Ohne Schnickschnack und mit viel Gefühl begeistert der US-Amerikaner im Bremer Tower Musikclub. Ausrüstung: eine alte Gitarre und eine raue Stimme.
„Auf der Bühne fällt alles von mir ab. Es fühlt sich nie an, als würde ich nur meinen Job machen. Ich mache in dem Moment einfach das, was ich am Liebsten tue: Musik." Dave Hause hat gerade seinen Auftritt im Bremer Tower Musikclub hinter sich und gönnt sich ein Stück Salami-Pizza im Backstage-Bereich. Die Atmung ist noch etwas schnell, der Schweiß noch nicht getrocknet. Er hat nicht mehr diesen vor Euphorie strotzenden Blick wie noch vor wenigen Minuten auf der Bühne. Er ist ruhig, ernst und direkt. So schaut jemand, der weiß, dass er soeben richtig gute Arbeit geleistet hat.
Sein Auftritt war stark – stark gefühlsbetont. Der Musiker Dave Hause versteht es wie nur wenige seiner Branche, Emotionen zu transportieren. Alles echt? „Man darf nicht vergessen: Was wir machen ist Entertainment. Die Leute kommen nur zu uns, wenn wir sie gut unterhalten. Dazu gehört eben mehr, als nur gute Musik zu machen.“
Ein Rückblick auf das Konzert zeigt, was er damit meint. Der Bremer Club ist mit knapp 200 Zuschauern für einen Sonntagabend sehr gut gefüllt. Hause betritt die Bühne und hat von diesem Augenblick an sein Publikum für die nächsten knapp 90 Minuten vollkommen im Griff. Ob er sich bei seinen guten Freunden Brian Fallon und Chuck Ragan etwas abgeschaut hat? Immerhin begeisterte Dave Hause 2011 gemeinsam mit den Bandleadern von The Gaslight Anthem, Hot Water Music und anderen Musikern unter dem Projektnamen The Revival Tour auf Konzerten rund um den Globus.
Die Bühne ist leer. Keine Banner, keine Instrumente, nicht einmal Kabel. Nur Hause und seine Gitarre – und seine Stimme. Der etwas klein geratene US-Amerikaner macht das spärliche Bühnenbild mit seinem Gesang unbedeutend. Zwischen seinen Songs – eine Mischung aus Eigenkompositionen und Coverversionen – sucht er immer wieder offensiv den Kontakt zum Publikum. Er lässt sich während des Singens eines Stückes mit einem Fan filmen, Fotos und Videos sind erwünscht. Schnell läuft der Songwriter heiß und gibt Gas. Das Personal reicht ihm mittlerweile das dritte Glas Whiskey. Stilecht und natürlich ohne Schütteln kippt er den Tennessee die Kehle runter. Ein Auftritt, der Künstler und Fans gleichermaßen gefällt.
Bemerkenswert: Bei seinem wohl bekanntesten Hit „C'mon Kid“ - den er weitgehend nur melodisch begleitet, da das Publikum das Singen übernimmt - lässt er Smartphones und Kameras noch zu. Doch bei dem letzten Stück des Abends weist er das Publikum an Technik Technik sein zu lassen und einfach den Moment mit ihm zu genießen. Zur Belohnung steigt er für den Hot Water Music-Titel „Trusty Chords“ von der Bühne, entsagt seiner Gitarre dem Strom und spielt im Kreise seiner Fans eines seiner Lieblingslieder. „I hate this place, but I love these chords“, schallt es aus 200 Kehlen durch den Tower. Irgendwie paradox: In diesem Moment liebt er diesen Platz. Umringt von seinen Fans, Menschen die nur ihm lauschen, blüht er auf. Später wird er sagen, dass es das beste Konzert war, dass er auf seiner Tour gespielt hat. Alles echt? Das sei dahingestellt. Aber: Definitiv ist Dave Hause ein Künstler mit dem Herz am rechten Fleck.
Text: Marcel Waalkes