Fundgrube 14.08.2012

Self Publish, Be Happy

Self Publish, Be Happy hilft jungen Künstlern eigene Bücher- egal ob Hard oder Soft Cover, gebunden oder in Magazinform- herauszubringen. Daneben betreiben sie einen wundervollen Blog und Online-Shop, in denen man schnell verloren gehen kann.

Ein Buch, das hatten manche von uns vielleicht schon lange nicht mehr in der Hand. Informationen gibt es auf sueddeutsche.de, Geschichten jeglicher Art auf kinox.to, Kunst auf tumblr.com und eBooks gibt es ja auch noch - für die Traditionalisten.
Wenn man aber auf die Homepage von Self Publish, Be Happy geht, kribbelt es einem schon in den Fingern und man bekommt eine Ahnung davon, dass es eben doch ein Unterschied ist, ob ein Künstler seine Arbeiten in eine Blogmaske hochlädt oder selbstverantwortlich und in Eigenregie zwischen Buchseiten legt.
Für alle Feinde der Schrift: natürlich handelt es sich hier hauptsächlich um Bilderbücher.
Für alle Freunde der Fotografie: natürlich handelt es sich hier hauptsächlich um Fotokunstbildbände.

Die Fotografie ist ja sowieso eine sehr vertrackte Kunst. Sie hat seit einiger Zeit nämlich keine eigentliche Darstellungsform mehr. Natürlich, das Bild. Aber was ist das Bild und vor allem: wo ist es?
Bereits kurz nach den Anfängen der Fotografie (vor allem kurz nach der Entstehung des Negativ-Positiv-Verfahrens) machte sich Walter Benjamin bereits Sorgen um die Aura der Kunst. Wer weiß, was er zu tumblr gesagt hätte. Das Bild hat durch die Digitalfotografie seine eigentliche physische Form gänzlich verloren. Wahrscheinlich existieren heutzutage die meisten Fotografien überhaupt nicht mehr außerhalb der Datenwelt.

Diese Uneigentlichkeit des Bildes stellt den Fotografen natürlich vor einen riesigen Berg aus Möglichkeiten. Druckt er seine Fotografien auf eine Leinwand, macht er einfache Fotoabzüge, lädt er sie in einem Blog hoch oder macht er sogar ein cooles youtube-Video mit Lieblingslied unterlegt?
Oder macht er eine Buchveröffentlichung? Was natürlich eine sehr elegante und gleichzeitig trotzdem reproduzierbare Möglichkeit ist.

Self Publish, Be Happy hilft Künstlern, die sich für letzteres entschieden haben. Eigentlich hilft es aber sogar Künstlern, die sich für nichts entscheiden können. Denn neben Workshops, Beratung und fachlicher Unterstützung zum Thema: eigene Bücher herstellen und publizieren, gibt es auf der Homepage einen Blog, der in mehreren Kategorien (z.B. Book du Jour oder Self Publish, Be Naughty) Künstler, ihre Fotografie und ihr selbstpubliziertes Buch vorstellt. Beim Book du Jour kann der Künstler sogar seinen persönlichen Soundtrack zur Fotoreihe angeben.
Für Menschen, die ihren Bildschirm so gar nicht verlassen möchten und trotzdem nicht immer den Geschmacklosigkeiten von irgendwelchen tumblr-Usern ausgeliefert sein wollen, empfiehlt sich dieser Blog absolut. Für Menschen, die dann doch gerne ein Buch in der Hand halten, gibt es natürlich einen online-store, wo man sich die oft sehr liebevoll und individuell gestalteten Bücher ordern kann.

Eigentliche sollte hier jetzt noch eine Liste mit nillsons absoluten Lieblingsbüchern stehen. Aber da einfach alles so unglaublich toll und schön und liebenswert ist, müsst ihr euch selber eine kleine Auswahl an Lieblingsbüchern erstellen. Self Publish, Be Happy macht es einem nicht leicht.

http://www.selfpublishbehappy.com/

Text: Lasse Scheiba
Foto: Das Cover von Joachim Schmids "Bilderbuch"