Letztes Jahr waren wir zum ersten Mal beim Denovali Swingfest, das jetzt Denovali Festival heißt. Musikalisch war das eine in jeder Hinsicht Grenzen öffnende, über die Maßen intensive Erfahrung. Das wollen wir dieses Jahr wieder. Nun wurden die ersten Acts für das "große Fest" in Essen veröffentlicht.
Das Bochumer Label Denovali sorgt mit großer Stringenz für hochklassige Musik in den Bereichen Postrock, Darkjazz, Drone, Doom, Ambient und Neoklassik. Alben wie "The Houseboat & The Moon" von Federico Albanese, "The Monarch & The Viceroy" von Carlos Cipa, "The Heritage" von Her Name Is Calla oder "Impetus" von Sebastian Plano gehörten gerade im letzten Jahr zu den meist nachts gespielten Platten meines Musikjahres.
In diesem Jahr startete das Label die sogenannte Denovali Residency-Tour durch diverse Locations, jeden Monat mit zwei anderen Künstlern. Greg Haines, Petrels oder Piano Interrupted haben wir schon sehen dürfen. Die gute Resonanz des Publikums spricht für sich: In diese sehr vielschichtige Art von Musik abzutauchen, ist ein Erlebnis tiefer Natur und ein äußerst belohnender Trip. Außerdem hat die Tour mächtig Appetit auf den den Juni und den Oktober gemacht.
Die Berliner kommen nämlich schon im kommenden Monat in den Genuss des Denovali Festivals, das neben Essen und Berlin auch in London stattfindet. Am 13. und 14. Juni darf man im Radialsystem V in Friedrichshain tief abtauchen. Dabei sind dann die neben den französischen Düster-Elektronikern Witxes auch unter anderem die letzt- bzw. diesjährigen Label-Neuzugänge Floex aus Tschechien, Ah! Kosmos aus der Türkei und Ricardo Donoso aus Brasilien, alle mit sehr individuellen visionären Soundscapes zwischen Ambientpop, Melancholie, Katharsis und Experimentierfreude. Außerdem wird die norwegische Jazz-Ikone Nils Petter Molvær eins seiner raren Konzerte spielen. Tickets gibt es noch für beide Tage, sie kosten je 30 Euro.
Das Festival in Essen umfasst zwei Tage mehr und startet schon am Donnerstag, dem 1.10., was ja noch ein bißchen hin ist - trotzdem ist jetzt schon fast das komplette Lineup veröffentlicht worden, lediglich sechs Acts kommen noch dazu.
Auch hier werden die Witxes spielen, weiterhin gibt es wundervoll filigrane Klavierkunst von Carlos Cipa und stilvolle Synthetik von Sankt Otten. Besonders gespannt bin ich persönlich auf die Iren von The Second Moon of Winter, die verspukte Sounds mit einer Sopranstimme mischen, was besonders live sicher spannend wird.
In diesem Jahr soll ein besonderer Fokus auf audiovisuellen Performances liegen. Das kann man sich beim faszinierend progressiven Noise von Oneirogen, Mondkopf oder Blanck Mass ziemlich gut vorstellen. 2014 waren es vor allem die durch Videoinstallationen unterstützten Auftritte von Origamibiro oder Demdike Stare, die stark im Gedächtnis blieben. Auch hier kann man jetzt schon Karten bekommen: Der Donnerstag, an dem Thomas Köner sein Album "Tiento de las Nieves" präsentiert und Kaitlyn Aurelia Smith ihre wundervollen "synth sound sculptures", wie es das Label so treffend beschreibt, kostet 13 Euro. Die übrigen drei Tage bekommt man entweder für 90 Euro im Gesamtpaket oder für je 30 Euro einzeln, wenn man nur für einen oder zwei Tage kommen will.
Wir empfehlen den Besuch bei diesen Festivals dringend all jenen, die ihr Spektrum erweitern, mal was anderes sehen oder einfach nur rare Konzerte von wunderbar visionären Künstlern erleben wollen.
Hier nochmal die harten Fakten:
Denovali Festival Berlin 2015
Wann? 13.-14. Juni 2015
Wo? Radialsystem V, Berlin-Friedrichshain
Wieviel? Tageskarten gibt es für je 30 Euro über www.denovali.com/festival/berlin
Mit wem? Samstag: Nils Petter Molvær und Moritz von Oswald; Hidden Orchestra; Ricardo Donoso; Poppy Ackroyd. Sonntag: Forest Swords; Floex; Ah! Kosmos; Witxes
Denovali Festival Essen 2015
Wann? 1.-4. Oktober 2015
Wo? Weststadthalle, Essen
Wieviel? Donnerstag 13 Euro, Freitag bis Sonntag entweder 90 Euro insgesamt oder jeweils 30 Euro
Mit wem? Donnerstag: Thomas Köner; Kaitlyn Aurelia Smith. Freitag: Holly Herndon; Ah! Kosmos; Mondkopf; Oneirogen; Moon Zero. Samstag: Blanck Mass; Emptyset; Orson Hentschel; Noveller; Second Moon of Winter; Witxes. Sonntag: Carlos Cipa; Hidden Orchestra; Poppy Ackroyd; Sankt Otten.
Text: Kristof Beuthner