Rezensionen 27.03.2013

Grande Roses - Disease [Nois-o-lution / Indigo]

Schon lange keine richtig gute Rockmusik mehr aus Schweden gehört! Was ist da los? Ist das skandinavische Land nicht sonst Qualitätslieferant für sämtliche Genres und Spielarten? Oder will einfach immer noch niemand wieder Gitarrenmusik hören? Mit dem Debütalbum der Grande Roses könnte sich das jedenfalls ändern.

Dabei geht es wie so oft gar nicht so sehr darum, ob die Band dem Rock neue Seiten abgewinnt - sofern das überhaupt jemals nochmal möglich sein wird - sondern welche Mixtur sie wählt, um ihr Rezept so schmackhaft wie möglich zu machen. Und der Fünfer um Göran Andersson, der übrigens singt, als hätte er eine Packung Reißzwecken mit Southern Comfort runtergespült (und das meine ich im besten Sinne; irgendwo zwischen Ian Curtis und Joey Ramone) besinnt sich auf goldene Zeiten in dunklen und verrauchten Kellerclubs, in denen man das Bier in der einen Hand hielt und die andere Faust gen Himmel reckte. Ja, das ist mittlerweile allerfeinstes Pathos, aber das geht auch klar so. Die Grande Roses vereinen auf "Disease" den brachialen Rock'n'Roll der Hellacopters mit dem düster-melancholischen Schmiss der Sisters Of Mercy; sie sind lärmig und sich auch für ein Gitarrensolo nicht zu schade, schaffen aber immer wieder auch Soundflächen von immenser Tiefe. Es klingt manchmal sehr nach Proberaum, hier ist wenig glatt poliert und das verleiht der Musik eine unfertige, aber auch herrlich unmittelbare Wahrhaftigkeit. Dass es Göran Andersson und seinen Jungs aber nicht darum geht, ein musikalisches Referenz-Ratespielchen zu veranstalten, lässt sich ganz gut daran erkennen, dass sie eben auch ein nicht unbeträchtliches Hitgespür haben. Die wollen schon auch in dein Ohr und nicht in eine "sounds-like"-Schublade. "Radio Heartbreak" mag vom Titel her nicht darauf schließen lassen, aber es ist eine großartig treibende Hymne mit viel Wiedererkennungswert. "You're Never Gonna Change" schlägt deutlich nachdenklichere Töne an, und "As The Poison It Is" ist mit seiner Dramaturgie und seiner starken Melodie der beste Song der Platte, konkurriert aber hart mit dem herrlich getragenen "Sunken Ship". Und so transportiert "Disease" eben tatsächlich dieses Lebensgefühl, von dem ich eingangs sprach; diese Gratwanderung zwischen verqualmter Emotion und harter Rockpose (wobei sich beides sowieso nicht zwingend ausschließen muss). Es ist ein Album, bei denen man zur einen Hälfte die Tanzfläche entert und die andere möglichst laut per Kopfhörer im Keller hört. Die Ehre der Schweden ist wieder hergestellt, würde ich sagen.

 

Text: Kristof Beuthner