Artikel 29.02.2012

human nature

Die Naturfotografien von Debbie Carlos erinnern an stürmische Regentage in Schweden. Man stellt sich vor, wie Carlos wochenlang in einem Zelt gelebt hat, lediglich von Tütensuppe und Ravioli ernährt durch das dichte Gestrüpp oder die weitläufigen Seenplatten gewandert ist, um scheue wilde Tiere fotografieren zu können. Allerdings machte sie die Fotos für ihre Reihe human nature nicht in Schweden, sondern mitten in Chicago.

Fein säuberlich, hinter dicken Glasscheiben oder auf umzäunten Podesten und von Sicherheitsleuten bewacht liegt alles im Field Museum von Chicago für den Besucher bereit. Kleine Informationskärtchen, themenorientierte Räume und eine Menge Plastikpflanzen versuchen die Natur möglichst verständlich wiederzugeben. Dazwischen stehen ausgestopfte Tierpräparate in passender Pose. Alles ist kategorisiert - dem Besucher verständlich dargelegt und präsentiert. Vom Chaos der Natur ist nichts mehr zu sehen außer einem inszenierten Klischee - ein Klischee, wie Natur auszusehen hat, das aber den Dornenbusch, das scheue Reh und die Bewegung, das der Natur eigene stetige Wachstum außen vor lässt.

Debbie Carlos merkt an, dass diese Tiere ausgestellt wie etwas beinah vergessenes und ausgestorbenes wirken. In ihren Fotos, die immer mit Ausschnitten und dem Wegblenden eben jener Kategorisierung und Wissensvermittlung des Museums arbeiten, versucht sie den Tieren eine Lebendigkeit zurückzugeben. Ganz bewusst fängt sie das romantische Potenzial dieser Tierdarstellungen ein und versucht so die museale Determiniertheit zu unterlaufen, durch Assoziation des Betrachters die fernab eines Logischen liegen.

Die ganze Fotoreihe kann man auf Debbie Carlos Homepage sehen.

 

Text: Lasse Scheiba

Fotos: Debbie Carlos