Auch dieses Jahr verlegen wir den (Festival-)Sommeranfang wieder vorzeitig in den späten Frühling. Wir haben keine Lust mehr zu warten und wollen endlich wieder unsere grauen und nassen Städte gegen die grüne Landschaft und die gute Luft eintauschen. Auf zum Immergut!

Wir betreten das Gelände frühzeitig am Freitag Nachmittag und sind nach dem durchwachsenen Wetter der letzten Wochen dankbar über alles, was einigermaßen trocken erscheint. Im Birkenhainrich aka Birkenhain beginnt die alljährliche Tradition, das Festival mit Sonnenstrahlen im Gesicht und einem entspannten Akustik Set zu beginnen. Das gelingt dieses Jahr besonders gut mit Hilfe von Honig, der die sitzende Menge an sich fesselt.
Nach einem kurzem Intermezzo mit den Kanadiern von Royal Canoe und dem obligatorischen Geländerundgang folgt eine Band, die uns als Hamburger schon sehr vertraut ist. Die Heiterkeit spielt im Birkenhainrich, wo die Menschen erste Signale senden, nicht mehr sitzen zu wollen. Auch wenn der etwas schiefe und stellenweise träge Sound der Band gerne etwas belächelt wurde, war der Empfang der Heiterkeit doch sehr herzlich.

White Fence sollen dann die Zeltbühne - dieses Jahr als "Bei Tanze Käthe" betitelt - einweihen. Mit einem Gitarrensolo-Dauerfeuer und der Bühnenpräsenz eines Noel Galligher, zeigt Frontmann Tim Presley nach wenigen Akkorden wo es lang geht. Das Zelt wird dieses Jahr schon sehr früh auf eine harte Probe gestellt.
Das Wetter war bisher natürlich viel zu schön um wahr zu sein und so holt uns der erste Regenschauer auf den Boden der Tatsachen zurück und zwingt uns - zumindest für eine Stunde - zu einer kleinen Zwangspause.

Nachdem Toy uns überzeugt hat, dass man mit langen Haaren ganz schön gut abrocken kann, freuen wir und auf Efterklang, die am späten Abend die Waldbühne - dieses Jahr liebevoll "Beim Waldemar" genannt - bespielen. Die gut gekleideten Dänen sind nicht das erste Mal in Neustrelitz und man sieht ihnen an, dass sie sich hier schon heimisch fühlen. Es wird sogar ein Geschenk überreicht, was am Vortag vom Publikum in Nürnberg gepackt wurde. Nützliche Utensilien von Aspirin bis Feuerzeug wechseln den Besitzer und zum Dank wird das Paket für das Maifeld Derby in Mannheim wieder aufgefüllt.

Team Me entpuppt sich dann als unerwartetes Tageshighlight. Die Norweger verstehen sich gut darin ihr Publikum zu unterhalten. Mit Partydekoration, guter Laune und den passenden Beats springt der Funke sichtbar über und die musikhungrige Masse dankt es mit ausgelassener Stimmung.
Jens Lekman macht dann den offiziellen Headlinerslot auf der Waldbühne. Für meinen Geschmack etwas ruhig zu so später Stunde, aber wer will sich nach so einem Tag schon beschweren. Wir schauen zum Abschluss noch bei Christian Löfflers Liveset vorbei und schlafen dann am frühen morgen mit einem glücklichen Gesichtsausdruck ein.
Tag Zwei beginnt spät und wir brauchen etwas länger um heute in die Gänge zu kommen. Ein fataler Fehler, wird uns von allen vorgeworfen, die die musikalische Eröffnung von Fenster gesehen haben: "Das war das beste Konzert des Festivals. Es gab Standing Ovations am Nachmittag!!". Die angenehm extrovertierte Leslio Clio weckt uns dann so richtig auf und verpasst uns mit "Couldn't Care Less" einen Ohrwurm, den wir so schnell nicht wieder los werden. Das kann aber auch daran liegen, dass er als Zugabe direkt ein zweites Mal gespielt wurde. Eine gute Taktik, denn beim zweiten Mal singen alle mit.
Ein kleiner Regenschauer und dann Beach Fossils. Die 4 New Yorker starten ihr Set sehr zielorientiert und lassen Frontmann Dustin Payseur schon nach wenigen Takten spurlos im Publikum verschwinden. Da wird er begeistert empfangen und der Bewegungsdrang gemeinsam ausgelebt.
Das Gelände füllt sich spürbar und es ist im Vergleich zum Vortag deutlich voller, als Dry The River im Zelt ihr Set beginnen. Das Publikum hat sichtlich Spaß und zeigt sich tanzbereit und erstaunlich textsicher.

Und dann: We Were Promised Jetpacks! Vor drei Jahren waren die Schotten schon mal hier und haben ein Auftritt hingelegt, der für mich persönlich noch immer als Maßstab für ein perfektes Festivalkonzert gilt. Ein paar Jahre später und wir sind immer noch hungrig auf verzerrte Gitarrenmusik und das obwohl - oder gerade weil - sie in der Musiklandschaft viel zu stark an Relevanz verliert. Die fehlenden Synthies und der Distortion-Regler auf Anschlag. Eine perfekte Symbiose, die wir an diesem Wochenende fast zu selten sehen. Auch dieses Jahr ein unumstrittenes Highlight.
Der Folgeact hat es jetzt natürlich nicht leicht hier etwas drauf zu legen, aber wenn man The Notwist heißt, kann ja eigentlich auch nicht so viel schief gehen und bei einem eineinhalbstündigen Set bleibt auch genug Zeit für eine zehnminütige Extended Version von "Different Cars And Trains". Ein traumhafter Ausklang in die Nacht.
Am Ende wurde dann noch ein kleines Geheimnis gelüftet. Auch dieses Jahr war wieder ein Secret Act auf dem Zeitplan zu finden. Unter dem Pseudonym Ed Bounce & DJ Dieter fand sich ein mysteriöser Künstler auf dem Timetable, der im Beschreibungstext mit einem "?" nur bedingt aufgeklärt wird. Dieses Jahr wurde das Geheimnis sehr lange gewahrt und erst beim Bühnenaufbau durch den Jeans Team Schriftzug zweifelsfrei enttart.
Nach einem tollen Wochenende wird wieder klar, warum das Immergut zu unseren Lieblingen gehört. Beständigkeit in allem, was es liebenswert macht: überschaubare Größe, hervorragendes Booking und tolle Menschen. Immergut macht auch dieses Jahr kaum etwas anders und genau alles richtig.























Text und Fotos: Stefan Kracht