Rezensionen 09.03.2018

Soccer Mommy - Clean [Fat Possum / Al!ve]

Was ein Bandname: Unter Soccer Mommy erwartet man nun wirklich einiges, vorwiegend prolliges, definitiv aber lautes und brachiales, so wie die Mütter, die am Spielfeldrand stehen und jeden Trainer ihrer Söhne locker übertönen. Damen und Herren: Was für ein herrlicher Trugschluss!

Die gute Sophie Allison aus Nashville, Tennessee, hat bereits etliche DIY-Tracks via Bandcamp ins Internet gestellt und das Beste daraus unter dem Namen „Collection“ als Debüt-Album - also eher einer Art Best-Of - veröffentlicht. Verstärkt um eine „richtige“ Band und hochkarätige Leute an den Reglern (Gabe Wax legte soundtechnisch Hand an Deerhunter oder The War On Drugs, Ali Chant arbeitete mit Aldous Harding und PJ Harvey) geht es mit „Clean“ nun also an den ersten regulären Longplayer, der auch als solcher konzipiert war. Und um die eingangs geäußerte Skepsis ob des seltsamen Alter Egos von Sophie Allison nochmal aufzugreifen: „Clean“ klingt weder nach Soccer noch nach einer Mommy. Die Jugend und die Feinfühligkeit dieser Dame nämlich sind es, die dieses Album so erfrischend machen. Sophie Allisons unprätentiöses Songwriting stellt sie als Künstlerin vor allem mit ihrer tatsächlich sehr hübschen Stimme zwar in den Fokus ihrer Songs, schiebt sich genau so wenig in den Vordergrund, dass ihr Gesang genauso gut aus dem Zimmer nebenan kommen könnte. Im Studi-Wohnheim zum Beispiel. Meinetwegen auch aus dem Zimmer deiner Schwester, wenn ihre gesangstechnisch recht begabte Freundin zu Gast ist und ihr ihre neuen Lieder präsentiert. Passt auch thematisch ganz gut: Sophie Allison besingt auf „Clean“ den Alltag eines jungen Mädchens ohne Glam und Chic, sondern sehr geerdet und reflektiert. Klar handelt es sich um die Liebe, die mal gut und mal nicht so gut endet, hey, das ist das Leben. Wenn Allison nach einem gebrochenen Herzen wieder aufsteht, klingt sie auch mal ein wenig bissig, insgesamt wohnt den zehn Stücken auf „Clean“ aber vor allem eine Melancholie inne, wie sie eben ein realer Mensch transportiert und nicht das nächste All-American-Girl. Dass die Soccer Mommy dabei eine wunderbar gelassene Poppigkeit im Gepäck hat, macht „Clean“ zu einem sehr charmanten Begleiter, wenn das Leben mal wieder komisch zu einem wird. Die Band hält sich dezent zurück und legen einen entspannten Drive unter Allisons Gesang, das leicht Verträumte in Soccer Mommys Sound ist sein großes Plus. Die häufig schön queren Alternative-90s-Harmonien machen dann auch die Zeitreise fix. Und das gute an Allisons Alter Ego ist dann, dass man einer solchen Platte vermutlich, veröffentlicht unter ihrem bürgerlichen Namen, nicht so schnell aufgeschlossen gegenüber gestanden hätte - bei einer Soccer Mommy hören wir gerne genauer hin. So gesehen gratulieren wir zu einem cleveren Schachzug und einem wunderbaren Alternative-Pop-Album, das uns dieses Jahr sicherlich noch länger Freude bereiten wird.


Text: Kristof Beuthner