Travels - Robber On The Run [Own Records / Al!ve]
Bei näherer Betrachtung stelle ich fest: es ist schon lange nichts mehr zum Thema Own Records aus Luxemburg geschrieben worden. Dem Label, dass die Nillson-Gemeinde so gern hat. Warum eigentlich nicht? Veröffentlichungen gibt es doch von denen! Da wäre beispielsweise „Robber On The Run“ von Travels, einem Duo, bestehend aus Mona Elliott von Victory At Sea und Anar Badalov von den Metal Hearts. Und auch wenn die Platte schon ein paar Tage draußen ist, sei doch das ein oder andere Sätzchen dazu vonnöten. Denn irgendeinen Grund muss es ja haben, dass eine Platte aus dem Hause Own in meinem Rezensionsstapel trotz terminlicher Dringlichkeit immer weiter nach unten wandert und auch nach dem mittlerweile dritten Hördurchgang die Worte nicht aus mir heraussprudeln. Schuld daran ist nicht etwa die mangelnde Qualität der elf Songs von „Robber On The Run“, bei dem sich gezupfte Gitarren mit schleppendem Schlagzeug und verspult zweistimmigem Gesang vereinen. Vielmehr ist es wohl die Tatsache, dass den Songs eine für diese Jahreszeit nicht eben wohltuende Kühle anhaftet, die auch ein eingestreuter Bläsersatz im Hintergrund hier und da nicht wettmachen kann. Man steht ein bisschen davor und staunt, ist aber eben erst nach dem vierten oder fünften Mal hören fasziniert, wie sehr Elliott und Badalov hier aneinander vorbeizumusizieren scheinen, bis sich schließlich doch ein stimmiges Gesamtbild inmitten der beiden Gehörgänge ergibt. Überhaupt fehlt die Wärme, die an früheren Own-Releases dieses Jahres wie S oder den Trouble Books fürs Gefangene machen gesorgt hatte, fast völlig. Kein Manko, ohne Frage – eine Begründung vielleicht aber dafür, dass es mit dem warm werden nicht leicht war dieses Mal. Dass es trotzdem gelingt, ist der Intensität geschuldet, die Elliott und Badalov aufbauen, wenn sich in all der Spärlichkeit und vordergründiger Stille die Stimmen finden und sich die Hand reichen statt nebeneinander herzulaufen, und sich plötzlich Wege auftun, Pfade, denen man vom Standpunkt der Geradlinigkeit auch um Kurven und Ecken folgen möchte. Dann kommt man zu dem Schluss, dass es eine wundervolle Platte ist, die auch in einem halben Jahr noch gut sein wird, wenn man mit Kälte wieder besser umgehen kann. Und dass die Platten, für die man Zeit braucht, meistens auf eine lange Zeit bleiben werden.
Text: Kristof Beuthner
Links zum Thema:
Travels bei Myspace
Datum: 29.07.2010, 18:38 Uhr
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