Neuigkeiten 19.06.2016

Nillson empfiehlt: Das Hurricane / Southside-Festival 2016

Die Zeit läuft, in vier Tagen ist wieder Hurricane. Und Southside. Nachdem wir im letzten Jahr mit Scorpios Festival-Aushängeschild, seiner Größe und seinem Eventcharakter Frieden geschlossen haben, kommt für die Jubiläumsausgabe zum 20. Geburtstag tatsächlich große Vorfreude auf.

Zwanzig Jahre Hurricane: Das bedeutet auch für jeden von uns ein Stück Musikgeschichte. Das Festival am Eichenring in Scheeßel ist über die Jahre mächtig groß geworden, gehört neben Rock am Ring definitiv zum Umfangreichsten, was der hiesige Festivalsommer zu bieten hat. Dazu gehört aber eben auch: Das unbefangene Entdecken von Perlen, die wir sonst nirgendwo zu sehen kriegten, und das Abfeiern großer Headliner, die wir ebenfalls nirgends sahen, weil wir uns als Teenies das teure Eintrittsgeld für die großen Hallen nicht leisten konnten oder halt nicht in München, Berlin oder Köln wohnten und uns den Trip nach Hamburg wegen der Schule am nächsten Morgen zweimal überlegten.

Was haben wir für großartige Konzerte in Scheeßel gesehen. Maximo Park, Oasis, die Foo Fighters, immer wieder Sigur Rós. Wie oft standen wir um 12.30 vor der Green oder der Blue Stage, um uns 20 Minuten lang Bands wie die Shout Out Louds, Voltaire oder Athlete anzusehen, die über die Jahre auf dem Festivalplakat immer weiter nach oben rutschten. Wir erlebten mit dem Hurricane die Neuerfindung von Deichkind, die seltsame Faszination von Rammstein-Konzerten und die ungebremste Energie, die zehntausende springende Menschen zu den Hives oder den Beatsteaks entwickelten.

Klar: Über die Jahre ist aus dem Hurricane ein Event geworden, ein durchaus massenkompatibles, längst nicht mehr nur für den Geschmack abseits des Mainstreams. Fragwürdige Combos wie Jennifer Rostock, Revolverheld oder - in ihrer Unnötigkeit unerreicht - Katy Perry schafften den Sprung ins Lineup. Fernsehstationen zeichneten zunächst nur auf, übertrugen schließlich live. Und das Hurricane wurde zu einem dieser Festivals, die „man mal mitgemacht haben musste“. Das musikaffine Publikum durchmischte sich immer stärker mit Atzenfans und Ballermann-Touristen. Das machte nicht immer Spaß. Das umweltbewusste Green Camping wurde langsam aber sicher zum Auffangbecken für Frustrierte, die keine Lust auf Megaphonlärm und Böhse Onkelz aus mitgebrachten Riesenanlagen hatten.

Aber das Hurricane erhielt sich, das stellten wir letztes Jahr mit großer Freude fest, trotz aller Größe einen gewissen familiären, ja ländlichen Charme. Und wir wurden ja auch nicht jünger. Vieles schon gesehen, viel weniger leicht zu beeindrucken. Der Konkurrenzkampf zwischen Rock am Ring und Grüne Hölle Rock im letzten Jahr, das in einem absurden Wettbieten um exklusive Bandauftritte und Fantasiegagen gipfelte, war für das Hurricane und uns eine neue Chance: Nicht mehr höher, schneller, weiter, sondern Konzentration auf das Beste, was man bekommen konnte. Klar war das Lineup weniger wohlklingend als in den Vorjahren gewesen, das ermöglichte aber auch eine schöne Entdeckungsreise ohne Overkill und Hetzen von Bühne zu Bühne mit denkwürdigen Shows von First Aid Kit, East Cameron Folkcore, den Counting Crows oder Metz, mit abendlichen Highlights wie dem Black Rebel Motorcycle Club oder Placebo. Wir machten unseren Frieden und hatten eine supergute Zeit.

Dieses Jahr wird das Hurricane also 20, und das Geburtstagsaufgebot kann sich durchaus sehen lassen. Vielleicht müssen wir über Rammstein immer noch nicht sprechen, wohl aber immer noch über The Prodigy, Mumford & Sons, Deichkind, The Hives und Maximo Park. Wir dürfen uns auf Newcomer wie Blossoms, Courtney Barnett, Bear’s Den (die wir uns als eine Sternstunde vorstellen) oder DMA’s freuen. Und auf gute, alte Bekannte wie Anti-Flag, The Offspring, Pennywise und die Editors, die uns musikalisch sozialisiert haben. Es gibt Feinheiten wie Frank Turner & The Sleeping Souls, Boy, Two Door Cinema Club oder Kvelertak und Bands wie Flogging Molly und die Dropkick Murphys, die seit Jahren nur in dieser Konstellation und an diesem Ort für uns funktionieren. Und die Booker machen uns die Wahl leicht, denn Wanda, Gestört aber geil, Jennifer Rostock, Joris, Genetikk, Trailerpark oder Haftbefehl gehen wir sicherlich ganz gerne aus dem Weg. Dazu darf man gespannt sein, wie AnnenMayKantereit auf der großen Festivalbühne aussehen werden, denn diese Erfahrung haben wir bisher noch nicht gemacht.

Dazu setzen die Veranstalter auch 2016 wieder voll auf Umweltbewusstsein: Das Anreisen mit der Bahn wird belohnt, eine Ausgabe vom Penny Markt bietet zu fairen Preisen Lebensmittel an, die der Schlepperei im Auto vorbeugen sollen. Foodtechnisch darf man sich neben den Klassikern à la Handbrot wieder auf eine erlesene Reihe an Foodtrucks, die auf regionale und biologisch wertvolle Zutaten für ihre Sandwiches, Burger, Fritten und Burritos in unzähligen fleischhaltigen, vegetarischen und veganen Variationen setzen, freuen. Und im Green Camp zeltet man mit besonderem Fokus auf Umweltschutz, gegenseitigem Respekt und Nachhaltigkeit.

Wenn wir das so aufzählen: Ja, wir freuen uns. Wir freuen uns so richtig. Leider ist das Festival ausverkauft und Tickets kursieren auf dem Schwarzmarkt zu Fantasiepreisen, aber: Je näher das Wochenende rückt, desto glücklicher werden unglückliche Nichtfahrer sein, ihre Karten wenigstens noch zum Originalpreis kurzfristig loszuwerden. Also, Kurzentschlossene: Haltet die Augen offen!

Wir geben euch hier noch einen kleinen Laufplantipp an die Hand, natürlich ohne Gewähr. Für das Southside gelten natürlich andere Laufpläne, da sind wir selbst aber nicht am Start um zu berichten. Checkt doch einfach die Festival-Websites, um euch selbst einen Überblick zu verschaffen. Wir sehen uns da!

Freitag

16:00, White Stage: KELVIN JONES
17.15, Red Stage: GOOD RIDDANCE
19.45, Green Stage: THE HIVES
20.45, Blue Stage: ANNENMAYKANTEREIT
23.30, Red Stage: BOYSETSFIRE
01.00, Red Stage: PENNYWISE

Samstag

12.30, Blue Stage: FJORT
12.45, Red Stage: DE FOFFTIG PENNS
13.30, Blue Stage: DMA’s
15.15, Green Stage: KVELERTAK
15.45, White Stage: TWIN ATLANTIC
17.45, Red Stage: BEAR’S DEN
19.00, Blue Stage: FRANK TURNER & THE SLEEPING SOULS
20.45, Blue Stage: EDITORS
23.15, Red Stage: MAXIMO PARK

Sonntag

13.00, Green Stage: BLOSSOMS
14.00, Green Stage: THE HEAVY
15.15, Green Stage: THE SUBWAYS
17.00, Red Stage: AUGUSTINES
19.15, Blue Stage: TWO DOOR CINEMA CLUB
20.15, Green Stage: BLOC PARTY
21.15, Blue Stage: DEICHKIND
22.30, Green Stage: MUMFORD & SONS
22.45, White Stage: HVOB


Hier nochmal die harten Fakten:

Was? Hurricane / Southside Festival
Wann? 23.-26.6.2016
Wo? Scheeßel / Neuhausen ob Eck
Wieviel? Ausverkauft!
Mit wem? Rammstein - Mumford & Sons - The Prodigy - Deichkind - K.I.Z. - Axwell Ingrosso - The Offspring - AnnenMayKantereit - Dropkick Murphys - Bloc Party - James Bay - Fritz Kalkbrenner - Two Door Cinema Club - Trailerpark - The Hives - Flogging Molly - Editors - Frank Turner & The Sleeping Souls - Bosse - Jennifer Rostock - Wanda - Prinz Pi - Royal Republic - Genetikk - Boy - Die Orsons - The Wombats - Boysetsfire - The Subways - Pennywise - Tom Odell - Feine Sahne Fischfilet - Von Brücken - Haftbefehl - Maximo Park - Joris - Augustines - Blues Pills - Anti-Flag - Skindred - Gloria - Kvelertak - Eskimo Callboy - Courtney Barnett - Zebrahead - Polica - Jack Garratt - Half Moon Run - Yeasayer - Turbostaat - Jamie Lawson - Emil Bulls - Walk Off The Earth - The Heavy - X-Ambassadors - Oh Wonder - Elle King - Chakuza - Elliphant - Balthazar - Twin Atlantic - Good Riddance - Zugezogen Maskulin - Bear’s Den - Schmutzki - Hiatus Kayote - Lance Butters - Ryan Bingham - Chefket - DMA’s - The Devil Makes Three - Rat Boy - The Stanfields - Highasakite - BORNS - Blossoms - H0990 - Herrenmagazin - Fjort - Kelvin Jones - Erik Cohen - Barns Courtney - Vauu - Tüsn - Kiko King & Creativemaze - Tired Lion - The London Souls - I Am Jerry - De Fofftig Penns - Aberhallo - Boys Noize - Digitalism - A-Trak - Zeds Dead - Fraktus - Gestört aber geil - Egotronic - HVOB - Rampue - Großstadtgeflüster - Romano - Chefboss - Swiss + Die Andern


Text: Kristof Beuthner