Im Jahr 2012 gab es das letzte Album gewordene Lebenszeichen der großartigen Holmes aus Schweden, und wir werden wohl noch etwas weiter warten müssen. Ihr Sänger Kristoffer Bolander vertreibt uns währenddessen mit einem zutiefst traurigen Soloalbum die Zeit.
Die Schweden von Holmes gehören mit Sicherheit zu diesen Bands, die von der Öffentlichkeit viel zu sehr vernachlässigt wurden, aber sofort die Herzen im Sturm erobern, wenn du sie mal jemandem zeigst. Diese tiefe Melancholie gepaart mit epischer Schönheit lässt einfach überhaupt keine Diskussion zu, hochklassig, tief und ehrlich, wie sie ist. Doch all die musikalische Grandezza wäre nichts ohne eine Stimme, die sich tief in dein Nervensystem bewegt und dort gleichzeitig schmeichelt und schneidet, und im Falle von Holmes gehört eine solche Stimme zu Kristoffer Bolander. Er ist der Band gleichzeitig Sinngeber und tragendes Element – auf ein neues Holmes-Album nach „Burning Bridges“ warten wir jetzt allerdings schon seit einigen Jahren sehnsüchtig, so dass ein Solo-Auftritt ein mehr als willkommenes Lebenszeichen ist.
Dabei finden wir Verweise auf einen Alleingang Bolanders im Grunde vor allem in den zurückgezogenen Momenten des Albums, auf denen er seine immer noch zutiefst nachdenklichen und traurigen Weisen nur von einer Akustikgitarre oder einer Orgel tragen lässt. Das ist auch deshalb nicht besonders überraschend, weil er sich für die Songs im Bandformat primär mit Freunden und alten Weggefährten verstärkt hat; unter anderem ist Johan Björklund dabei, der auch bei Holmes die Lap Steel spielt. Und dass der Grundton der Platte – wie man es ja auch von Holmes kennt – nicht gerade freudig und farbenprächtig erscheint, wenn sich Bolander auf Samuel Becketts „Malone stirbt“ und die damit verbundenen Gedanken zu Tod und Endlichkeit bezieht, sollte sich von selbst verstehen. Zwischen schmerzlich reduziertem Americana und ausufernd majestätischem Prog-Bombast ist „I Forgive Nothing“ eine bis ins letzte Detail stimmige Untermalung für Kristoffer Bolanders unverändert und unverbraucht klagend-wehmütigen Gesang, den in dieser Form derzeit wohl nur die Isländer von Low Roar so sehnsüchtig hinbekommen. Sehr poetisch, sehr kathartisch klingt dieses Album; die Mühe und die Arbeit von zwei Jahren intensiven Songwritings hört man ihm an, und ebenso schnell wie es einen greift und an sich zieht hat man auch schon aufgehört, darüber nachzudenken, ob auf dem Cover Holmes steht oder nur der Name dieses Sängers, weil es letztlich keine Rolle spielt und es einfach nur schön ist, dass uns diese Platte Anfang Dezember noch erreicht hat.
Text: Kristof Beuthner