Rezensionen 12.02.2013

Kurzkritiken #01/13. Mit Torpus & The Art Directors, Friska Viljor, Ron Sexsmith u.a.

Der Kurzkritikenmann beschließt für das Musikjahr 2013 eine Neuerung: Er macht seine Kurzkritikenrubrik lesenswerter. Und bringt jetzt immer nur noch sechs Alben darin unter, zwei weniger als zuvor. Eine kleinere, aber illustre Runde soll es sein; leichter wird es, ihr zu folgen. Und der Weg zur Leichtigkeit kann kein schlechter sein. In diesem Sinne: On your marks, get set, go!!

Adam Green & Binki Shapiro - Adam Green & Binki Shapiro [Concord / Universal]

Hatten wir uns vor kurzem noch ausgiebig darüber ausgelassen, dass wir von Mando Diaos Rückkehr zum Geschmack überaus entzückt sind, kommt nun eine gebrochene Lanze für Adam Green. Indieyouths Darling von 2005. Danach kam nicht mehr viel. Nicht viel bemerkenswertes zumindest. Vieles macht er nun wieder gut, zusammen mit Binki Shapiro, ihres Zeichens Sängern des Folkprojektes Little Joy. Da passt was zusammen, und so sehr nach den 1960er Jahren hat lange niemand geklungen wie diese beiden in trauter Zweisamkeit. Da wabern imaginäre Sepia-Schleier durch unser Kopfkinobild von mit ausgebreiteten Armen tanzenden jungen Menschen mit Blumenkränzen auf dem Kopf über eine grüne Wiese. Da erinnern wir uns an längst vergessene Mitschnitte der Sendung "Beat Club", die wir uns von unseren Eltern ausgeliehen haben. Der Wohlfühlfaktor dieser Platte ist immens, Binki Shapiro nicht nur wegen ihres Vornamens äußerst entzückend. Und Adam Green gehört endlich wieder zu den Guten.

Friska Viljor - Remember Our Name [Crying Bob / Cargo]

Eigentlich komisch, dass die Schweden von Friska Viljor ihr Album ausgerechnet so nennen. Wissen wir nicht längst, wer sie sind, die beiden langhaarigen, skandinavischen Hillbillies mit ihrem Hang zu alkoholischem Getränk und, damit einhergehend, ausschweifender Emotionalität? Oder - schluck! - ist das gar eine Art Abschied? Warte. Nicht so schnell. Sprechen wir über das, was ist. Und da wirkt es halt, als hätten Daniel Johansson und Joakim Sveningsson eben zum fünften Mal das gleiche Album aufgenommen. Okay, ganz so drastisch ist das nicht - und obendrein ist das im Falle von Friska Viljor auch nichts schlimmes. Eine neue Nuance hier, das ein oder andere neu ausprobierte Instrument da, aber die wesentlichen Elemente - ihr waidwunder Gesang und das Gespür für mitreißende Melodien - sind geblieben. "Remember Our Name" ist halt ein weiterer Beweis dafür, dass diese Band es kann; allerdings hätte es einem weiteren Beweis auch nicht unbedingt bedurft. So bleibt die ein oder andere Hymne für den Indieclub; alles in allem ist die Platte aber ein wenig spektakulärer Fanpleaser.

Ron Sexsmith - Forever Endeavour [Cooking Vinyl / Indigo]

Ron Sexsmith ging es nicht so besonders. Ihm wurde ein Knoten unter der Zunge attestiert, und auf einmal hatte er Todesangst. Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass "Forever Endeavour", sein neues Werk, nicht nur strahlt und er Sachen singt wie "There's nowhere to go but down". Da besagter Knoten aber gutartig war und letztlich keine Lebensgefahr bestand, ruhen die eben philosophischer als sonst erscheinenden Texte auf dem gewohnt beschaulichen Instrumentarium eines Songwriters, der ohnehin nicht für musikalisches Spektakel steht, sondern für die gute Klasse und die Gewissheit, alle paar Jahre ein äußerst entspanntes Album zu veröffentlichen. Das auch hier wieder von seiner herrlich warmen Stimme und seinem Talent für schöne Melodien lebt; musikalisch und von der Klasse der Songs aber - und das muss man leider sagen - etwas hinter dem Vorgänger "Long Player, Late Bloomer" zurück steht. Und trotzdem fraglos eine Pop-Platte ist, wie sie in den Hitparaden dieser Welt nicht statt finden wird, obwohl sie im Grunde hinein gehört. Damit soll er bitte niemals aufhören.

Torpus & The Art Directors - From Lost Home To Hope [GhvC / Indigo]

Nach dem Dahinscheiden von Felix Gebharts Home Of The Lame brauchte das Hamburger Grand Hotel van Cleef ein neues Folkpferd im Stall. Und da bei diesem Label bekanntlich Leute mit gutem Geschmack und dem Herz am richtigen Fleck tätig sind, ist es kein Wunder, dass Sönke Torpus und seine Art Directors die entstandene Lücke nicht nur füllen, sondern auch neue Maßstäbe setzen. Denn ihr Debüt "From Lost Home To Hope" - bereits seit geraumer Zeit in den Playern der Gutgeschmäckler allerorten zuhause - bewegt sich so gekonnt im wärmend-strahligen, mitreißend inszenierten Folkpop-Zirkus von Epigonen wie... ach, ich nenn die jetzt nicht nochmal, dass es eine wahre Freude ist. Das Album ist nicht so melancholisch wie die Grundausrichtung von Home Of The Lame, aber über eine Nachfolge wird eh keiner sprechen, daher lassen wir es jetzt auch. Fakt ist, dass Sönke Torpus es mit seiner Band sehr schnell geschafft hat, heiß begehrt zu sein, für ausverkaufte Clubs zu sorgen und reihenweise Slots für den nahenden Festivalsommer abzugreifen. Wir finden: Dies geschieht absolut zurecht. Zum Beweis: Einfach mal "Fall In Love" anspielen.

Max Schröder & Das Love - Max Schröder & Das Love [Meekalonious Pip / Rough Trade]

Max Schröder? Da war was! Richtig: Teil der Hansen Band. Kinderliedersänger mit Heike Makatsch. Vor allem aber Der Hund Marie, zeitweilig die bessere Hälfte von Olli Schulz, seit einigen Jahren nun schon alleine. Und jetzt erstmals unter seinem eigenen Namen firmierend, zusammen mit Das Love, seiner ihn mit rauem Rock-Pop-Schrammel unterstützenden Band. Und Herr Schröder wollte, das seine neue Platte kratzig klingt. Nach Lo-Fi klingt sie nicht, so weit darf man nicht gehen, aber ja, sie kratzt, sie scheppert, sie ist Musik gewordenes Understatement eines Understatement-Künstlers, der gerne im Hintergrund war und nun mit seiner Stimme wesentlich offensiver nach vorne geht, als er das auf seinem Soloalbum in Gestalt von Der Hund Marie getan hat. Da werden Erinnerungen an The Clash oder Ringo Starr nicht zufällig in den Raum geworfen. Große Popmusik aus der schönen Stadt an der Elbe ist es, da passt diese Platte hin. "Max Schröder & Das Love" ist hörbar ein Album, das sein Interpret genau so machen und haben wollte. Das macht es nicht aufgeregter, aber umso authentischer.

The Late Call - Pale Morning Light [Tapete / Indigo]

Johannes Mayer alias The Late Call ist einer der ganz großen Schönspieler des ewig tollen Tapete-Labels. Zudem ein äußerst produktiver; liegt doch sein letztes Album noch keine zwei Jahre zurück. Nun ist "Pale Morning Light" da, und es wird eröffnet von einem so einnehmenden Piano zu dem sich Mayers seit jeher durch seine Wärme tief bewegende Stimme gesellt, dass man diesem Musiker einmal mehr verfällt. Sein großes Plus ist sein Überraschungseffekt, mit dem Mayer es immer wieder schafft, die Richtung seiner Songs zu verändern, sie treiben zu lassen, spannend bleiben zu machen. Seine Version von Folkpop ist frei wie das goldgelbe Land unter dem hellblauen Himmel, das er malt; seine Stücke sind innig und brillant, seine Instrumentierung facettenreich, wenngleich nach wie vor eher dezent und unaufdringlich als überbordend und erdrückend. Es ist auch auf The Late Calls neuem Album alles am richtigen Platz; diese Songs sind kleine Kunstwerke; ihre Klasse weit unterschätzt. Diesen Mann muss man sich dringend auf den Zettel schreiben.



Text: Kristof Beuthner