Pure Soundpoesie mit Landschaften aus flüssigem Gold, schwarzem Honig und tiefer Melancholie: Thomas Bücker präsentiert uns mit seinem Bersarin Quartett einen neuen Trip in wolkenweiche Ambient-Texturen.
Eigentlich ist das Bersarin Quartett kein Quartett im wortwörtlichen Sinne. Es ist das Projekt von Thomas Bücker, der sich für die Aufnahmen zu seinen Alben aber entsprechend mit Gastmusikern verstärkt um seiner Version von Ambient und Slow Jazz den gewünschten Ausdruck zu verleihen. Drei Jahre nach dem zweiten Werk, das treffenderweise „II“ hieß, nimmt er uns nun wieder mit auf die Reise in poetisch-transzendentale Soundgefilde, und das Warten hat sich gelohnt. Die in magenta surreal leuchtenden Wolken auf dem Cover geben schon eine Ahnung, wohin der Trip führt: Zwölf Stücke lang bettet er uns in Watte, schichtet Soundflächen über leise und durchweg organisch klingende Percussions; gelegentlich hören wir Streicher und verfremdete Vocals und denken nicht selten an Stars Of The Lid oder A Winged Victory For The Sullen. Himmlisch also: Sicherlich. Doch was verspricht uns der Himmel? Erlösung? Unendlichkeit? Oder einfach nur eine religiös konnotierte Vorstellung vom Ende allen Seins?
Bücker hat sich für sein drittes Album als Bersarin Quartett vom Werk Georg Trakls inspirieren lassen, dem großen österreichischen Expressionisten, der sich vorwiegend mit der allzu menschlichen Vergänglichkeit auseinander setzte, getaucht in nachtschwarz und herbstgrau. Ja, herbstGRAU, nur zu selten dringen bei aller Weichheit Farbschimmer auch in die zwölf Stücke auf „III“; sie tragen eine tiefe Melancholie in sich, eine ungreifbare Düsternis unter einer Decke aus simpler Soundschönheit. Die erwähnten Wolken leuchten, doch ein Schatten liegt auf ihnen. Sie verkörpern eine uneinhaltbare Prämisse; niemand ist zurückgekehrt, um vom Leben nach dem Tod zu berichten. Der sterbende Stern Xibalba aus Darren Aronofskys „The Fountain“ ist ein zu tröstliches, durch und durch wunderschönes und tief poetisches Bild vom Aufstieg der menschlichen Seele in ungeahnte Sphären und der sinnbildlichen goldglänzenden Explosion als Symbol für die Wiedergeburt als neuer Stern am Firmament. Doch es ist nur ein Bild, eine Idee; die Poesie darin findet sich genauso in jedem Ton von „III“, tröstet aber nur kurzweilig über unsere tatsächliche Ungewissheit hinweg. Vielleicht stimmt es aber ja auch doch?
Bückers Musik gibt dieser Ungewissheit und einer darin mitschwingenden Unsicherheit und vielleicht sogar Angst Ausdruck. Die Titel seiner zwölf kleinen Epen lauten unter anderem „Verflossen ist das Gold der Tage“, „Hinter uns die Wirklichkeit“, „Sanft verblassen die Geschichten“, „Es ist alles schon gesagt“ und „Jeder Gedanke umsonst gedacht“. Wir begeben uns Zeit unseres Lebens auf eine Reise, deren Ende wir nicht sehen können, an dem aber im Zweifelsfall die vollständige Negation unseres Seelenlebens steht. Womöglich finden wir ein Ende, das uns als unbegreifliche Entität in den Köpfen selbst unserer geliebten Menschen zurücklässt. Diese Gedanken gedacht ist es tröstlich, dass Bücker uns in diese besagte warme Decke hüllt und die Sorgen damit erträglicher macht. Denn der Sound auf „III“ ist keineswegs vorwiegend düster und depressiv. Die darin schwingende Melancholie ist allgegenwärtig, doch sie nimmt uns nicht die Wärme aus unserem tatsächlichen täglichen Sein, und das tun Bückers Kompositionen auch nicht. Sie sind vielmehr Ausdruck von Gedankenwelten; elegische Ambient-Trips in ein was-wäre-wenn-Szenario, über das sich trefflich philosophieren lässt, ohne das wir es je ganz begreifen könnten. Sie geben keine Antworten, weil sie nicht können; sie sind suggestiv und poetisch, cineastisch und kathartisch. Und darin sind sie schlicht wundervoll.
Text: Kristof Beuthner