Artikel 14.11.2011

Ungewohnte Festival-Dekadenz - Nillson beim Rolling Stone Weekender

Die Festivalsaison ist gefühlt schon längst vorbei und da versteckt sich im tiefen Herbst doch noch ein musikalischer Leckerbissen. Rolling Stone Weekender, das Indoor-Komfort-Festival am Weissenhäuser Strand. Ein kaum zu toppendes Line-up, gemischt mit einer skurrilen Kurortatmosphäre weckt unsere Neugier. Geblendet von den guten Bands gönnen wir uns das Kombiticket mit 4 Sterne Hotelzimmer und sind gespannt was uns erwartet.

The Notwist sollen auf der Zeltbühne das Event eröffnen und fast pünktlich um 17 Uhr öffnet die Zeltbühne. Eine ganz überschaubare Menschenmasse stürmt das Zelt, um sich von der Band um Markus Acher beeindrucken zu lassen. Der Vorteil an den Zeltbühnen-Konzerten ist schnell ausgemacht. Hier werden mit eineinhalbstündigen Sets fast ganze Konzertlängen gespielt. Was bei dem Line-up der kommenden Tage purer Luxus ist. The Notwist überzeugen ohne Zweifel.

Im Anschluß bleibt etwas Zeit um das Gelände zu erkunden. Es gibt insgesamt 4 Locations, die wir mit etwas Mühe auch später alle finden. Das Rondell, in dem gerade Evening Hymns spielen, ist so gut wie voll. Es kommen nur noch Leute rein, wenn vorher andere raus gehen. Im Baltic Festsaal ist es noch etwas schlimmer. Da gibt es eine riesige Schlange aus Menschen, die gerne Portugal. The Man sehen und hören möchten. Diese Tatsache macht uns die Entscheidung, zu Death Cab For Cutie zu gehen, etwas leichter. Und das werden wir auch nicht bereuen.

Die Zeltbühne wird auch im weiteren Verlauf des Abends unsere Hauptanlaufstelle. Der entspannte Folk-Sound der US-amerikanischen Fleet Foxes sind eine willkommene Abwechslung.

Danach trauen wir uns noch einmal den Ort zu wechseln. Mit etwas Glück haben wir zum Ende des Abends auch die letzte Location gefunden. Das Witthüs, in dem gerade Jonathan Wilson spielen, begrüßt uns in einladender Lounge-Atmosphäre mit Neonlicht und bequemen Sitzsäcken. Musik und Räumlichkeiten überzeugen uns schnell und auch der allgemeine Ansturm scheint deutlich nachgelassen zu haben. Hier lässt es sich aushalten.

Am Ende des Abends wird dann noch mal kurz bei Wilco vorbeigeschaut. Die können mich leider nicht mehr mitreißen. Auf jeden Fall reicht die Aufmerksamkeitsspanne nicht mehr aus, um das Konzert bis zum Ende zu hören und wir beenden Tag Eins an dieser Stelle.

Tag Zwei beginnt mit den angenehmen Seiten eines "Komfort-Festivals". Es gibt ein ausgiebiges Frühstücksbuffet was keine Wünsche offen lässt. Mit vollem Magen kann sich der dekadente Festivalbesucher, mit dem eigens eingerichteten TV Sender, auf dem Hotelzimmer mit Konzert-Aufzeichnungen auf den Abend vorbereiten oder die Zeit einfach im Thermalbad vergehen lassen.

Der musikalische Teil des Tages beginnt dann mit An Horse und wir sehen zum ersten Mal den Baltic Festsaal von innen. Eine überschaubare Location die An Horse schon am frühen Abend sehr gut einzuheizen weiß.

Danach gibt es gleich noch ein weiteres Grand Hotel van Cleef Highlight obendrauf. Der wunderbare Thees Uhlmann spielt mit seiner Band. Für mich persönlich zählt Thees zu einem meiner unangefochtenen Lieblingsmenschen der deutschen Musiklandschaft. Grandiose Texte, eingängige Melodien und obendrauf eine unübertroffene Portion Grundsympathie.

Und dann folgen fast nahtlos die unglaublichen Explosions In The Sky. Ein Konzert, was sich später als absolutes Highlight entpuppen wird. Es beeindruckt mich immer wieder, wenn es eine Band schafft, mich ohne Gesang so gut zu unterhalten. Momente in denen man eine Stecknadel fallen hört, gefolgt von Augenblicken, in denen es unmöglich ist sein eigenes Wort zu verstehen. Eine atemberaubende Stimmung.

Danach nutzen wir den Vorteil der endlos scheinenden Zeltbühnen-Konzerte. Wir haben 30 Minuten Nada Surf verpasst und können trotzdem noch eine ganze Stunde zuhören. Und so bekommen wir noch 60 lange Minuten mit vielen Eindrücken aus dem neuem Album, was im Januar 2012 raus kommt.

Es ist spät geworden und wir haben schon alles gesehen und gehört, was auf unserem persönlichen Pflichtprogramm steht. Am Ende schauen noch kurz bei Elbow vorbei und beenden dann unser dekadentes Musikwochenende

Man muss nicht mal da gewesen sein um zu wissen, dass sich dieses Festival in vielen Punkten von den "normalen" unterscheidet. Das Durchschnittsalter ist gut 10 Jahre höher als wir es gewohnt sind und auch die Unterkünfte sind nicht zu vergleichen mit den üblichen Campingsituationen. Aber wer sich dessen bewusst oder ganau das zu schätzen weiß, dem sei dieses Event sehr ans Herz gelegt. Es hat uns jedenfalls sehr gefreut und wir lassen 2012 das Line-up entscheiden, ob wir wiederkommen.

Death Cab for Cutie
Death Cab for Cutie
Death Cab for Cutie
Explosions In The Sky
Explosions In The Sky
Explosions In The Sky
Explosions In The Sky
Fleet Foxes
Fleet Foxes
Thees Uhlmann
Thees Uhlmann
Thees Uhlmann
Thees Uhlmann

Text und Fotos: Stefan Kracht

Links zum Thema: Rolling Stone Weekender