Rezensionen 16.11.2015

Lanterns On The Lake - Beings [PIAS / Coop / Bella Union / Rough Trade]

Der nächste Schritt ist gemacht: Hazel Wilde und ihre Lanterns On The Lake sprechen auf "Beings" aus, was auf den beiden Vorgängern noch unausgesprochen blieb und schaffen trotzdem einen beeindruckenden Spagat zwischen Traumwelt und Realität.

Während das Debüt "Gracious Tide, Take Me Home" noch in Sigur Rós-Opulenz und Minimalfolk schwelgte, wandte sich der Nachfolger "Until The Colors Run" schon deutlich offensiver dem Pop und der Melodie zu. Was das angeht, bleiben Lanterns On The Lake auch mit "Beings" auf ihrem Weg, nicht ohne ihn mit Spinnennetzen und Nebelschwaden zu verhängen. Hazel Wildes Vocals sind nun endgültig tragendes Element geworden; auch stehen sie spürbar präsenter vor den immer noch geisterhaft versponnenen, aber wesentlich öfter mit schwärmerischen Bläsern und Percussions arrangierten Dreamfolk-Stücken. Dreamfolk, ja: Auch "Beings" verortet die Lanterns noch nicht endgültig im -pop, auch wenn man ihnen inzwischen immer besser folgen kann und das Album nicht mehr allein zur reinen Beschallung verregneter Herbsttage dient. Einem gelegentlichen Knistern und geisterhaft verzerrten Klagelauten hier und da ist es zu verdanken, dass das trotzdem ganz gut funktioniert. Aber "Faultlines" ist die erste veritable Single, die uns diese Band präsentiert; eine verträumte Klaviermelodie schmückt beinahe treibende Drums; das ist eine klare Öffnung des romantischen Kosmos, und würde es nicht so gut klingen dabei, wäre man vielleicht fast schon ein wenig erschreckt darüber. So wie auch über die zartfühlende Pianoballade "Send Me Home" und das urplötzlich mit elektrischen Gitarren loslärmende "Through The Cellar Door", zu dessen aufwühlendem Sound die Stimme von Hazel Wilde allerdings auch einen besonders schönen Kontrast bietet. Mit der lautmalerischen Schönfärberei ihrer Anfangstage hat "Beings" wirklich nicht mehr viel zu tun, pluckernde Beats und Synthieflächen hier, hallige Drums und Pianoläufe dort definieren Lanterns On The Lakes Position in der attraktiven Schnittstelle zwischen synthetisch-verspukter Traumwelt und melodieklarer Realität. Die Entwicklung ist so konstant wie konsequent: "Beings" hebt die Band vom Dasein als naturromantische Soundfrickler hinein in eine Liga, in der I Break Horses oder CHVRCHES schon lange zuhause sind.

 

Text: Kristof Beuthner