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<lastBuildDate>Wed, 02 May 2012 22:33:00 +0200</lastBuildDate>
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<title>Zwischen Whiskey und Smartphones: Dave Hause live.</title>
<link>http://www.nillson.de/artikel/zwischen-whiskey-und-smartphones-dave-hause-live.html</link>
<description>Ohne Schnickschnack und mit viel Gefühl begeistert der US-Amerikaner im Bremer Tower Musikclub. Ausrüstung: eine alte Gitarre und eine raue Stimme.</description>
<content:encoded><![CDATA[„Auf der Bühne fällt alles von mir ab. Es fühlt sich nie an, als würde ich nur meinen Job machen. Ich mache in dem Moment einfach das, was ich am Liebsten tue: Musik.&quot; Dave Hause hat gerade seinen Auftritt im Bremer Tower Musikclub hinter sich und gönnt sich ein Stück Salami-Pizza im Backstage-Bereich. Die Atmung ist noch etwas schnell, der Schweiß noch nicht getrocknet. Er hat nicht mehr diesen vor Euphorie strotzenden Blick wie noch vor wenigen Minuten auf der Bühne. Er ist ruhig, ernst und direkt. So schaut jemand, der weiß, dass er soeben richtig gute Arbeit geleistet hat.<br />Sein Auftritt war stark – stark gefühlsbetont. Der Musiker Dave Hause versteht es wie nur wenige seiner Branche, Emotionen zu transportieren. Alles echt? „Man darf nicht vergessen: Was wir machen ist Entertainment. Die Leute kommen nur zu uns, wenn wir sie gut unterhalten. Dazu gehört eben mehr, als nur gute Musik zu machen.“<br />Ein Rückblick auf das Konzert zeigt, was er damit meint. Der Bremer Club ist mit knapp 200 Zuschauern für einen Sonntagabend sehr gut gefüllt. Hause betritt die Bühne und hat von diesem Augenblick an sein Publikum für die nächsten knapp 90 Minuten vollkommen im Griff. Ob er sich bei seinen guten Freunden Brian Fallon und Chuck Ragan etwas abgeschaut hat? Immerhin begeisterte Dave Hause 2011 gemeinsam mit den Bandleadern von The Gaslight Anthem, Hot Water Music und anderen Musikern unter dem Projektnamen The Revival Tour auf Konzerten rund um den Globus.<br />Die Bühne ist leer. Keine Banner, keine Instrumente, nicht einmal Kabel. Nur Hause und seine Gitarre – und seine Stimme. Der etwas klein geratene US-Amerikaner macht das spärliche Bühnenbild mit seinem Gesang unbedeutend. Zwischen seinen Songs – eine Mischung aus Eigenkompositionen und&nbsp; Coverversionen – sucht er immer wieder offensiv den Kontakt zum Publikum. Er lässt sich während des Singens eines Stückes mit einem Fan filmen, Fotos und Videos sind erwünscht. Schnell läuft der Songwriter heiß und gibt Gas. Das Personal reicht ihm mittlerweile das dritte Glas Whiskey. Stilecht und natürlich ohne Schütteln kippt er den Tennessee die Kehle runter. Ein Auftritt, der Künstler und Fans gleichermaßen gefällt.<br />Bemerkenswert: Bei seinem wohl bekanntesten Hit „C'mon Kid“ - den er weitgehend nur melodisch begleitet, da das Publikum das Singen übernimmt - lässt er Smartphones und Kameras noch zu. Doch bei dem letzten Stück des Abends weist er das Publikum an Technik Technik sein zu lassen und einfach den Moment mit ihm zu genießen. Zur Belohnung steigt er für den Hot Water Music-Titel „Trusty Chords“ von der Bühne, entsagt seiner Gitarre dem Strom und spielt im Kreise seiner Fans eines seiner Lieblingslieder. „I hate this place, but I love these chords“, schallt es aus 200 Kehlen durch den Tower. Irgendwie paradox: In diesem Moment liebt er diesen Platz. Umringt von seinen Fans, Menschen die nur ihm lauschen, blüht er auf. Später wird er sagen, dass es das beste Konzert war, dass er auf seiner Tour gespielt hat. Alles echt? Das sei dahingestellt. Aber: Definitiv ist Dave Hause ein Künstler mit dem Herz am rechten Fleck.<br /><br /><i>Text: Marcel Waalkes</i><br />]]></content:encoded>
<category>Artikel</category>
<pubDate>Wed, 25 Apr 2012 09:24:00 +0200</pubDate>
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<title>Von Eulen und Kopfkino</title>
<link>http://www.nillson.de/artikel/von-eulen-und-kopfkino.html</link>
<description>Der Mann hinter dem Mischpult hat ein Cannible Corpse-Shirt an. Das passt dem ersten Eindruck nach nicht wirklich zu den elegisch-noisigen Sounds von Maybeshewill und der Sigur Rós-One-Man-Show des Supports Howard James Kenny. Der Überraschungseffekt liegt jedoch an diesem Montag Abend im Kölner Blue Shell definitiv auf seiner Seite, wie sich im weiteren Verlauf herausstellen wird.</description>
<content:encoded><![CDATA[Zunächst beginnt besagter Howard James Kenny pünktlich um 20 Uhr inmitten seiner Effekt- und Loopmaschinen im Sitzen und singt von Eulen und Insekten. Die Fauna ist nicht seine einzige Inspiration, vielmehr präsentiert der jungenhaft wirkende Sänger Lieder von Schicksalswendungen und persönlichen Missgeschicken ganz intim und nur mit Socken an den Füßen. &nbsp;Die Stücke von seinem Debut ‚Shelter Songs‘, die er im letzten Jahr über Hushed Records veröffentlich hat, verlangen dem Publikum gerade zu Beginn eine große Bereitschaft, sich auf die leisen und mit Bedacht gewählten Nuancen in seinen Kompositionen einzulassen.&nbsp; Wird das beherzigt, eröffnen sich dem Hörer melancholisch-getragene Kompositionen mit Tiefgang. Ab vom Strophe-Refrain-Prinzip jongliert Kenny routiniert mit Loops, gepickten 9er Akkorden und perkussiven Elementen und rauschenden Sounds, denen zeitweise durch einfache Beats oder durchgeschlagene Akkorde mehr Nachdruck verliehen wird. Die englische New Wave Of British Heavy Metal-Gazette Kerrang! schreibt: „he managed to blow everyone away with his sensational set“. Da haben sie Recht.
„Hi, we are from Leicester, thanks for coming out tonight‘ begrüßen Maybeshewill die Anwesenden und starten ohne weiteres Vorgeplänkel lautstark in ihr Set. Trotz der überschaubaren Größe des Blue Shells wurde der Sound perfekt umgesetzt, was bei den sehr breitwandigen Parts und diversen Laut-Leise-Passagen der Engländer wahrscheinlich kein leichtes Unterfangen darstellt. Der eingangs erwähnte Death-Metal-Fan ist wider der ersten groben Unterstellung offensichtlich genau auf dem richtigen Platz.&nbsp; Selbst die eingespielten Film-Samples der älteren Songs fügen sich perfekt ins Klangbild. Bei ‚Not For Want For Trying‘ bedienen sie sich bspw. der 70er Jahre Mediensatire ‚Network‘ und bei ‚In Another Life When We Were Cats‘ wird eine Schlussmach-Szene aus der Bret Easton Ellis Verfilmung ‚Rules Of Attraction‘ integriert. Musik, Film und Sprache stehen filmwissenschaftlich in einer textuellen Interaktion, und bekanntlich sind es meist die von der Musik getragenen Bilder eines Films, die in Erinnerung bleiben. In diesem Spannungsfeld arbeiten auch Maybeshewill. Die 4-minütigen Stücke gleichen Mini-Soundtracks zu Kurzfilmen. Im Interview mit dem düsteren Mosh-Online-Mag the-pit.de anlässlich des letztjährigen dritten Albums (‚I Was Here For A Moment, Then I Was Gone‘) sagte Gitarrist und Gründungsmitglied John Help: „Zu jedem Titel gehört eine Geschichte – manchmal eine lange, manchmal eine kurze“. Mit welchem Inhalt Stücke wie „The Paris Hilton Sex Tape“ gefüllt werden, bleibt dem Hörer selbst überlassen. Musikalisch pendeln sie zwischen Synthie-Klängen und brachialen Riffs, souverän und spielerisch fehlerfrei umgesetzt. Zunächst reduzierte Piano-Themen sacken vollständig in sich zusammen und steigern sich schlagartig in massiv treibende Finale. Bands wie Long Distance Calling (mit denen die Band im letzten Jahr bereits ein paar Dates in Deutschland spielten), As I Watch You From Afar, 65 Daysofstatic oder Mogwai stehen Pate. Vor allem Letztgenannte haben diese Spielart des Post-Rock durch ihr Mitwirken an genre-untypischen Veranstaltungen wie bspw. dem Montreux-Jazz-Fest einem breiteren Publikum zugänglich gemacht. Maybeshewill ist das auch zu wünschen. Überzeugen werden sie alle mal. Das steht spätestens nach dem fulminanten ‚He Films The Clouds Pt 2‘ mit Singalong-Part am Ende des Sets fest. Großes Kino mal anders!
<br />Text: Thomas Markus]]></content:encoded>
<category>Artikel</category>
<pubDate>Wed, 28 Mar 2012 13:29:00 +0200</pubDate>
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<title>Beautiful Japan</title>
<link>http://www.nillson.de/artikel/beautiful-japan.html</link>
<description>Wenn man an japanische Musik denkt, fällt einem vermutlich beim ersten Gedanken nicht viel gutes ein. Schon eher denkt man an Anime-Soundtracks, Visual-Kei-Posen und ähnliches. Dabei hat es gerade den letzten Jahren und Monaten immer wieder spannende Platten von Künstlern gegeben, die Kraft in Ruhe und Glanz finden. Einen eigenen Kosmos schaffen; Werke zwischen Ambient, Folk, Jazz und Prunkpop veröffentlicht und sich damit nachhaltig in unserem Bewusstsein verankert haben. Wir stellen vier davon vor.</description>
<content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded>
<category>Artikel</category>
<pubDate>Wed, 21 Mar 2012 16:23:00 +0100</pubDate>
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<title>human nature</title>
<link>http://www.nillson.de/artikel/human-nature.html</link>
<description>Die Naturfotografien von Debbie Carlos erinnern an stürmische Regentage in Schweden. Man stellt sich vor, wie Carlos wochenlang in einem Zelt gelebt hat, lediglich von Tütensuppe und Ravioli ernährt durch das dichte Gestrüpp oder die weitläufigen Seenplatten gewandert ist, um scheue wilde Tiere fotografieren zu können. Allerdings machte sie die Fotos für ihre Reihe human nature nicht in Schweden, sondern mitten in Chicago.</description>
<content:encoded><![CDATA[Fein säuberlich, hinter dicken Glasscheiben oder auf umzäunten Podesten&nbsp;und von Sicherheitsleuten bewacht liegt alles im Field Museum von Chicago für den Besucher bereit. Kleine Informationskärtchen, themenorientierte Räume und eine Menge Plastikpflanzen versuchen die Natur möglichst verständlich&nbsp;wiederzugeben. Dazwischen stehen ausgestopfte Tierpräparate in passender Pose. Alles ist kategorisiert - dem Besucher verständlich dargelegt und präsentiert. Vom Chaos der Natur ist nichts mehr zu sehen außer&nbsp;einem inszenierten Klischee - ein Klischee, wie Natur auszusehen hat,&nbsp;das aber&nbsp;den Dornenbusch, das scheue Reh und die Bewegung, das der Natur eigene stetige Wachstum außen vor lässt.
Debbie Carlos merkt an, dass&nbsp;diese Tiere&nbsp;ausgestellt wie etwas beinah vergessenes&nbsp;und ausgestorbenes wirken. In ihren Fotos, die immer mit Ausschnitten und dem Wegblenden eben jener Kategorisierung und Wissensvermittlung des Museums arbeiten, versucht sie&nbsp;den Tieren eine Lebendigkeit zurückzugeben. Ganz bewusst fängt sie das romantische Potenzial dieser Tierdarstellungen ein&nbsp;und versucht so die museale Determiniertheit zu unterlaufen, durch Assoziation des Betrachters&nbsp;die fernab eines Logischen liegen.]]></content:encoded>
<category>Artikel</category>
<pubDate>Wed, 29 Feb 2012 20:55:00 +0100</pubDate>
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<title>Vogelkunde im Zeichen des Punk</title>
<link>http://www.nillson.de/artikel/vogelkunde-im-zeichen-des-punk.html</link>
<description>Die Gäste im Salon Des Amateurs erscheinen an diesem Mittwochbend recht zahlreich, vergleichbar mit den übrigen Veranstaltungen der Reihe ‚Resonanzräume‘, die bereits seit Ende Oktober letzten Jahres als Kooperationsprojekt des Instituts für Medien- und Kulturwissenschaft der Heinrich Heine Universität und der Deutschen Oper am Rhein, dem Schumannfest und eben dem Salon des Amateurs ins Leben gerufen wurde. </description>
<content:encoded><![CDATA[Wolfgang Müller, seines Zeichens Mastermind der 80er Jahre Punk-Kapelle ‚Tödliche Doris‘, hat geladen und es scheint, als wären einige alte Bekannte aus den Sturm und Drang-Zeiten seiner Aufforderung gefolgt. Ob er auch durchaus ein Publikum anspricht, dass die wilden Punkzeiten in Berlin nur aus der Lektüre kennt, ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht raus. Allerdings steht neben der Lesung auch eine Performance auf dem Plan. Der Abend verspricht daher auf alle Fälle bunt zu werden. Müller wird eingangs mit dem ‚abgenagten Begriff des Multitalents‘ (O-Ton Prof. Dr. Dirk Matejovski) in einer kurzen Eingangsrede bezeichnet. Und das berechtigt, denn neben Musik und Literatur werkelt Wolfgang Müller auch an seiner Schauspielkarriere und ist als bildender Künstler aktiv. Heute Abend liest Müller u.a. Anekdoten aus seinem 2007 im Suhrkamp-Verlag veröffentlichten Buch ‚Neues von der Elfenfront: Die Wahrheit über Island‘. Direkt nach den ersten Sätze ist eines Gewiss: Wolfgang Müller besitzt eine sehr angenehme, kauzig-sympathische Art. Das kommt zum einen durch die etwas unbeholfene und gleichzeitig lakonische Begrüßung zum Ausdruck. Zum anderen streut er während des Lesens gerne Bemerkungen ein, die Selbstreflektion und einen Hang zur Selbstironie erkennen lassen. “… habe ich das wirklich geschrieben?“, fragt er sich selbst nach einigen Sätzen laut. Und bringt sich und den Rest des Salons zum Schmunzeln.&nbsp;
Wolfgang Müller berichtet von skurrilen Begebenheiten, die ihm auf dem Weg durch die letzten Jahre scheinbar so mir nichts dir nichts in die Parade gefahren sind. So wurde ihm unterstellt er züchte Blaumeisen auf dem Balkon seiner Kreuzberger Wohnung und verkaufe diese (nach Grammpreis) an italienische Edel-Restaurants. Selbst die taz hat in der Gerüchteküche mitgemischt. Blaumeisen spielten auch bei einer Installation in einer Berliner Galerie im Bezirk 36 eine Rolle, als Müller einen FDP-Wahlstand nachempfunden hat, und auf die blau-gelben Utensilien Aufkleber mit Blaumeisen klebte. Die kleine Design-Überarbeitung interessierte die bekennend linke Bevölkerung des Bezirks jedoch herzhaft wenig, woraufhin massive Proteste gegen die Eröffnung eines FDP-Parteibüros losbrachen. Immer wieder schweift er ab und spricht über einstige Szenepersönlichkeiten, wie bspw. ‚Ratten Jenny‘, die bei homophoben oder chauvinistischen Bemerkungen umgehend handgreiflich wurde, und heute mit Mitte 50 mit einem pinken Irokesenschnitt zeitweise in Kreuzberg gesichtet wird. Trotz vieler Einschübe und Randanekdoten, zieht sich ein Motiv kontinuierlich durch die Geschichten: die Vogelkunde. Im Finale: das nach Singen, Gurren und Grunzen der Laute von ausgestorbenen Vogelarten durch illustre Persönlichkeiten wie Annette Humpe, Francoise Cactus und Bretzel Göring oder seinem Bruder Max Müller, dem Sänger der Band ‚Mutter‘ (2008 bereits veröffentlicht unter dem Namen ‚ Séance Vocibus Avium‘). Vielleicht der offensichtlichste Moment an diesem Abend, der verdeutlicht: Bei Wolfgang Müller darf auch gelacht werden. Und als er karaoke-haft zu schrägen Tönen mit ausladenden Gesten von Elfen singt, steht für die meisten fest: was für ein herrlich ungewöhnlicher Abend im Zeichen des Punk.&nbsp;]]></content:encoded>
<category>Artikel</category>
<pubDate>Mon, 20 Feb 2012 13:50:00 +0100</pubDate>
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<item>
<title>Kevin and Friends</title>
<link>http://www.nillson.de/artikel/kevin-and-friends.html</link>
<description>Frieren ist angesagt vor dem Tsunami-Club in Köln. Leider ist der Herr an der Garderobe mit dem Gästeansturm im Ansatz überfordert, weshalb sich eine kleine Menschentraube bibbernd vor dem Eingang drängelt. Vereint im Kampf gegen die Kälte und in der Vorfreude auf den gemeinsamen Freund Kevin.</description>
<content:encoded><![CDATA[Der steht vor dem Beginn des Konzerts am Merch-Stand und vertreibt seine T-Shirts und Tonträger obligatorisch höchstpersönlich. Im Prinzip ist es genau das, was einen Großteil der Faszination an der Person Kevin Devine ausmacht: Der direkte Kontakt zu seinen Fans und die damit verbundene ‚Ich bin einer von Euch‘-Mentalität! Unnahbarkeit kann man ihm meinem besten Willen nicht vorwerfen. Während Kevin seine Shirts vertreibt und großzügig ‚Hugs‘ verteilt, singt Jamie Seerman aka Jaymay von schicksalshaften Begegnungen und den dazugehörigen Gefühlsirrungen und –wirrungen.&nbsp; Mit wenigen Akkorden, einer durchdringenden Stimme und einem gesunden Maß an Selbstironie bringt die zierliche New Yorkerin die Anwesenden zum Zuhören und Fuß-Wippen. Seerman &nbsp;hat bereits auf Devines vorletztem Album ‚Brothers Blood‘ mitgewirkt und die BBC titulierte sie als ‚Darling of the New York-Antifolk-Scene‘. Dass sie auch laut kann, beweisen die mit Nachdruck gespielten letzten Akkorde ihrer Songs und die Tatsache, dass sie mit den Postcorelern von Goes Cube kooperierte. An diesem Abend bringt die 31-jährige ihr eigenes Ding souverän auf die Bühne – Punktlandung, würde ich sagen.
Ein Konzert in Köln ist für Kevin Devine ähnlich einer Rückkehr zum Anfang seiner Karriere. Seine erste Band Miracle Of 86 war bereits beim Kölner Label Defiance unter Vertrag, wodurch schon früh in seiner Karriere Gigs in Deutschland auf dem Plan standen, bspw. mit seinen damaligen Label-Kollegen von One Man And His Droid. Gut 10 Jahre sind seitdem vergangen, in denen er sich einen riesigen Fundus an Songs zugelegt hat, aus dem sich Kevin nach Herzenslust spontan bedient. Die Goddamn Band unterstützt ihn dabei nicht weniger agil als ihr Frontmann es ihnen vormacht. Mit von der Partie ist Chriss Bacco am Bass, der auch schon auf „Brothers Blood“ zu hören war und „Between The Concrete And The Clouds“ mitproduziert hat.&nbsp;<span lang="EN-US">Songs wie „Off Screen“ und „I used to be someone“ &nbsp;</span>vom aktuellen Album „Between The Concrete And The Clouds“ werden mit älteren Standards wie „I could be with anyone“ oder „Another Bag Of Bones“ gemixt. Ein Schema F bei der Songauswahl wird es bei einem Kevin Devine-Konzert nicht geben. Kevin Devine wählt situativ und nach Stimmung aus seinem Repertoire aus und neben Eddie-Vedder-Imitationen und Frotzeleien mit dem Publikum wird es zwischenzeitlich auch immer wieder ganz ruhig. Aber auch das funktioniert:&nbsp; Kevin Devine nimmt sein Publikum mit, ob er sich bei einem famosen Finale von „Brothers Blood“ die Seele aus dem Leib schreit, ob er hochspringt, zu Boden geht und wild gestikuliert, oder ob er introvertiert und ganz bei sich am Ende des Sets „Ballgame“ intoniert. Die Spannung wird durchgehend gehalten. Am Ende des Sets gibt es dann eine Runde Wunschkonzert. Neben mir verlangt jemand aus voller Kehle nach dem Miracle Of 86-Smasher „Every Famous Last Word“, der leider nicht gespielt wird. Und wo waren eigentlich „It’s only your life“ oder „Protest Singer“? So geht es wahrscheinlich vielen im Raum, doch ich bin mir sicher: hätte der Zeitplan es zugelassen, er hätte sie alle gespielt – ausnahmslos – Gutmensch wie er ist. Auf bald – back in Cologne!
Links:&nbsp;<link http://www.kevindevine.net/ - external-link-new-window "Opens external link in new window">kevindevine.net</link>]]></content:encoded>
<category>Artikel</category>
<pubDate>Tue, 14 Feb 2012 15:02:00 +0100</pubDate>
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<title>Copy and paste</title>
<link>http://www.nillson.de/artikel/copy-and-paste.html</link>
<description>Es gibt wieder Futter für alle Wütenden und Protestwilligen. Die Straßen stehen offen für die nächste Bürgerwehr. Alle deutschen Hersteller von Guy-Fawkes-Masken können bereits den Ferrari bestellen, bald wird genug Geld da sein, um ihn zu bezahlen!</description>
<content:encoded><![CDATA[Es ist fast wie an meiner Universität- die ich ungünstiger Weise in dem Bundesland ausgesucht habe, das die höchsten Studiengebühren Deutschlands erhebt- wenn der Asta&nbsp;mal Demonstrationen organisiert, liegen sie defenitiv um den Januar herum und locken insgesamt 30-40 Studenten auf die zugeeisten Straßen. Der Geist der Revolution ist&nbsp;seit 1789 einfach etwas kühler geworden. Oder gibt es in&nbsp;unseren&nbsp;Asta einen sehr schlauen Marketingstrategen, der sich denkt: es sind vielleicht nur 30-40 Studenten, aber die gehen immerhin noch bei minus zehn Grad auf die Straße. Wenn das die Politiker nicht wachrüttelt, was dann?<br />Ja, es ist vielleicht wie Heinrich Heine sagte: &quot;Die das Feuer anmachen, wärmen sich oft am wenigsten dabei.&quot;
Wo wir auch direkt beim neuen Protest-It-Thema des kalten 2012 Winters sind, denn ich habe Glück, dass Heine bereits wesentlich länger als 70 Jahre tot ist (nach 70 Jahren endet das Recht der Erben auf die Urheberschaftsrechte geistigen Eigentums), es geht nämlich um ein neues kommendes (?) Abkommen zum Thema PRODUKTPIRATERIE.&nbsp;
ACTA schreit es plötzlich von allen Seiten. Dabei handelt es sich allerdings nicht um eine stark linksorientierte Bewegung zur Bekämpfung der Globalisierung. Im Gegenteil:<br />ACTA (Anti-Counterfeiting-Trade-Agreement, zu deutsch: Handelsabkommen zur Abwehr von Fälschungen)&nbsp;ist ein völkerrechtliches Abkommen, das momentan in immer mehr Ländern zu Bürgerprotesten führt.&nbsp;
Das Protest- und Aufklärungskollektiv ANONYMOUS&nbsp;hat in einem Video (wenn auch stark polarisiert und propagandiert), die Funktionsweise und die möglichen Gefahren des ACT-Agreements deutlich gemacht:]]></content:encoded>
<category>Artikel</category>
<pubDate>Tue, 07 Feb 2012 00:44:00 +0100</pubDate>
</item>
<item>
<title>ENE MENE MIEZ! - Eine Retrospektive.</title>
<link>http://www.nillson.de/artikel/ene-mene-miez-eine-retrospektive.html</link>
<description>Seit zweitausend hörten wir immer mehr von der Berliner Band MIA., bis sie nach ihrem vierten Studioalbum eine vierjährige Pause eingelegt hat. Im März diesen Jahres kommt nun das fünfte Studioalbum raus. Ein Grund für nillson.de noch einmal zurück zum Anfang zu spulen und ein Fazit der letzten zwölf Jahre zu ziehen, angefangen bei schnoddrigen Elektropunk, über frohlockenden Pop bis hin zu platten Deutschpopattitüden, dazu natürlich immer eine leichte bis überwürzte Prise NeueDeutscheWelle. MIA. hat eine bewegte musikalische Gesichte und sie ist noch nicht am Ende.
MUSIK AB! </description>
<content:encoded><![CDATA[<p class="align-justify">Miezes Gesangslehrerin hatte sie eindringlich vor &quot;RockundPopmusik&quot; gewarnt. Ein Grund genug für die 18-jährige&nbsp;Schülerin am John-Lennon-Gymnasium, sich mit ihrem Klassenkameraden Andi Ross (Gitarre)&nbsp;zusammen zu tun,&nbsp;ein Mikrophon in die Hand zu nehmen und Songtexte zu schreiben. Kurze Zeit später&nbsp;wurden die weiteren Bandmitglieder (Robert „Bob“ Schütze: Bass und&nbsp;Ingo Puls: Gitarre, Horn, Keyboard)&nbsp;durch keine geringere als die spätere viva-Moderatorin Sarah Kuttner vermittelt. Als dann 2001 der Schlagzeuger&nbsp;Gunnar Spies die Band unterstütze und das Label R.O.T (zusammen mit&nbsp;Nhoah, Staab und Inga Königstadt)&nbsp;gegründet wurde, war der Weg in die Berliner Musikszene geebnet.</p>
Auf dem erste Album HIEB&amp;STICHFEST&nbsp;verortet sich MIA. im dem Genre des &quot;Elektropunk&quot;, der eindeutig an die Musik der NeuenDeutschenWelle angelehnt ist:&nbsp;schnoddrige Gitarrenriffs, quitschende Elektrogameboybeats&nbsp;und Miezes wilder aggressiver Gesang. Dazu grelle Kostüme und eine gehörige Portion Berlin.]]></content:encoded>
<category>Artikel</category>
<pubDate>Tue, 31 Jan 2012 16:37:00 +0100</pubDate>
</item>
<item>
<title>i'm a barbie girl in a plastic world</title>
<link>http://www.nillson.de/artikel/im-a-barbie-girl-in-a-plastic-world.html</link>
<description>Immer mehr Kritik macht sich an der maßlosen digitalen Bearbeitung von Werbeplakaten und anderen medialen Erzeugnissen breit.</description>
<content:encoded><![CDATA[Du stehst morgens auf irgendeinem U-Bahnhof in irgendeiner Stadt, trinkst vielleicht einen Kaffee und wartest. Dir gegenüber ein zwei mal zwei Meter großes Werbeplakat. Das kennst du schon. Also all diese Werbeplakate die da um dich rumhängen. Und verträumt schaust du hin, kneifst die Augen zusammen und irgendwo in deinem Gehirn macht sie die Meldung breit: völlig überbearbeitet. Aber gleichzeitig, direkt daneben oder in einem völlig anderen Teil deines Gehirns, würdest du schon auch ganz gerne so aussehen:&nbsp;straffe Haut, porenfrei, ohne Härchen, ohne Pickel;&nbsp;ein Körper wie eine Schaufensterpupe, kein Gramm Fett zuviel, leuchtend und fest.&nbsp;
Natürlich beeinflussen uns die Werbedarstellungen -&nbsp;selbst wenn wir wissen, dass sie bearbeitet sind. Aber in diesem Überfluss und vor allem in dieser täuschend echten Fälschung, fällt es schwer sich dessen bewusst zu bleiben.
Die Künstlerin Ivonne Thein hat mit dieser Art der Darstellung&nbsp;gespielt. In ihrer neusten&nbsp;<link http://www.ivonnethein.com/de/art1_1.html - external-link-new-window "Opens external link in new window">Fotoreihe</link>&nbsp;sind Frauen in altbekannten Modelposen zu sehen und wenn man genau hinschaut fällt einem auch auf, dass diese Frauen so dünn sind, dass einem Gänsehaut überkommt. Trotzdem sagten viele Besucher nach der Ausstellungseröffnung, ihnen wäre nichts ungewöhnliches an den Fotos aufgefallen. Sie sahen die extreme&nbsp;Untergewichtigkeit nicht einmal.&nbsp;<br />Einerseits beruhigend, andererseits verstörend ist allerdings, dass die Frauen auf den Fotos gar nicht untergewichtig sind. Thein hat ein paar ihrer Freundinnen gefragt, ob sie für sie posieren würden und die Frauen auf den Fotos danach so extrem mit Photoshop bearbeitet, dass sie im wahren Leben nur noch um die 32 Kilo wiegen würden.&nbsp;
Erst kürzlich wurde in Amerika eine Werbekampagne&nbsp;mit der Sängerin Taylor Swift zurückgezogen, weil die Öffentlichkeit anprangerte, dass diese zu stark bearbeitet wäre. Es stellt sich immer mehr die Frage, warum so viele andere Medien streng zensiert werden (Filme, Hörträger, Videospiele) während die Werbung- trotz zahlreicher Studien, die belegen was für einen schädlichen Einfluss Werbedarstellungen auf Menschen und vor allem Minderjährige haben können- nahezu ungehindert produzieren kann, was sie möchte.&nbsp;
Dagegen anzugehen wäre vielleicht eine Aufgabe der Politik:&nbsp;stärkere Regulierung, genaue Gesetzesentwürfe etc. Zensur also.&nbsp;
Allerdings sollte man&nbsp;anstelle von Zensur Aufklärung betreiben und&nbsp;versuchen neue und natürliche Schönheitsideal zu etablieren. Das wäre vielleicht eher die Aufgabe der Kunst,&nbsp;wie Ivonne Thein durch die&nbsp;Überspitzung der bestehenden Verhältnisse oder aber durch die Formierung neuer Sehgewohnheiten.
Bereits in anderen Genres hat sich gezeigt, dass Zensur meistens wenig hilft. Gerade durch das Internet wird eine solche sowie so immer unmöglicher (man denke nur an die Folgen für die Zensur von pornographischen Inhalten, seit Plattformen wie youporn.com), entgegenzusetzen ist nur das stetige Ins-Bewusstsein-Rufen, dass zwischen der medialvermittelten Wirklichkeit und der Lebensrealität ein nicht zu unterschätzender Unterschied besteht.&nbsp;
<sub>Text: Lasse Scheiba</sub>]]></content:encoded>
<category>Artikel</category>
<pubDate>Thu, 12 Jan 2012 18:21:00 +0100</pubDate>
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<title>The Musikjahr 2011 was absolutely brilliant!! - Nillson-Jahrescharts 2011</title>
<link>http://www.nillson.de/artikel/the-musikjahr-2011-was-absolutely-brilliant-nillson-jahrescharts-2011.html</link>
<description>Was für ein Musikjahr - wieder mal. Und es ist doch tatsächlich a little bit of history repeating: wo die Scheiben ausbleiben, die dich mit Anlauf anspringen und nicht mehr loslassen, bleibt so unfassbar viel Raum für die feinsten Entdeckungen. Und wenn man sich das so vergegenwärtigt, wird im Endeffekt nicht ein einziger Platz unserer Jahrescharts von 2011 wirklich überraschen.</description>
<content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded>
<category>Artikel</category>
<pubDate>Sun, 01 Jan 2012 19:22:00 +0100</pubDate>
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