Fundgrube 14.07.2013

Öl und Schienen, Wurst und Pommes – Der Kunstbuchverlag 1%ofOne

„Kunst zu studieren gibt mir die Möglichkeit, das zu tun, worauf immer ich Lust habe.“, sagt Mitko Mitkov. Spontanität und die Lust auf Freiheit im künstlerischen Ausdruck äußern sich bei der Arbeit des 24-Jährigen aber keineswegs in Ziellosigkeit. Ganz im Gegenteil: Der Student der Hochschule für bildende Künste (HfbK) in Hamburg hat vor knapp zweieinhalb Jahren den Non-Profit-Kunstverlag 1%ofOne gegründet und ist seitdem Künstler, Unternehmer und Buchdrucker in Personalunion.

Seit 2011 ackert er für den Ausbau des Projekts und dessen nationaler und internationaler Vernetzung. Neben seiner Kernarbeit, der Herausgabe von Kunstbüchern, hat Mitkov mit 1%ofOne bereits Veranstaltungen im Golden Pudel Club in Hamburg, in der Pickpocket Gallery in Lissabon oder im HipHip Atelier in Sofia organisiert. Die Bücher des Verlags sind in Deutschland unter anderem in Fachgeschäften in Berlin, Hamburg und Leipzig erhältlich.

Stefan Fuchs, der die Entwicklung von 1%ofOne von Beginn an mitverfolgte, stieg vor einem Jahr als Partner ein. Was Mitkov als Plattform zur Präsentation seiner eigenen Fotografien startete, entwickelten die beiden Kunststudenten innerhalb kurzer Zeit in Richtung Multidisziplinarität. Die kleinen, amüsanten, tragischen Geschichten, die das Leben schreibt, dienen als Inspiration.

Das Medium Buch wird nun hauptsächlich von anderen Künstlern zur Vorstellung ihrer Arbeiten genutzt. An Konzeption, Layout und Design der Bücher arbeiten Mitkov und Fuchs in engem Austausch mit den Künstlern.  Die Darstellung der Kunst in Buchform bietet dabei für alle Beteiligten ein Maximum an künstlerischer Freiheit. Jedes Exemplar ist ein Unikat und wird in akribischer Handarbeit im Atelier in der HfbK hergestellt. Wo es passt, werden Darstellungsformen kombiniert. Digitales und analoges schließen sich nicht aus. 1%ofOne beweist: Man muss nicht das eine links liegen lassen, um mit dem anderen zu arbeiten. Wie selbstverständlich nutzt der Verlag Digitalprint auf einem klassischem Medium, dem Buch. Bei der Gestaltung der Bücher experimentieren Mitkov und Fuchs aber auch mit verschiedenen Verfahren wie Offset-Druck, Bleisatz und Siebdruck. Dadurch gelingt es für jedes Buch eine einzigartige Stimmung zu erzeugen.

Die Bücher von 1%ofOne sind perfekte Begleiter für die nächste Überlandfahrt in einem klapprigen Regionalzug. „Dein kleiner Bahnhof zieht an meinem Zug vorbei und der duftet süß nach Holz, nach Öl und Schienen, Wurst und Pommes.“, heißt es in einem Gedicht von Leopold Nilski in Buch Nr. 12. Man meint es förmlich riechen zu können.

Bestellt werden können die Bände im Netz über den Shop von dieNacht und direkt über die Webseite des Verlags. Weitere Informationen und allerhand Bildmaterial sind über oneofone-verlag.tumblr.com einsehbar.  

 

Text: Daniel Deppe
Fotos: 1%ofOne Verlag