Schön, dass es so etwas gibt: Die Belgier von The Go Find sind eine stabile Größe, nicht nur im edlen Morr-Kosmos, die nicht nur in regelmäßigen wenn auch längeren Abständen neue Alben veröffentlicht, die immer einen roten Faden aufweisen und doch eine stetige Weiterentwicklung aufweisen.
So liegt der letzte Longplayer, "Everybody Knows It's Gonna Happen, Only Not Tonight", schon wieder vier Jahre zurück, fast auf den Tag genau sogar. Damals hatten Dieter Sermeus, diese herrlich sonore Stimme von The Go Find, und seine Mitstreiter das gleichzeitig kühle und wärmende von Bands wie The XX auf einen Nenner gebracht, ja sogar künstlerisch konsequent weiter gedacht. Warum kein Hype folgte, mochte verstehen, wer wollte. Doch vielleicht war es auch das, was Sermeus und Band die Ruhe verschaffte, neue klangliche Perspektiven zu durchdenken und Soundnetze weiterzuspinnen. "Brand New Love" ist dann als Albumtitel in vielerlei Hinsicht gut gewählt. Geht man davon aus, dass sich eine neue Liebe zwar frisch und vielverheißend anfühlt, aber trotzdem immer auch gewohnte Elemente aus früheren Liebschaften, die einem bleibenswert waren, beinhaltet, kann man wirklich von "nomen est omen" sprechen. Will sagen: The Go Find klingen tatsächlich wie frisch verliebt, leichtfüßiger als zuvor, alles andere als kopflastig und herzenswarm, doch sie haben auch ihre Vorliebe für die Synthetik, wie sie auf dem Debüt "Miami" so heiß brannte, ins Jetzt gerettet und die Bande verstärkt. "Brand New Love" klingt äußerst romantisch und filigran. Es wohnen ihm diese typischen Go-Find-Elemente inne, wie die bekannt farbenfrohe Melodieführung und die niemals aufdringliche und doch so einprägsame Stimme von Dieter Sermeus, die einem sofort verraten: Das hier ist eine Go-Find-Platte. Doch die organischen Komponenten sind einer spürbaren Elektrifizierung gewichen; das vierte Album klingt wesentlich flächiger als (zumindest die beiden) Vorgänger, wabert und flirrt wieder mehr. Dadurch klingt es zwar vertraut, doch auch überaus zeitgemäß, denn nach wie vor sind 80s-Referenzen ein Ohrenöffner. Nicht, dass sich The Go Find als trendkompatibel anbieten würden: Songs wie "Jungle Heart" oder "We Run" haben Hitpotenzial, sind aber so unprätentiös, dass sie schmeicheln, aber nicht zwingen. Singlehits wie einst "Summer Guest" oder "Over The Edge" enthält "Brand New Love" nicht, am ehesten kommt diesem Status das wundervolle "Your Heart". Doch eigentlich funktioniert es eher als Album, als bildschönes Gesamtwerk. Verkaufen sich The Go Find da etwa unter Wert? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Wenn ihnen der mangelnde Fokus der Öffentlichkeit die nötige Ruhe verschafft, um weiterhin solche Perlen hervorzubringen wie "Brand New Love", ist das, was sie machen, vermutlich so genau richtig.
Text: Kristof Beuthner