Rezensionen 31.07.2014

Alvvays - Always [PIAS / Transgressive / Rough Trade]

Da ist es ja endlich, das Album für die Sommerabende, für die Wohlfühl-Melancholie, wenn wir in der untergehenden Sonne mit Kopfhörern an einen Baum gelehnt aufs Land hinaus schauen. Das Album, das so mitreißend schön ist, dass wir ihm einen Sommer lang unsere Seele verkaufen.

Und wieder einmal kommt es aus Kanada. Die Band heißt Alvvays, das Album allerdings "Always"; beides sieht auf den ersten Blick gleich aus, aber auf den zweiten... ihr wisst schon. Ein süßer Hingucker. Und wie es so vielen Sommerplatten beschieden ist, wird darauf kräftig den 1960er Jahren Tribut gezollt. Hier mit einer wirklich wundervollen fuzzy Halligkeit und diesen bittersüß getragenen Vocals; diesen hingehuschten Melodieführungen à la Mazzy Star, aber der Präsenz und dem Druck, die wiederum an die glorreich schwerriffigen 1990er erinnern, in denen die Fluffigkeit der 1960er mit dieser Art Drive zusammentraf, die uns zu den Songs tanzen, aber auch weinen ließ während die Sonne langsam am Horizont verschwand. Oder ist das jetzt zu schwelgerisch? Und auch zu retrospektiv?

Na ja, jedenfalls haben Alvvays genau so eine Platte geschaffen. Diese Musik macht vom ersten Moment an glücklich, weil dieser leicht melancholische Touch der an sich sonnendurchfluteten Songs, die sehr gekonnt die Brücke zwischen Folkpop und Garagenrock bauen, einen aufs Tröstlichste mitnimmt und ein Lächeln aufs Gesicht zaubert; weil die Melodien so stark einnehmend sind und Molly Rankins Stimme so herrlich unprätentiös klingt. So wie aus einer anderen Zeit, aber so schön wenig hintergründig, dafür aber umso faszinierender. Anschmiegsam ja, aber stets mit dem Heft in der Hand. Und dann muss natürlich noch ein großes Wort über das wirklich starke Songwriting verloren werden, denn diese neun Stücke sind so schön auf den Punkt geschrieben, dass jede Note, jede leicht angedengelte Gitarre, jede Höhe und jede Tiefe in den Vocals da hingehört, wo sie steht. So ist "Always" nicht nur eine höchst stimmungsvolle Sache, sondern auch ein Album voller Songperlen und Hits wie das eröffnende "Adult Diversion" oder die äußerst hübsche Single "Archie, Marry Me". Irgendwie erinnert das Ganze an Belle & Sebastian, nur mit etwas mehr Lärm. Ob das dann eine Platte ist, die wirklich für "Always" hält, wird mal wieder die Zeit zeigen, aber ja: Diesem Album mag ich mich für den kompletten August und mindestens noch den halben September verschreiben. Und ich könnte mir tatsächlich auch vorstellen, dass es die Kraft hat, bis in den dunklen Herbst hinein zu strahlen.


Text: Kristof Beuthner