Es gibt diesen Moment im Jahr an dem du absolut spürst dass die Outdoor-Saison unwiderbringlich vorbei ist. Anfang September ist das noch nicht so. Da gibt es noch immer vereinzelte, vor allem kleinere Festivals, für die im Sommer einfach kein freies Wochenende mehr übrig war. Aber spätestens wenn Hamburg zum Reeperbahn Festival einlädt weißt du: Weite Felder, große Stages, bunte Deko und liebevolle Hingabe wirst du jetzt eine ganze Zeit lang nicht sehen.
Auch wenn du eher auf die großen Festivals stehst: Lange draußen sein, Musik und tanzen bis spät in die Nacht unter freiem Himmel, dieses ganz besondere Freiheitsgefühl das nur Festivals dir so geben können: Mindestens bis Mai ist das nicht möglich. Das sind mindestens sieben lange Monate. Und auf welche Festivals du dann gehen kannst, hängt ganz davon ab welche deiner Lieblingsorte nicht vom derzeit grassierenden Festivalsterben befallen sind. Denn der Szene geht es schlecht, die Produktionskosten zu hoch, die Fördermittel zu niedrig und der Geldbeutel der Kund:innen einfach nicht unerschöpflich gefüllt. Nicht umsonst geht es auf den Panels des Reeperbahn Festivals 2006 viel um dieses Thema – und hätte ich die Zeit gehabt sie zu besuchen würde ich hier gerne noch mehr ausschweifen und vieles wiedergeben was ich dort erfahren und an Erkenntnissen mitgenommen hätte. So allein bleibt der Blues.
Doch wenn das Reeperbahn Festival einen Wendepunkt im Jahr markiert, bedeutet das nicht automatisch Tristesse. Es bedeutet nämlich das Einläuten der Hallensaison und läutet die Zeit ein in der wir unsere Lieblings-Venues wieder mehr von innen sehen. Wobei die natürlich auch ganz schön leiden. Weil einfach zu wenig Tickets verkauft werden. Aber das ist auch ein Thema für einen anderen Artikel. Darum soll es hier und heute nicht gehen. Es steckt auch so schon so viel Blues im Anfang dieses Textes. Klar ist ja nun mal: Das haptische Konzerterlebnis ist unaustauschbar, unersetzbar, wichtig für die Seele. Und das Reeperbahn Festival verbindet da einfach zwei Welten: Wir dürfen in unseren Lieblings-Venues ausgiebig Bekanntschaft mit den Bands machen die den kommenden Festivalsommer dann von den Bühnen aus entscheidend mitgestalten werden. Und das fühlt sich dann doch schon wieder irgendwie ganz hoffnungsvoll an.
Für mich persönlich fühlt sich das Reeperbahn Festival in diesem Jahr erstmal tonnenschwer an. Ich bin nämlich krank und liege erstmal im Bett. Mittwoch geht es halbfit weiter, aber gerade diese Startrituale die ich so liebe – das Ankommen, erste Treffen am Ticket Desk, ein kurzer Gang durchs Village und schon mal an der Fritz Kola Bühne hängen bleiben und erste Eindrücke sammeln, dann gemütlich das erste Kaltgetränk auf dem Spielbudenplatz – all das fühlt sich am Mittwochnachmittag irgendwie nach „ich kann nicht“ an. Und das ist ganz schön ärgerlich. Das ist eins meiner Lieblingswochenenden und ich soll nicht fit genug sein? Das ist nicht zu akzeptieren. Und so stehe ich dann etwas später als sonst, aber pünktlich zum Kickoff doch in der Bändchenschlange. Drehe meine erste Runde durchs Village. Falle sofort dem ersten tollen Menschen den ich lange nicht gesehen habe (war das letzte Mal etwa genau hier vor einem Jahr?) in die Arme und trinke das erste Kaltgetränk mit Blick auf die Spielbude XL. Alles wie immer. Dann irgendwie doch.
Und ja: Irgendwie ist das Reeperbahn Festival bei mir unglaublich durchritualisiert. Das fängt schon eine Woche vorher an (bis dahin sind auch die letzten Acts in den Timetable eingefügt): Bewaffnet mit einem Glas Rotwein und Kopfhörern geht es schon vor dem eigentlichen Event auf Entdeckungsreise. Denn sind wir ehrlich: Trotz einiger bekannter Namen im Lineup, von ca. 75% der Bands und Künstler:innen haben wir meistens noch nie was gehört. Gut so, denn das Entdecken ist nun mal die Königsdisziplin hier. Damit das nicht in völliger Kopflosigkeit mündet, ist das Laufplan schreiben unabdingbar. Und dazu muss man reinhören. Ich glaube, so intensiv wie hier setze ich mich zu keinem anderen Zeitpunkt im Jahr mit so viel neuer Musik auf einmal auseinander. Und das obwohl schon vorher klar ist dass die Hälfte meines Planes gar nicht klappen kann weil alles parallel spielt und bei einem weiteren Viertel weiß ich schon jetzt dass ich mich wieder irgendwo verquatsche und dann zu lange brauche. Der positive Nebeneffekt: Musik gehört habe ich trotzdem und die Namen die mir gefallen haben sind im Elefantengedächtnis abgespeichert. Wir sehen uns bestimmt woanders wieder wenn nicht hier.
Musikalisch ist am Mittwoch dann aber trotzdem irgendwie der Wurm drin, weil gleich zwei meiner gewählten Bands mit technischen Problemen zu kämpfen haben. Die Briten von My First Time, die ich mit ihrem energiegeladenen Indie Rock bereits im Sommer in England beim Truck Festival erleben durfte, bringen es deshalb auf der Fritz Kola Bühne nur auf drei Songs, geben damit aber einen exquisiten Vorgeschmack auf ihre Abend-Show in der Top 10 Bar vom Molotow, wo es den ganzen Tag – und besonders beim heiß umworbenen Gig von 1000 Rabbits – so voll ist dass dabei sein zur absoluten Glückssache wird. Ich bleibe heute Open Air, das tut meiner Erkältung gut, und lande vor der Spielbude XL bei Udo West, deren sonnendurchfluteter Power Pop den Menschen schon einen ganzen Sommer lang mächtig gute Laune gemacht hat und somit für mich als ausgewiesener Melancholiker eigentlich so gar nichts ist, aber man kann der Band ihren einnehmenden Charme nicht absprechen, und da man sie inzwischen auf dem Zettel hat, ist der Platz vor der Spielbude bis an die Ränder gut gefüllt. Ich stelle mich für eine Viertelstunde vor den Reeperbus auf der anderen Seite des Platzes und lausche Jo The Man The Music, einer Künstlerin, die ich vor allem wegen ihres obskuren Bandnamens kennenlernen wollte. Der Sound überzeugt mich restlos: In Duo-Besetzung gibt es wunderbar arrangierte Indie Pop-Songs, hochsympathisch, und in all der klanglichen Gelassenheit gibt es auch noch eine völlig zutreffende Ansage an die Privilegien der musikschaffenden Männlichkeit: „Kids are mean, so are men with guitars in their hands“.
Für mein Tageshighlight schaffe ich es dann doch noch ins Molotow, irgendwie an der 1000 Rabbits-Schlange vorbei, es gab dort schon 45 Minuten vor Showbeginn einen Einlassstopp. Ich will aber gar nicht in den Keller, sondern in den Club. Da spielen Bleech 9:3, eine meiner top Entdeckungen des Jahres, die ich bereits im Frühjahr in der Top 10 Bar als Support für Keo erleben durfte, dann nochmal in Belgien beim Rock Werchter und beim Heimspiel in England. Mein Gefühl: Das wird groß. Natürlich ist der Sound nicht neu, das klingt absolut als hätten sich die Jungs im Jahr 1999 dafür entschieden den Grunge der frühen 90er zu adaptieren, wären in eine Zeitmaschine gestiegen und im Jahr 2026 wieder rausgeklettert. Kurzum: Da ist gar nichts neu. Und das darf man kritisch sehen. Fakt ist aber auch: Bleech zeigen, wie zeitlos dieser Sound halt immer noch ist, und wie gut geeignet, tiefste Traurigkeit in Musik zu manifestieren. „Figure 8“, „Jacky“, „No Surprise“ und natürlich „Ceiling“ sind absolute Banger. Blöd nur, dass es heute bei diesen Hits bleibt. Denn auch Bleech leiden unter technischen Issues und kommen statt 40 so nur auf 20 Minuten Stagetime. Der Curfew ist strict. Darüber sind sie spürbar pissed und haben auch gar kein Ding damit es sich anmerken zu lassen, sodass sie sich in punkto Sympathie nicht gerade aufs Treppchen des Tages stellen. Und ich? Gehe ins Bett.
Will auch fit werden, zumindest halbwegs, denn der Donnerstag beginnt im Rahmen des Rheinland Pfalz-Showcases direkt mal mit einer der für mich wichtigsten Bands der letzten drei Sommer. Sperling kombinieren Metalcore mit Emo und Rap und unglaublich intensiven Texten, fast wie kleinen Poetry Slams, und so derart on point wenn du dunkle Orte kennst – diese Band ist immer noch völlig underrated, hat aber eine treue Fangemeinde. Bei kaum einer anderen Band sehe ich so viele Menschen mit Bandshirt auf ihren Konzerten. Heute ist das Publikum eher aus Interesse da, das merkt man schon, und beim Opener „Allein sein ist so leicht“ ist der Sound leider noch matschig, aber die Prinzenbar steht Sperling äußerst gut und die halbe Stunde Settime in der sie einmal alle Songs raushauen die man von ihnen gehört haben muss war allemal genug um sie für sich zu entdecken.
Sperling sind es mir wert dass ich erstmals überhaupt zu spät zur Verleihung des Helga-Awards komme. Der Festivalpreis wird jährlich in verschiedenen Kategorien verliehen, dieses Mal hat sich das Höme-Magazin Hilfe von einer Fachjury geholt. Das Orange Blossom Special gewinnt den Publikumspreis und wird „Fan Favourite“, setzt sich dabei gegen das übermächtige Open Flair mit seiner äußerst starken Fanbase durch – völlig verdienter Sieg wie ich finde. Das Pferdefestival in Piesport (Mosel) gewinnt den Preis in der Kategorie „Klein aber oho“ – auf dem inklusiven Indie-Festival mit beeindruckendem Ausblick war ich dieses Jahr zum ersten Mal, auch das, ein wunderschöner Ort, landschaftlich wie menschlich. Das Nation of Gondwana ist „Die goldene Mitte“ und die Fusion, die es 2027 nicht geben wird, „Mein größtes Vorbild“ – und das Highfield Festival und das SNNTG Festival verabschieden sich mit einem Sonderpreis aus der deutschen Festivallandschaft, mit Träne im Knopfloch, versteht sich. Wir wünschen alles Gute!
Ich wandere ins Docks und schaue mir eine Band an die längst kein Geheimtipp mehr ist, die ich aber noch nie live gesehen habe. Die Österreicher von Anda Morts spielen stabilen auf die Fresse-Punk, der sich aber auf die Gesamtspielzeit von über einer Stunde recht schnell abnutzt. Also wechsle ich die Location und lande im Stage 15 bei Nastyjoe, einer Band die mir aus vertrauensvollen Kreisen sehr ans Herz gelegt wurde. Die Briten spielen ziemlich klassischen Postpunk mit Wave-Elementen, und das kann natürlich sehr gut sein, denn wie bei Bleech 9:3 gilt auch hier die Prämisse dass dieser Sound seit den 80ern überhaupt nichts an Transportfähigkeit für große Emotionen eingebüßt hat – allein, das hier kriegt mich nicht. Es zündet mich nicht an, die Songs sind mir nicht dringlich genug, ich verlasse das Terrain. Und sehe im Café Quer eine sehr kurze, aber dafür sehr einnehmende Performance von Sönke Torpus (Torpus & The Art Directors, Ove) alias Low Key Orchestra. Starkes Songwriting, berührende Energie – die kleine Location ist der perfekte Rahmen dafür.
Im Uebel & Gefährlich wartet mein Tages-, wenn nicht mein Wochenendhighlight: Madra Salach sind hierzulande noch ein ziemlich unbeschriebenes Blatt, in ihrer irischen Heimat aber schon der ganz heiße Scheiß. Das Sextett vermischt traditionelles irisches Liedgut mit Postrock-Elementen und hält sich dabei nicht an Folk-Kitsch, sondern sieht sich eher der Arbeiter- und Protestbewegung verbunden. Das ist auf diese Weise ziemlich neu und special, vor allem aber ultra sympathisch und mitreißend. Von mäandernden Weisen wie „Blue & Gold“ bis zu stampfenden, an die Hochzeit der Decemberists erinnernden Prachtstücken wie „I was just a boy then“ beherrschen Madra Salach jede Form von Grandezza und covern neben einem Stück des hochverehrten Shane MacGowan zu meiner ganz großen Freude auch „Aeroplane Over The Sea“ von Neutral Milk Hotel. Ein Konzert wie eine Energieleistung mit strahlenden Gesichtern auf und vor der Bühne – ob Madra Salach in Deutschland aus der Nische herauswachsen wird sich zeigen, aber vielversprechend ist das.
Ich bin einfach noch nicht fit. Das muss ich speziell am Freitag merken. Denn so glatt gehen die Tage dieses Jahr einfach nicht ineinander über. Nach nebenbei auch noch drei stabilen Arbeitstagen brauche ich eine kurze Siesta bevor ich mich wieder auf den einstündigen Weg nach Hamburg mache um die zweite Hälfte des Reeperbahn Festivals anzugehen. Da fallen gleich einige Bands die ich eigentlich gerne hatte sehen wollen zum Opfer, aber was sein muss muss sein. So starte ich im Village, genauer gesagt bei den Village Acoustics, und mit Efeu aus Wien, die klingen wie man sich eine Band aus Wien eben vorstellt. Will sagen: Das ist ganz gut, aber nichts daran ist wirklich überraschend. Ein guter Auftakt in den Festivalfreitag. Wirklich toll gerät dafür das Wiedersehen mit der wundervollen Philine Sonny am Reeperbus, die höchst ernste und selbstreferenzielle Töne anschlägt und ihre introspektiven neuen Songs für die spätere Show im Mojo anteased. Das funktioniert trotz der Laufkundschaft auf dem Spielbudenplatz sehr gut, denn die Menschen bleiben stehen und nehmen das ernst, und es sitzt ein Kloß im Hals danach.
Der nächste Stopp: Das Rock-Doppelpack aus Pooca Bar, wo Eat Me nicht immer ganz zwingend die 90er wieder aufleben lassen, wie derzeit ja so viele Bands, und dem Betty, wo heute das Morecore-Showcase stattfindet. Da hatte ich mich eigentlich sehr stark auf Overgrown gefreut, eine weitere Band die ihre musikalische Liebe zu den 90ern repräsentiert. Das wäre grungy und melancholisch und brachial geworden. Aber die Band hat abgesagt. Stattdessen spielen Pinkpool, und die sind kein adäquater Ersatz. Das Quartett steckt auch optisch eher in den frühen 00ern, vermischt Pop Punk mit Emocore, wirkt dabei aber eher bemüht als versiert. Da ist sehr viel gewollt, aber den Laden anzuzünden gelingt ihnen trotz gelegentlicher Ausflüge des Sängers ins Publikum nicht so recht. Schade! Auch schade: Dass man 45 Minuten vor Showbeginn am Bahnhof Pauli stehen kann und trotzdem die Show von Agassi nicht sieht. Die sind sicherlich eh einer der Geheimtipps des Wochenendes, und ich hatte sie zu Pfingsten schon beim Orange Blossom Special erlebt, darum weiß ich, dass das berechtigt ist. In Clubatmosphäre wäre das sicher auch nochmal besonders gewesen, aber das fanden augenscheinlich viele, viele andere Menschen auch.
So greift also einer der ganz typischen Reeperbahn-Festival-Mechanismen: Wenn man irgendwo nicht rein kommt lässt man sich treiben. Wer spielt eigentlich im Mojo? War ich lange nicht, also mal schauen. Es ist Bayonne, den ich bisher nur vom Namen kannte. Aber seine Show trifft einen Nerv. Der Amerikaner vermischt sonnige Synthieflächen mit Loops und Beats und hat einen Live-Drummer dabei. Das ist höchst famoser Elektropop, sehr sommerlich, sehr beachy, sehr gechillt und unverschämt tight. Ein absolutes Highlight des Abends, der wieder im Uebel & Gefährlich endet. TR/ST ist in der Darkwave-Szene schon lange eine Attraktion und bietet klanglich den absoluten Kontrast zu meinem Restprogramm, aber das ist sehr faszinierend. Dunkle Electronica, hallige Vocals, auf der Bühne kaum was zu sehen, das ist sehr stark und ein würdiger Freitagsabschluss.
Der Samstag beginnt dann mit Hamburger Schietwetter, aber pünktlich zu meinen Tiny Wolves kommt die Sonne raus und es wird schön. Man soll nichts über eigene Auftritte schreiben, deswegen ganz subjektiv nur so viel: Es war ganz, ganz toll. Nach ein bisschen Village-Time beginnt dann der letzte Konzertmarathon des Wochenendes mit einem Mini-Set von panicbaby am Reeperbus. Das ist very Berlin und kickt mich leider absolut gar nicht. Umso mehr dafür Theatre aus England, für die der Einlass ins Molotow überraschend schnell ging und reibungslos verlief. Voll war es natürlich trotzdem. Auch Theatre hatte ich im Sommer in England schon gesehen, allerdings in einem zu hellen an den Seiten offenen Zelt. Diese kleinen Song-Epen brauchen aber die Club-Atmosphäre. Auch diese Band hat sich ganz offensichtlich in den 90ern bedient, kombiniert Indie Rock mit Shoegaze, spielt eine Show ohne große Reden, ohne Punkt und Komma – und begeistert restlos.
Die Konzerte im St. Pauli Fanshop sind allein durch die Location schon immer sehenswert. Beim wütenden Punk von Skirt gibt es allerdings vor allem eine Büste mit einem rosa Shirt zu sehen. Bewegen ist kaum möglich, der Weg nach draußen ist lang. Am Reeperbus gibt es dann ein bisschen Eigenwerbung für Pamela., die später noch in der Top 10 Bar spielen sollten und es schaffen, eine ungeheure Energie in dieses Laufkundschafts-Setting zu bringen. Mit sonnendurchflutetem, souligem Indie Pop und starker Zweistimmigkeit entfalten sie in Trio-Besetzung einen ziemlich starken Groove, dieses Mini-Set ist eine absolute Einladung für alle, die es durch die Schlange schaffen.
Aber das Festival endet dann für mich so wie es begonnen hat: Mit dem Band-Set von Jo The Man The Music in der St. Pauli-Kirche. Denn so will es ein weiteres meiner Rituale und somit ein ungeschriebenes Gesetz: Ein Konzert in dieser wunderschönen Location muss mit. Und Jo The Man The Music haben meine Neugier am Mittwoch definitiv geweckt. Zu bereuen gibt es nicht das geringste: Das ist wie gemalt für dieses Setting, durch Drums und mehr klangliche Tiefe natürlich nicht so fragil sondern deutlich druckvoller als bei dem kleinen Duo-Set am Mittwoch, aber so entfalten sich die trotzdem immer noch sehr feinsinnig geschriebenen und zurückgenommenen Songs vor einem wie an diesem Ort gewohnt andächtig lauschenden Publikum. Und so andächtig und schön endet es dann auch, das Reeperbahn Festival 2026.
Auch wenn ich gerne fitter gewesen und noch mehr gesehen hätte: Das Reeperbahn Festival hat sicher nicht nur mich wieder perfekt auf die Indoor Season eingestimmt und eine Menge Lust gemacht, die ein oder andere Band im Lieblingsclub wiederzusehen – oder dort im Herbst und Winter neu zu entdecken was leider nicht in den Timetable gepasst hat. Das macht den Blues nicht weniger real, aber es weckt auch eine ganz andere Vorfreude. Und was ich noch gar nicht erwähnt habe: Die vielen, vielen schönen Gespräche mit Menschen, mit denen man sich die Festivalsommer geteilt hat und mit denen man im selben Boot steckt. Die das nämlich alle genauso machen werden in den nächsten Monaten. Weil sie es müssen und weil auch in ihnen die Freude auf den nächsten Open Air-Sommer schlummert. Jede:r nochmal mit anderen Tipps und Entdeckungen, Anregungen und Inspirationen – das ist das was an diesem Musikding solchen Spaß macht. Das Reeperbahn Festival war wieder vier Tage lang die perfekte Spielwiese für uns, die wir Konzerte lieben – und das hat definitiv wieder unfassbar viel Spaß gemacht.
Wir sehen uns nächstes Jahr!
Text und Foto: Kristof Beuthner