Carlos Cipa gehört zu den spannendsten jungen Pianisten im Gefolge von Großkünstlern wie Ludovico Einaudi, Hauschka und anderen Epigonen der Neoklassik, deren Schaffenswirkung sich längst über die Untermalung von Bewegtbildern hinaus in den Köpfen der Indie-affinen Musikhörerschaft etabliert hat.
2012 erschien mit "The Monarch And The Viceroy" das herrlich versponnen-romantische Debüt des Wahl-Münchners, das mir persönlich in seiner puren Inszenierung - über das virtuos bediente Klavier geht es nie hinaus - ein zweites "Monologue", auf dem der Japaner Takeshi Nishimoto ähnlich schönes auf der Gitarre vollbrachte, war. Als eine Art Follow-Up legt Carlos Cipa nun nach, doch er ist nicht alleine, sondern hat sich mit seiner Lebensgefährtin Sophia Jani verstärkt. Schon allein diese Tatsache deutet darauf hin, dass ein pur und solitär vorgetragenes Album nicht noch einmal zu erwarten war, und genauso ist es auch. Weiterhin handelt es sich bei "Relive" auch um kein "großes" Album, sondern um eine zwei Stücke - mit Namen "Anouks Dream" und "Whatever A Sun Will Always Sing" - umfassende Klangcollage von gut 20 Minuten Länge. Die Grundidee war, das eigentliche Klangspektrum Cipas einfach um zwei Hände zu erweitern und nicht nur den puristischen Klavierklang, sondern auch sämtliche Klangfacetten seines Inneren - das Berühren von Klaviersaiten, das Hinzufügen von Gitarrensaiten ins Klavier, das Spiel von Hall und Echo - einzufangen. Diese Idee entstand auch unter der Prämisse, dass bei Live-Auftritten keinerlei Elektronik hinzugefügt werden müsste. Dass wir auf "Relive" tatsächlich nur ein Klavier und sein Innerstes hören, ist grandios, so cineastisch, intensiv und vielfältig klingen die zwei Stücke. Nicht nur, dass es Cipa und Jani auch als Duett gelingt, traumwandlerische Soundflächen innig anzurichten; das Klangspektrum hört sich zwar organisch an, aber immer wieder auch nicht nach nur einem einzigen Instrument. So ist das Ergebnis ein höchst faszinierendes Experiment, das bei allem Lob an die technisch perfekte Darreichung auch auf der emotionalen Ebene bestens funktioniert und den Hörer zu einer zwar recht kurzen, aber dafür auch wieder sehr schönen Kopfkinovorstellung einläd, die durch das hölzerne Tappen auf den Korpus des Instruments und die dadurch entstehende hinzugewonnene Rhythmuskomponente nicht mehr eine rein schwelgerische ist. Ein wundervolles Ergänzungswerk zu Carlos Cipas Debütalbum.
Text: Kristof Beuthner