Der Festivalsommer ist spätestens seit dem Reeperbahn-Festival vorbei, und wir frösteln, weil der Herbst jetzt unwiderruflich da ist. Doch wir klammern uns an einen Gedanken: Das war es schon für dieses Jahr? Mitnichten. Die gute Nachricht ist: Es gibt noch was für Gourmets.
Und zwar das Denovali Swingfest in Essen, das seit 2007 stattfindet und in diesem Jahr in seine sechste Runde geht. Das Bochumer Label gestaltet seit geraumer Zeit vornehmlich unseren Nacht-Soundtrack mit seinen fantastischen Künstlern, die zwischen Doom, Darkjazz, Neoklassik, Postrock und Ambient pendeln. Eine hohe Bandbreite, die sich auch seit Jahren im fantastischen Festivalbooking wiederspiegelt, das übrigens nicht nur aus labeleigener Musik, sondern auch aus erlesenen soundverwandten Gästen besteht.
Das Konzept des Festivals ist dabei so nachahmenswert wie sein Booking stilsicher: Die Länge der Shows variiert nicht nach Größe der Namen; jede Band, jeder Künstler bekommt eine Stunde Zeit. Es gibt im Grunde so gesehen auch nicht "den" Headliner, der eben am längsten spielt, weil er am bekanntesten ist. Lediglich an der Uhrzeit des Slots lässt sich der Status der Künstler in etwa ablesen.
Und es sind schon wirklich tolle Namen vertreten in der Weststadthalle, bekannte wie weniger bekannte. Ben Frost beispielsweise hat mit "Aurora" eines der faszinierendsten Contemporary Noise-Alben des Jahres abgeliefert. A Silver Mt. Zion sind ohnehin über jeden Zweifel erhaben; gleiches gilt für Hauschka, dessen aktuelles Album "Abandoned Cities" auf hochspannende Weise die Leere und die verblassenden Erinnerungen verlassener Orte klangkünstlerisch festhält. Und dann sind da noch die stoischen Minimalisten von Bohren & Der Club Of Gore und der nimmermüde Greg Haines, dessen cineastische Klanglandschaften für eine Stunde eigentlich gar nicht ausreichen.
Schon am Donnerstag beginnt das Festival übrigens verheißungsvoll mit einem auf 250 Einzeltickets limitierten (weil bestuhlten) Piano-Abend. Federico Albanese, der mir dieses Jahr eines der schönsten Klavieralben überhaupt geschenkt hat, wird genauso am Start sein wie der Argentinier Sebastian Plano, dessen Experimente zwischen Cello und Klavier gerade live ein Ereignis sind.
Düster dystopische Soundscapes von The Haxan Cloak, sphärisch mäandernde Klangkonstrukte von Rafael Anton Irisarri, Hochklasse-Elektronik von James Holden, der live mit Drummer antritt, oder angejazzter Postrock von The Samuel Jackson Five - es ist so viel Spielfläche für eine so illustre Runde an Experimentalkünstlern da, dass man vor Impressionen und Inspirationen schier überlaufend am Sonntagabend die Heimreise antreten wird. So viel Kopfkino, so viel Kunst - das muss man sich anschauen.
Das Festival wird genau heute in einer Woche, also am Donnerstag, dem 2.10., starten. Tickets sind über denovali.com/swingfest/essen/ noch zu haben. Der Piano-Abend kostet solo 12,00 Euro; die drei folgenden Tage gibt es im Kombipack für 90,00 Euro oder je einzeln für 30,00 Euro.
Nillson empfiehlt ausdrücklich diese liebevoll aufbereitete Klangreise und freut sich jetzt schon unfassbar auf ein unvergessliches Wochenende.
Hier nochmal die harten Fakten:
Was? Denovali Swingfest 2014
Wo? Weststadthalle Essen
Wann? 2. bis 5. Oktober 2014
Wieviel? Kombiticket für 90,00; Tageskarten für Freitag, Samstag und Sonntag für je 30,00 Euro. Der Piano-Abend am Donnerstag muss für 12,00 extra gelöst werden.
Mit wem? Da verweise ich galant auf den Timetable:
Donnerstag, 2.10.
20.00 Federico Albanese, Sebastian Plano
Freitag, 3.10.
15.00-16.00 Pan & Me
16.30-17.30 Ensemble Economique
18.00-19.00 Rafael Anton Irisarri
19.30-20.30 Oval
21.00-22.00 Petrels
22.30-23.30 Demdike Stare
00.00-01.00 The Haxan Cloak
Samstag, 4.10.
14.30-15.30 John Lemke
16.00-17.00 Origamibiro
17.30-18.30 Piano Interrupted
19.00-20.00 Never Sol
20.30-21.30 Bohren & Der Club Of Gore
22.00-23.00 Greg Haines
23.30-00.30 James Holden
Sonntag, 5.10.
12.00-13.00 Franz Kirmann
13.30-14.30 The Eye Of Time
15.00-16.00 The Samuel Jackson Five
16.30-17.30 Hauschka
18.00-19.00 Moon Zero
19.30-20.30 Ben Frost
21.00-22.30 A Silver Mt. Zion
Text: Kristof Beuthner