Was für ein Musikjahr - wieder mal. Und es ist doch tatsächlich a little bit of history repeating: wo die Scheiben ausbleiben, die dich mit Anlauf anspringen und nicht mehr loslassen, bleibt so unfassbar viel Raum für die feinsten Entdeckungen. Und wenn man sich das so vergegenwärtigt, wird im Endeffekt nicht ein einziger Platz unserer Jahrescharts von 2011 wirklich überraschen.

Platz 24: Kasabian - Velociraptor
Die mächtigen Briten mit ihrem vierten Album, das wieder einmal keine oder kaum Wünsche offen ließ - eine gute Chartseröffnung. Die einzige selbsternannt größte Rockband des Jetzt, die diesen Status auch wirklich wert ist, zeigte aber auf Songs wie "Goodbye Kiss", dass sie auch ganz anders kann - nämlich nicht nur elektrifiziert dickbehost und lärmig, sondern plötzlich ganz weich und smooth und seltsam tanzschulennah. Und Singles wie "Switchblade Smiles" braucht man immer.

Platz 23: Niels Frevert - Zettel auf dem Boden
Der Großmeister des schönen Worts Niels Frevert ließ sich viel Zeit für "Zettel auf dem Boden". Und als das Warten kaum noch größer werden konnte, stieß das neue Album erst einmal vor den Kopf, weil es eben nicht sofort umarmte wie der Vorgänger "Du kannst mich an der Ecke rauslassen". Wer näher hinhörte, bemerkte aber die wirkliche Wahrheit: dass Niels Frevert nämlich jetzt noch feiner, noch schöner und noch detailreicher arbeitet. Diese Platte wird noch wachsen, ganz sicher.

Platz 22: Thomas Méry - Les Couleurs, Les Ombres
Der Schöngeist Thomas Mery vertritt Own Records in den Jahrescharts, und er tut das höchst faszinierend und einnehmend mit süßlich lulligem Songwriter-Chanson-Acoustic-Pop - vorwiegend auf französisch. Mit lang ausgebreiteten Melodiebögen singt, ach was, erzählt uns Thomas Mery so innig und einnehmend von Liebe und Leben, dass es ganz schnell sehr egal ist, ob man ihn wortwörtlich verstehen kann. Der Gesamtklang geht tief und lässt nicht so schnell los.

Platz 21: Sleep Party People - Sleep Party People
Sleep Party People bildeten 2011 mit ihrem Bandnamen einen herrlichen Kontrast zur eigentlichen Musik, sieht man mal vom Sleep ab. Tatsächlich stieg die Band sehr schnell auf zur Phalanx des reichlich vertretenen Genre des Spuk-Core und Geisterpop: verhuscht, mystisch, aber höchst präzise; lethargisch, seltsam unruhig und dadurch irrsinnig faszinierend. Ein kleines Meisterwerk, das erarbeitet werden wollte - und für jede Sekunde der Mühe achtfach belohnte. Mindestens.

Platz 20: Feist - Metals
Die große süße Muse; die wundervolle Leslie Feist - ein Comeback, auf das man einige Zeit hatte warten müssen, und eine Platte, die einen sofort wieder an die Hand nahm. Weil Leslie Feist es eben einfach besser kann als all die anderen Mädchenfrauen, die ihre Kraft im Stillen, Gehauchten, suchen. Über "Metals" gab es 2011 keine zwei Meinungen: wenn schon Pop und Gefühligkeit, dann bitte so allumfassend zärtlich und so prächtig leuchtend. Sie wird das immer wieder schaffen.

Platz 19: Francesco Wilking - Die Zukunft liegt im Schlaf
Tele sind zwar nicht Geschichte, Francesco Wilking machte sich dennoch selbstständig. Und entschädigte so ziemlich alle, die mit sorgenvoller Miene betrachtet hatte, dass seine Band Tele zuletzt doch einiges an Biss verloren hatte. Und er machte eben einfach alles anders. Hier gab es Soul, Country, Vaudeville, Blues und simplen Songwriterpop. Doch vor allem anderen fand Francesco Wilking seine unnachahmliche Gabe wieder, große Wahrheiten wundervoll zu erzählen.

Platz 18: I Break Horses - Hearts
"Hearts" ist nicht von schlechten Eltern. Über den unfassbaren Einstieg mit "Winter Beats" kommen viele beim ersten Hören nicht hinaus. Denn "Hearts" ist anstrengend. Synthetischer Shoegaze, elektrisches Gefussel und spukig-hintergründige Geisterstimme - das dröhnte, lärmte und drückte. Und offenbarte beim zweiten, dritten und vierten Hören schon so viel Romantik und Innigkeit, Feingefühl und Brillanz zwischen den Zeilen, das man sich nicht genug auf Hördurchlauf fünf, sechs und sieben freuen kann.

Platz 17: We Were Promised Jetpacks - In The Pit Of The Stomach
Nein, "In The Pit Of The Stomach" ist tatsächlich erstmal nicht besser als sein Vorgänger. Trotzdem haben es die Schotten wieder geschafft, dringliche Themen in drückend intensive Musik zu verwandeln. Zeitweise klingt das Album sogar wütender und aufgewühlter, und es ist doch so bei dieser Band: ihre wahre Großartigkeit erschließt sich erst spät, selten auf den ersten Blick. "In The Pit Of The Stomach" dürfte hier gar nicht stehen. Nächstes Jahr wäre die Platte viel höher gelandet.

Platz 16: Thees Uhlmann - Thees Uhlmann
Wenn Tomte-Thees eine Reise tut, dann kann er viel erzählen. Und seine Metamorphose hat ihm durchaus gut getan. Nun ist Uhlo der Storyteller, den er zwischen den Tomte-Songs immer schon darstellen konnte - nur, dass er seine Geschichten nun zum Thema seiner eigenen Stücke macht, und das tut seiner Kunst wirklich mehr als gut. Uhlmanns Solo-Debüt wirkt direkter und ehrlicher und steht zudem der Popmusik näher. Ein Album, das man immer wieder gut gebrauchen können wird.

Platz 15: Pascal Pinon - Pascal Pinon
Die wunderbarste Island-Platte des Jahres brauchte vier Mädchen, zwei Gitarren, einen Bass, ein Klavier und eine Lotusflöte. Fertig ist ein so reduziertes Meisterwerk, dass man aus dem Staunen kaum heraus kam, wie einfach Musik manchmal nur sein braucht um tiefst zu verzaubern. Pascal Pinon waren der Spaziergang durch die Schneelandschaft in uns, der Wintersoundtrack schlechthin. Zutiefst niedlich, aber durch die isländische Sprache auch nie wirklich fassbar. Nur fantastisch.

Platz 14: Wye Oak - Civilian
Und a propos Folk: das können Wye Oak natürlich auch. Und die Band aus Baltimore wird tatsächlich immer besser. "Civilian" markierte zudem ein Statement darüber, was Folk dieser Tage zu sein vermag. Nämlich ein riesenhaftes Konstrukt aus akustischen Elementen, gepaart mit kräftigem Shoegaze und minimalen, elektronischen Akzenten. Wider die Reduktion, auf zu neuen Ufern, das Genre umschreiben, Mauern einreißen. Ein eindrucksvolles Werk, das noch lange da sein wird.

Platz 13: Locas In Love - Lemming
Deutschsprachige Musik ist um eine großartige Band reicher, seit es die Locas In Love gibt. Es ist nicht nur die Art und Weise, wie es ihnen gelingt, Wahrheiten auszusprechen. Das tun sie auf eine so unnachahmliche, kluge Weise, das man sich wünscht, diese Dinge selbst gesagt zu haben. Doch nebenbei wartet die Band musikalisch mit einem derarten Ideen- und Facettenreichtum auf, dass es manchmal gar nicht richtig zu fassen ist, trotz aller Direktheit. Denn diese Platte packt und betört gleichzeitig.

Platz 12: PJ Harvey - Let England Shake
Die große PJ-Harvey-Dame schafft es auch immer wieder aufs neue, faszinierende Alben aufzunehmen und sich nicht in Selbstkopie zu ergehen. Dieses Mal im Programm: der Abgesang auf ein England, der strotzt vor Patriotismus-Ironie und bitterer Auseinandersetzung mit der Rolle des Empire in der heutigen Weltpolitik. Auch für Nichtbriten definitiv hörenswert, nicht zuletzt deswegen, weil Polly Jean Harveys Mix aus Blues und Folk so bittersüß und traumhaft schön ist. Vielleicht ihr bestes Album bisher.

Platz 11: Hauschka - Salon des Amateurs
Der famose Hauschka verpasst dieses Jahr die Top 10 nur knapp. Zweifelsohne ist sein Ausflug in den "Salon des Amateurs" grundsätzlich groß genug, um oben mitzumischen - er legt hier faszinierende, detailreiche Rhythmik unter wabernde Synthieflächen und repetitive Patterns, was auf den ersten Blick häufig eintönig, gar monoton wirkt, sich bei näherem Hinhören aber durch den plötzlich auftauchenden Detailreichtum als eine der interessantesten elektronischen Platten des Jahres entpuppt.
Platz 10: James Blake - James Blake

Das James Blakes gleichnamiges Debütalbum eines der Alben des Jahres 2011 ist wurde bereits 2010 entschieden. Die soundof 2011 Umfrage des BBC stellte James Blake auf den zweiten Platz der wichtigsten Alben des kommenden Jahres und auch die wenigsten Kritiker scheuten sich, dieses Album bereits vor dem Hören in den höchsten Tönen zu loben. James Blake ist ein Vorreiter. Er wird gelobt, bevor überhaupt ein Album erscheint, er wird von Millionen Menschen gehört, lange bevor eine Mainstreamdebatte aufkommen kann, machte somit den Post-Dupstep salonfähig und den Avantgardismus massentauglich - und das ohne sich oder die Musik zu verraten. Aber wie schaffte er das, ein 22-jähriger Londoner mit klassischer Klavierausbildung und abgebrochenem Studium? Hauptsächlich wohl durch die Stille und den Bass. Die stärksten Momente auf seinem Album sind die Pausen, dramaturgisch perfekt gesetzt: die Ruhe vor oder nach dem Sturm. Und auch die Körperlichkeit seiner Musik, beinahe alle Songs sind mit einem schweren Bass unterlegt, der durch den gesamten Körper dringt. Wenn Blake ein Livekonzert gibt, fällt zuweilen sogar sein Mikrophonständer um, weil er dem Bass nicht standhält. Aber das sind nur die Eckpfeiler seiner Musik. Dazwischen sammelt Blake verschiedenste Einflüsse und bringt sie mit düsteren elektronischen Klängen zusammen. Somit überzeugt sein Album mit einer ruhigen Experimentierfreude, die Songs schafft, die tief in den Körper und den Kopf dringen. (Lasse Scheiba)
Platz 9: William Fitzsimmons - Gold In The Shadow

Dieser Mann wird immer besser, je länger er im Geschäft ist. Was sich schon auf "The Sparrow & The Crow" andeutete, wurde mit "Gold In The Shadow" manifestiert: William Fitzsimmons ist auf dem besten Weg, unverzichtbar zu werden für musikliebhabende Leute. Dabei bleibt er in seinem Stil verhaftet, er bewegt sich nicht weit nach links und rechts, mischt seiner wunderbar weichen Stimme lediglich ein etwas größeres Instrumentarium bei als auf dem Vorgänger, bei "Psychasthenia" sogar sanft pluckernde Elektrobeats und flächigen, sphärischen Synthiesound, aber das steht ihm auch. Das Songwriting schaut aber tatsächlich nun auch mehr auf das schöne Lied als auf das simple Darbringen innerer Befindlichkeiten, und so kommt es, dass man nun wesentlich mehr Stücke von ihm findet - allen voran das für seine Verhältnisse beinahe schon hüpfende "The Winter From Her Leaving" - die einem nicht nur wegen der wunderschönen Texte nicht mehr aus dem Kopf gehen. Zweifelsohne wird von ihm noch viel zu erwarten sein dürfen; bei uns bedeutet das einen starken Platz 9. (Kristof Beuthner)
Platz 8: Bon Iver - Bon Iver

In Zeiten globaler Akzeleration ist auf die Bremse treten hipper, als das Mitspamen im 2.0er- Informations-Overkill. Ein Trend der sich im vergangenen Jahr vor allem auch in musikalischer Hinsicht abzeichnete. Neben dem Slow-Mo-Senkrecht-Starter James Blake machte sich auch Bon Iver aka Justin Vernon, der schon seit der Mitte der 0er Jahre mit seiner Kopfstimme die Langsamkeit proklamiert, auf einen weltweiten Siegeszug. Und das vollkommen zu recht. Vernon, der Mann, der sich einst für sein Debut in eine Blockhütte zurückzog, und damit den amerikanischen Mythos der sich selbstgenügenden Waltons-Family neu befeuerte, instrumentiert seine Lieder dato opulent. Minimale Songs wie ‚Skinny Love‘ weichen einer flächigen, mehrstimmigen Räumlichkeit, mit breiten Soundscapes (siehe bspw. das Ende des Openers ‚Perth‘). Claps, Bläser, leichte Übersteuerungen, perkussive Elemente und das altbekannten Falsett sind selbstverständlich nachwievor fixe Punkte im Bon Iver-Klang-Kosmos. Allerdings steigert Vernon die Songs aktuell in sphärische, turmhohe Gebilde und lässt auch alles mit gleichem Enthusiasmus immer wieder komplett zusammenbrechen. Doch bevor das hier zu viel Fahrt aufnimmt: es bleibt natürlich im Ganzen ruhig und ‚Bon Iver‘ beseelt uns mit zur Musik gewordenen Introspektiven. Vernon hat es 2011 verdeutlicht: „wer bremst, verliert“, stimmt einfach nicht mehr! (Thomas Markus)
Platz 7: Real Estate - Days

Eine Band verlässt den stilsicheren Heimathafen (Woodsist Records) um auf neuer Labelheimat (Domino) das Glück zu suchen. Mit Spannung erwartet wird in solch einem Falle stets, doch können die Protagonisten ihren Wurzeln treu bleiben ohne zu stagnieren? Im Falle von Real Estate gibt es dafür ein himmelhochjauchzendes ja! Das Trio aus New Jersey schenkte uns mit „Days“ eine schwelgerische Ode an den Sommer der kein richtiger war. Geradezu nostalgisch anwirkend, stricken sich die 10 neuen Songs aneinander und bilden vermengt mit Sänger Martin Courtneys sehnsüchtigen Vokalen ein zeitloses Klangwerk anno 196X. Im Gegensatz zu den heimischen Aufnahmen ihres selbstbetitelten, ebenfalls großartigen, Vorgängers, präsentiert sich ihr melodiöser Psych-Pop hier zugänglicher ohne zu verstumpfen. Aneinander vorbei greifende Gitarrenrhythmen suggerieren kosmische Harmonie und dezente Drums mischen sich nachgiebig ins Getümmel. Hie und da wird ein Schellenkranz zum Momentum. Allgegenwärtig liegt immerzu die leichte, doch melancholische Grundstimmung, welche sich in Abhandlungen über das Treiben in der Vorstadt, Straßenromantik und Reminiszenz wiederfindet. Egal ob live oder auf Platte, lang nicht mehr war Mitsummen und -stimmen so schön wie zu „Days“. (Tariq Bajwa)
Platz 6: The Pains Of Being Pure At Heart - Belong

Was für ein Jahr für die Romantik. Und was für ein Jahr für The Pains Of Being Pure At Heart. Die alles richtig gemacht haben mit ihrem zweiten Album "Belong" und sich entfernt haben aus dem Schatten der übermächtigen Belle & Sebastian, in dem ihr Debütalbum vor zwei Jahren noch gestanden hatte. Methadon, hatte man gesagt. Lückenfüller. Auf "Belong" war nichts mehr davon zu spüren. Und Kritiker wie Fans liebten es nicht grundlos: um ein Vielfaches verbessertes Songwriting, mehr "Rock" und mehr Druck, das war die Devise. Die Folge: ein ganzes Album voller Hits; ein selten brillantes Gesamtwerk ohne Schwachstellen. Der Titelsong; "Heart In Your Heartbreak"; "Even In Dreams" - und die Single "Say No To Love" war nicht einmal zu hören auf "Belong". Sie alle schafften es in Herz und Beine, in Sonnenuntergänge und Autos, in Gehörgänge und große Momente. Dazu: Kip Bearmans butterweiche Stimme, die immer noch an Stuart Murdoch erinnert, ihn aber mittlerweile phasenweise sogar vergessen lässt. Bleibt sich gehörig auf Album 3 zu freuen. Irgendwann. Noch haben wir nicht genug von "Belong". (Kristof Beuthner)
Platz 5: Mogwai - Hardcore Will Never Die, But you Will

Das Musik keinen Gesang braucht, um gut zu sein, ist ungefähr der älteste Hut der Musikhistorie. Das es Instrumentalbands fernab der Elektronikerzunft aber gelingt, große Massen zu ziehen, kommt so häufig nicht vor. Genau so selten ist es, dass der Witz von großen Soundwänden und Freude am Wohlklang im Lärm nicht schon nach ein, zwei Alben erzählt ist. Mogwai machen das nun schon seit Jahren so und gehen dabei auch noch konsequent immer ein Schrittchen weiter nach vorne. Das brillant betitelte "Hardcore Will Never Die, But You Will" ließ aber nicht nur in dieser Hinsicht aufhorchen, denn es ist sicherlich unterm Strich auch die eingängigste Mogwai-Platte. Aufwartend aber dafür mit Ungetümen von Stücken wie dem wuchtigen "Rano Pano" (vielleicht eine Reminiszenz an Cans legendäres "Tago Mago"?), das den Atem stocken lässt, und wenn man's dann auch noch entsprechend laut machte, war's eh um einen geschehen. Man konnte, wenn man Kraut- und Postrock liebte, nicht vorbei an dieser Platte - und sie gewann dem Genre etliche Liebhaber dazu. (Kristof Beuthner)
Platz 4: Metronomy - The English Riviera

Mein eigenes Metronomy-Erlebnis war gar nicht so glorreich im vergangenen Jahr. Ich erinnere mich nur an viele Ellenbogen in meinem Gesicht während der Appletreegarden-Show, die mich frustriert aufgeben ließen. Lieber näherte ich mich der Band über das Album "The English Riviera", dem dritten Album der Band, und ihrem Durchbruch. Jawohl, Durchbruch - denn spätestens nun sollte man sie wohl auf dem Zettel haben, diese Herzensdiebe, die ein mächtig charmantes Album zwischen Cleverpop, Funk, Jazz, Soul und whatever noch aufgenommen haben, das sich förmlich aufdrängt in seiner Entspanntheit. Weil es die Hängematten aufspannt, den Lieblingsdrink in deiner Hand platziert und durch die Kopfhörer pures Wohlbefinden in deinen Kopf schiebt. Nun ist es gut gewesen, denkst du mit einem Lächeln zum Sound von Songs von "The Bay", nun mach ich erstmal frei. Von allem Bösen. Musik ist gut. Musik ist Metronomy. Dieses Album ist pure Freude. (Kristof Beuthner)
Platz 3: Bodi Bill - What!?

Bodi Bill hat mit dem diesjährigen Album What? die fast dreijährige Albumpause - Das “Best- Of-Album” Two in One sei an dieser Stelle mal nicht mitgezählt - mehr als würdig beendet und präsentieren damit endlich wieder neue Songs. Das aktuelle Werk vom bewährten Label Sinnbus knüpft an dem bekannten Stil an und zeigt trotzdem eine spürbare Weiterentwicklung der drei Berliner. Es ist deutlich vielfältiger, an vielen Stellen weniger elektronisch und in jedem Fall sehr kurzweilig. Scheinbar eine gute Mischung um sich den Weg zu einem breiteren Publikum zu bahnen. Man muss schon tief geschlafen haben, um dieses Jahr nichts von Bodi Bill mitbekommen zu haben. Auch live zeigt sich, dass das Trio in den vergangenen Jahren nicht Däumchen gedreht hat. Eine hohe Festivalpräsenz in diesem Jahr, ein extrem ausgefeilte Bühnenshow und zwei wunderbare Videos zu den Songs “Brand New Carpet” und “What” unterstreichen den verdienten Platz 3 unserer Jahrescharts. (Stefan Kracht)
Platz 2: Ja, Panik - DMD KIU LIDT

Sogar mit dem sperrigen Titel "DMD KIU LIDT" (Die Manifestation des Kapitalismus in unserem Leben ist die Traurigkeit) kommen Ja, Panik fast bis ganz nach oben in den Nillson Jahrescharts. Schon der Fakt, dass sie sich stetig in den Nillson Bestenlisten verbessern, lässt es erahnen: Ihre Musik entwickelt sich weiter, und zwar zum Guten! Die schnellen Rocksongs sind gewichen, der Sound ist aufs Wesentliche reduziert und das Tempo wurde gedrosselt. Sprachlich aber wird es komplex und sperrig in einem wunderschönen deutsch-englisch Mix. Jedoch wirkt diese Mischung anfangs eher befremdlich, ehe man anfängt sie zu begreifen. Und in genau diesem Moment begeistert DMD KIU LIDT und lässt einen nicht mehr los. Nicht nur ein großartiger Titel, sondern auch eine wundervolle Platte! Für mich die Beste des letzten Jahres! (Richard Redweik)
Platz 1: Moritz Krämer - Wir können nix dafür

Es überrascht vielleicht auf den ersten Blick ein bißchen, warum es dieser schmächtige Typ geworden ist, unsere Nummer eins, mit diesem unprätentiösen Album namens "Wir können nix dafür". Ist es vielleicht die Tatsache, dass uns der Moritz, seit Gisbert zu Knyphausen 2008 beim Dockville sein "Mitbewohnerin" coverte, nicht mehr aus dem Kopf gegangen ist; wir diese Platte förmlich haben entstehen sehen, uns hochziehend an Schnipseln, Gratis-Songs und EPs, die wir irgendwo im Netz entdeckt hatten und uns immer mehr darauf freuten, uns das ins Regal zu stellen? Ist es, weil wir nicht ein bißchen stutzig wurden, als der plötzlich über Rotz in der Nase sang, weil es, eingebettet in ein Ständchen an die Nichte, so wahrhaftig und innig klang wie eine gestammelte Liebeserklärung? Vielleicht kommen wir der Sache tatsächlich dadurch näher. Moritz Krämer, das ist irgendwie ein Stück von uns allen. Er sagt Sachen aus unserer Gedanken- und Erlebniswelt so, wie wir das vermutlich nie könnten, und ohne jegliches Pathos. Manchmal wirkt er, als wüsste er das und als wäre ihm das sogar peinlich. Und wenn wir uns das vergegenwärtigen, dass dieser Junge so viel seit Jahren in uns richtig macht - dann, ja dann ist seine Platzierung an der Pole Position tatsächlich nichts anderes als konsequent und ein dickes fettes Dankeschön von uns an seine Kunst. (Kristof Beuthner)