Rezensionen 28.02.2016

REKK - Sixtytwo [Stargazer / Broken Silence]

Meine Damen und Herren, richten Sie bitte Ihren Blick auf Dortmund, und nicht wegen Fußball: Von dort kommt die Band REKK, die eines der schönsten (Folk-)Popalben dieses Frühlings aufgenommen hat.

Matti Kaiser und seine Band REKK haben schon eine ganze Menge zu erzählen. Den Föderpreis für junge Künstler in Dortmund haben sie gewonnen, bei den umjubelten Annenmaykantereit haben sie im Vorprogramm gespielt und durften sich einem größeren Publikum nachhaltig ins Gedächtnis spielen. Schon diese zwei Fakten geben genug Vorschusslorbeer, um vom Debüt „Sixtytwo“ ein bisschen was zu erwarten.  Dabei ist es keinesfalls so, als würde die Band sich einem mit ausgebreiteten Armen an den Hals werfen. Dafür klingen die zwölf Stücke auf der Platte auch einfach zu introvertiert. Clevererweise drehen REKK den Spieß so um, dass man selbige schon nach dem ersten Hördurchlauf von selbst gern umarmen würde. Alles klingt wie eine Musik gewordene Kuscheldecke, wie ein guter Freund, eine tröstende Hand. Der Sound hüllt dich ein und sorgt für einen wohligen Schwebezustand. Das liegt nicht nur an Matti Kaisers warmer Stimme, von der man sich zu gerne erzählen lassen würde, dass schon alles gut werden wird, sondern auch am feingliedrig-schöngeistigen Folkpop, den die Band wie flüssiges Gold in unsere Ohren gießt. Die Percussionabteilung streichelt ihr Instrument sanft und doch präzise, die Gitarren spielen herrlich filigrane kleine Melodiebögen, eine Mundharmonika sorgt für die Bodenhaftung und sorgsam eingebastelte Bläsersätze für den gelegentlichen Ausflug in himmlische Gefilde. Manchmal schauen Klavier und Streicher vorbei, ein Glockenspiel, es bleibt organisch, direkt, die ganze Zeit über. Der Opener „Turn & Sing“ vereint interessanterweise gleich zwei Songtitel der geliebten Schotten von Travis, aber die sacht melancholische Getragenheit in all dem Glanz hätte tatsächlich auch Fran Healys Stimme gut zu Gesicht gestanden. Die Single „Lift Me Up“ beginnt mit elegischen Soundscapes, bevor sie im Refrain Tempo aufnimmt und von Bläsern untermalt ihrem Namen gerecht wird.

Wenn sich REKK zum Ausklang der Platte vor dem großen Chris Isaak verneigen und seinen Evergreen „Wicked Game“ interpretieren, hat man das Debüt einer Band gehört, die sich vor dem melancholischen Softpop der 80er genauso verneigt wie vor filigranem Folk und daraus ein wundervoll eigenständiges Konstrukt geschaffen hat. „Sixtytwo“ ist ein Album für die ersten Sonnenstrahlen, für Nachmittage im Sessel am offenen Fenster und die kleineren Nachdenklichkeiten und Sehnsüchte des Lebens. Und so mit all seiner Wärme und Strahlkraft ein Genuss durch und durch.


Text: Kristof Beuthner