Rezensionen 04.12.2015

Sunn O))) - Kannon [Southern Lord]

Sunn O))) benennen ihr neues Album nach der buddhistischen Gottheit der Gnade »Kannon«. Der Buddhismus – die unverdächtigste unter den anti-aufklärerischen Denkströmungen – und Sunn O))) die Aposteln einer neuen Generation von bequemlichen und passiven Monotonie-Fetisch-Subjekten und Drone als Mantra für bequemlich und passiv gewordene Ex-Metaller?

Die drei neuen Stücke auf »Kannon« sprechen nicht dafür. Einerseits taugt »Kannon« allein seiner Länge (33min) wegen, kaum für ausgedehnte Meditationsübungen, außerdem klingt das Album einmal mehr so als würde die ganze Erde langsam einen Abhang hinabrutschen. Das erste Stück – »Kannon 1« – hat bereits so etwas wie Tempo und die Gitarren klingen, vor allem wenn Langzeit-Kollaborateur Attila Csihar anfängt zu gurgeln, einigermaßen hektisch. Überhaupt ist auf »Kannon« ständig etwas in Bewegung und im Laufe des Albums passiert und verändert sich tändig etwas. »Kannon 2« beginnt mit einer Art Gitarren-Solo bevor elektronische Klänge von Steve Moore (u.a. Zombi) oder Rex Ritter (Jessamine, Fontanelle) vorbeiziehen und Csihar diesmal mit eher sakral klingendem Gesang einsetzt und sich so eine Dramaturgie für den Rest des Songs aufbaut, der sich zum Ende mehr und mehr zu verdichten scheint, bis er in ein kurzes elektronisches Zwischenspiel übergeht und nach 9min bereits – einigermaßen abrupt sogar – abbricht.

 

Während Sunn O))) bei den ersten beiden Stücken noch von Randall Dunn (Master Musicians Of Bukkake), Brad Mowen (The Accüsed) und Oren Ambarchi unterstützt wurden, sorgen auf »Kannon 3« Stephen O'Malley und Greg Anderson allein für die Drone-Landschaft. Die Töne und Akkorde reihen sich in noch fatalistischer als in den vorhergehenden beiden Stücken klingenden Intervallen aneinander und nach 11min – ebenfalls wieder recht unverhofft – hat man als Hörende*r das dunkle Gebirge überwunden. »Kannon« ist wahrscheinlich das kompakteste Sunn O)))-Album bis dato, was einen am Ende etwas ratlos-unbefriedigt zurücklassen mag, da die Band und ihre Gastmusiker sicherlich noch einmal doppelt soviel hätten aufnehmen können. Das Mehrfindet man dann aber vielleicht beim nächsten Hören oder wenn man die Linernotes von Aliza Shvarts zur Hand nimmt.

 

Kannon erscheint am 04.12.2015 über Southern Lord.

 

Text: Aiva Kalnina