Rezensionen 28.04.2017

Maximo Park - Risk To Exist [Daylighting / Cooking Vinyl]

Maximo Park stellen einem viele Fragen mit ihrem neuen Album: Will man seine Lieblingsband tatsächlich immer wieder die gleiche Suppe kochen lassen? Will man nur aus alter Verbundenheit jeden Weg mitgehen, der diese Band einem vorgibt? Und warum nicht?

Seit der ersten Begegnung mit einem exhaltiert springenden, verboten sympathischen und beeindruckend energiegeladenen Paul Smith bei Rock am Ring 2005 - dereinst um 13:00 auf der Alterna-Stage! - sind inzwischen fast zwölf Jahre vergangen. Zwölf Jahre, in denen man sich Maximo Park und ihrem brillanten, mit Hits förmlich gespickten New Wave-Rock geradezu verschrieben hat. Wenn man ehrlich ist, hielt die Liebe eigentlich nur drei Jahre. Denn das Versprechen, das das Debüt „A Certain Trigger“ gegeben hatte, konnte eigentlich nur dessen Nachfolger „Our Earthly Pleasures“ halten. So perfekt. Der Sound. Die Attitüde. Aber auch die Poesie. Paul Smith als brillanter Texter, der auch auf der Bühne gerne Gedichte rezitiert: Das passte ins Bild des belesenen, klugen und emotionalen Briten, der aber zum passenden Song auch gerne die Tanzfläche stürmt. Melone und schwarzer Mantel waren wieder state of the art.

Was dann folgte, war eine stetig voranschreitende Selbstdemontage der alten Helden. Mit dem alten Sound lief es nicht mehr richtig, wie Maximo Park auf „Quicken The Heart“ bewiesen; auf „The National Health“ gelang ihnen wenigstens mit „Until The Earth Would Open“ nochmal ein Hit vom alten Schlag. Ja und dann? Dann spielte die Band mit „Too Much Information“ plötzlich Depeche Mode und präsentierte ihren Sound in dunklem Wavepop-Gewand. Das war ein mutiger Sinneswandel, geriet aber nicht gerade zur Herzensangelegenheit. Nun ist „Risk To Exist“ ein weiterer Wandel der Band, den Smith und Co. schon programmatisch in den Albumtitel aufgenommen haben. Das sechste Maximo Park-Album klingt plötzlich funky und glitzerig; nicht ganz so drastisch Disco wie das Mando Diao auf ihrem letzten Album „Aelita“ durchgezogen haben, aber schon so, dass es uns wieder vor den Kopf schlägt. Zumal das Songwriting von Paul Smith immer noch nicht wieder zu alter Stärke gefunden hat. Den schalen Scherz, den Titel des Openers („What Did We Do To You To Deserve This?“) wiederum programmatisch für den Rest der elf Tracks zu verstehen, sparen wir uns an dieser Stelle. Aber da ist nichts das zündet, nichts das überzeugt. Alles plätschert, und nachdem man „Aha, schon wieder neuer Sound?“ gedacht hat, hat man „Risk To Exist“ auch schon wieder vergessen. Wobei, stopp! - Wenigstens „The Reason I Am Here“ lässt nochmal alte Gefühle hochkochen. Es bleibt leider die einzige Verbundenheit gegenüber dem, was diese Band einst so groß gemacht hat. Das ist schade - denn noch schlimmer als ein schlechtes Album von alten Helden, auf das man mit Fug und Recht wütend sein darf, ist eines, das einem vollkommen gleichgültig ist. So versandet eine alte Liebe langsam aber stetig und zurück bleiben nur ein paar Fotos, zwei Alben und die Erinnerung an zahllose tolle Momente aus einer Zeit, in der diese Band das Maß aller Dinge für uns war. It’s still good that you exist - but will you please stop to risk?

Text: Kristof Beuthner