich sich in den Titeln wohlmöglich bloß Qlusters Verpflichtet-Sein gegenüber ihrer eigenen Tradition, also Bands wie Harmonia oder Roedlius' früheren Projekten wie Cluster, selbstreflexiv ausdrückt.

 

»The Steam Age« von Sølyst bildet den maschinellen Gegenpol zum natürlich-klingenden »Echtzeit«. Kreidler-Schlagzeuger Thomas Klein hat für »The Steam Age« aus dem Korpus und den Saiten eines Klaviers die Grundelemente seiner Musik extrahiert, indem er mit den Händen auf diesem getrommelt, gekratzt oder das Klavier anderweitig mechanisch bearbeitet hat um daraus dann Sounds zu gewinnen, die zum Einem die rhytmische Grundlage seiner Songs bilden und andererseits als improvisatorische Elemente diesem Grundgerüst hinzugefügt werden. »The Steam Age« erinnert dabei – aufgrund des nie abreißenden Rhytmus und der gleichzeitigen Spontaneität an die ebenso technoiden Live-Experimente von Carter Tutti Void. Beide Alben – »The Steam Age« wie »Echtzeit« – ist, so unterschiedlich sie sind, dasjenige gemeinsam, was vielleicht die noch größere Errungenschaft des Krautrock war: die undramatische Improvisation.

 

"Echtzeit" von Qluster erscheint am 04. März 2016.

"The Steam Age" von Sølyst erscheint am 18. März 2016.

 

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