Das ist schon ein bißchen unglaublich, was mit dieser Band passiert ist im Jahr 2014, und es ist völlig klar, dass sie längst nicht mehr nur etwas für Bescheidwisser ist, aber Fakt ist: Alle sprechen über AnnenMayKantereit.
Christopher Annen, Henning May, Severin Kantereit, so erklärt sich der Bandname, von dem die Leute so gerne sagen er sei sperrig, doch im Endeffekt ist er ja logisch. Und diese Geschichte, die ist halt besonders; das sind drei Jungs, die haben Straßenmusik gemacht, und verkaufen nun einen Club nach dem anderen aus, ist doch wirklich erstaunlich, beeindruckend, bemerkenswert. Schon, natürlich, doch es ist nicht das, was einen allein aufmerksam machen muss.
Nein, es ist vielmehr so, dass AnnenMayKantereit seit langem (und ich meine seit wirklich langem) die erste Band ist, die in einem solch großen Maße eine selten gehörte Weisheit in ihren Texten ausstrahlt und diese in so vordergründig einfache, aber in Wirklichkeit irrsinnig tiefe und prägnante Zeilen verpackt, dass man sich einen Großteil davon sofort tätowieren lassen möchte. "Und ich frage mich, wann werd ich alt? Und hab ich überhaupt ein Gewissen?", "Ich hab dir nie alles gesagt, aber immerhin nicht nichts", "Du bist Zuhause für immer und mich, hab keine Heimat, ich hab nur dich" - und das sind nur drei Beispiele.
Henning May singt von sich und seinen Jungs und doch auch von so vielen anderen Menschen, also auch von mir, von dir, von uns. Über die Liebe, das Leben, das Älter- und Erwachsenwerden, und er hat ein unheimlich intensives Lied an seinen Vater geschrieben: "Du hast dich oft gefragt was mich zerreißt, ich wollte nicht, dass du es weißt". Auf den Konzerten machen Teenies große Augen, Gleichaltrige nicken verständig und Älteren seufzen. Genau so, wie er es singt, könnte es sein, ist es gerade, war es. Das ist ein Kunststück, nicht mehr und nicht weniger.
Und er macht das mit dieser so unnachahmlichen Reibeisenstimme, die man fast gar nicht mehr erwähnen muss, weil das schon so viele vorher getan haben, auch weil sie natürlich das Markenzeichen dieser Band ist, aber sie ist es eben, die die Leute - und ganz besonders die Skeptiker - vor der Bühne hält, mit vor Staunen offenem Mund. Ich habe es so oft erlebt in diesem Jahr. Auf Festivals, in Clubs, sogar beim New Music Award in Berlin, für den AnnenMayKantereit nominiert waren, von 1live, weil sie dort mittlerweile auf Heavy Rotation laufen. Die ungläubigen Gesichter im Publikum, die mit jedem weiteren gespielten Song ernster werden. Ein Nicken. Es trifft. Es betrifft. Alle.
Dass diese Band auch ins Radio passt, zeigt, wie weit sie zu greifen vermag. Ohne ein Label im Rücken, wohlgemerkt. Ein Album im Eigenvertrieb gab es, es ist mittlerweile ausverkauft. Weil die Leute es ihnen bei Konzerten aus den Händen reißen. Jetzt waren die Jungs auch noch mit den Beatsteaks auf Tour. Hallo? Geht's noch? Wie geil ist das denn?
Nachfragen wollte ich schon beim Orange Blossom Special, als sich Henning, Severin und Christopher vor lauter Menschen, die sich um die winzige Publikumsbühne geschart hatten, auf der AnnenMayKantereit zwei Umbaupausen à 15 Minuten füllten, kaum noch fortbewegen konnten. Oder beim Appletree Garden in Diepholz, wo die Menschen im Publikum gleichzeitig tanzten, lachten und weinten und sich bei der Zugabe im Pulk langsam aber stetig in Richtung Merch-Stand verlagerten, um nach dem Konzert auch wirklich und ganz sicher noch eine CD abzukriegen.
Auf der wundervollen MS Treue, dem Konzertschiff, das an der Schlachte in Bremen vor Anker liegt, hat es endlich geklappt. Endlich spreche ich nicht mehr nur über, sondern auch mit AnnenMayKantereit. Über die vielen neuen Eindrücke, die Angst vor dem Älterwerden und die neue EP, die gerade per Crowdfunding finanziert wurde. Und innerhalb von drei Tagen schon bei 100% lag. Eine weitere Unglaublichkeit. Aber das nur am Rande.
Das Jahr 2014 für die Band AnnenMayKantereit in drei Worten, bitte.
Henning: Sehr, sehr gerne.
Christopher: Überragend, spaßig, neu.
Severin: Aufregend, neu... vielSpaß.
Gibt es bei all dem, an das ihr euch am Ende dieses Jahres erinnern werdet, eigentlich so DEN Magic Moment?
Henning: Ich hatte das beim Open Flair und beim Appletree Garden Festival. Beim ersten haben uns die Leute rausgeklatscht; wir hatten noch gar nicht angefangen, zu spielen, da schrien schon alle "An-nen-May!! Kan-te-reit!!". Fünf Minuten vor Stagetime. Das habe ich noch nie vorher erlebt. Beim Appletree Garden hat man so richtig diese Schwingungen gespürt: Diese Leute hatten vorher zwei Tage komplett im Regen und waren voller Matsch, und wir waren einfach die erste Band mit Sonne. Man hat so richtig gemerkt, dass alle Leute so mega ausgerastet sind.
Severin: Diese Live-Situationen fand ich auch wahnsinnig stark. Toll war aber auch, als wir abends zusammen was trinken waren und ich plötzlich auf meinem Handy eine Mail bekomme von den Beatsteaks, die sagen: "Wir haben euch im Radio gehört! Wollt ihr nicht mitkommen und ein paar Shows mit uns spielen?"
Christopher: Auch zwei Festivals; Appletree Garden und das Orange Blossom Special. Total krass. Und dann natürlich die Sache mit den Beatsteaks.
Das ist also tatsächlich so gewesen, dass die euch angemailt haben, und ihr so...?
Henning: Ganz simpel: Wir hatten das große Glück für den New Music Award nominiert gewesen zu sein und dadurch bei 1live zu laufen. Die Beatsteaks haben dort ein Interview gegeben; in einer der Pausen wurde ein Song von uns gespielt. Das fanden die gut und haben uns eben diese besagte E-Mail geschrieben.
Ist zwar irgendwie blöd so was zu fragen, aber: Wie war das denn so mit denen?
Henning: Ach, die sind einfach total klasse, zugänglich und offen. Wir haben uns super unterhalten, die sind wahnsinnig korrekt. Man glaubt das ja immer nicht, dass so eine Band, die schon so groß ist, so cool bleiben kann. Aber die Jungs waren einfach super lässig, haben keine ekeligen Rockstar-Attitüden.
Christopher: Und die erinnern sich halt auch noch total gut daran, wie es war, als die da standen wo wir jetzt stehen. Außerdem suchen die sich halt ihren Support auch noch selbst aus, das heißt, die halten noch ziemlich viele Fäden selbst in der Hand.
Severin: Ich fand's auch einfach schön, so viel zu lernen von einer Band, die schon so lange im Geschäft ist. Wie der Soundcheck abläuft und wie man auf der Bühne wirkt und so.
Jetzt haben sich die Begeisterung und der Zuspruch für euch ja gerade in den letzten Monaten nochmal wahnsinnig potenziert. Gibt es da eigentlich so Momente, in denen man da sitzt und sagt: Krass, was für Dimensionen das mittlerweile erreicht hat?
Christopher: Was mich total geflasht hat, ist die Tatsache, dass wir schon nach drei Tagen die 100% beim Crowdfunding für unsere EP hatten. Da habe ich so realisiert, wie unfassbar viele Unterstützer es geben muss. Ein gutes Gefühl.
Henning: Also ich hab jetzt nicht das Gefühl, dass das außer Kontrolle gerät...
Nee, so meine ich das auch nicht. Es geht eher darum, dass man sich zwischendurch bei all den guten Worten und großen Erwartungen und dem riesigen Support als Band mal sammeln muss und sich verwundert die Augen reibt. Ist das nicht manchmal unheimlich?
Henning: Richtig, es ist manchmal unheimlich. Zumal wir uns als Band noch längst nicht als etablierte Künstler betrachten. Trotzdem sitzen wir abends in Berlin bei nem Bier, da kommen einfach Menschen an und sprechen uns an. Und das werden immer mehr, das ist verwirrend. Aber ich muss halt auch sagen: Ich will natürlich immer mehr. Das berauscht mich eher, dass es so vielen Leuten gefällt, als dass es mich in irgendeiner Form einschüchtert.
Habt ihr eigentlich Angst vorm Altwerden?
Henning: Angst nicht. Das ist sehr ambivalent. Auf der einen Seite ist es eine Sehnsucht, auf der anderen Seite steht ein großer Respekt. Ich frage mich zum Beispiel, wie mein Körper davon beeinflusst wird, was ich gerade mache. Immer unterwegs, ständig im Auto, wenig Ruhephasen. Meine Sehnsucht beschreibt eher einen großen Schatz an Erfahrungen, den ich erlange. Ich denke halt auch, dass man mit steigendem Alter auch auf viele Dinge viel besser klarkommt. Dass eine gewisse Wut irgendwie verfliegt. Man wartet drauf - freudig, aber auch ein bißchen ängstlich.
Severin: Also ich freu mich auf jeden Fall drauf. Allein schon, sich musikalisch weiter zu bilden und mit den beiden hier noch viel zu erleben. Aber manchmal denke ich auch: So, wie es jetzt gerade ist, könnte es auch immer bleiben. Ich bin zwiegespalten: Gerade erst aus der Schule raus, jetzt hier zu sein - das geht alles schon sehr schnell.
Ich spiele natürlich auf den Song "21, 22, 23" an. Wenn ich bei diesem Song im Publikum stehe und mich umschaue, bin ich immer wieder fasziniert davon, wie viele junge Leute ihr damit abholt. Wie viele ältere aber auch da stehen und nicken und denken: Ja. Das ist genau die Quintessenz von dem, was bei uns so passiert ist. Frage ich mich also: Wo ist der Moment im Leben, an dem man dazu kommt, es genau auf diese Weise zu erzählen? Gibt es da einschneidende Erlebnisse bei denen man zum ersten Mal so richtig realisiert, dass nichts mehr so ist wie es mal war - und dass mir das weh tut?
Henning: Das was du beschreibst haben wir natürlich alle direkt nach der Schule erlebt, als sich viele Freunde und geliebte Menschen in andere Städte verabschiedet haben um zu arbeiten oder zu studieren. In dieser Phase ist auch das Lied "Wohin du gehst" entstanden, das ja eine ähnliche Thematik hat. Dann der Auszug, die erste eigene Wohnung. Auch dazu gibt's ein Lied, das heißt "Neues Zimmer". Und irgendwann merkt man einfach, dass alle Leute in deinem Umfeld sich total im Aufbruch befinden. Dass alle das Gefühl haben, irgendwo hin zu müssen und dabei eigentlich ziemlich unsicher sind. Das ist total verrückt.
Christopher: Das ist einfach ein Prozess. Auch, dass man zum Beispiel nicht mehr so tanzt wie früher. Ich kenne aber auch viele, die älter werden und trotzdem noch tanzen, klar. Beim Konzert gestern Abend gab es einen schönen Moment. Da kam eine Frau zu uns, die erzählte, sie hätte über diesen Song wieder eine gute Verbindung zu ihrem Sohn aufbauen können. Weil sie sich dadurch auch wieder erinnern konnte, wie es damals für sie war.
Henning: Ich sehe das auch als Prozess. Und wir haben gemerkt, dass es manchmal auch so absurd schnell geht, dass man die Mechanismen gar nicht richtig durchschaut und in ihnen gefangen ist. Du studierst, dann gehst du feiern, dann lernst du, dann gehst du wieder feiern. Und du verlierst oft den Blick für die wesentlichen Dinge.
So viel wie ihr unterwegs seid, kann ich mir vorstellen, dass die Takte in denen ihr wichtige Menschen wiedertrefft, immer länger werden. Merkt man da noch krasser wie sich zuhause alles ändert?
Henning: Auf jeden Fall. Viele Freundschaften sind da auch zerbrochen. Ich hab zum Beispiel lange einen richtig guten Kumpel gehabt. Mit dem hab ich alles geteilt. Wir sind damals zusammen zur Schule gegangen, er ist sogar noch ein Stückchen vor mir ausgestiegen. Hat ne Lehre gemacht, arbeitet. Wir haben uns einfach nicht mehr gesehen. Dann habe ich ihn nach über einem Jahr wieder getroffen und gemerkt: Er hört auf einmal andere Musik als ich. Schaut sich andere Filme an. Steht überhaupt nicht mehr auf das, was er früher gut fand. Das ist bei mir zwar auch so - trotzdem sieht man sich wieder und hat einfach plötzlich keine Berührungspunkte mehr.
Wie antizipiert man denn mit Anfang 20 ein Leben mit Anfang 30? Gibt es da allgemeingültige Gesetzmäßigkeiten, auf die man sich ganz einfach berufen kann, um wahrhaftige Sachen zu sagen?
Henning: Ich glaube, es gibt generell nicht allgemeingültiges. Nur Sachen, die halt sehr wahrscheinlich sind. Es ist wahrscheinlich, dass du durch dein Berufsleben einen gewissen Grad der Erschöpfung erreichen wirst, sofern du dein Berufsleben intensiv angehst. Es ist auch sehr wahrscheinlich, dass alle Menschen, die du mal geliebt hast, immer an deiner Seite sind. Und dass du gerade in deinen jüngeren Jahren dir überhaupt nicht vorstellst, wie es ist wenn du Mitte 30 bist. Du denkst einfach nicht daran. Das ist die weit entfernteste Welt.
Christopher: Dazu war es übrigens auch total interessant, die Beatsteaks zu erleben. Die haben Soundcheck gemacht, das volle Programm, und sind dann alle nach Hause zu ihren Kindern. Und abends haben sie total die Hütte abgebrannt.
Inwieweit fühlt ihr euch eigentlich so, dass ihr durch das was ihr macht eure Jugend verlängert? Oder ist es eher ein Schlauch, oder eine Mischung aus beidem?
Christopher: Ich weiß gar nicht, ob wir die wirklich verlängern. Wir sind mit so vielen Sachen konfrontiert, die andere in unserem Alter noch gar nicht kennen. So eine Selbstständigkeit einfach, dass man sich um so viel kümmern muss.
Henning: Ich glaube, wir hatten alle drei ein bisher recht abwechselungsreiches Leben. Und oft ist es ja so, dass Menschen, die viel erlebt haben, einfach weiter sind als andere. Ich würde sagen, wir sind alle noch echt krasse Kinder und mega albern, aber wir sind auch manchmal schon mega erwachsen und sind nicht wegen jeder Kleinigkeit beleidigt. Ein Schlauch ist es auf jeden Fall. Aber wir haben trotzdem immer noch genug Gelegenheiten um Quatsch zu machen. Es ist gar nicht so einfach, diese Balance zu halten. Doch das ist eigentlich unser Ziel.
Kann es sein, dass diese Erkenntnis oder dieses Ziel auch hilft, die Wut ein bißchen kleiner zu halten?
Henning: Auf jeden Fall.
Wenn ihr in euren Songs von der Zukunft sprecht, malt ihr oft sehr heimelige Bilder. "Ich möcht gern mit dir in ner Altbauwohnung wohnen". Ist das eine Wunschvorstellung, irgendwann zu sagen: Ich spiel gerne noch Konzerte, aber abends will ich zu jemandem nach Hause kommen und es soll warm sein und gemütlich?
Severin: Klar. Das ist ja jetzt schon teilweise so. Henning und ich wohnen zusammen, und wir freuen uns ja jetzt schon total wenn wir nach Hause kommen und unser Mitbewohner hat gekocht oder so. Wir haben da schon alle unsere eigenen Zukunftsvorstellungen, aber natürlich möchten wir, dass alles für uns gut ist. Es muss aber keine Altbauwohnung sein. Neubauwohnung ist auch okay. (lacht)
Henning, der Song "Oft gefragt" handelt ja von deinem Dad und reflektiert eure Beziehung. Inwieweit war das für dich so, dass du da eine Zeit abgeschlossen hast, auf die du jetzt zurück schaust und sagst: Es war echt problematisch, aber es hat mich auch geerdet?
Henning: Genau so ist das. Wir hatten einfach eine echt schwierige Zeit miteinander, und ich habe erst als ich ausgezogen bin so richtig realisiert, wie dankenswert eigentlich die Geduld ist, die er mit mir hatte. Wie anstrengend es auch gewesen sein muss, so ein Kind zu haben wie mich. Natürlich ist das nie abgeschlossen. Ich bleibe immer sein Kind, auch wenn er eines Tages tot ist. Aber für mich ist es ein versuchter Schlussstrich unter diese Zeit. Seit ich nicht mehr zuhause wohne, kann ich eine ganz neue Beziehung zu meinem Vater aufbauen, einfach auch weil er bei mir Prozesse sieht, die stattgefunden haben und merkt, dass ich viele Dinge jetzt begreife. So gesehen ist auch für ihn der Song ein riesiges Dankeschön.
Ist es bei euch anderen auch so, dass ihr euch durch die Beziehung zu Familie und Freunden geerdet fühlt? Dass ihr dadurch auch diese besondere Natürlichkeit erreicht habt, mit der ihr eure Songs eben so schreiben könnt wie ihr sie schreibt?
Christopher: Ich erlebe das schon so, dass wir einen sehr starken Freundeskreis haben, der uns trägt und Sicherheit gibt.
Severin: Auf jeden Fall. Wir hängen ja immer noch viel zuhause in Köln-Sülz rum und treffen uns mit Freunden. Unsere Eltern verstehen sich gut und gehen zusammen was trinken und so. Das ist ein großes Gefühl von Vertrauen und Zusammenhalt. Auch einfach bei uns Jungs. Ich kann mit Henning und Chrissi einfach über Gefühle sprechen und muss mich nicht schämen oder verstellen.
Henning: Es ist natürlich total wichtig, dass wir diese Blase haben, diese Geborgenheit, wie Sevi beschreibt. Auch, dass sich nicht jeder in unserem Freundeskreis für unsere Musik interessiert. Wie unser Mitbewohner, den wir schon ewig kennen. Den interessiere ich als Mensch. Und wenn ich nicht abgewaschen habe, gibt es auf jeden Fall nen Spruch.
Vom Schlussstrich zum Aufbruch: Die neue EP kommt. Über euer erstes Album hat man ja lesen können, dass ihr es teilweise in der freien Natur aufgenommen habt. Ist das für euch jetzt wieder der Plan oder habt ihr schon so'n bißchen Bock auf ein richtiges Studio?
Christopher: Ja, auf jeden Fall letzteres. Wir denken einfach auch alle, dass so ein Studio einen nochmal anders fordert und mehr Möglichkeiten für uns bietet. Allein, dass wir nicht mehr alles in einem Take eingespielt haben müssen wie beim ersten Album. Für uns ist das auch irgendwie ein nächster logischer Schritt.
Henning: Ich freu mich auch einfach total drauf, mal ein Album aufnehmen zu können, das nicht an zwei Tagen fertig sein muss. Wir können uns da ein bißchen Zeit lassen, nachdenken, die Elemente besprechen, vielleicht auch mal eine Nacht drüber schlafen. Wald war toll, aber das muss ich nicht nochmal machen.
Wann kommt das Ding raus?
Severin: Wir werden jetzt in den nächsten Monaten die Songs fit machen und alles organisieren. Anfang nächsten Jahres sollte dann alles fertig sein.
Gab es in dieser ganzen Zeit - von eurem Start vor vier Jahren bis heute - eigentlich den Moment, in dem ihr gelernt habt, das Musikbusiness mit anderen Augen zu sehen?
(Alle schmeißen sich weg)
Und ist das eine miese Erfahrung oder etwas, wo ihr sagt: In seiner Schlechtigkeit ist das schon wieder fast ganz geil?
Henning: Es ist ne richtig miese Erfahrung, wenn du mal von jemandem so richtig verarscht wurdest. Ne RICHTIG miese Erfahrung. Andererseits lernst du natürlich auch daraus. Wenn jetzt so der typische Haifisch-Manager kommt und sagt: Jungs, ich mach euch ganz groß! Dann lacht man mittlerweile darüber. Weil man weiß, dass es Quatsch ist, sich auf so jemanden einzulassen. Jeder Haifisch ist eigentlich ein Clown.
Severin: Man bekommt da so Schritt für Schritt Einblick und das ist zwar desillusionierend, macht aber auch riesigen Spaß.
Christopher: Was auch einfach total entscheidend ist, ist das Team, das wir um uns haben. Unser Manager ist unser Freund, unser Booker, der Tonmann, der Bassist, der Fotograf. So viele coole Leute um uns herum, die auch einfach richtig was vom Geschäft verstehen.
Severin: Das ist auch glaube ich ein Tipp, den wir allen Musikern geben können, die auch gerade anfangen. Nicht nach der Beliebtheit des Produzenten schauen. Geht erstmal mit dem ein Bier trinken und schaut, wie er tickt. Zieht lieber Freunde und nette Leute mit als irgendwelche, die Geld haben.
Henning: Und am besten noch die Eltern fragen. Die wissen ja immer am besten, was gut für einen ist.
Text: Kristof Beuthner
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