Samtig weich schmiegen sich synthetische Soundflächen um zarte Klaviertöne und der Mond bescheint das sacht wogende Wasser auf dem Fluss. Ja, diese Bilder. Dieses ewige Kopfkino zu brillanten Kopfkinosoundtracks, wo erst die Musik da ist und dann der Rest. Eine weitere Ausgabe davon schenkt uns Federico Albanese aus Mailand.
Beziehungsweise aus Berlin, denn dort ist der Italiener hingezogen und diese Stadt versteht er als seinen künstlerischen Mittelpunkt. Und der Kopfkinoaspekt ist gar nicht so weit hergeholt, wenn man bedenkt, dass er lange an verschiedenen Filmsets gejobbt hat bevor er sich entschloss, selbst als Musiker aktiv zu werden. Ein guter Entschluss, wie man feststellt, denn sein Debüt "The Houseboat And The Moon" auf Denovali (zweifelsohne ein riesiger Qualitätslieferant) ist ein herrlich ohrenschmeichelnder, wenngleich auch nicht fließend glatter Trip für das innere Auge geworden. Es ist nicht die nächste schmusige Neoklassikplatte für die Hintergrundbeschallung bei Rotwein und Kerzenschein. Federico Albanese beweist ein ganz starkes Gespür für das Zusammenspiel im Grunde so weniger Zutaten; das Klavier ist sein Hauptmetier, doch ist Albanese kein reiner Pianist wie beispielsweise sein Labelmate Carlos Cipa auf dem wundervollen "The Monarch & The Viceroy"-Album. Hier wird durch Streicher, durch Glöckchen, und immer wieder auch durch flächige Synthetik ein durch und durch cineastischer Sound kreiert, der eher an Kunstwerke wie Rauelssons "Vora" erinnert; manchmal auch ein bißchen Clint Mansell durchschimmern lässt. Doch gerade, wenn man zu tagträumen beginnt und sich allzu sehr in die hübschen kleinen Melodiebögen von "Disclosure" und "Carousel #3" fallen lässt, schlägt das Album plötzlich Haken, lässt Loops wabern und Beats pluckern und verlässt ein bißchen seine sachte Grundrichtung, gerade so weit, dass es den Hörer wach und bei der Stange hält und man fast schon erwartet, dass James Blake gleich anfängt zu singen. Albaneses Kompositionen sind mitreißend dynamisch, und selbst in den klaren, eingängigen Melodiefolgen niemals kitschig. So ist "The Houseboat And The Moon" ein weiteres dieser Alben, die man sich einrahmen möchte in ihrer Schönheit und Eleganz, und Federico Albanese ein Pianist und Künstler, der auf gutem Weg ist, zu den Großen seiner Zunft aufzuschließen.
Text: Kristof Beuthner