Rezensionen 12.11.2012

Svavar Knútur - Ölduslóð [Beste! Unterhaltung / Broken Silence]

Nein, ich möchte in dieser Review eigentlich überhaupt nichts sagen über isländische Musiker, reduzierten Folk und heimelige Naturromantik. Aber wenn doch alles so zusammen passt? Das Reservoir an dort beheimateten Bands und Künstlern, die für den Himmel aus unseren Lautsprechern sorgen, ist schier unerschöpflich.

Svavar Knútur ist da im Grunde kein Unbekannter mehr, wenngleich er hierzulande nach wie vor nicht mehr ist als ein großer Geheimtipp. Was ihn schon mal abhebt von der Masse anderer, sich selbst wohl als Folkie oder Singer/Songwriter bezeichnenden Musikschaffender abhebt, ist, dass von ihm die Rede als Troubadour ist, und das hat es selten. Damit assoziiert man die Geschichtenerzähler, die Poeten, aber auch die Edlen, die Eleganten. Das passt auch im Falle von Knúturs neuestem Album "Ölduslóð" ausgezeichnet. Seine Musik ist nicht innovativ oder neu, dafür umso zärtlicher instrumentiert und umso harmonieseliger ausgeschmückt. Sein zartes Gitarrenspiel wird nur sporadisch angereichert durch dezente Bläser, kaum gestreichelte Percussions und vielen instrumentellen Kleinkram. So weit, auch so althergebracht, aber wer diese Mischung mit ausgezeichnetem Songwriting paart, der wird auch immer wieder mit ihr erfolgreich sein, so zeitlos und innig ist sie, so allumfassend könnte man allein durch sie sprechen. Und da kommen wir dann endlich zum Punkt, der erklärt, warum man Svavar Knútur zuhören sollte und so vielen anderen nicht. Ich erwähnte ja bereits das Gespür für erlesene Harmonien und Melodien, doch "Ölduslóð" wird zu einem vollendeten Meisterwerk erst durch Knuturs warme, weiche Stimme, mit der er sich neben Landsleute wie Benni Hemm Hemm oder Schöngeister wie Jens Lekman stellt. Die isländischsprachigen Stücke wie den Titelsong wird man schwerlich verstehen, aber dem Isländischen ist einfach so herrlich zu lauschen, dass es wie bei allen anderen Native Speakers auch nicht ins Gewicht fällt. Ganz wundervoll aber sind seine englischen Texte, denen man sehr gut folgen kann. Auf "Baby Won't You Marry Me", bei dem die hochgeschätzte Marketa Irglova Gastvocals beisteuert, kann Svavar Knútur mit Wortwitz glänzen ("Baby, would you marry me under an apple tree or the bottom of the sea or maybe on a train to Spain?") und die "Humble Hymn" ist ein goldglänzendes Plädoyer für unsere allzu menschlichen Schwächen ("Without our failure there's no redemption. And so we take our chances to fall and rise with equal grace"). Und um dann abschließend doch nochmal auf die Naturromantik zu sprechen zu kommen: ob man will oder nicht, man sieht zu all dem die Schneeflocken fallen und das Feuer im Kamin prasseln. Wenn außer Wärme und dem Mindesten an Musik nichts mehr da ist, bleibt, sich auf das Wesentliche zu besinnen. Hier gewinnt Svavar Knútur auf ganzer Linie und erreicht, quasi als Nachfolger der - ebenfalls aus Island stammenden - Pascal Pinon, den Status als Interpreten der Winterplatte 2012/13.


Text: Kristof Beuthner