Neuigkeiten 09.10.2016

Verschlungenes Debut: Soft Grids »Corolla« – Album-Release und Tour

Bisher tauchte der Name Soft Grid hin und wieder lediglich wie ein Geist ohne Trägermedium auf. Man hörte zwar schon, dass es sich hier um das neue Projekt von Theresa Stroetges (Golden Diskó Ship) und Jana Sotzko (The Dropout Patrol) ergänzt am Schlagzeug durch Sam Slater handelt, aber wie sich das am Ende anhören würde, wusste lediglich, wer eine der vereinzelten Live-Shows der Band sehen konnte. (Oder die 2014 als Duo in einem Potsdamer Kinderkrankenhaus aufgenommene EP »Stingrays« besaß.) Am 14. Oktober erscheint mit »Corolla« (ANTIME Records) nun das Debut-Album der Band. Am gleichen Tag startet auch die Tour zum Album.

Mindestens einmal zu oft fiel ich nun darauf herein: Tun sich mehrere geschätzte Musiker_innen zu einem neuen Projekt zusammen, so stand die Erwartung, dass die sich gegenseitig so ergänzen, dass die Qualität der Einzelstimmen sich vielleicht potenziert oder addiert, also dass das Ergebnis dann eben doppelt (dreifach, n-fach) so gut ist, wie das, was die Einzelnen sonst machten. Diese Rechnung ging nur selten auf. Sowieso ist es auch viel interessanter, wenn die Neu-Zusammengeschlossenen etwas komplett anderes machen, wo das, was man von ihnen sonst zu hören gewöhnt war, höchstens noch diffus durchschimmert.

 

Aber dennoch: Wie wird es wohl klingen, fragte ich mich selbst doch leicht im Schwärmen, wenn Ambient-Künstler Sam Slater, Jana Sotzko (von The Dropout Patrol und Petethepiratesquid) sowie Theresa Stroetges (Golden Diskó Ship) ein gemeinsames Bandprojekt starten: Ein Boden aus Field-Recordings und Elektronik auf dem Sotzko und Stroetges sich zweistimmig ausbreiten nebst gelayerten Gitarren und vertrackten Beats? Oder eher schwer durchdringliche elektronische Improvisationen, wie Stroetges und Sotzko sie im Rahmen ihren Impro-Kollektivs Epiphany Now auch spielen?

 

»Herzog on a Bus« – der Opener ihres Debut-Albums »Corolla« (ANTIME Records), zu dem vor einiger Zeit bereits ein Video erschien – zerstörte die Traumgebilde auf einen Schlag: Ein schweres Schlagzeug über einer tief-bassigen Fläche setzt unvermittelt ein und man könnte denken hier eher irgendwas vom Label Opal Tapes zu hören – bis kurz darauf der Gesang einsetzt, der in seiner Geschichtetheit und Repetitivität dann doch an Golden Diskó Ship erinnert, ebenso wie die Gitarre und die weiteren elektronischen Klänge, die nach und nach hinzukommen.

 

 

Wie schon in dem Eröffnungssong so finden auch in den restlichen vier Stücken des Albums derart viele Transformationen statt, dass man in Ratlosigkeit verfallen kann, wie der Song sich denn grade in diese Richtung entwickeln konnte, ist man einmal kurz unaufmerksam. So gibt es auf »Corolla« Passagen, die wie eine gesteigerte Form (der guten Arten) von Post-Rock klingt, in denen Bläser und Stroetges Violine zum Einsatz kommen und Slater am Schlagzeug so voranprescht, dass man sich dann bald schon fast auf Noise-Rock-Terrain wiederfindet. An anderer Stelle wieder treten blinkende, Emeralds-mäßige Synthesizer in den Vordergrund oder gibt es wiederum Passagen, die das Album auf gradlinigere Pop-Bahnen zurückführen.


Obwohl nur fünf Songs stark, wuchert »Corolla« ständig sanft in neue Richtungen, sodass diese fünf jeweils wie mehrere sich durchdringende Lieder in einem wirken und sich, trotz einiger Leitthemen, dabei immer vorwärts entwickeln. Die Dauer ist wie aufgehoben. Man ist manchmal leicht verloren. Eine schöne Verirrung aber.


Okt. 14: Leipzig, Handstand & Moral w/ Tendre Biche

Okt. 15: Karlsruhe, P8 – 10 Jahre K-Gruppe Konzerte

Okt. 16: Marburg, Trauma im G-Werk w/ Flower Strangers

Okt. 17: Hamburg, Astra Stube w/ Exchampion

Okt. 18: Offenbach, HfG Kapelle w/ FUN FARE

Okt. 19: Würzburg, CAIRO, Jugendkulturhaus Würzburg w/ FUN FARE

Okt. 20: Eisenberg w/ FUN FARE

Okt. 21: Chemnitz, Zukunft w/ Dwarphs, Vögel die Erde essen

Okt. 22: Nürnberg, Musikverein im K4 – 40 Jahre Musikverein

Okt. 23: Passau, Freiraum w/ Knusprige Wimpern

Nov. 26: Berlin, Kantine am Berghain w/ Me Succeeds


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Text: Aiva Kalnina