Rezensionen 26.07.2017

Rozwell Kid - Precious Art [Side One Cummy / Cargo]

Ein Album, das die Welt nicht braucht, ist nicht unbedingt auch ein Album, das wir nicht brauchen. Klar hat niemand auf eine Band gewartet, die klingt wie ein Weezer-Tribute. Für einen adäquaten Spätsommer-Soundtrack ist es dennoch genau das richtige.

Und so freut man sich ganz gehörig und ein dickes Grinsen reicht von Ohr zu Ohr, wenn die ersten Töne vom Opener „Wendy’s Trash Can“ vom neuen Rozwell Kid-Album „Precious Art“ den Weg aus den Lautsprechern in die Gehörgänge findet. Denn: Von Rivers Cuomo und seiner Band wurde man nun wirklich schon lange nicht mehr mit Qualität verwöhnt, was natürlich nichts daran ändert, dass kaum eine Mittelstufen-Geschichte von damals mit Verweisen auf das blaue, später dann das grüne Album oder das unerreichte „Pinkerton“ auskommt. Jordan Hudkins und sein Rozwell Kid haben da mit Sicherheit auch die eine oder andere Anekdote beizusteuern, so sehr und so deutlich huldigt „Precious Art“, das erste Album der Band übrigens auf dem tollen Side One Dummy-Label. Zwar gehen Rozwell Kid mit dem Tempo etwas mehr nach vorne - gemessen an Weezer-Klassikern wie dem „Sweater Song“ oder „My Name Is Jonas“, aber ansonsten ist alles da, was wir damals so liebten: Die glasklaren, überschwänglich-mehrstimmigen Emo-Punk-Harmonien, die dickhosigen Riffs, die Slacker-Attitüde eines bebrillten Außenseiters, dessen Zeit im Leben - so viel ist sicher - schon irgendwann kommen wird, wenn die Quälerei in der Highschool vorbei ist, aber eben auch all die „woooo“s und „baaaaa“s und „ooooh“s im Hintergrund, die schon Weezer immer zu einer bestens geeigneten Sommerband gemacht hatten. Vielleicht tut man Hudkins und seiner Truppe auch Unrecht, ihr neuestes Werk so konsequent am Erbe Rivers Cuomos zu messen, aber das Schöne ist ja, dass es dem Vergleich standhält: „Total Mess“, „MadTV“ oder „Wish Man“ mögen sich in ihrer Zutatenliste hingebungsvoll am Vorbild orientieren, aber so wie es vor zwei Jahren schon Heyrocco mit ihrem „Teenage Movie Soundtrack“ gelungen ist, den guten alten Emo-Punk-Pop-Trash inklusive Teenage Angst und Pubertätspeinlichkeiten auf brillante Weise zu reanimieren, gelingt Rozwell Kid das gleiche mit Weezers unwiderstehlich-sonnigen Slacker-Hymnen. Und da ist noch so viel Sonnenschein in diesem Jahr, um das Autofenster herunterzukurbeln und zu diesen fantastisch-sympathischen Songs durch die Gegend zu cruisen und sich wieder zu fühlen wie im Sommer von wasweißich, mit einer Träne im Knopfloch für all die Versäumnisse und einem dicken Strahlen wegen der coolen Erinnerungen. Nein, „Precious Art“ ist sicher kein Album, auf das die Welt gewartet hat. Aber es ist definitiv eines, das verdammt Spaß macht.


Text: Kristof Beuthner