Rezensionen 20.03.2013

The DeSoto Caucus - Offramp Rodeo [Glitterhouse / Indigo]

Als das Glitterhouse-Label die Band als neuen Sign für sein schönes Orange Blossom Special Festival bekannt gab, stellte es gleich dazu die Frage: "The DeSoto wer?". Nur um gleich danach einen Katalog von Querverbindungen zu veröffentlichen, der einen vor Scham im Boden versinken lässt, darüber, dass man diese Herrschaften noch nicht auf dem Zettel hatte.

Wobei man es sicherlich primär hätte an den Namen der Bandmitglieder festmachen müssen, weniger am für ihr gemeinsames Projekt gewählten Namen The DeSoto Caucus. Und um euch auf die Sprünge zu helfen, fangen auch wir hier kurz das Namedropping an: zuletzt Begleitung als The Deer Children von Nive Nielsen. Backing Band von Howe Gelb. Unterwegs mit Kurt Wagner, Isobel Campbell, Mark Lanegan, Scout Niblett. "Playing with everyone interesting around" wird die Band zitiert, wenn es um ihre musikalischen Ziele geht. Dass die Dänen ihr Handwerk verstehen, lässt sich also vermuten. Die Frage nach einer musikalischen Kategorisierung stellt sich auch nicht lange; dass man sich in so illustren Folk-Country-Americana-Kreisen bewegt und plötzlich anfängt mit Hipster-Elektronik, ist kaum anzunehmen. Und was geht so in punkto Songwriting? Die Antwort lautet: Eine Menge. "Offramp Rodeo", was sogar schon das zweite Album des Kollektivs ist, transportiert eine Entspanntheit, wie man sie sich schöner kaum erträumen kann. Die zehn Stücke auf dem Album sind allesamt eher von der ruhigen, zurückgelehnten Sorte und von einer Lässigkeit, die keinen Zweifel an der großen Klasse der Musiker lässt. Wie aus dem Ärmel geschüttelt, dem Karo-Hemd-Ärmel freilich, wirkt das. Cool. So ein bißchen schleppend die Drums, die Vocals eher ein weiteres Instrument mit so einer wärmenden Kratzigkeit, und dazu diese feinen, kleinen Gitarrenläufe, die man beim ersten Mal schon bemerkt, aber in die man sich beim zweiten, dritten, vierten Mal sogar durchaus vergucken kann. Giant Sand wird da schnell als Vergleich zitiert, richtig, Calexico ohne die Mexiko-Elemente fallen mir auch ein.

"Offramp Rodeo" ist dennoch ein Album, das man beim ersten Hören durchaus zu unterschätzen Gefahr läuft. Um seinen Nuancenreichtum zu erfassen, braucht man ein paar Durchläufe mehr, und es auf einen relaxten Americana-Trip zu reduzieren, wird ihm nicht gerecht. Die hier transportierte Attitüde und die musikalische Versiertheit wächst einem, je mehr man sich mit ihr befasst, immer mehr ans Herz und sorgt dafür, dass man The DeSoto Caucus gerne in den erweiterten Kreis seiner großen artverwandten Helden einsortiert.


Text: Kristof Beuthner