Das deutsch-holländisch-luxemburgische Trio Say Yes Dog hat auf jeden Fall schon mal etwas Gutes auf der Habenseite: Eine coole Story. Sie handelt von der Fusion, ungeschriebenen Songs und dem Gefühl, endlich eine Band zu sein.
Das ging so: Vor zwei Jahren wollten die Jungs unbedingt zur Fusion. Weil aber alle Karten weg waren, schickten sie ein Video mit der Performance eines Songs an die Veranstalter und wurden auch tatsächlich prompt gebucht. Blöderweise hatte man noch gar nicht genug Stücke, um einen Festivalslot auszufüllen. Also musste man schnell welche schreiben, das Ergebnis kann man in Form der EP "A Friend" nachhören. Die übrigens in Insiderkreisen schnell zu einigem Ruhm kam, besonders der Titelsong. Isn't this märchenhaft?
Kann man auf jeden Fall ganz gut mal weiter erzählen. Definitiv war es für die Bandwerdung von Say Yes Dog ein einschneidendes Erlebnis, das die drei unter anderem auch zu dem mitreißenden Live-Act gemacht hat, der sie heute sind. Die wichtigsten Showcase-Festivals haben sie schon durch; mir haben sie im Sommer das Appletree Garden über die Maßen stilvoll nach Hause gebracht. In der elektronischen Popmusik von heute noch Akzente zu setzen, ist halt auch gar nicht so einfach: Im Mainstream regieren Saxophon-Samples und Coverversionen mit zarten Mädchenstimmen über House-Beats und im Indie kann man mit Experimentalismus viel besser Kritiker beeindrucken. Wenige, sehr wenige Bands aus hiesigen Gefilden schaffen es, ihre Version der Materie so zu gestalten, dass nicht nur Dance Music dabei herauskommt, sondern auch richtig gute Songs. Vor ein paar Jahren gab es Me Succeeds und .Computer.., heute steht bei mir HVOB aus dem Hause Stil vor Talent ganz weit vorne. Aber sonst ist wenig da, was mit den internationalen Choryphäen (allen voran Hot Chip) mithalten kann.
"Plastic Love" aber hält, was die vielen Vorschusslorbeeren versprochen haben. Die zwölf Stücke SIND Songs, sind sogar gute und eingängige und dabei sehr tanzbare Songs mit einprägsamen Melodien und feinen Hooks. Das ganze kommt sehr catchy, zu keiner Sekunde verkopft und möchte auch gar nichts anderes sein als cleverer Elektropop. Man muss das nicht ernster nehmen als es ist: Die Art, wie Aaron Ahrends Zeilen wie "Everything is plastic" oder "Would you be my girlfriend?" singt, treibt die Songs eher in ihrer Energie als in ihrer lyrischen Tragweite nach vorne, und das geht auch völlig klar so. Die Beats sind prächtig satt und die Dramaturgie der Platte entfaltet einen treibenden Sog, der auf der Tanzfläche oder vor der Bühne endet. Wer eine Band braucht, die mitten in der Nacht auf der Position nach dem Headliner nochmal alles abräumt, wird in nächster Zeit mit Say Yes Dog ganz wunderbar bedient sein.
Text: Kristof Beuthner