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		<lastBuildDate>Mon, 04 May 2026 19:31:47 +0200</lastBuildDate>
		
		
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			<title>Eine Lebenstankstelle: Das ist es. Preview aufs Orange Blossom Special 2026</title>
			<link>https://www.nillson.de/artikel/lesen/eine-lebenstankstelle-das-ist-es-preview-aufs-orange-blossom-special-2026.html</link>
			<description>Du denkst, das Orange Blossom Special Festival hätte in den letzten Jahren schon alle heimeligen Mottos dieser Welt verwendet. Von „Da hinten wird’s hell“ über „You’re At Home Baby“ bis zu „Welt aus. Obs an.“ und natürlich „Herzensangelegenheit“ – alles perfekte Beschreibungen für dein Festivalwochenende, das dich raus aus den Bezügen holt, dich genau in diesen Wohlfühl-Vibe transportiert, der sich in Beverungen manifestiert wie kaum sonstwo in der Festivallandschaft. Und dann zaubern Rembert und seine Crew mal eben ein Motto aus dem Hut, das nochmal mehr passt als jedes zuvor: „Lebenstankstelle“. Das ist es. Oh ja, das ist es.</description>
			<content:encoded><![CDATA[Es ist erstaunlich, dass man Jahr für Jahr zu Pfingsten merkt, wie sehr man so eine Lebenstankstelle braucht. Natürlich, das liegt auch am Zeitpunkt. Das OBS ist der Einstieg in den Festivalsommer, also quasi der erste Halt auf einer abermaligen Reise in eine gesellschaftliche Utopie von selbsterklärender Freundschaft ohne sich im Alltag zu kennen, von Akzeptanz, von Respekt und dem unausgesprochenen Teilen gemeinsamer Werte. Das ist das was ein Festivalsommer leistet, und ich beginne meine Texte über das Orange Blossom Special als Eingangstür in diese schöne bunte Welt seit Jahren damit, auszubreiten, wie es Jahr für Jahr nötiger wird, dass wir so etwas haben, eine Lebenstankstelle.
Aus irgendeinem Grund scheint sich die Welt mit jeder Drehung zu denken, dass ihr Dunkel noch nicht dunkel genug ist. Und so wiederhole ich mich hier nun ein weiteres Mal, und so erholen wir uns Jahr für Jahr von größeren Peaks der Unfassbarkeit, denen wir in unserem täglichen Erleben gewahr werden. Und dann war dieser Winter auch noch so elend lang als ende er nie, als wäre das Grau im Himmel synchron zum Grau auf der Erde, so als habe er resigniert, und so standen auch viele von uns der Resignation nahe. Das Warten auf Licht zu lang, das dunkle Gebell so ohrenbetäubend, die Hiobsbotschaften sich mit so viel böser Energie aufmachend um die Zuversicht in uns zu eliminieren. Wo sind die Menschen, wo sind die guten Dinge, wo ist das Licht?
Es ist ganz klar dass Festivals diese Welt nicht retten können. Was sie können ist Räume schaffen. Für Begegnung, für Konsens, für Freude. Bunte, leuchtende Räume, in denen wir uns treffen und durchatmen können, ein Wochenende lang, dann noch eins und noch eins. Irgendwie sind sie alle Lebenstankstellen, und das OBS ist es vielleicht noch diese ganz kleine Spur mehr – zumindest für mich. Wer schon mal hier war, weiß was ich meine.
Wer schon mal hier war kennt nämlich das Gefühl, in den Grünen Weg einzubiegen, schon vom Auto aus die letztes Jahr erst gefundenen, aber schon stark liebgewonnenen neuen Freunde zu erblicken, dann zu sehen wie sich die Wiese an der Weser vor einem ausbreitet wo gleich für drei Nächte dein Zelt stehen wird, zum ersten Mal wieder Festival mit allen Sinnen aufzunehmen und zu wissen: Das dauert jetzt nur Minuten und ich falle im besten Sinne. Falle in dieses Nest, das ich zu meinem gemacht habe, mit all diesen Menschen zusammen, von denen ich vorher nicht wusste dass es sie gibt und bei denen ich trotzdem von Anfang an gespürt habe, dass wir in die gleiche Richtung laufen, so verstreut wir im real life auch sein mögen.
Du betrittst das Festivalgelände – „Schön, dass du da bist!“ steht da mit Kreide auf einem Schild geschrieben – und du spürst den Vibe. Siehst wie viel Mühe und wie viel Liebe hier drinstecken. Nicht dass du das vergessen hast. Aber da ist wieder Wärme. Du triffst die gleichen Menschen wie jedes Jahr. Manchmal fehlt jemand. Die Umstände, das Leben. Alles wächst. Alles ruht. In sich. An diesem Ort. Du tankst auf, sofort. Du siehst sie alle, die alten, die jungen, die ewigen, die neuen, und du kannst jede:n fragen der zum ersten Mal hier ist: Sie verstehen warum man ihnen schon so lange und mit so leuchtenden Augen vom Orange Blossom Special im Glitterhouse-Garten erzählt.
Und die Musik. Du findest in ganz Deutschland Festivals mit liebevoll kuratierten Lineups und wirst es doch selten erleben dass ein Publikum so nah dran ist. Dass Bands und Künstler:innen so warmherzig und zahlreich empfangen werden, egal zu welcher Stagetime. Das Vertrauen ist immens. Und das zurecht. Hier dürfen Musiker:innen auftreten für die diese OBS-Show nicht selten das größte ist was sie bisher gemacht haben – und die noch in Jahren davon berichten werden wie sie zu keinem Zeitpunkt das Gefühl gehabt zu haben sich hier beweisen zu müssen weil sie mit ganz viel Neugier einfach angenommen werden in ihrer Kunst. Rembert gibt ihnen aus vollem Herzen diese Bühne, und die Menschen davor wissen, dass es sich lohnt. Ob das nun im realen Leben immer ihr Sound ist, egal. Es entsteht eine Symbiose, fast schon kitschig, fast schon unreal, aber du spürst sie. Auch für jeden, der unter dem Kronleuchter performt, ist das eine Lebenstankstelle.
Darum kommen sie auch wieder wenn sie eingeladen werden. Stefan <b>Honig</b> kennt das OBS, war mit seinen Accidental Birds schon hier; Deniz Jaspersen sowohl mit Deniz &amp; Ove als auch mit <b>Herrenmagazin</b>; Anna Meier, Tabea Niewerth und Milena Wagner von <b>Animat</b> spielten mit Loki hier sogar schon zweimal. <b>Israel Nash</b>, <b>Marlo Grosshardt</b>, <b>Wrest</b> – auch diese drei Namen hat man schon auf den OBS-Lineup-Plakaten gelesen. Marlo Grosshardt ist seit seiner Show hier vor zwei Jahren inzwischen eine absolute Institution in der Indie-Szene geworden und die Schotten von Wrest eh eine internationale Instanz. Sie finden ihren Weg zurück und es wird wieder besonders. Eh jedes Jahr am Start sind Jörkk Mechenbier und Lasse Paulus alias <b>Schreng Schreng &amp; La La</b> alias Der Esel und sein Anwalt, die „Hausmarke des OBS“ (Zitat) und wiederholt fester Lineup-Bestandteil, dazu noch mit rasantem Aufstieg vom Walking Act über die Minibühne auf die Hauptbühne in diesem Jahr, sky is the limit und so.
Ein echter Traum für (wie ich weiß) gar nicht wenige Crewmitglieder sind <b>Turbostaat</b>, wütend und energisch wie immer, nach so vielen Jahren Bandgeschichte immer noch wichtig und relevant, das wird sehr stark. Zu den ganz dicken Empfehlungen gehören ohne Frage die Holländer von <b>Groote Geelstart</b>, von denen Rembert schreibt, das wird der „krankste geile Scheiß den wir je auf den Garten losgelassen haben“. Völlige Eskalation zwischen Noise Rock, Postpunk, Kraut und Performance Art – das wird eine Show die man so schnell nicht vergisst, auf welche Weise auch immer, und ein äußerst typisches Beispiel für diese wilden Empfehlungen, die von Remberts Herzensangelegenheiten zu deiner werden. Und ich persönlich freue mich unfassbar auf <b>Man/Woman/Chainsaw</b>, die ich beim Reeperbahn Festival leider verpasst habe, deren Mixtur aus Punk, Indie, Noise und Prog das Sextett aber als eine der derzeit spannendsten UK-Bands auszeichnet. Und <b>Tramhaus</b> darf man auch nicht vergessen, das ist pure Energie zwischen Postpunk, Shoegaze und Noise, sehr mitreißend, sehr energetisch, das wird äußerst stark.
Wundervolle Momente versprechen <b>Agassi</b> mit melodiösem Indie-Postpunk, <b>Nils Keppel</b> mit dystopischem Indie Wave, <b>Alela Diane</b>s Indie-Folk-Skulpturen, Indie-Pop zwischen Amerika und Skandinavien von <b>Willow Parlo</b> oder der dezent angejazzte Alternative Pop von <b>Mel D</b>, aber damit ist das Ende noch lange gar nicht erreicht. Es gibt einfach exakt gar kein einziges Konzert auf das man sich nicht freuen kann an diesem Wochenende, alle auf ihre Art unique, alle sehens- und hörenswert; ein unglaublich vielseitig und schönes Lineup ist das dieses Jahr.
Da kommt man mal wieder gar nicht zum Essen (nur Liebe für Mini-Calzone!), und eigentlich muss man sich hier und da zweiteilen um auch die Lesung von <b>Dominik Bloh</b> nicht zu verpassen, den völlig unvorhersehbaren Musik-Talk von <b>Zwischen zwei und vier</b> und den Mini-Live-Podcast von <b>Nilz Bokelberg</b>, der nebenbei das ganze Wochenende lang Footage für seinen "Gästeliste Geisterbahn"-Podcast sammeln wird. Wie man’s macht wird man’s richtig machen. Und am Montag erfüllt nach Hause fahren.
Bei all dem was ich nicht müde werde über das Orange Blossom Special zu erzählen soll nicht unerwähnt bleiben dass das Festival in diesem Jahr ernsthafte Probleme mit Ticketverkäufen hat. Da sind Rembert und sein Team transparent und es ist eh eine offene Wunde der Szene: gestiegene Produktionskosten sorgen für gestiegene Ticketpreise und die Menschen überlegen sich einen Festivalbesuch inzwischen zweimal.
So sehr ich das verstehen kann, verspreche ich euch: Wer hier eincheckt hat jeden Cent gut angelegt. Das OBS war immer schon eine Lebenstankstelle, und ich habe in den letzten Jahren nicht wenige Menschen davon überzeugen können, die einmal kamen und nie mehr weg wollten. Weil das OBS ein Ort ist, der etwas mit dir macht, tief drinnen. Der dich an das Gute glauben lässt und ein Stück Zuhause für dich wird. Das kann man oft gar nicht glauben bis man es mit eigenen Augen gesehen hat, aber so ist es. Und so hat man es dir bestimmt auch schon mal erzählt. Du solltest diesem Menschen glauben. Denn in diesen Kosmos nimmt man nur mit wen man lieb hat – und das ist ein riesengroßes Kompliment.
Tickets bekommt ihr immer noch für 155,00 (bzw. 160,00 für Hardtickets), es gibt das Jugendticket für 13- bis 18jährige für schmale 50,00 und auch wieder Sozialtickets deutlich vergünstigt, die von einem Soli-Aufkommen finanziert werden (was stark ist). Tagestickets könnt ihr ebenfalls kriegen – checkt doch einfach mal auf orangeblossomspecial.de eure Optionen!
Und dann sehen wir uns alle zu Pfingsten im Glitterhouse-Garten, der Lebenstankstelle, dem guten Ort – und machen uns wieder ein bisschen gesund.

<b>Lineup nach Tagen:</b>
<b>Freitag, 22.5.2026:</b>
<b>Hauptbühne:</b> Willow Parlo / Bikini Beach / Israel Nash / Marlo Grosshardt / Man/Woman/Chainsaw
<b>Minibühne:</b> Lener
<b>Walking Act:</b> Animat

<b>Samstag, 23.5.2026:</b>
<b>Hauptbühne:</b> Schreng Schreng &amp; La La / Worries And Other Plants / Groote Geelstaart / Jerry Leger / Nils Keppel / Frazey Ford / Herrenmagazin / Tramhaus
<b>Minibühne:</b> Kekse &amp; Kakao / Schnuppe
<b>Walking Act:</b> Honig
<b>Lesung:</b> Dominik Bloh

<b>Sonntag, 24.5.2026:</b>
<b>Hauptbühne:</b> Surprise Act / Mel D / Blush Always / Alela Diane / Maria Iskariot / Gringo Mayer &amp; Die Kegelband / Turbostaat / Wrest
<b>Minibühne:</b> Nilz Bokelberg / Agassi
<b>Walking Act:</b> Stoic Mind
<b>Lesung:</b> Zwischen zwei und vier

<i>Text: Kristof Beuthner</i>
<i>Foto: Dennis Schinner</i>]]></content:encoded>
			<category>Neuigkeiten</category>
			
			<pubDate>Mon, 04 May 2026 19:31:47 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Geht auf Konzerte! Liebt die Musik! - Nillson beim Reeperbahn Festival 2025</title>
			<link>https://www.nillson.de/artikel/lesen/geht-auf-konzerte-liebt-die-musik-nillson-beim-reeperbahn-festival-2025.html</link>
			<description>St. Pauli ruft und alle kommen: Was man beim Fußball alle zwei Wochen erlebt, ist für Musikfans nur einmal im Jahr so richtig Programm. Dann ist nämlich Reeperbahn Festival, und die Synapsen werden mit rund 400 Konzerten rund um Deutschlands bekannteste Straße so richtig schön angefixt. Jedes Jahr wieder ein Abenteuer, und doch fühlt es sich jedes Jahr wieder neu an. Kein Wunder: Nirgendwo sonst entdeckt man in so kurzer Zeit so viele vielversprechende Newcomer, muss ein so präzises Zeitmanagement beim Planen von Konzerten beweisen und fühlt sich im Nachhinein so belohnt für eine richtig gute Zeit.</description>
			<content:encoded><![CDATA[Vom Spirit, Menschen wieder zu treffen, die man ansonsten ein ganzes Jahr nicht sieht, können einem wahrscheinlich Besucher:innen von jedem xbeliebigen Open Air im ganzen Land berichten. So überrascht es nicht, dass die ersten Freunde einem schon in der Bändchenschlange beim Heiligengeistfeld um den Hals fallen. Aber das hier ist kein Familien-, das hier ist ein Entdeckertreffen. Und so gibt’s nach dem ersten Drücker dann gleich den ersten fachlichen Austausch: Was steht heute an? Habe ich was übersehen? Hast du einen guten Tipp für mich?
Mein alljährliches Ritual zahlt sich mal wieder aus. Sobald der Timetable steht ziehe ich mich mit einem großen Glas Rotwein und Kopfhörern zurück und versuche, einen Überblick über Bands und Künstler:innen zu bekommen; es sind an die 200. Nebenbei wird mitgetippt (die App dient dann während des Festivals nur dem Komfort), fett markiert, abgewägt. Dafür bin ich gut vorbereitet und kann jeder Person die ich treffe versiert meine Pläne A, B und C präsentieren. Selbstverständlich, dass man dabei direkt auf dem Heiligengeistfeld hängen bleibt. Das Festival Village ist ein guter Ort zum Ankommen. Dieses Jahr noch mehr, denn die Veranstaltenden haben gut erkannt, dass die Idee, das Heiligengeistfeld zum Meeting Point zu machen, nicht ganz aufgeht wenn der Spielbudenplatz einfach viel zentraler liegt. Darum ist das Festival Village räumlich deutlich reduziert worden; es gibt nun einen Rundlauf, den die vielen Stände der Flatstock Poster Ausstellung säumen, und in der Mitte liegt die Fritz Kola Bühne, auf der sich in halbstündigen Slots über die Tage verteilt verschiedene Bands und Artists for free präsentieren. Auch die kleine MoPo-Bühne und die große, aus roten Containern errichtete Amazon Music Stage befinden sich hier. Das Village wirkt deutlich einladender und geschlossener, man kommt sich nicht mehr so verlaufen vor – klares Upgrade durch Downgrade!
Der Klassiker wäre gewesen, durch nette Talks die erste Band zu verpassen, aber ich schaffe es rechtzeitig ins neue Molotow, das nun mitten auf der Reeperbahn zu finden ist – der Club ist deutlich vergrößert, mit der Top10-Bar gibt es auch eine zweite Stage, nur der Backyard wird natürlich schmerzlich vermisst. Sei’s drum: <b>The Pill</b> spielen hier mein Opening, mit äußerst mitreißendem Riot Grrrl-Punk, „zwischen Wet Leg und The Hives“, fällt mir während der Show ein. Natürlich gibt es da nicht viel Abwechselung, dafür aber 45 Minuten lang stramm Druck. Unbedingt merkenswert. Im Bahnhof Pauli schaffe ich es anschließend zu <b>h3nce</b>, einem noch sehr jungen DIY-Künstler, der College Rock mit 80s-Postpunk-Ästhetik vermischt. Das funktioniert vor allem live überraschend gut, die Songs gehen ins Ohr, die Präsenz stimmt. Den sehen wir bestimmt wieder. Zum Mittwochs-Abschluss wartet im Resonanzraum mit den Belgiern von <b>Omar Dahl</b> ein ziemlich faszinierender Sound zwischen Electronica, orientalischen Klängen und Jazz. Die Erwartungen einer Band in der Schnittstelle zwischen Altin Gün und Khruangbin werden nicht erfüllt, was aber sogar gut so ist, denn das hier schlägt eine ganz andere Richtung ein, ist deutlich clubtauglicher und sollte nächsten Sommer auf dem ein oder anderen mittelgroßen Festival die Nächte verschönern. Nicht ganz so warm werde ich mit <b>Farhot</b>, der sich u.a. als Producer für so einen illustren Kreis an Bands und Musiker:innen wie Nneka, Haftbefehl oder den Fanta 4 einen Namen gemacht hat. Das hier geht deutlich weiter weg von Hiphop und Soul und weit mehr in Richtung Jazz, und das ist auch völlig cool und extrem versiert, allerdings nichts was für mich an Tag 1 noch einen draufsetzt. Klarer Fall von Früh-Überreizung.
Am Donnerstag beginnen die Showcases so richtig, und hier steht unter anderem das Klubhaus St. Pauli im Fokus, das mit dem Sommersalon, dem UWE, dem Häkken, dem Schmidtchen und dem Bahnhof Pauli gleich fünf Clubs stellt, die die Wahl zur Qual machen. Und weil der Weg nach Hamburg wegen des Verkehrs länger dauert als geplant, wird der eigentlich heiß erwartete Postpunk von <b>Slate</b> direkt mal verpasst. Keine Chance auf Reinkommen mehr; wer zu spät kommt, den bestraft die geringe Kapazität der kleinen Läden. Den Kickstarter machen also <b>The Sherlocks</b> aus Sheffield auf der Open-Air-Stage Spielbude XL mit Indie Rock wie man ihn aus Britannien spätestens seit der Class of 2005 auf dem Radar hat, starken Melodien und reichlich attitude. Im Anschluss wird noch eine Gibson Les Paul verlost, die ich leider nicht gewinne. Also mache ich mich – mit kleinem Umweg über mein Auto, denn der Himmel zieht sich zu und ich brauche einen Regenschirm – auf zum ersten mir ganz wichtigen Termin des Tages.
Donnerstags wird nämlich vom Höme-Magazin traditionell der <b>Helga!-Award</b> verliehen. Die Show findet dieses Jahr erstmals im Knust statt und bekommt sogar eine Live-Übertragung vom Club in die Bar spendiert, denn durch die Bestuhlung ist vor der Bühne deutlich weniger Platz als in den letzten Jahren im Panel- oder Spiegelzelt. Statt bekannter Programmpunkte zur Auflockerung geht es dieses Jahr straight von Kategorie zu Kategorie; Ludwig Henze alias Laser Ludi und Kira Henze führen durch den Spätnachmittag. Schön mitzuerleben ist wie in jedem Jahr die Wiedersehensfreude bei den Vertreter:innen der vielen Festivals, nominiert oder nicht nominiert, und der Eindruck einer Branche, die gemeinschaftlich an einem Strang zieht, voneinander lernen will und ziemlich happy ist, Sommer für Sommer Sehnsuchtsorte zu schaffen, sorgt für Sonne im Herzen am Ende eines äußerst vollen Festivalsommers. Dabei gibt es in diesem Jahr deutlich mehr Appelle an die Szene: Zusammenschluss gegen den Rechtsruck, weitere Schritte zu noch mehr Nachhaltigkeit und ein noch stärkerer Fokus auf FLINTA-Acts müssen auf der to do-Liste noch deutlich dicker unterstrichen werden. Die Gewinner der von einer Fachjury bewerteten Kategorien sind das <b>Summertime Festival</b> für das beste Booking, das <b>Gravity Festival</b> für die „Grünste Wiese“, das <b>EselRock</b> für die „Gemischteste Tüte“, das <b>MSNT Festival</b> für die unerschrockenste Haltung und das <b>Ab geht die Lutzi!</b> für das „größte Glück für den kleinsten Geldbeutel“. Den Publikumspreis für das beste Festival geht ein weiteres Mal an das <b>Open Flair</b>, und ich sage das, was ich jedes Mal sage wenn das passiert: Ich muss da wohl unbedingt mal hin!
Statt mich, mal wieder viel zu spät dran, in die sicher riesige Schlange beim Molotow für <b>Man/Woman/Chainsaw</b> einzureihen, schaue ich auf der nächsten Reception vorbei. Die Messe Future For Festivals gibt am Technobus in der Taubenstraße zehn Festivals innerhalb von fünf Stunden die Gelegenheit, sich in halbstündigen Receptions zu präsentieren. Während es im Bus Freigetränke gibt und verschiedene DJs auflegen, ist mir das ganze aber zu wenig unterschiedlich individuell geprägt. Was bleibt sind drei verschiedene neue Festivalbändchen (mit QR-Code, der zum Einlass für die Messe berechtigt) und ein paar richtige Kreuze auf dem Bingo-Zettel vom Skandalös Festival, die ihre DJ-Zeit nutzen um Bands und Küstler:innen ihrer vergangenen Lineups via Bingospaß vorzustellen – das ist zumindest eine coole Idee.
Musikalisch geht heute nicht mehr viel. Irgendwie schaffe ich es in den völlig überfüllten Bahnhof Pauli zum sehr kühlen Wave-Punk von <b>Witch Post</b>, aber die Menschen stehen bis in den Vorraum und ich kann auf die Band selbst nur einen flüchtigen Blick erhaschen. Ein ganz wundervolles Konzert spielen die liebgewonnenen <b>Soft Loft</b> im Mojo, und da bin ich mal früh genug für einen richtig guten Platz auf der Empore. Die herzerwärmenden Melodien, der zu jedem Zeitpunkt absolut stilsichere Folk-Indie-Pop, die zarte Melancholie und die einprägsame Stimme von Jorina Stamm, dazu noch eine ganze Reihe an Hits wie „Paper Plane“ oder „Rose Colored“ – Soft Loft sind die Indie Darlings der Saison und sie rechtfertigen diesen Status mit jeder Sekunde ihrer Show. Zum Abschluss wandere ich noch ins Angie’s im Schmidts Tivoli zu <b>Gardens</b>, die sehr einnehmend zwischen Roughness und Filigranesse changieren. „Zwischen kalifornischen Hippies und dem WG-Flur in Wien“, heißt es in der Beschreibung, und das ist genau das Bild, das sich einem vor dem inneren Auge eröffnet. Feiner Indie-Folk trifft aufregenden Garage Rock und zum Abschluss gibt’s Rotwein aus dem Senfglas. Stark!
Während ich mich am Mittwoch und am Donnerstag noch treiben lassen mochte, ist die Taktung am Freitag ungleich höher, als ginge das Reeperbahn Festival heute erst so richtig los. Und im Häkken gibt es mit <b>Dramatist</b> gleich mal ein erstes großes Tageshighlight. Ich kenne einen Teil der Bremer Band noch aus Zeiten als sie Stun hießen und erwarte nur gutes, und das bekomme ich auch: 30 Minuten absolut präzise gespielten oldschool Post Hardcore, der Platz für Melodien lässt und mich mit seiner Wucht fast umwirft. Das macht riesige Vorfreude auf das 2026 erscheinende Debütalbum. Dann mal wieder ab in die Riesenschlange, obwohl ich nur zwei Türen weiter gehen will, aber die Goth-Wave-Helden von <b>Twin Tribes</b> füllen auch mit ihrem halbstündigen Showcase-Gig den Bahnhof Pauli bis auf die Straße. Als ich es reinschaffe, ist das Konzert zu einem Drittel vorbei, aber die übrigen 20 Minuten ziehen mich mit düsteren Sythnies, halligen Drums und mondän-abgedunkelten Vocals so in ihren Bann dass ich die erste Vinyl des Tages mitnehmen muss. Für die folgenden <b>The Dark</b> bleibe ich einfach gleich in der Location, da gibt es tonnenschweren Metalcore auf die Ohren, außerdem einen volltätowierten Muskelberg-Frontmann mit Kajal und Geltolle im Netzhemd am Mic. Irgendwie fancy, irgendwie stark. Da bietet <b>Marlo Grosshardt</b> im Docks zu all dem Lärm das komplette Kontrastprogramm, aber es ist wirklich jedes Mal wieder eine Freude, diesen Typen da stehen zu sehen und ihm so von Herzen zu gönnen dass er es geschafft hat, ausverkaufte Touren spielt und immer mehr Leute mit seiner ganz klaren und sehr guten politischen und gesellschaftlichen Haltung und nebenbei ganz wunderbaren kleinen Song gewordenen Geschichten um sich sammelt. Und an der Posaune wird er auch immer besser.
Nach dem Genuss eines australischen Smash Burgers auf dem Spielbudenplatz – göttlich, sage ich euch – mache ich mich auf ins Uebel &amp; Gefährlich zu <b>The Haunted Youth</b>, die ich auf dem Reeperbahn Festival vor ein paar Jahren für mich entdeckt habe und die längst zu einem der renommiertesten belgischen Indie-Acts geworden sind. Kein Wunder: Es ist ein wundervolles Konzert zwischen Indie- und Postrock, melancholisch-nachdenkliche Passagen münden in ohrenbetäubenden Bombast, es ist ein Rausch. Kann danach noch was kommen? Oh ja. Denn in der St. Pauli-Kirche (perfekt!) sorgt The Slow Show-Frontmann Rob <b>Goodwin</b> mit seinem neuen Solo-Material für den absolut perfekten Tagesabschluss. Wobei solo gar nicht stimmt, begleitet wird er immerhin von niemand anderem als dem maskierten Pianisten Lambert am Flügel. Die Songs der an diesem Tag erschienenen Platte „Peekaboo“ sind, wie man es erwarten durfte, kleine, introspektive, durch und durch rührende Epen, und die klangliche Reduktion des Instrumentariums steht Rob Goodwins unvergleichlichem Bariton wirklich ausgezeichnet. Es wird die zweite Vinyl des Tages.
Der Samstag auf dem Reeperbahn Festival ist irgendwie immer so ein on-top-Tag: Eigentlich tun die Füße schon weh, man hat jeden getroffen den man treffen wollte, man ist ein bisschen überreizt und hat viel zu wenig geschlafen. Aber heute scheint die Sonne und das weckt nochmal alle Lebensgeister für die letzte Runde. Kleiner Insider-Ritual-Tipp: Ein Curry im Maharaja in der Detlev-Bremer-Straße, Naan und Mango Lassi dazu, und die Lebensgeister haben die perfekte Grundlage. Den Soundtrack zu dieser Stimmung liefern <b>GRIMA</b>, die mit waberndem, sonnengetränktem New Wave und druckvollem Postpunk zu spanischen Lyrics einfach wie gemalt sind in diesen vielleicht letzten Sommertag des Jahres. Für solche spontanen Entdeckungen liebe ich die Fritz Kola-Bühne sehr. Und dann ist mal wieder treiben lassen Phase. Es folgen ein paar ultrakurze Gigs am N-Joy-Reeperbus, der wie jedes Jahr auf dem Spielbudenplatz steht, das Highlight ist die Acoustic Show von (mal wieder) <b>Soft Loft</b>. Kurzer Rückweg ins Village und Rap von Juno030, dann der erste Club für heute und direkt das überraschende Tageshighlight. <b>Far Caspian</b> aus Leeds spielen Indie Pop – würde man sagen, wenn man sie nur von Platte kennen würde, wo diese Band weit filigraner, aber eben auch deutlich weniger mächtig klingt. Live wächst der Sound des Sextetts um eine betörende Postrock-Wall of Sound an, in der man sich verlieren mag, und plötzlich steckt man in Erinnerungen an die frühen Jimmy Eat World und die frühen Death Cab For Cutie und diese Postrock-Darlings, Caspian ohne Far heißen. Dazu ist die Band noch absolut sympathisch, das macht hier alles wirklich enorm viel Freude.
Mit kurzem Zwischenstopp auf einen Crémant bei Blumen &amp; Feinkost Schnalke (unbedingt mal hingehen, der Laden ist sehr stark) quetschen wir uns in die millimetergenau gefüllte Pooca Bar zu <b>Drei Säcke Bauschutt</b>, einer Hamburger Band, die zwischen Sarkasmus und Ironie einwandfreien Mittelfinger-Punk runterdrischt, gegen jeden und alles, wenn es unterdrückt, klein macht, Menschen reduziert und im Herzen schlecht ist. Das geht sehr sehr gut klar. Und dann, for something completely different, bringt <b>Killowen</b> im Mojo das Wochenende nach Hause: mit einem Rap Sound, wie er so halt nur von der Insel kommt; ein bisschen 2step, ein Schuss UK-Garage, ganz wenig Jazz und ein tiefenentspannter, gleichzeitig aber sehr treibender Flow, und die komplette Batcave eskaliert. Diese halbe Stunde war definitiv zu kurz.
Fazit? Müde, zerlatscht, aber glücklich. So sieht halt ein Post-RBF-Sonntag aus, und einen Tag später wird der Alltag schon wieder ganz andere Sachen mit einem machen. Viel gelaufen, viel entdeckt, viel geredet, aber vor allem: Vier Tage lang eindrucksvolle Beweise dafür gesammelt, warum man Musik liebt, warum man Konzerte liebt, warum man „Geht auf Konzerte“ und „Hört Musik“ in die Welt schreien will, denn das macht glücklich, inspiriert, erstaunt, langweilt natürlich auch mal. Es erweitert die Sinne und verändert Leben, es schafft die gute Form von Gemeinschaft, und die brauchen wir so dringend. Das ist was wundervolles.
Die Festival-Saison ist damit nun vorbei – und ich fühle mich jetzt schon unglaublich ready für die nächste. Reeperbahn Festival, Hamburg, St. Pauli – see you next year!

<i>Text und Foto: Kristof Beuthner</i>]]></content:encoded>
			<category>Artikel</category>
			
			<pubDate>Sun, 28 Sep 2025 18:40:18 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Wohin du gehst? Sagen wir dir! 12 Tipps fürs Reeperbahn Festival 2025</title>
			<link>https://www.nillson.de/artikel/lesen/wohin-du-gehst-sagen-wir-dir-12-tipps-fuers-reeperbahn-festival-2025.html</link>
			<description>Am Mittwoch beginnt in Hamburg wieder die schönste Extra-Jahreszeit für Musikliebhabende. Eine neue Ausgabe Reeperbahn Festival steht in den Startlöchern! Zwischen Knust und Großer Freiheit gibt es wieder jede Menge Potenzial für durchgelaufene Füße und spannende Entdeckungen, aufregende Newcomer und etablierte Namen, leckeres Street Food und den ein oder anderen Award. Grund genug, spätestens heute ein Vorfreudepaket zu schnüren!</description>
			<content:encoded><![CDATA[Fast 400 Konzerte könnte man sich von Mittwoch bis in die Nacht von Samstag und Sonntag anschauen, könnte man sich durch ein Vielfaches teilen. Die Kunst des cleveren Zeitmanagements ist selten so ein wertvoller Skill wie im September rund um die Reeperbahn. Denn neben eng getakteten Konzertzeiten und penibel berechneten Laufzeiten von A nach B muss man ja immer auch noch einkalkulieren, dass man an Ort C zufällig gute Menschen zum Schnack trifft oder irgendwo keinen Einlass bekommt und plötzlich auf die gute Idee an Ort D angewiesen ist um nicht eine Stunde lang zappelnd und unbeschäftigt in der Luft zu hängen.
Dabei sind die Geschmäcker natürlich höchst heterogen. Gott sei Dank ist es das Angebot auch. Von Neoklassik, Jazz und Contemporary kannst du dir nämlich über Indie und Rap bis hin zu Folk und Metal so ziemlich in jedem Genre der alternativen Musik die Synapsen füllen bis zur ultimativen klanglichen Glückseligkeit.
Darum haben wir mal versucht, es simple zu keepen und empfehlen euch pro Tag drei Konzerte, die ihr zeitlich auf jeden Fall einrichten können müsstet. Natürlich halten diese Tipps vor allem unserem eigenen Geschmackstest Stand. Allen, die sich hier nicht wiederfinden und trotzdem ein Ticket besitzen, empfehlen wir wärmstens, sich mit einem schönen Glas Rotwein noch schnell ans abendliche Querhören und Favourites markieren zu machen – ein liebgewonnenes Ritual, auf das ich mich persönlich Jahr für Jahr fast genauso freue wie auf das Festival selbst. Here we go!
<b>Mittwoch, 17.09.2025</b>
Wären wir ihr, würden wir im neuen Molotow in die Experience starten. Nicht nur, weil wir diesen Sehnsuchtsort der alternativen Musik bisher noch nicht an seinem neuen Ort erlebt haben, sondern auch, weil dort um 19:00 <b>The Pill</b> auftreten, eine äußerst schweißtreibende Riot Grlll-Punk-Band, die euch einfach schon zum Festivalbeginn komplett auf Links dreht. Hörbeispiel gefällig? Testet mal „Woman Driver“!
Von der Reeperbahn aus fährt man (wenn man nicht laufen will) eine U-Bahn-Station weiter, steigt an der Feldstraße aus und läuft ein paar Schritte zum inzwischen mit mächtiger Dachbegrünung verzierten Musikbunker. Die Konzerte im Resonanzraum waren jahrelang für uns mit der „Neue Meister Labelnight“ ein schöner entspannter Festivalausklang mit Klaviermusik und/oder Contemporary Sounds. Mit <b>Omar Dahl</b> könnt ihr hier ab 21:20 einer Band zuhören, die arabische Folklore mit Jazz und Art Pop vermengt und sich somit in der Schnittstelle zwischen Altin Gün und Khruangbin wiederfindet.
Am besten lässt man den Mittwoch im Angie’s ausklingen, aber leise wird es da keineswegs. Dort kombinieren nämlich die Szene-Darlings von <b>Bikini Beach</b> ab 23:45 das beste aus Stoner Rock, Surf Rock und Indie Rock zu einem wirklich überaus zwingenden Soundclash. Muss man sich unbedingt anhören!
<b>Donnerstag, 18.09.2025</b>
Den Donnerstagabend beginnen wir wieder im Molotow und zwar mit einer Band, die man allein schon wegen des exquisit gewählten Namens auf dem Zettel haben sollte: <b>Man/Woman/Chainsaw</b>. Wer im August in Haldern war, hat sich von diesem grandiosen Quintett schon eine wunderbar wilde Mixtur aus Lärm und Schönheit um die Ohren hauen lassen und sich möglicherweise darin verliebt. Hier ist nichts vorhersehbar, was M/W/C in die Nähe von ähnlich gearteten Bands wie Black Midi oder Black Country, New Road rückt, aber Man/Woman/Chainsaw machen ihr ganz eigenes Ding. Hochspannend – Kickoff 19:00!
Weniger Lärm, dafür umso mehr Schönheit finden wir ab 21:30 in der Batcave der Reeperbahn, also im imposanten Mojo Club, und zwar bei <b>Soft Loft</b>. Die Schweizer spielen sehr innigen, sonnentrunkenen und zeitgleich mit kleinen feinen Kanten versehenen Indie Pop, der das Herz wärmt. Einerseits wohnt diesem Sound eine herrliche Leichtigkeit inne, andererseits aber auch eine tiefe Melancholie. Das wird wunderschön!
Und dann wieder: Abteilung Attacke. Wer <b>Dry Cleaning</b> schon mal live erlebt hat, weiß wovon ich spreche. Fast schon bedrohlich zelebriert diese Band den musikalischen Stoizismus: dringlich, drängelnd, dabei nur vordergründig monoton, entfaltet sie einen faszinierenden Sog, auf den man sich einlassen muss um davon eingenommen zu werden. So geht Post Punk halt auch. Um 23:40 im Uebel &amp; Gefährlich – be there or be square.
<b>Freitag, 19.09.2025</b>
Im Clubhaus St. Pauli (u.a. mit dem UWE, dem Sommersalon und dem Häkken) mitten auf der Reeperbahn kann man sich an diesem Wochenende eh auch ruhig die ganze Zeit aufhalten, es passiert ständig was neues und meist sind die Konzerte auch nur kurz. Wir empfehlen da eine höchst charmante Zeitreise zurück in die 80er, denn <b>Twin Tribes</b> sind die Band, die du brauchst, wenn dir an diesem Wochenende Postpunk und New Wave bisher zu kurz gekommen sind. Düster-verhallte Vocals über wabernden Synth-Flächen: Twin Tribes, you got us. Ab 18:00 im Bahnhof Pauli!
Wer Bock auf Rap hat und noch mehr Bock auf Rap mit (Anti-)Haltung kommt eigentlich an den Audiolith-Helden von <b>Waving The Guns</b> aus Rostock schon lange nicht mehr vorbei. Schon lange eine echte Institution im Kampf gegen die braune Masse und andere Idioten nimmt dich der Typ mit der Maske mit seiner Crew stabil an die Hand. Und weil man ja schon seit geraumer Zeit wieder ins Docks gehen kann, ist 21:10 am Freitagabend ein guter Zeitpunkt dafür.
Zum Abschluss geht’s in die Kirche für ein echtes Wochenendhighlight. Rob Goodwin kennt man seit über zehn Jahren als Bariton der famosen The Slow Show, nun hat er sich mit dem Berliner Pianisten Lambert zusammengetan um unter dem Projektnamen <b>GOODWIN</b> eine Soloplatte zu veröffentlichen. Und ja, natürlich ist das ein bisschen The Slow Show halt in sehr reduziert (nämlich nur auf Klavier und Stimme), aber das heißt doch gerade, dass das ganz wundervoll wird und nicht verpasst werden darf. St. Pauli-Kirche, 23:50. Und danach ab in die Nacht.
<b>Samstag, 20.09.2025</b>
Kein Australian BBQ, kein Reeperbahn Festival. Und am Samstag kommt im Molotow auch noch zusammen was zusammengehört: Weil nämlich St. Paulis australischer Fußball-Darling Jackson Irvine höchstpersönlich den musikalischen Nachmittag in seinem Lieblings(musik)club kuratieren darf. Dass da nur Gutes bei herauskommen wird: Eh klar. Eigentlich kann man also getrost seinen halben Tag dorthin verplanen, aber wenn es nur eine Band sein soll, empfehlen wir ganz stark den lässig angesurften Indie-Folk-Pop von <b>The Hubbards</b>, ab 17:10.
Gehören für uns eigentlich viel dringender zum Reeperbahn Festival als die Elphi-Konzerte: Die wunderbaren Abende, an denen die Hauptkirche St. Michaelis ihre Pforten öffnet. Das sind immer wirklich magische Momente in edelstmöglicher Atmosphäre, und in diesem Jahr spielt dort mit der eh immer wundervollen <b>Alice Phoebe Lou</b> eine Künstlerin, die als erste alle beiden hochimposanten Spielorte des RBF gefüllt haben wird; immerhin war sie 2021 schon im Rahmen des Festivals in der Elbphilharmonie zu Gast. Start ist um 20:00, und mit einer Stunde ist die Show für Michel-Verhältnisse sogar recht kurz.
Kickoff in die Samstagnacht am besten mit was tanzbarem oder? We got you covered. Im Mojo Club steht nämlich ab 23:45 <b>Killowen</b> auf der Bühne, und wer was für britischen Rap übrighat und schon mal was von Mike Skinner gehört hat, sollte hier unbedingt vorbeischauen. Nicht dass Killowens Style ein The Streets 2.0 hat, aber solche 2step-Garage-Rap-Hybriden kommen halt nur von der Insel und sind alle irgendwie Erben des frühen Mike. Extrem tanzbar, extrem mitreißend – so kann man ein Festival nach Hause bringen.
Wir sehen uns da – auf ein Getränk oder zwei – und freuen uns auf vier Tage intensiven Musikwahnsinn!

<i>Text: Kristof Beuthner</i>
<i>Foto: Robin Schmiedebach</i>]]></content:encoded>
			<category>Neuigkeiten</category>
			
			<pubDate>Mon, 15 Sep 2025 18:54:22 +0200</pubDate>
			
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		<item>
			<title>Leuchten wir den Regen einfach weg. - Nillson beim Appletree Garden Festival 2025</title>
			<link>https://www.nillson.de/artikel/lesen/leuchten-wir-den-regen-einfach-weg-nillson-beim-appletree-garden-festival-2025.html</link>
			<description>Der Festivalsommer ist ein Festivalapril. Und gerade am ersten Augustwochenende ist er das. Wie viele Wettereinbrüche biblischen Ausmaßes das Appletree Garden und andere zum gleichen Zeitpunkt stattfindenden Festivals heimgesucht haben, mit mir mittendrin, kann ich schon gar nicht mehr zählen. Dass es die Laune nicht schmälert: Keine Frage. Denn wenn es eines weiteren Beweises bedurfte, dass Festival-Communities aus Unvermeidbarem trotzdem puren gemeinschaftlichen Hochgenuss supporten, war das Appletree Garden Festival 2025 ein weiterer, ein eindrucksvoller.</description>
			<content:encoded><![CDATA[Es ist ja auch nicht so gewesen, dass sich das nicht angekündigt hatte. Tagelanger Regen hatten die Parkflächen unbrauchbar gemacht; die Besuchenden, die nicht auf dem Caravan-Platz standen, mussten wie schon vor zwei Jahren mit dem Diepholzer Marktplatz als Carpark vorlieb nehmen. Schon beim Aussteigen dort blickt man in entspannte, glückliche, vorfreudige Gesichter. Im Shuttle quer durch die Stadt: Gelöste Stimmung. Glitzernde, freundliche Menschen. Und ich habe das Gefühl, je weiter sich die Gesellschaft von allen Zuständen gegenseitiger Liebe, Respekt und Verständnis entfernt, desto mehr saugen wir alle Stimmungen wie diese in uns auf. Das Märchenland, das das Appletree Garden ja sowieso schon immer war, wird immer mehr auch zur Zuflucht vor den vergrämten, verbissenen und unerträglichen Menschen, die so vielen von uns das Leben schwer machen.
Der erste Weg über den Campingplatz, die ersten Umarmungen, ihr habt Glitzer im Gesicht, jetzt hab ich das auch. Ihr gebt das Glitzern weiter wie einen magischen Umhang unter dem an diesem Wochenende alle Platz finden. Die wieder ein viel zu langes Jahr über schmerzlich vermisste Utopie eines märchenhaften Ortes an dem alle gleich sind, sie nimmt unser Herz in ihre wärmenden Hände. Nicht in ein einziges unfreundliches, bitteres Gesicht blicke ich an disem Wochenende, ob am Einlass, den Food-Ständen, vor oder hinter der Bühne. Der kurze Spaziergang übers Gelände, zwischen den Blumen, den Lichtern, den Lampions, er fühlt sich so gut an. Lichter leuchten heller wenn es grau drumherum ist, denke ich, und genieße dieses Gefühl.
So wie vermutlich jeder, der mit einem Festival auf die ein oder andere Weise verbunden ist, ein ganz besonderes familiäres Gefühl damit verbindet das sich nur äußerst schwer erschüttern lässt, geht es mir mit dem Appletree Garden. 2008, als ich zum ersten Mal hier war, eröffneten Omas ganzer Stolz die eine vorhandene Bühne, und The Robocop Kraus waren Headliner. Das Festival war auf dem Weg, aber noch weit davon entfernt das schillernde, bunte, leuchtende Wochenende zu sein, das es jetzt ist. Dass der wundervolle Eskapismus, den diese jahre überdauernde Bindung an diesen Ort inzwischen mit sich bringt, jedes Jahr aufs Neue innerhalb von Minuten funktioniert, ist ein Geschenk, das ich mit 5499 anderen teile, die das Festival mal wieder ausverkauft sein lassen haben.
Und weil im Gegensatz zu den PKW-Parkplätzen das Gelände tatsächlich keine Schlammwüste ist (erfahrene Appletree-Aficionados wissen: Das ist nicht selbstverständlich!) geht es umso motivierter rein in den musikalischen Teil des Wochenendes. Zu den catchy Retro Grooves von <b>Bon Enfant</b> lässt sich ganz prima ankommen, irgendwo zwischen 70s-Fuzzrock und Stereolab-Eletronica ist schnell klar: Die Band aus Québec strahlt und passt vorzüglich genau zu diesem Zeitpunkt genau hierher. <b>Lara Hulo</b> ist mit ihrem queeren Indierock eine der Durchstarterinnen dieses Festivalsommers und beweist mit einer mitreißenden Show sehr eindrucksvoll, warum das so ist; ein hoher Mitsingfaktor inklusive. Zu einem wunderschönen Wiedersehen kommt es mit den Schweden der <b>Shout Out Louds</b>, die die Jubiläumsaufführung ihres Durchbruchsalbums „Howl! Howl! Gaff! Gaff!“ nun auch in den Diepholzer Bürgerpark bringen. Die Platte stammt aus dem Jahr 2006, da waren viele der Besuchenden gerade erst geboren oder noch sehr sehr klein, aber die absolut unverbrauchten Hits dieser Platte („The Comeback“ oder das unvergängliche „Please Please Please“) funktionieren auch für sie, und für die, die damals schon dabei waren, ist das sowieso ein wunderbares, wärmendes Revival aus der Indie-Discothek. Zum Abschluss reißen die Bremer Punks von <b>Team Scheiße</b> erwartungsgemäß alles ab was nicht niet- und nagelfest ist, und das ist eine pure Freude. Erstaunlich, wie viele Songs diese Band, deren Erfolgsstory vor vier Jahren so fulminant wie unerwartet begann, inzwischen im Gepäck hat, die inzwischen als veritable Punk-Gassenhauer durchgehen: Von „Vorratskammer“ über „Fa“ bis hin zu „Karstadtdetektiv“ ist das Publikum extrem textsicher und springfreudig. Der perfekte Mix aus Dada und stabilster Haltung. Immer wieder stark.
Das seit ein paar Jahren etablierte Spiegelzelt ist in diesem Jahr einem kunterbunten Zirkuszelt gewichen. Was sich optisch von außen erstmal nach Downgrade anfühlt, ist in Wirklichkeit ein totaler Gewinn. Zum einen weil die Außenwände zum Gelände hin offen sind und man so auch in den Genuss der Bands und Künstler:innen kommt wenn man keinen Platz mehr im Inneren gefunden hat; zum anderen, weil das aus bunt dekorierten Selfmade-Bäumen, großen, schwebenden Wolkenballons und einem wirklich farbenprächtigen Lichterspiel (zusammen mit den wieder mal hingebungsvoll von den Zuschauenden gebastelten Stangeninstallationen, die in allen Farben glitzern) die Herzen der Träumenden höher schlagen lässt.
Hier beginnt der Donnerstag mit grundstabilem Deutsch-Indie-Pop von <b>Siggi</b>, der seinen Sound zwar eher als Indie-Rap definiert, die Rap-Elemente zugunsten gesungener Lines aber eher in den Hintergrund treten lässt. Was fürs Herz und für die Unsicherheiten in den Zwischenzonen. Damit ist er in der hiesigen Musiklandschaft derzeit alles andere als alleine, aber es ist hochsympathisch und on point. <b>Chloe Slater</b> aus Manchester ist eine der großen Gewinnerinnen des Tages; ihre Mischung aus Grunge und Indiepop trifft voll. Eine ganz starke Performance, der Künstlerin fliegen die Herzen zu. Ich persönlich hatte mir etwas mehr Roughness erwartet, aber weil die Pop-Aspekte in ihrer Musik so einnehmend sind, hat sie mich ganz schnell trotzdem auf ihrer Seite. Zum Abschluss des Tages dreht <b>Fat Dog</b> das Zelt auf links, da lasse ich aber schon unter den im Dunkel der Nacht so wunderschön leuchtenden Bäumen den ersten Festivaltag mit einem letzten Kaltgetränk ausklingen.
Während <b>Mel D.</b> den Freitag auf der Hauptbühne mit einer äußerst entspannten und sehr sympathischen Performance einläutet, ist das Publikum noch merklich in Campingplatz-Aktivitäten involviert. Sie verpassen eine in sich ruhende und gleichzeitig powervolle Indie-Rock-Show die einen starken Vorgeschmack auf ihr im September erscheinendes LP-Debüt bietet – ahnen aber vielleicht schon, dass sich am Himmel etwas zusammenbraut. Und richtig, lange dauert es nicht bis es dazu kommt, was gefühlt jedes zweite Festival in diesem Sommer erlebt: Abbruch, Evakuierung, Sendepause. Ein Unwetter zieht über Diepholz, die nahe Scheune bietet Schutz für die einen, die sicheren Zelte und Womos für die anderen. Das Appletree Garden steht still.
Das wichtigste aber: Alle bleiben entspannt. Das kann man nur lieben. So ist es jetzt, nun muss man das beste daraus machen. Es liegt mir fern, das als selbstverständlich zu betrachten, weshalb diese Stimmung umso schöner wirkt. Natürlich schiebt sich im Timetable jetzt das ein oder andere nach hinten und mit der wunderbaren <b>Catt</b>, die eigentlich um 18:00 schon auf der Waldbühne stehen sollte, geht es mit über einstündiger Verspätung erst weiter. Ein sehr fokussierter, strahlender Auftritt mit wenigen Ansagen, was die Schönheit von Catts reich illustriertem, fulminantem Folkpop noch mehr zur Geltung bringt.
Durch den Wettereinbruch zahlen sich nun doch auch die mitgebrachten Gummistiefel aus. Donnerstag waren sie noch nicht nötig, heute sind sie überlebenswichtig. Doch auch in Gummistiefeln kann man tanzen. Zum Beispiel zu den Genre-Grenzgängern von <b>Franc Moody</b> auf der Waldbühne. Was ist das – Electro-Funk-Disco-Punk? Auf jeden Fall ist es aufregend, mitreißend und äußerst tanzbar, und Ausgelassenheit ist das beste Mittel gegen schlechtes Wetter. Während <b>Faber</b> auf der Main Stage natürlich eine fantastische Show spielt, weißt man natürlich schon vorher was man bekommt: Eine hochversierte Band, Laszivität und Provokation, ein textsicheres Publikum. Da sind <b>Valentino Vivace</b> zum Abschluss auf der Waldbühne die deutlich größere Überraschung: Angereist aus der Schweiz und angekommen erst eine Stunde vor der Show (das Auto ist liegen geblieben), das klingt eigentlich schwer nach Stress. Davon ist aber nichts zu spüren. Die Italo-Disco ist heute Abend das Ding, wie aus der Zeit gefallen, aber das mag man ja gerade auch gern (dazu später mehr). Das Publikum feiert es sehr und die Band ist davon äußerst gerührt. Klassischer Appletree-Effekt, welcome to Diepholz!
Am Samstag ist Land unter und es will und will nicht besser werden aber die Crowd zieht durch. Es will noch so viel entdeckt und liebgehabt werden in diesem Lineup, gleichzeitig schwimmen überall die Camps weg und es deutet sich schon an, dass die Abreise am Sonntag wohl eine beschwerliche werden wird. Per Social Media werden ausgeklügelte Ausgangspläne für den Zeltplatz gepostet, mit Autos ranfahren zum load in ist nicht, und den Caravanis wird früh klar gemacht, dass sie sich auf eine zeitintensive Rettungsaktion durch die Traktoren der anliegenden Landwirte einstellen können. 
Zwischen ungebremster Euphorie, Regen und Matsch gibt es aber wenigstens keine erneute Unterbrechung. Dafür umso mehr Konzerte. Zum Beispiel von <b>Fuffifufzich</b>, deren Hype sich mir nach wie vor nicht so ganz erschließt. Muss es auch nicht, es ist schön zu sehen wie viel Liebe der Künstlerin vom Publikum aus entgegen strahlt. Synthiepop, Rap, und ist das nicht auch schon manchmal fast Schlager? Es trifft jedenfalls einen Nerv und das sei ihr gegönnt, my cup of tea ist es einfach nicht. Ähnlich geht es mir mit <b>BIBIZA</b>, Austropop, Wiener Schmäh und ganz viele Geschichten über Drogen. Hat einen Weinstand auf der Bühne und verspritzt Sekt ins Publikum, zu „Donau“ gibt’s die Wall of Death – auch hier ist es aber eindeutig mein Problem dass ich nicht andocke, denn die Show funktioniert prächtig.
Zum absoluten Highlight gerät einmal mehr das Konzert von <b>Noga Erez</b> – wer die Künstlerin aus Tel Aviv schon mal live gesehen hat (zum Beispiel bei ihren beiden vorherigen Appletree-Performances) weiß worauf er sich einstellen kann. Es ist der perfekte Mix aus Coolness und Lässigkeit, Elektro und Rap, extrem fetten Beats und berauschendem Flow. Auch wenn man an manchen Stellen des Geländes inzwischen bis zur Wade im Matsch versinkt ist Stillstehen die allerletzte Option.
Lange blieb die Frage offen, wer denn wohl den Secret Act Spot auf der Hauptbühne am Samstagabend besetzen würde. Das Ergebnis dürfte dann aber wohl nicht viele überrascht haben: Es sind natürlich <b>Roy Bianco &amp; Die Abbrunzati Boys</b>, die übrigens bei ihrem ersten Appletree-Stelldichein noch Roberto Bianco hießen. Diese Band ist natürlich derzeit ein absoluter Nobrainer wenn man große Glücksgefühle vor der Bühne erzeugen will (es sei denn man bucht sie als Secret Act zur Rock am Ring). Bedeutet aber auch: No surprises here. Italo-Schlager, markige Ansagen, Schlager-Strudel. Funktioniert ganz wunderbar und wird auch dem Headliner-Status inzwischen absolut mehr als gerecht.
Mein persönlicher Headliner aber bringt das Appletree von der Waldbühne aus nach Hause. <b>Orbit</b> spielt auch schon zum zweiten Mal hier und hat noch am Vormittag einen auserwählten Kreis Neugieriger zur Pre-Listening-Sessions seines kommenden Albums empfangen. Es ist ein Appletree-Abschluss wie ich ihn liebe, denn auch orbit ist ein Act, der das träumerische, treibende, sphärische Gefühl von Nächten auf diesem Festival perfekt in Sound kleidet. Seine Musik zu beschreiben fällt mir immer noch schwer – Electronic Indie Pop trifft es vielleicht am besten und ist zugleich die profanste Beschreibung des Soges den dieser Künstler gerade live entwickelt. Ein wunderbares Finale.
Natürlich nicht für alle, denn Appletree-Nächte enden nicht um 2:00 auf der Waldbühne sondern um 5:00 im Tiefen Holz wenn der Bass nochmal schiebt und die letzten Tanzenden eine liebevolle, groovende, wabernde Masse auf dieser wunderschönen Lichtung bilden. Allein: Für mich ist hier Schluss. Nässe, Matsch und die schönste Reizüberflutung fordern ihren Tribut. Und das Appletree Garden 2025 geht ohne mich zu Ende.
Was von diesem Festivalwochenende bleibt, ist ein weiteres Mal das Gefühl, wie viel dieser happy place in Diepholz den Menschen bedeutet und wofür sie alle hier sind. Dass es trotz aller Unwegbarkeiten bis zum letzten Ton ausnahmslos liebestrunkene und freundliche Gesichter zu sehen gab, dass von An- bis Abreise kein böses Wort gesprochen wurde, dass hier eine Community beseelt unter den Lichtern tanzt und überwältigte Künstler:innen und Bands auf den Bühnen beeindruckt sind von so viel Liebe und Zugewandtheit – das geht, lebt und wirkt durch jede:n Einzelne:n Menschen, der entscheidet, sein erstes Augustwochenende an diesem Ort zu verbringen. Die Hingabe, mit der dieser Platz geschaffen wird, wird 1:1 belohnt. Das Appletree strahlt und du strahlst zurück. Was ist da schon ein bisschen Regen.
Ich sprach zwischendurch mit Menschen, die dieses besondere Appletree-Erfahrung zum ersten Mal gemacht haben in diesem Jahr und die sofort überzeugt waren, was für ein besonderer Ort hier in Diepholz inzwischen entstanden ist. Die erste Preisstufe der Tickets für 2026 ist zu diesem Zeitpunkt bereits ausverkauft – Argumente zum Wiederkommen gab es auch in diesem Jahr wieder mehr als genug. Und auch ich freue mich jetzt schon aufs nächste Mal: An meinem happy place unter den leuchtenden Bäumen.

<i>Text: Christina Schoh und Kristof Beuthner</i>
<i>Foto: Kristof Beuthner</i>]]></content:encoded>
			<category>Artikel</category>
			
			<pubDate>Thu, 07 Aug 2025 15:43:52 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
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			<title>Let the music grow! Nillson beim Reeperbahn Festival 2024</title>
			<link>https://www.nillson.de/artikel/lesen/let-the-music-grow-nillson-beim-reeperbahn-festival-2024.html</link>
			<description>Alle Jahre wieder: Vier Tage Overkill und dann ist es auch schon wieder vorbei. Das Reeperbahn Festival hat mal wieder alles versprochen und alles gehalten. Also: Je nachdem wie clever man sich angestellt hat und wie das mit der Impulskontrolle so aussah. Genossen haben wir trotzdem jede Minute. Ein Bericht.</description>
			<content:encoded><![CDATA[Ja, alle Jahre wieder: Es gibt so Dinge, die wiederholen sich einfach. Da ist mein Start in den rauschhaften Flow des alles-könnte-möglich-sein bei Europas größtem Showcase-Festival in Hamburg, der konterkariert wird durch die unvermeidliche Tatsache, dass bis Mittag ja noch im regulären Job gearbeitet werden muss. So wird es für mich auch am Donnerstag und am Freitag sein und das soll zwar nicht die Hauptrolle spielen, ist aber wie gewohnt ein entscheidender Faktor für Energie und Durchhaltevermögen.
Und beides braucht man unbedingt. Denn die im Vorfeld sorgsam ausgearbeiteten Laufpläne mit Möglichkeit A, B, C und manchmal sogar D sollen ja zumindest kurz den Anschein haben, dass sie realistisch seien. So lang können die Distanzen zwischen Molotow und Uebel & Gefährlich, zwischen Festival Village und St. Pauli-Kirche, zwischen Moondoo und Mojo manchmal sein, wenn man nur 10 Minuten hat um die Location zu wechseln, was allein deswegen sportlich ist, weil voll auf dem Reeperbahn Festival nun mal voll bedeutet, journalistengerechte Fast Lane hin oder her. Wenn man dann auch noch das große Glück hat, Freunden und Bekannten in die Arme zu laufen, ist für den Konzertplan meist sowieso alles vorbei.
Nachdem also der Alltag für den Moment hinter mir liegt stolpere ich direkt nach dem Checkin der ersten Lieblingsperson in die Arme. Es gibt das erste Kaltgetränk des (verlängerten) Wochenendes und einen Blick auf <b>JAS</b> auf der Fritz-Kola-Bühne im Festival Village. Das gerät allerdings mit seinem allzu geläufigen Mix aus Indie Pop und Rap etwas beliebig sodass erstmal in Ruhe angekommen wird. Im Festival Village, neben dem Spielbudenplatz der zentrale Treffpunkt für Festivalbesucher*innen und – dieses Jahr mit einem noch breiteren Konzertangebot – auch Interessierte ohne Ticket, hat sich ein bisschen was verändert. Das Spiegelzelt ist weggefallen, dafür ist mit der Acoustic Stage aber ein von Containern umrahmter neuer Spielort dazu gekommen, der Sinn ergibt und Spaß macht. Auch am Mopo-Bus kann man hier jetzt Konzerte for free schauen. Genau wie an der TikTok-Bühne, die allerdings vor allem laut ist und ständig über alles drüber lärmt. Für die überschaubare Menge an Menschen, die sich davor aufhält, wirkt das Ganze eher wie keine sinnvoll erweiternde Neuerung.
Ich wandere zum ersten Mal zum Spielbudenplatz, wo am zentralen musikalischen Sammelpunkt, der Spielbude XL, gerade das Bavarian Showcase stattfindet. Da halte ich mich kurz bei <b>SEDA</b> auf, sehr stimmiger Mix aus Folk und Indie Pop, das gefällt. Und dann fängt auch schon das klassische Dilemma an: Sowohl Plan A, Erland Cooper in der St. Pauli-Kirche, fällt aus als auch Plan B, der Post-Hardcore von Leave im Headcrash. Schon bin ich auf eine wohlbekannte Weise lost und entscheide mich, den Festivalstart einfach doch in der Kirche zu begehen. Dort vertritt <b>Hayden Thorpe</b> den verhinderten Contemporary Artist. Thorpe ist bekannt als Sänger der Band Wild Beasts und hat erst 36 Stunden vor seiner Show von selbiger erfahren. Alleine an Klavier und Gitarre im Wechsel spielt er sehr filigranen Folk und erläutert ausgiebig, wo er thematisch mit seinem neuen Album hin will – das ist absolut schön und stimmungsvoll, ein höchst gelungener Opener für <i>mein</i> Reeperbahn Festival.
Weil es Zeit für einen Snack wird, führt mich mein Weg kurz zurück zum bayerischen Showcase und (nebenbei) dem sehr stimmigen, fein melodiösen Indie Pop von <b>CECI</b> bevor ich mich für den weiteren Abend ins Molotow bewege. Das muss ja nochmal genossen werden bevor es um die Jahreswende herum den Standort wechselt, aber dass es weiter existieren darf ist nach wie vor eine richtig gute Nachricht. Come what may: Hier stehen erstmal <b>Pacifica</b> aus Buenos Aires im Backyard, deren Mix aus Indie Rock und Power Pop ziemlich gut nach vorne geht; es folgen <b>Mary In The Junkyard</b> aus London im Club, und das ist schon ein ziemliches Highlight, gleichzeitig rough und fragil, dabei sehr energetisch, irgendwo zwischen Indie- und Art Rock, das gefällt sehr. Draußen spielen anschließend noch <b>Divorce</b> aus Nottingham, deren im Ankündigungstext angepriesenen Alternative Country man gar nicht so sehr heraushören mag. Das macht aber nichts, dafür klingt das sehr nach Indie Rock der ganz offensichtlich seine Inspiration aus den 90ern zieht, und das ist ein richtig guter Abschluss für den Festival-Mittwoch, denn der Heimweg (und der Job am nächsten Morgen) rufen – auch, wenn der Verzicht auf <b>Kapa Tult</b> und <b>Rum Jungle</b> schmerzen. Das Molotow ist definitiv ein absoluter go-to-and-stay-Ort an diesem Abend gewesen.
Der Donnerstag droht kompliziert anzufangen weil mit mir gemeinsam gefühlt jede*r Autobesitzer*in der Region den Weg nach Hamburg antreten will und ich doppelt so lange brauche. Pünktlich zu einem meiner wichtigsten Must-sees stehe ich aber dann doch wieder auf dem Heiligengeistfeld: <b>Leocardo DiNaprio</b> mögen einen Bandnamen aus der Wortspielhölle haben und sich mit italienischsprachigen Anmoderationen kurzzeitig wie eine düstere Version von Roy Bianco & den Abbrunzati Boys anfühlen; der Sound ist zwischen Indie Rock und NNDW à la Edwin Rosen sehr präzise und zwingend; die könnten mir im nächsten Festivalsommer auch noch sehr gut gefallen.
A propos: Zu meinen Pflichtterminen gehört traditionell der <b>Helga!-Award</b>, wo jährlich in verschiedenen Kategorien die besten Festivals des Sommers ausgezeichnet werden. Zwar findet die Verleihung aufgrund des wegreduzierten Spiegelzeltes jetzt wieder im eher ungemütlichen Neo House (in Wahrheit ein großes Schützenfestzelt) statt, die Stimmung ist aber trotzdem gut. Den Award für die „Gemischteste Tüte“ holt sich das <b>SNNTG Festival</b>, den für das „Feinste Booking“ gewinnt <b>Tapefabrik</b> und zur „wohligsten Wohlfühloase“ wird das <b>Für Hilde Festival</b> erkoren. Das geliebte <b>Orange Blossom Special</b> wird für seine Nachhaltigkeitsarbeit mit dem Preis für die „Grünste Wiese“ ausgezeichnet und eine berührende Ansprache über die Widerstände, gegen die iranischstämmige Frauen zu kämpfen haben, gibt es von den Organisator*innen des <b>Hastam – Just because I am</b>, das in der Kategorie „Unerschrockenste Haltung“ gegen Rock gegen Rechts und das Kein Bock auf Nazis gewinnt und ebendiese Frauen auf sowie hinter der Bühne in dieses Festival mit einbindet, das ist sehr beeindruckend. Wichtig sind sie in diesen Zeiten alle. Nach einem äußerst netten Pausenprogramm mit dem <b>Hamburger Kneipenchor</b> geht der Preis für das Beste Festival 2024 an das <b>Summerbreeze</b>, also eine lupenreine Metalrutsche,  deren Crew sich überaus berührt zeigt und unisono das gesamte Zelt für ihre wunderbare Arbeit in der Festivalbranche preist. Das kann man nur unterschreiben. Persönlich spannend für mich: Ich habe wieder etliche Festivals kennen gelernt die ich vorher nicht auf dem Schirm hatte und die dann möglicherweise nächstes Jahr mal einen Ausflug wert sind, weil ich lernen durfte, warum sie sich lohnen.
Musikalisch wartet heute nicht mehr viel, ich lasse mich ein wenig treiben. Zunächst zu <b>Neumatic Parlo</b> ins Häkken – hier wird zwar sehr stilsicherer 80er-referenzieller Postpunk-New Wave-Krautrock geboten, die Performance wirkt allerdings nicht auf die gute Art unnahbar. Mit <b>TOUCHED</b> werfe ich auf dem Spielbudenplatz einen Blick auf eine koreanische Band die klingt als hätte sie den female Folkpop der 90er ganz frisch entdeckt, das gefällt durchaus sehr. Die liebgewonnene <b>Philine Sonny</b> leidet an der Fritz Kola!-Bühne, ganz allein mit der Gitarre und somit prinzipiell sehr anheimelnd aufgestellt, unter quatschender Laufkundschaft und der parallel bespielten Tiktok-Bühne und deren knallenden Technobeats. Das passt nicht zusammen und ich entscheide mich für mein Bett.
Der Freitag wird dann endlich der erste erhoffte kleine Konzertmarathon. In die <b>Moonpools</b> stolpere ich auf dem Spielbudenplatz fast zufällig hinein, obwohl ich sie eigentlich auf dem Plan stehen hatte: Das ist sehr schöner Dreampop mit ein bisschen Shoegaze, ich fühle mich mehr als einmal an Slowdive oder in den ruhigeren Momenten an Mazzy Star erinnert. Das gefällt sehr. <b>Mika Noé</b> am Reeperbus bringt mal wieder Indie Pop und Rap zusammen, aber davon hört man derzeit einfach zu viel ähnliches. Ganz wunderbar wird es dann allerdings wieder bei <b>BLUAI</b> im Bahnhof Pauli: Das belgische female Trio hat innerhalb eines Jahres die drei wichtigsten Musikwettbewerbe in Belgien für sich entschieden; das klingt mit seinen Anleihen aus Country, Folkpop und Americana nach einem langsam schwindenden Sommer am See; sehr schön und innig.
Vom Bahnhof Pauli geht es mit einem kleinen Snack zwischendurch rüber ins Molotow um <b>Leocardo DiNaprio</b> noch einmal im Backyard und in etwas länger zu lauschen, aber es gibt Stromprobleme und die Show beginnt erst später und nicht ohne die Angst, jederzeit beendet werden zu können. Ich spaziere ins Festival Village und besuche dort <b>Marlo Grosshardt</b>, der in diesem Jahr vielleicht die größte Schnittmenge fantastischer Texte aufbietet und mit seinem Faber-esken Folk-Indie auch kräftig Haltung gegen Nazis und andere Problemfälle zeigt.
Dass ich ins Mojo noch reinkomme grenzt für mich an ein kleines Wunder, denn die Show von <b>King Hannah</b> gehört sicherlich zu den im Vorfeld meistnotierten. Das Duo (hier heute in Triobesetzung) sorgt seit einigen Jahren für offene Münder, speziell für diejenigen, die für einen faszinierend versierten Mix aus Slowcore, Blues und Psychedelic Rock zu haben sind. Und faszinierend ist dieses Konzert von der ersten bis zur letzten Sekunde, der Laden ist prall gefüllt, der Applaus immens. Die werden wir definitiv wiedersehen. Ein ganz anderes Programm bieten <b>Wallners</b> in der St. Pauli-Kirche. Hier wird in schwelgendem Ambient-Pop eine ganz besondere Messe gelesen, es ist irgendwie düster, aber gleichzeitig strahlend schön. Die Publikumsinteraktion ist allerdings bei Null, so hat man zwischenzeitlich nicht wirklich das Gefühl, angesprochen zu werden, aber stilistisch gehört dieser Sound genau an diesen Ort; das bekommt definitiv auf Platte den ein oder anderen Hördurchlauf.
Sich dann einfach mal Richtung Molotow begeben um die äußerst unwahrscheinliche Chance zu ergreifen, doch noch einen Platz bei <b>Heisskalt</b> zu bekommen: Versuchen konnte man’s ja. Illusorisch ist es natürlich völlig. Die Schlange reicht bis zur Straßenecke und bewegt sich selbst nach Ende der Show keinen Zentimeter. Also verbringe ich die Zeit mit der zweitschönsten Reeperbahn Festival-Beschäftigung: Guten Talks über Gott, die Welt und die Musik. Worth it.
Der Samstag – endlich mal wieder ausgeschlafen und frisch gestärkt im besten indischen Restaurant Hamburgs, dem Maharaja (Werbung Ende!) – fließt gemütlich dahin. Der Nachmittag wird von kleineren Showcases bestimmt, aber nicht wenige suchen sich einen guten Platz vor dem Reeperbus. Hier kann man, kuratiert von N-Joy-Radio, häppchenweise Bands und Künstler*innen kennen lernen, mal lohnt es sich mehr, mal weniger. <b>Master Peace</b> klingt wie eine Mischung aus Bloc Party (mehr) und The Streets (weniger), aber das ist sehr cool, und er nutzt sein 15minütiges Set um den halben Spielbudenplatz zum Tanzen und Mitsingen zu bringen. <b>Esther Graf</b> berührt mich persönlich gar nicht; <b>Mackenzy Mackay</b>, dessen Stimme beim Sprechen sehr an Rob Goodwyn von The Slow Show erinnert (beim Singen dann weniger) steht alleine mit seiner Gitarre da, was der Beschreibung „Post Malone vs. Arctic Monkeys“ dann so gar nicht entsprechen will und trotzdem sehr gut gefällt. Und <b>Sawyer Hill</b> freestyled einen Soundcheck Song und macht mit seinem scheppernden Bluesrock auch absolut Spaß.
Es ist der Tag der Preisverleihungen: Den <b>Keychange-Inspiration-Award</b> schnappt sich <b>Alli Neumann</b>, die bereits bei der Opening Show im Stage! Operettenhaus aufgetreten war. Der <b>Anchor-Award</b> für den besten Liveact des Jahres ging an <b>strongboi</b>, mit Sängerin Alice Phoebe Lou eigentlich nur so halbe Newcomer, die sich aber gegen starke Konkurrenz durchgesetzt hatten. Und eine ganze Flut an Preisen gibt es beim <b>VIA</b>, dem Kritiker*innen-Preis der unabhängigen Musikbranche. <b>Uche Yara</b> wird hier als beste Newcomerin geehrt; zum besten Label wurde Habibi Funk gekürt und als bester Act wurde <b>Orbit</b> ausgezeichnet, was ich persönlich hochverdient finde, denn was dieser Künstler inzwischen mit seinem faszinierenden Electronic-Indie für Kreise erschließt, ist wirklich aller Ehren wert: Vom kleinen Achim in Niedersachsen bis in die USA und Kanada und auf einen sehr beeindruckenden Gig beim BBK Live Festival in Bilbao, wo ich im Sommer dabei sein durfte als er von anfänglicher Skepsis beim spanischen Publikum bis zu stehenden Ovationen zum Abschluss alles erspielte was irgendwie möglich war. Bestes Album wurde übrigens „Hold On To Deer Life, There’s a Blcak Boy Behind You“ von <b>Kabeaushé</b>, einem kenianischen Künstler den ich bisher so gar nicht auf dem Schirm hatte, dessen Rap-EDM-Experimentierwut aber äußerst spannend klingt; heavy rotation empfohlen.
Für mich persönlich endet der Festivaltag natürlich extra stimmungsvoll, weil meine <b>Tiny Wolves</b> höchstselbst es sind, die ihn für mich zu Ende bringen. Das Chor-Band-Projekt existiert tatsächlich in dieser Form vor allem deshalb, weil beim Reeperbahn Festival 2018 die Idee entstand, es beim Orange Blossom Special 2019 auf seine erste Festivalbühne zu stellen. Inzwischen sind die Tiny Wolves Dauergast auf den (nord-)deutschen Stages, von Appletree Garden über Lunatic Festival bis Rocken am Brocken, und hier hat das alles angefangen: Da schließt sich heute quasi ein Kreis. Vor der Hangarbühne ist es gut gefüllt, im Dunkeln spielen wir höchst selten, das ist sehr stimmungsvoll und macht extrem viel Spaß.
Und weil es dann natürlich doch noch nicht reicht mit Konzerten gibt es sozusagen als „Abschluss Plus“ noch einen Blick auf <b>Kasi</b>, für den die Spielbude XL eigentlich inzwischen viel zu klein ist. Es ist rappelvoll, der Junge hat sich halt (zurecht!) einen Namen gemacht, aber für die Nicht-Ticketinhaber*innen ist es natürlich schön, im Rahmen des Reeperbahn Festivals noch eine so namhafte Besetzung für eine free show serviert zu bekommen. Seine Homies Antonius (eh immer dabei), Aaron und Vince schauen auch vorbei, fehlt eigentlich nur noch Zartmann selbst.
Dann ist das Reeperbahn Festival 2024 vorbei und der Kopf muss erstmal ausruhen. Ein ziemlich großer Erfolg war das wieder, noch internationaler, noch vielseitiger, musikalisch mit noch mehr Nischen, die erkundet und entdeckt werden wollten, und wenn man in der Lage war, sich treiben und auf alles einzulassen, ist der Goodie Bag voll mit Inspirationen und Neuentdeckungen. Und genau für sowas lieben wir das ja. Vorfreude aufs nächste Jahr? Jetzt schon wieder komplett am Start.

<i>Text und Foto: Kristof Beuthner</i>]]></content:encoded>
			<category>Artikel</category>
			
			<pubDate>Wed, 25 Sep 2024 11:59:02 +0200</pubDate>
			
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			<title>Reeperbahn Festival 2024: Zehn Konzerte die ihr euch anschauen solltet!</title>
			<link>https://www.nillson.de/artikel/lesen/reeperbahn-festival-2024-zehn-konzerte-die-ihr-euch-anschauen-solltet.html</link>
			<description>Ab Mittwoch ist es mal wieder Zeit, die Synapsen einer nur allzu willkommenen Totalüberreizung zu unterziehen. Einmal mehr lockt Hamburg mit dem Reeperbahn Festival, Europas größtem Musikzenetreffen, sowohl Musik-Aficionados als auch Branchenvertreter*innen mit einem höchst erlesenen Programm zur Partymeile auf St. Pauli.</description>
			<content:encoded><![CDATA[Das bedeutet wie in jedem Jahr: Wund gelaufene Füße, einen daily Struggle zwischen ambitionierten Laufplänen und unvorhersehbaren Stopps, unverhoffte Neuentdeckungen und lieb gewonnenen Helden, die zwischen all den zukünftigen Lieblingsbands für ein wenig wohlige Gewohnheit sorgen.
Das spannende am Reeperbahn Festival ist jedes Jahr natürlich zuallererst das ausgiebige Studieren des Timetables. Da nimmt man sich gerne einen Abend vorher Zeit und geht gemütlich mit Kopfhörern auf dem Sofa liegend einmal all in. Denn wenn die nächste große Karriere startet, der nächste Festivalsommer entschieden wird oder der erste große Deal auf sicherlich nicht nur eine der rund 150 Bands und Künstler*innen wartet will man doch genau wissen, wo sich das Dabeisein am allermeisten lohnt. Wobei wir jetzt auf die vielen hochspannenden Themen aus dem Conference-Teil des Festivals gar nicht auch noch eingehen können – wer ein Ticket für die Conference hat, dem empfehlen wir aber eindringlich eine ausgiebige Lektüre des Programms!
Dabei bleibt es die größte Herausforderung, sich zwischen Knust und Molotow, zwischen St. Pauli Kirche und dem Michel, zwischen Uebel & Gefährlich und der Großen Freiheit 36 zu entscheiden. Die Wege sind natürlich, und dafür lieben wir Hamburg ja, verhältnismäßig kurz – aber der Zeitplan ist rappelvoll, die Genres zwischen Neoklassik und Indie Rap so vielfältig wie eine gemischte Tüte vom Kiosk an der Ecke. Und sowieso passiert ab ca. 18:30 einfach alles gleichzeitig. Und selbst wenn der persönliche Timetable dann steht, kommt es trotzdem immer noch alles anders als man denkt, wenn man auf der Reeperbahn nämlich alten Freunden in die Arme läuft, oder wenn viele andere Begeisterte die gleiche Idee hatten wie man selbst und man ins Indra oder ins Häkken einfach nicht mehr reinkommt.
Für ein garantiert gutes Gelingen kann natürlich auch unser Vorschlagssammelsurium hier nicht stehen. Es ist einfach ein kleiner zaghafter Versuch, durch persönliche Empfehlungen vorab ein wenig Licht ins Dickicht zu bringen – in der Hoffnung dass alles klappt und wir uns bei einem der nun vorgeschlagenen Konzerte treffen können. Darum hier: Zehn Bands und Künstler*innen, die ihr – unserer Meinung nach – auf gar keinen Fall verpassen solltet!
<b>Mi, 18.9., 19:15, St.Pauli Kirche: ERLAND COOPER</b>
Man sollte, wenn man beim Reeperbahn Festival unterwegs ist, mindestens ein Konzert in einer der beiden Kirchen gesehen haben. Warum nicht am Mittwochabend gleich den Festivalstart gemütlich angehen? Der schottische Multiinstrumentalist Erland Cooper erschafft mit seinen zugleich intimen wie cineastischen Klangcollagen einen inneren Bilderrausch, den man in der heimeligen Atmosphäre der St. Pauli Kirche am besten mit geschlossenen Augen genießt.
<b>Mi, 18.9., 22:40, Molotow (Club): KAPA TULT</b>
Später am Abend sollte man versuchen, seinen Spot im Molotow zu erwischen, was erfahrungsgemäß schwieriger wird je weiter der Abend voranschreitet. Die hochsympathischen Kapa Tult mit ihrem im Punk verwurzelten Indie Rock, der mit on point Sozialkritik kein Blatt vor den Mund nimmt und den die Band selbst als Kaktus-Pop bezeichnet (vermutlich weil er so stachelt) dürften für einen der positiv wildesten Auftritte des Tages sorgen.
<b>Mi, 18.9., 00:15, Molotow (Club): RUM JUNGLE</b>
Rum Jungle lassen es zum Ausklang des Mittwochs an gleicher Stelle etwas entspannter, aber nicht weniger mitreißend angehen. Die Australier packen ihren Koffer und bringen einen Sound zwischen Surfrock und Alternative Pop mit und changieren zwischen faszinierender Introspektive und einehmender Feierlaune mit genau der lässigen Attitude die man von einer Band aus Down Under auch erwarten darf.
<b>Do, 19.9., 23:15, Kaiserkeller: ISAAC ROUX</b>
Wer auf höchst stilvollen, intim arrangierten Songwriter Pop steht, kommt am Donnerstagabend an Isaac Roux nicht vorbei. Wobei man hier nicht nur auf warmherziges, zartfühlendes Balladenwerk trifft, sondern durchaus auf eine stilistisch breit gefächerte Klangpalette. Gelernt hat Isaac Roux übrigens von einem der besten: Nach seinem Studium am Liverpool Institute for Performing Arts konnte er mit niemand geringerem als Paul McCartney an seinen ersten Songs arbeiten. Da darf man gespannt sein.
<b>Fr, 20.9., 20:15, Molotow (Backyard): LEOCARDO DINAPRIO</b>
Die Neue Neue Deutsche Welle, die von einem gewissen Edwin Rosen, der aus dem Festivalsommer hierzulande schon gar nicht mehr wegzudenken ist, zieht weiterhin eine völlig unüberblickbare Zahl an stilistisch hochwertigen Vertretern dieser Zunft nach sich. Mal düsterer und mal poppiger ist es doch erstaunlich, wie lange dieser verhallte, wavvige Indie Sound spannend bleibt. Im Fall von Leocardo DiNaprio beispielsweise sollte man dringend über den Künstlernamen aus der Wortspielhölle hinweg sehen und sich am Freitagabend im Molotow Backyard einfinden. Allein Songs wie „Regen“ sind es mehr als wert diesem Jungen ein Ohr zu schenken.
<b>Fr, 20.9., 21:00, Festival Village: MARLO GROSSHARDT</b>
Zeitlich wird es eng, aber auch Marlo Grosshardt muss man gesehen haben, auch wenn der Weg vom Molotow bis zum Festival Village sicher nicht der kürzeste ist. Der Hamburger verpackt seine Gedanken, nicht selten sind diese höchst sozial- und kulturkritisch, in gestochen scharfe Lyrik, dargeboten in taumelden Indie-Folk-Pop mit Bläsern und überraschend viel Dramatik. Mit „Oma“ hat er jüngst einen sehr intensiven Kommentar zur Wahl in Thüringen und Sachsen veröffentlicht, „Christian Lindner“ ist eine ganz wunderbare Pop-Hymne und zu „Ich tanze Rumba mit deiner Mom“ in bester Faber-Manier lässt sich ganz ausgezeichnet schwelgen.
<b>Fr, 20.9., 21:50, Mojo Club: KING HANNAH</b>
King Hannah sind gar nicht mehr so der ganz große Geheimtipp, aber immer noch kennen dieses Duo einfach viel zu wenige Menschen. Vielleicht ist ihre Show am Freitagabend im Mojo eine der letzten Gelegenheiten, King Hannah zu sehen bevor ihr Name in aller Munde ist. Zwischen Slowcore, Psychedelic- und Alternative Rock, zwischen PJ Harvey und Mazzy Star, findet sich so viel Größe, dass man vor Staunen den Mund nicht mehr zubekommt. Zwingend, intensiv und hoch versiert: Diesem Sound kann man mit Haut und Haaren verfallen.
<b>Fr, 20.9., 22:50, Molotow (Club): LATE NIGHT DRIVE HOME</b>
Late Night Drive Home (allein der Bandname zwingt einen schon sich die anzusehen) beschwören zu einem späteren Zeitpunkt den Geist des Indie Rock der frühen 00er, die Strokes und ihr damals stilbildender Garage Sound haben da definitiv Pate gestanden, auch an die großartigen Car Seat Headrest erinnert dieses Texaner Quartett. Neben der Slacker-Attitüde wohnt in den Songs dieser Band aber auch eine nicht zu leugnende Melancholie. Diese Songs sind wirklich wie gemalt für, na ja, einen Late Night Drive Home eben.
<b>Sa, 21.9., 22:35, Molotow (Club): ENDLESS WELLNESS</b>
Wer sich viel auf Festivals herumtreibt, für den sind Endless Wellness aus Wien natürlich auch kein unbeschriebenes Blatt mehr. Dieses vierblättrige Kleeblatt gehört aber definitiv zu den aufregendsten Exporten unseres Nachbarlandes in der jüngsten Zeit. Man begnügt sich hier nicht mit einer Spielart des Indie Rock sondern wirft mit Elementen aus der NNDW, Lo Fi Rock oder tanzfähigem Pop einfach alles in den Mixer was Spaß macht. Und so machen auch Endless Wellness ungeheuren Spaß – egal wie oft man ihnen schon zugesehen hat.
<b>Sa, 21.9., 23:30, Docks: KIASMOS</b>
Ein würdiger Abschluss für ein so herausforderndes Wochenende? Wie gemalt für Kiasmos. Das Duo, bestehend aus unserem größten Contemporary-Liebling Olafur Arnalds und dem färöischen Elektronik-Artisten Janus Rasmussen ist neun Jahre nach Veröffentlichung seines Debüts wieder am Start und betört durch die unwiderstehliche Mixtur aus Minimal Techno und sanft fließenden, neoklassizistischen Arrangements. Das ist so filigran und wunderschön, dass Tanzen und Schwelgen hier Hand in Hand gehen. Den Füßen also noch einmal alles abverlangen oder sich in purem Wohlklang Richtung Festivalende träumen – bei Kiasmos im Docks wird beides zelebriert werden können.

<i>Text: Kristof Beuthner</i>
<i>Foto: Christian Hedel</i>]]></content:encoded>
			<category>Neuigkeiten</category>
			
			<pubDate>Mon, 16 Sep 2024 19:09:26 +0200</pubDate>
			
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			<title>5.600 Arme, 2.800 Herzen: Nillson beim Orange Blossom Special 2024.</title>
			<link>https://www.nillson.de/artikel/lesen/5600-arme-2800-herzen-nillson-beim-orange-blossom-special-2024.html</link>
			<description>Ich mache gerne Fotos. Kennt ihr das? Also diesen Moment, wenn ihr über den Ith fahrt und sich das Weserbergland vor einem ausbreitet wie ein wunderschöner grün-gelb-blauer Teppich? Und ihr komplett Lust habt, mitten auf der Straße anzuhalten, auszusteigen und irgendwie zu versuchen, dieses wundervolle Naturpanorama auf die bestmögliche Weise in Ewigkeit zu bannen? Nein? Dann reist ihr aus einer anderen Richtung an. Die vielleicht genau so schön ist. Das kann ich nicht sagen. Was ich weiß: Der Weg ist so was von das Ziel. Und das Ziel ist so was von wert, erreicht zu werden.</description>
			<content:encoded><![CDATA[Nach einer satten Stunde Stop and Go erreiche ich, die Augen (immer noch) wie in jedem Jahr akut verliebt auf das Grün, das Gelb und das Blau im Hintergrund gerichtet, das wie ein Instagram-Filter darüber hinweg täuscht, dass ich mich mittlerweile in einem per definitionem eher uncharmanten Industriegebiet in Beverungen befinde, das Orange Blossom Special, und heya!, I’m at home, Baby. Von einem Moment auf den anderen liegt die Woche hinter mir, die Müdigkeit, die Ausgelaugtheit, dieses der-Alltag-frisst-mich-lebendig-Gefühl. Ich bin wie jedes Jahr zu spät, aber Probe ist Probe. Wie immer empfinde ich das aber eher als eine Verstärkung des vielbeschworenen Zuhausigkeits-Gefühls, denn wenn ich mein Bändchen endlich angelegt habe, sind alle schon da. Warten auf mich. So fühlt es sich an, wenigstens. Der erste aus der Glitterhouse-Crew den ich treffe ist Yannick, und er sagt: „Willkommen zuhause!“ Wenn du so begrüßt wirst, nach einem Jahr nicht-sehen, nicht-spüren, nicht-da-sein, dann weißt du, dass es stimmt. Dass es zuhause ist, irgendwie.
Es schwingt immer wieder dieses Pathos mit wenn ich übers Orange Blossom Special erzähle, und jedes Jahr aufs neue zeigt sich, dass das okay ist. Für mich als Besucher, Gast, Freund, ist dieses Festival ein heimelig vorbereitetes Wohnzimmer, ein Ort an dem ich mich fallen lasse und abgebe, genieße und einfach nur passieren lasse. Das hat natürlich damit zu tun, dass ich nicht mein erstes OBS erlebe, ich hier Menschen kenne und sie mich. Dass man sich auf ein Wiedersehen freut, wahrhaftig und ehrlich. Aber das sind ja Stories, die auch jemand anderes erzählen könnte. Das geht ja jedem so, der irgendwann zum ersten Mal da war und dann ein Jahr später wiedergekommen ist. Und ein Jahr später wieder. Und immer wird es größer.
Damit meine ich nicht nur die euphorischen Momente der Wiedersehensfreude, des Wildseins und des Ankommens. Ich meine auch die kathartischen Momente, für die das Orange Blossom Special 2024 zum sechsundzwanzigsten Mal als ein Symbol gewordener Ort existiert. Das hinter sich lassen von schweren Zeiten, anspruchsvollen Gemengelagen und inneren Gebirgen, deren Überwindung hier einfach mal für drei Tage Pause machen darf. Dass dieser Ort das kann: So ein Geschenk.
Man spürt: Wir Pilgerer, wir Unsteten und Rastlosen, wir Vagabunden und Lebensabsolventen, wir brauchen diesen Ort, dieses Gefühl von Ankommen und da sein dürfen, von Akzeptiertsein und der Liebe einer ehrlichen, uneingebildeten, sich an sich selbst berauschenden Festival-Community. „Community“: Das wird ein Wort sein, das der diesjährige Surprise Act <b>Alex Henry Foster</b> fast mantraesk immer wieder beschwören wird, aber dass das hier einen Punkt trifft, ist nicht verwunderlich. Dass das Orange Blossom Special in diesem Jahr unter dem Motto „Herzensangelegenheit“ steht, ist konsequent wie überfällig. Acht Arme, neun Gehirne, drei Herzen: Das Mottotier Oktopus, liebevoll „Karla Mari“ getauft, bringt auf den Punkt mit ins Spiel, was man sich an diesem Pfingstwochenende zu besitzen wünscht, um all die Eindrücke zu verarbeiten. Spoiler: Wie in jedem Jahr gelingt das natürlich wieder nur mit reichlich Nachhall. Sie nennen es „Post-OBS-Blues“.
Schade eigentlich, dass das 3.500 Menschen fassende Festival auch in diesem Jahr nicht ausverkauft ist. Was ist nur während Corona mit den Leuten passiert? Während man sich davor dringend einen Wecker stellen musste um innerhalb der ersten Stunde nach Verkaufsstart einer der ersten zu sein bevor die (immer schon!) Herzensangelegenheit ohne einen stattfinden muss, gibt es auch 2024 wieder Tages- und Wochenendtickets an der Abendkasse. Findet gerade ein Generationswechsel statt und der zieht sich? Kann man von Festivals wie diesen müde werden? Was schwer vorstellbar scheint, ist hoffentlich nur Momentaufnahme. Denn zwischen all der Schönheit und dem Peace, Love &amp; Mini-Calzone ist das OBS ja auch musikalisch immer wieder eine absolute Bank zwischen Bewährtem, Aufregendem und dann noch dem, was dir mit der vollen Kraft des Unerwarteten die Schuhe auszieht.
Während ich die großartige <b>Mina Richman</b>, <b>Hot Wax</b> und <b>Stina Holmquist</b>, allesamt voraussetzungstechnisch wie gemalt für das Orange Blossom Special (Alteingesessene werden mir da Recht geben), leider aufgrund meiner Anreisemodalitäten verpassen muss, freue ich mich, dass zur Begrüßung die großartigen <b>YIN YIN</b> mit ihrer Mixtur aus tanzbarem Ostasien-Psychedelic ein ambitioniert-spielfreudiges Feuerwerk abbrennen, das trefflich ohne Gesang auskommt und die eigentlich vorhandene Discofizierung (wie beim Appletree Garden 2019 gesehen und für äußerst gut befunden) ein bisschen hinten an stellt um mit etwas erhöhtem Kraut-Anteil auch die inneren Hippies einzufangen. Die Indie-Helden <b>Muff Potter</b> feiern ihre Rückkehr ins Rampenlicht mit allem, was sie Mitte der 00er auf sämtlichen (halbgroßen) Festivals unverzichtbar machte: Gestochen scharfe Alltagsbeobachtungen zu umarmenden Melodien als Quintessenz des Indierock. Und <b>Lucy Kruger &amp; The Lost Boys</b> sind mit ihrem tiefdunklen, zwischen Drone- und Postrock-Elementen changierenden Sound ein absolut typischer Orange Blossom-Headline-Slot, der Routinierte endlos abholt und gleichzeitig den First-timern zeigt, dass ein Konzert im Glitterhouse-Garten immer nochmal eine ganz eigene Sache ist. Wer hier präsentiert wird, zu dem Zeitpunkt an dem er oder sie präsentiert wird, steht aus einem guten Grund genau hier im Timetable. Wie sehr die Planung von Rembert Stiewe immer wieder Sinn ergibt, zeigt sich eindrucksvoll in Momenten wie diesen. Ein betörendes Freitag-Abend-Erlebnis.
Der Rest ist wieder mal Geschichte. Ich liebe dieses Hängenbleiben und Verquatschen beim Orange Blossom Special einfach, wer noch hebe die Hand. Begrüßungsrunden kann man so akkurat timen wollen wie man denkt, sie arten immer aus. Wer schon am Vormittag oder sogar am Donnerstag bereits angekommen ist, hat mir gegenüber am Freitag einen entscheidenden Vorsprung. Mit einem Auge auf der Bühne und einem bei meinen Menschen geht der Tag zu Ende, er endet spät, es ist wundervoll. Diese Stimmung, dieser Sound, dieses Konglomerat aus genießen wollen und fallen lassen zieht innerhalb von Minuten. Ich kann diese Nacht gut schlafen.
Und wer bitte könnte charmanter in den Samstag geleiten als die wundervolle <b>Malva</b>? Schon 2023 war die Künstlerin für den Samstags-Eröffnungs-Slot eingeladen wurden, sie wurde leider krank und spontan von den großartigen Loki ersetzt, auch hier ist der Rest Geschichte (und das spielt später noch eine gewichtige Rolle). Aber nun steht sie da mit ihrer Band und präsentiert ihre wirklich äußerst lieblichen, dezent angejazzten Indiepop-Chansons, und die Welt ist grade gut. Richtig gut. Es folgt, und das ist OBS-typisch, der radikale Stilwechsel zum Noise-Gewitter von <b>ZAHN</b>, und was ist das? Krautrock? Postrock? Definitiv ist es laut, es ist zwingend, es ist brachial und faszinierend. Und ich erkenne mit doch einiger Überraschung, dass Felix Gebhard hier mitmischt, der in den mittleren 00ern als Home Of The Lame immerhin kurzzeitig des Grand Hotel van Cleefs Indiefolk-Darling war. Vielseitig, der Mann!
Es gibt nen Schwenk zu einem Programmpunkt beim OBS, den ich dieses Jahr zum ersten Mal wahrnehme, denn der hochgeschätzte <b>Dirk Gieselmann</b> liest aus seinem aktuellen Buch „Pearl Jam, oder: Du sollst keine gute Laune haben“. Also geht es zur kleinen Lesebühne auf dem nahe gelegenen Hof und mitten rein in eine verblichene Jugend auf dem Land und den Grunge als Katalysator für dieses einnehmende Gefühl, anders zu sein, in „Versteckte Kamera“ mit den Eltern am Samstagabend nicht die Erfüllung zu finden und den imposanten langhaarig-unangepassten Größeren auf dem Schulhof als auslösendes Element für die Ichwerdung hochzustilisieren. Das ist mit wehmütiger Träne im Knopfloch zum Glück auch sehr humorvoll, und als sich plötzlich die Schleusen öffnen und der Regen hereinbricht, muggeln sich alle im Stall zusammen und bekommen noch eine Bonus-Story von einer bedrückend endenden Feier-Renaissance in der Dorfdisco zu Gehör. Genauso verständnisvoll-umarmend, genauso wehmütig mit Träne im Knopfloch.
<b>Gorilla Club</b> bedienen auf der Minibühne währenddessen in zwei Slots diejenigen, die zum OBS ihre Kinder mitbringen. Was an wenigen Orten so gut funktioniert wie hier. Denn das „Kinderprogramm“ (obwohl es mir irgendwo widerstrebt es so zu nennen) ist zu keinem Zeitpunkt anbiedernd an älter und Familie gewordenes Festivalpublikum, sondern nimmt die kleinen Menschen zu jedem Zeitpunkt ernst und führt sie vorsichtig an eine Zukunft als Teil des großen Ganzen zu den „erwachsenen“ Bands heran. Gorilla Club, das sind eben durch und durch Locas in Love im Kinderbandkostüm, und die Songs sprühen vor Charme, Wortwitz und Ideenreichtum. Das holt auch die Eltern ab und ist eine konsequente Fortsetzung der im letzten Jahr mit dem Auftritt von Deniz und Ove eingeführten Idee, auch den „Kleinen“ musikalische Alternativen anzubieten.
Von meinem Lieblingsplatz auf dem Balkon aus genießen ich den nun folgenden Auftritt: Die dänisch-färöische Künstlerin <b>Brimheim</b> nimmt uns mit in seelische Abgründe, nicht selten fühle ich mich an die ikonische Kate Bush erinnert, aber da ist einfach noch so viel mehr Dunkelheit und Komplexität. Zwischendurch liegt Brimheim sekundenlang regungslos auf dem Bühnenboden unterm Kronleuchter, es ist ekstatisch und tiefgreifend, und „Can’t hate myself into a different shape“ ist einfach ein Wahnsinnssong für alle, die sich in sich nicht wohl genug fühlen um gesund zu sein, aber deren Trotz und Lebenswille am Ende hoffentlich gewinnt.
Dann erleben wir zwei absolut exemplarische Glitterhouse-Garten-Happenings: Den wunderbar schwelgerischen, auf den Punkt intensiven und gleichzeitig so leichtfüßig klingenden Americana-Indie-Pop von <b>William The Conqueror</b> und den eine kalte Hand um dein Herz legenden und dich trotzdem eskalieren lassenden Post-Punk von <b>Gurriers</b>. Beide Bands gewinnen sofort auf die ihnen sehr eigene Weise, bei letzteren gibt es Crowdsurfing-Ekstase obendrauf, und während William The Conqueror sicherlich besonders Traditionalisten mit einem wundervoll präzisen Auftritt in die Karten spielt, darf man ziemlich sicher sein, dass man von den Gurriers in Zukunft noch einiges hören darf. Da ist was in Bewegung, trotz der aus irischen und britischen Gefilden in den letzten Jahren nicht gerade spärlich gesäten Bands ähnlicher Lesart. In den Zwischenphasen schwingt sich übrigens ein guter Bekannter auf, das  Sprungbrett von der Mini-Bühne auf die große Bühne ein zweiteres Mal zu nehmen: Tom Allen, nun ohne The Strangest, präsentiert in Duo-Besetzung als <b>False Lefty</b> ein weiteres Mal sein bewundernswertes Gespür für hochwertige Indiepop-Dringlichkeit und ich lehne mich sicherlich nicht zu weit aus dem Fenster wenn ich sage: Diese Band werden wir hier bald wieder sehen.
Es kommt nun zu einem magischen OBS-Moment: <b>Catt</b> betritt die Bühne, verstärkt um eine unglaublich intensive Band und als Multi-Instrumentalistin gesegnet mit ungeheurem Talent und einnehmender Präsenz. Rembert sagt eingangs, ihr Konzert beim Eurosonic in Groningen sei eines der zehn besten Konzerte gewesen die er in seinem nicht gerade konzertarmen Leben genießen durfte, und man glaubt es ihm sofort, so himmlisch schwelgt diese Frau in gefühlsgeladenem Breitwand-Pop. Es ist eine Offenbarung und der Garten schweigt, genießt, gibt sich hin. Es ist ganz ohne Frage das Konzert des Tages.
Dass <b>The Holy</b> im Anschluss keinen schweren Stand haben, liegt an der Anpassungsfähigkeit des OBS-Publikums und, ganz klar, auch an der eigenen Qualität. Die Finnen waren 2019 schon hier und auch das war schon groß, aber innerhalb dieser letzten fünf Jahre hat die Band nochmal an Tension nachgelegt. Jeder Song ein Punch, ob Post-Punk-drängelnd oder in ruhigen Phasen schwelgerisch tief, zwischen großen Hymnen und ausladenden Sphären: Diese Band findet immer ihre Mitte. Ein mehr als würdiger Samstags-Headliner.
Das OBS ist bekannt für seine Geschichten, und eine weitere passiert am Sonntagmittag. Spekulationen hinsichtlich des obligatorischen Surprise Acts gab es reichlich, zwischen den Giant Rooks, Locas in Love (wegen Gorilla Club) oder den wieder erweckten Golden Kanine gab es reichlich, doch hier passiert heute ein direkter Bezug zum 2024er-Motto, der ergreifender kaum sein könnte. Denn nach einer langen Auszeit aufgrund einer lebensbedrohlichen Herz-Operation gibt sich der grandiose <b>Alex Henry Foster</b> die Ehre für eine Comeback-Show im Garten, und das geht nicht nur aufgrund der Umstände tief. Schon bei seinem 2022er-Stelldichein war der Kanadier verantwortlich für staunende Gesichter und allerhöchstmögliche Intensität mit einer unfassbar tighten Band und Songs, die wie ausufernde Jams nicht selten die zehn-Minuten-Marke knackten, irgendwo zwischen Ambient, Post Rock und Dark Jazz, flankiert von kathartisch-dunklen Lyrics die bisweilen wie ein Poetry Slam wirkten. Er kriegt es ein weiteres Mal hin. Ja, die Exaltiertheit mag bisweilen den Duktus eines Predigers annehmen wenn Foster immer wieder beschwört, dass die Community (da sind wir wieder!) und die Liebe der Schlüssel zu allem Unbill der Welt ist („We don’t need bombs, we don’t need guns! We are community, we are family!“). Aber es schwingt auch eine in jeder Hinsicht einnehmende Überzeugung in seiner Präsenz und seinem Charisma mit. Wenn er sich abermals zu ausufernden Crowdsurfing-Phasen (die Rückkehr zur Bühne geschieht thronend auf einem spontan bemühten Campingstuhl, auf dem beim Wegrutschen der Decke eine pinkärmelige College-Jacke zum Vorschein kommt) aufschwingt, kann man das nur als einen unnachahmlich guten Schachzug werten, diesem Menschen genau in dieser Phase seines Lebens genau diesen Ort zu gönnen. Hier gehört alles zusammen und alles ist im Einklang. Großes, großes, großes Kino.
Während sich nunmehr der Himmel öffnet und es viel zu lange sehr intensiv zu regnen beginnt, betritt in <b>Marlo Grosshardt</b> ein junger Künstler die Bühne, von dem wir absolut noch hören werden. Seine Indie-Chansons, die nicht selten an den großen Faber (auch einst Gast im Glitterhouse-Garten) erinnern, vereinen Charme mit Haltung und musikalische Finesse mit Mitsinghymnen à la „Christian Lindner“, bei denen das Publikum sich trotz Wetter singend in den Armen liegt. Das Comeback von Ivan Carvalho als <b>Afrodiziac</b> gerät anschließend zu dem ausufernden Rock-Rausch, den es im vergangenen Jahr schon versprochen hatte. Nun mit fast noch mehr Raffinesse, noch mehr Dringlichkeit und noch mehr Energie. Das ist einfach ein hochfaszinierender Gesamtkonzept-Künstler, dessen wilde Mixtur aus Grunge-Roughness und dem Vibe ausufernder Rock-Jams ein weiteres Mal restlos überzeugt. Im Anschluss: Wieder ein Stilwechsel, wieder großartig. Die wunderbaren Indiepop-Songs von <b>Brockhoff</b> mögen inzwischen auf Festivalbühnen hierzulande bekannt sein, sie sind aber hier und an dieser Stelle ein weiterer Beleg dafür, dass manches im Glitterhouse-Garten einfach anders und intensiver wirkt. Man wünscht sich diese unheimlich klug geschriebenen Indie-Pop-Songs als Soundtrack für lange Autofahrten mit Blick in die Weite, das ist sehr zwingend und raumgreifend, ein Genuss.
Ich hatte in meinem Preview-Artikel schon gemutmaßt, wann ich wohl bei diesem feinen Lineup dazu kommen würde etwas zu essen; bei <b>Iedereen</b> ist es soweit, sorry. Dafür wartet danach eines meiner absoluten Wochenend-Highlights. Kurzer Recap: Als <b>Loki</b> 2023 für die krank gewordene Malva einsprangen, lag ihnen der Garten schon zu Füßen. Das gehörte hierher, das war wie gemacht fürs Orange Blossom Special. Mit acht Musiker*innen auf der Bühne war es da schon ein Indiefolk-Fest, fein arrangiert und auf den Punkt liebenswert zwischen hymnisch-elegischen Tunes und kleinen Indie-Pop-Hymnen, und nun, wo diese Band hier ein Jahr später wieder stehen darf, wirkt sie gereift und noch größer, drapiert ihre wundervollen Preziosen noch strahlender in den Sonnenuntergang, hat mit „St. Francis“, „Dreams“ und „Suzanne“ auch noch veritable Hits im Gepäck und verzaubert ein Publikum im Handumdrehen. So geht große Geste ohne schon so richtig groß zu sein, so geht Liebe, so geht Energie und ja, so geht Orange Blossom Special. Das war denkwürdig.
Und während ich <b>Coach Party</b> leider aufgrund eines erneut auftretenden akuten Hungergefühls verpasse, wirft das größte Ereignis des Wochenendes sowieso schon seine Schatten voraus. Denn zum Abschluss dieser wunderbaren Auszeit vom Alltag warten <b>The Slow Show</b>, die 2015 für so viel Tränen sorgten, die selbst so ergriffen waren von der Hingabe dieses einzigartigen Settings und die jetzt wieder da sind, und das muss man kurz wirken lassen. Klar hätte es sein können, das diese tief berührenden, malerischen, theatralischen und nach wie vor durch den unvergleichlichen Bariton Rob Goodwins in so himmlische Gefilde getragenen Katharsis-Kleinodien nicht ein zweites Mal einen so unwiderstehlichen Sog entwickeln zu dem sich neben und vor der Bühne tränenreich in den Armen gelegen wird. Doch: Sie tun es.
Ich, personally, weine gar nicht bei ihrem größten Song, der mich ja auch immer noch abholt, „Bloodline“ meine ich, das geht schon immer noch ganz, ganz tief. Die Tränen laufen bei einem anderen Stück und bei den Zeilen „I’m proud of you boy, look how far you came, proud of who you are, happy how you changed“. Oh, ich weine sehr. Wenn wir uns in diesem Moment einer Sache bewusst sein dürfen, dann dieser: „This is no ordinary life“.
Die Liebe zu einem ganz besonderen Gemeinschaftsgefühl hat uns hier hingebracht, mit einem Gefühl, an dem wir uns berauschen können. Dürfen. Sei es auf eine Weise so, dass das OBS-Publikum sich gerade für diese Eigenschaften der Offenheit, der Hingabe, des intensiven Fühlens rühmen darf, und dass sich daraus inzwischen auch eine gewisse Eigendynamik, ja: ein besonderes Commitment entwickelt, dann ist das was gutes. Was immer diesen Ort zu einem so wichtigen macht, es hat seine Gründe, und die sind individuell und nicht zu hinterfragen. Sie sind da. This is no ordinary life. This is no ordinary festival. Das kickt so sehr in diesem Moment. Die Verbundenheit der Band zu diesem Ort, die Rob Goodwin in wahrhaftige, herzergreifende Worte kleidet: Wir fühlen sie jetzt grade alle, und das OBS-Publikum genießt auf bewundernswerte Weise stillschweigend. Nein, this is no ordinary life. And this is no ordinary place. Was für ein grandioser Abschluss eines Wochenendes, aus dem knapp 3.000 Menschen wieder ein Jahr lang zehren werden. Nach Ende des Drei-Tages-Witzes (extrem viel Exposition, extrem kurze Pointe!) und dem Verklingen von &quot;Es müsste immer Musik da sein&quot; blicke ich in viele nachdenkliche, kurz in sich gekehrte Gesichter. Menschen, die sich umarmen und ein Weilchen festhalten, weil der Moment so kostbar ist. So viel wie möglich noch einsammeln, bevor es erstmal wieder zu Ende ist und wir wieder zu Unsteten und Rastlosen, zu Vagabunden und Lebensabsolventen werden.
Dass der vielzitierte Post-OBS-Blues schon auf der Rückfahrt kommt, in einer übermannenden Mixtur aus Müdig- und Traurigkeit: Es ist ja kein Wunder. Das war wieder viel, Gott sei Dank viel Schönes. Viel Aufladung, Zuhausigkeit, „Community“, hallo Alex Henry Foster. Der Glaube daran, dass die Welt kein schlechter Ort sein kann, wenn es Zusammenkünfte dieser Art gibt, lebt. Angesichts all der globalen Katastrophen, den inneren noch dazu, wirkt es wichtiger denn je. Pathos hin oder her, aber what's true shall be true forever.
Es mag andere Festivals geben, die aufgrund ganz unterschiedlicher Umstände ein ähnliches Gefühl der Wärme evozieren. Es ist nicht weniger wichtig. Hier in Beverungen, of all places, darf die Welt für drei Tage eine andere sein. Und jeder, der in diesem Jahr gezögert hat, soll alle Freiheit haben, es sich im nächsten Jahr anders zu überlegen.
Wenn wir wieder da sind. Wir, mit unseren mindestens 5600 Armen, 2800 Gehirnen und Herzen. Was ich weiß, ist: Sie strahlen zusammen heller. Dieses Wochenende war wieder mal ein eindrucksvoller Beweis.

<i>Text und Bild: Kristof Beuthner</i>]]></content:encoded>
			<category>Artikel</category>
			
			<pubDate>Wed, 22 May 2024 22:50:12 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Offiziell Herzensangelegenheit: Preview aufs Orange Blossom Special 2024</title>
			<link>https://www.nillson.de/artikel/lesen/offiziell-herzensangelegenheit-preview-aufs-orange-blossom-special-2024.html</link>
			<description>Die Tage werden länger. Und wärmer. Die Herzen werden weiter. Und ebenfalls wärmer. Es wird Zeit, sich selbige endlich wieder mit dem Schönsten der Welt zu vertreiben: Musik. Vor der Bühne, auf der Bühne. Mittendrin im wundervollen Trubel eines neuen Festivalsommers. Welche Herzensangelegenheit könnte zu Beginn schöner sein als das Orange Blossom Special, das nun endlich auch seine bestmögliche Beschreibung im Jahresmotto trägt?</description>
			<content:encoded><![CDATA[Egal wen rund um die Glitterhouse-Crew ich dieser Tage spreche, egal welche langjährigen Weggefährten ich nach ihrer Gefühlslage frage, die Antwort ist die gleiche: Das Pfingstwochenende in Beverungen erleuchtet das Mindset wie eine aufgehende Sonne, die den noch schwach nachtgrauen Himmel langsam aber stetig glutrot färbt. Das Einbiegen in den Grünen Weg, die in weiser Voraussicht einer abermals seelenstreichelnden Zeit bereits früh gen Glitterhouse-Villa pilgernden Menschen, das satte Grün des Weserberglands als Kulisse für den sich rasch füllenden Zeltplatz am Fluss: Das sind Bilder, die für manche seit langer, für andere seit weniger langer Zeit Zuhause und Familie bedeuten. Ein zweites Zuhause, eine zweite Familie. Vielleicht sogar Ersatz für beides, so pathetisch das immer wieder klingen mag. Und auch ohne Pathos: Wer schon mal beim Orange Blossom Special Festival zu Gast war, wird sich mindestens auf den Begriff einigen können, der in diesem Jahr (endlich!?) Motto des 2024er Pfingstwochenendes ist: Herzensangelegenheit.
Nicht mehr und nicht weniger ist es. Das Wiedersehen mit Freunden, die man zum Teil nur einmal im Jahr (und zwar hier!) trifft; der Spirit von Freundschaft und Liebe für die liebgewonnene Sache, die sich von Crew und Staff lückenlos auf die Menschen vor der Bühne überträgt, das wieder einmal liebevoll kuratierte Lineup: All das verspricht drei Tage Auftanken für die Bereiche des Herzens, die seit Pfingsten 2023 durch die Widrigkeiten der Welt ausgezehrt wurden. Aufladen an dem Zusammensein, das so ausnahmslos ohne „doofe Menschen, die irgendjemandem den Tag kaputt machen“ auskommt, wie es aus den Reihen der Tiny Wolves kürzlich so treffend zusammengefasst wurde. Für manche das Gefühl, wenigstens hier, an diesem Ort, akzeptiert und genau richtig zu sein. Ach, das Pathos, da ist es wieder, aber was stimmt, stimmt nun mal.
Voller Highlights und Preziosen steckt das Lineup in diesem Jahr, vielleicht ist es das beste seit immer. Besonders sehnlich erwartet wird etwa die Rückkehr von <b>The Slow Show</b> am Sonntagabend, die 2015 zu gleicher Zeit an selber Stelle mit ihrem hochemotionalen Sakral-Slow-Indiepop für einen der größten OBS-Momente der Geschichte sorgten. Aber auch die Shows von den Indie-Helden <b>Muff Potter</b>, dem wundervollen Americana-Trio <b>William The Conqueror</b> oder die schmerzerfüllte Intensität der dänisch-färöischen Sängerin <b>Brimheim</b> haben vollstes Potenzial, sich nachhaltig als leuchtende Kerzenflamme im inneren Wohnzimmer der Konzert-Hall of Fame zu manifestieren.
Wie stark das 2023er-OBS noch nachstrahlt sieht man daran, dass Ivan Carvalho aka <b>Afrodiziac</b>, der mit seinem unbeschreiblich spektakulären Rocksound im vergangenen Jahr der große Gewinner der Minibühne war, 2024 sein schnelles Comeback auf der „großen Bühne“ feiert. Oder dass <b>Loki</b>, dieses wunderbare, an kleinen Hymnen so reiche Folk-Indiepop-Oktett, das 2023 spontan für Malva einsprang und die Herzen im Sturm nahm, die Chance bekommt, dass die Menschen sich nun auch wirklich so richtig auf sie freuen dürfen. Und <b>Malva</b> selbst bekommt sozusagen ihre zweite Chance, herrlicherweise am gleichen Tag wie Loki, was in der Social Media von beiden bereits herzenswarm angemerkt wurde. Aus den vergangenen OBS-Jahren gibt es ein Wiedersehen mit dem Power-Grunge von <b>Iedereen</b>, die inzwischen zur labeleigenen Bandflotte gehören, oder den finnischen <b>The Holy</b> mit ihrem unwiderstehlich bombastischen Postpunk. Sönke Torpus alias <b>Low Key Orchestra</b> war bereits mit Torpus &amp; The Art Director und als Teil der OVE-Band in Beverungen zu Gast, Tom Allan von <b>False Lefty</b> kennt man als eine Hälfte von Tom Allan &amp; The Strangest. Und die allerechten <b>Schreng Schreng &amp; La La</b> sind in Person von Jörkk Mechenbier (Trixsi, Love A) und Lasse Paulus sowieso Dauergast im Glitterhouse-Garten.
Dringend auf der Rechnung haben sollte man auch die Holländer von <b>YIN YIN</b>, die aus südostasiatischen Sounds und treibendem Psychedelic-Disco-Sound einen unheimlichen Sog kreieren (selbst getestet, hohe Dringlichkeit!) und <b>Gorilla Club</b>, die zwar vor allem als Band für „die Kleinen“ gebucht sind, aber dass man sich da ja nicht täuscht: Immerhin steckt die Kölner Indie-Institution <b>Locas in Love</b> hinter dem Projekt, und diese „Kinderlieder“ sind so unverkennbar Locas-Songs mit kindgerechten Texten, dass man sich ihrem Charme nicht entziehen kann. Da wünscht man sich sehr, dass Stefanie Schrank, Björn Sonnenberg und Co mit ihrer „Hauptband“ am Sonntag den obligatorischen Surprise Act stellen, denn diese Wundertüte, die die OBS-Crowd am letzten Festivaltag den Holy Ground bereits um 11:30 füllen lässt wie zum abendlichen Headliner, ist natürlich auch wieder mit von der Partie. Und wer das gelesene Wort goutiert, dem sei wärmstens die Lesung des großartigen <b>Dirk Gieselmann</b> ans Herz gelegt, der sein aktuelles Werk „Pearl Jam, oder: Du sollst keine gute Laune haben“ vorstellt. Das ist höchst unterhaltsam, schaut euch das an!
Auch wenn ich nicht auf jeden einzelnen der weiteren Namen eingehe um diese Vorschau nicht auf Review-Niveau aufzublasen: Sie alle sind sehenswert. Ob <b>Lucy Kruger &amp; The Lost Boys</b>, <b>Gurriers</b>, <b>Hotwax</b>, <b>Marlo Grosshardt</b> oder <b>Stina Holmquist</b>: All killer, no filler. Wann ich an diesem Wochenende mal was essen soll, ist mir Stand jetzt noch ein Rätsel.
Überraschenderweise gibt es sogar noch Tickets fürs Orange Blossom Special 2024, ihr könnt sie über das Höme-Magazin bestellen und euch ausdrucken, und wie im letzten Jahr stehen auch wieder die sogenannten „Sozial-Tickets“, finanziert durch einen Soli-Topf generöser Besteller*innen, zu ordentlich vergünstigten Preisen zur Verfügung, was eine tolle Geschichte ist. Am Wochenende selbst wird es dann aller Voraussicht nach auch für jeden der drei Festivaltage Tagestickets an der Kasse geben.
Es bleibt nichts mehr zu sagen, es bleibt sich nur zu freuen. Auf eines der besten Wochenenden im ganzen Jahr und all die Dinge, die das mit sich bringt.
Ich habe Lust auf Mini-Calzone.
<b>Timetable:</b>
<b>Freitag, 17. Mai:</b>
16:30 – 17:20 <b>Mina Richman</b><br /> 17:45 – 18:40 <b>Hotwax</b><br /> 18:40 – 19:05 <b>Stina Holmquist</b> <i>(Minibühne)</i><br /> 19:15 – 20:15 <b>YIN YIN</b><br /> 20:15 – 20:40 <b>Stina Holmquist</b> <i>(Minibühne)</i><br /> 20:45 – 22:05 <b>Muff Potter</b><br /> 22:40 – 23:50 <b>Lucy Kruger &amp; The Lost Boys</b>
Walking Act: <b>Low Key Orchestra</b>
<b>Samstag, 18. Mai:</b>
11:30 – 12:20 <b>Malva</b><br /> 12:45 – 13:45 <b>ZAHN</b><br /> 13:30 – 14:15 <b>Dirk Gieselmann</b> <i>(Lesung, Lesebühne)</i><br /> 13:45 – 14:10 <b>Gorilla Club</b> <i>(Minibühne)</i><br /> 14:15 – 15:15 <b>Annie Taylor</b><br /> 15:15 – 15:45 <b>Gorilla Club</b> <i>(Minibühne)</i><br /> 15:50 – 16:55 <b>Brimheim</b><br /> 17:25 – 18:35 <b>William The Conqueror</b><br /> 18:35 – 19:00 <b>False Lefty</b> <i>(Minibühne)</i><br /> 19:05 – 20:05 <b>Gurriers</b><br /> 20:05 – 20:35 <b>False Lefty</b> <i>(Minibühne)</i><br /> 20:45 – 21:55 <b>Catt</b><br /> 22:35 – 23:50 <b>The Holy</b>
Walking Act: <b>Schreng Schreng &amp; La La</b>
<b>Sonntag, 19. Mai:</b>
11:30 – 12:45 <b>Surprise Act</b><br /> 13:15 – 14:05 <b>Marlo Grosshardt</b><br /> 14:00 – 15:00 <b>Schreng Schreng &amp; La La</b> <i>(Lesung, Lesebühne)</i><br /> 14:30 – 15:30 <b>Afrodiziac</b><br /> 15:30 – 15:55 <b>Sylvan Weekends</b> <i>(Minibühne)</i><br /> 16:00 – 17:00 <b>Brockhoff</b><br /> 17:00 – 17:25 <b>Sylvan Weekends</b> <i>(Minibühne)</i><br /> 17:25 – 18:25 <b>Iedereen</b><br /> 19:10 – 20:20 <b>Loki</b><br /> 20:50 – 21:50 <b>Coach Party</b><br /> 22:35 – 23:50 <b>The Slow Show</b>
Walking Act: <b>Florry</b>

<i>Text: Kristof Beuthner</i>
<i>Foto: Dennis Schinner</i>]]></content:encoded>
			<category>Neuigkeiten</category>
			
			<pubDate>Wed, 08 May 2024 17:20:02 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Beautiful, Beautiful Overkill: Nillson beim Reeperbahn Festival 2023</title>
			<link>https://www.nillson.de/artikel/lesen/beautiful-beautiful-overkill-nillson-beim-reeperbahn-festival-2023.html</link>
			<description>Das schönste Septemberwochenende des Jahres ist immer zugleich auch das herausforderndste. Zwischen Knust und St. Pauli-Kirche läuft man sich wunde Füße, aber weite Herzen. Das Reeperbahn Festival 2023, das nun endlich wieder ganz und gar beschränkungsfrei stattfinden konnte, ließ mal wieder keinerlei Wünsche offen - außer vielleicht den nach einem Teleporter, verschiedenen Raum-Zeit-Ebenen und noch mehr eigener Energie.</description>
			<content:encoded><![CDATA[Wo fängt man an, die Geschichte dieses Wochenendes zu erzählen, wenn es doch so viele gibt? Beginnen wir mit einer Rückkehr. Zum ersten Mal seit 2019 sind nämlich der Kaiserkeller, die Große Freiheit 36 und die Prinzenbar wieder offizielle Spielstätten des Reeperbahn Festivals. Ihr erinnert euch? Während der Corona-Pandemie boten die Betreiber auf großen Stellwänden die Möglichkeit, seine Gedanken zur (politischen) Lage öffentlich kundzutun und nahmen die Freiheit der sich Mitteilenden dabei sehr ernst, sodass auch verschwörungstheoretische Corona-Leugner-Ergüsse nicht reglementiert wurden. Daraufhin kündigte ein großer Teil der Kulturszene Deutschlands im Allgemeinen und Hamburgs im Speziellen die Zusammenarbeit auf. Nun sind diese drei traditionsreichen Clubs nach Betreiberwechseln wieder mit von der Partie – recht kommentarlos, und vielleicht ist das auch okay so. Dass ich in keinem der drei ein Konzert angeschaut habe, liegt dabei nicht etwa daran, dass ich nachtragend wäre – es gab einfach so herrlich viel anderes zu sehen.
Die Awards zum Beispiel, die Jahr für Jahr auf dem Reeperbahn Festival verliehen werden. Da wäre zum Beispiel der <b>Helga!</b>-Festivalpreis, der im letzten Jahr vom kuscheligen Imperial-Theater in ein recht steriles Stangenware-Messezelt umgezogen war, was die Stimmung unter den Zuschauenden doch etwas trübte. 2023 nun steht im Festival Village ein Spiegelzelt, wie wir es etwa aus Haldern oder vom Appletree Garden kennen, und bietet den Festivalschaffenden und Laudator*innen ein endlich wieder angemessenes Ambiente. Veranstaltet vom wunderbaren Höme- bzw. Infield-Magazin gibt es wieder fünf Kategorien: „Grünste Wiese“, den Preis für das nachhaltigste Festival, den das wunderbare <b>Norden Festival</b> bekommt; „Höchster Hürdensprung“, den <b>Die andere Seite der Welt</b> (leider nie davon gehört) gewinnt; die „Reichhaltigste Reichweite“ (for whatever that means), die das kleine <b>Pferdefestival</b> für sich beanspruchen kann; dann noch die „Gemischteste Tüte“, die nach Beratung der Jury das <b>Umsonst & Draußen Festival Würzburg</b> bietet, und schließlich das „Feinste Booking“, das man 2023 beim <b>Nürnberg Pop</b> serviert bekommt. In der Königskategorie „Bestes Festival“ setzt sich einmal mehr das <b>Open Flair</b> gegen eine starke Konkurrenz (Watt en Schlick, Orange Blossom Special oder Ab geht die Lutzi!) durch, und ich glaube wirklich, dass ich mir das endlich mal live und in Farbe anschauen muss.
Traditionell viel musikalisches zu entdecken gibt es beim <b>ANCHOR-Award</b>, der den bzw. die beste Newcomer*in auszeichnet. Dabei gab es durchaus eine überraschende Gewinnerin: Gegen u.a. Berq, Daisy the Great oder Paris Paloma setzte sich nämlich die Japanerin <b>Ichiko Aoba</b> durch, und das ist schon klanglich ein besonderer Griff in die Schatzkiste. Fernab von allen derzeit gängigen Pop-Konventionen präsentiert sich hier nämlich eine Reise in bildreiche, cineastische und versponnene Soundgefilde aus Gitarre, Klavier, Blockflöte und Akkordeon, meisterhaft und wunderschön, aber eben auch sehr besonders. „Unsere Gewinnerin transportiert uns in ein zeitloses Japan und kreiert ihr eigenes Universum mit ihrem Talent und ihrer Kunst“, sagt Jurypräsident Tony Visconti, und da kann man nicht widersprechen. Der <b>Keychange Inspiration Award</b> geht in diesem Jahr an die Rapperin <b>Ebow</b>, die mit mächtig viel Haltung in ihren Texten gegen Sexismus, Rassismus und Homophobie aufsteht. Damit ist sie eine äußerst wichtige Repräsentantin der PoC- und Queer-Community innerhalb der HipHop-Szene und darf sich selbst als großes Vorbild verstehen.
Dass ich am Ende keine der ausgezeichneten bzw. nominierten Bands und Künstler*innen zu sehen bekommen habe, spricht eigentlich nur mal wieder dafür, wie wahnsinnig viel Qualität und Entdeckenswertes es in den vielen Spielstätten des Reeperbahn Festivals zu bestaunen gibt. Und dabei gilt wie in jedem Jahr, dass Pläne machen zwar schön ist, aber doch nur eine grobe Orientierung bieten kann. Tagesform, Zeitmanagement, Spontaneität und erzwungene Flexibilität wegen plötzlichen roten Ampeln in der Festival-App, die dir zeigen, dass der Club deiner Wahl dich leider nicht mehr reinlassen wird (da hilft dann auch der respektvollerweise nur in den allerhöchsten Notfällen genutzte Delegates-Bonus nichts mehr).
Und so beginnt der Mittwoch für mich nach einem anstrengenden Arbeitstag mit etwas ruhigem. Namentlich mit der Schottin <b>Katie Gregson-Macleod</b> im Moondoo, die zwischen Klavier und Gitarre wechselnd wunderbare Lieder über die Liebe, das Leben und verpasste Chancen singt, die gleichzeitig einfühlsam und kraftvoll klingen und von höchst sympathisch-unterhaltsamen Ansagen eingeleitet werden. Von dieser Frau möchte ich gerne mehr hören. Die Irish Folk-Punk-Ekstase von <b>The Mary Wallopers</b> im Molotow klang beim Reinhören (trotz hohem das-hab-ich-doch-schon-mal-gehört-Faktor) sehr nett, ein kurzer Blick in den wie immer rappelvollen Club genügt aber. Das haut mich nicht vom Hocker. Klar bieten auch die <b>Cucamaras</b> im Backyard nichts neues; das ist wütend gebellter, sehr britischer Postpunk mit reichlich Attitude – diese Quelle scheint einfach nicht zu versiegen. Das ist gut, aber nichts, was sich mir ins Gedächtnis brennt. Ich bleibe für vier Songs und mache mich auf den Weg in die St. Pauli-Kirche.
Dort warten zwei absolute Lieblinge und inzwischen schon sehr lange Wegbegleiter auf mich, Francesco Wilking und Moritz Krämer nämlich, die mit <b>Artur & Vanessa</b> schon wieder ein neues Projekt am Start haben (die beherrschen das mit den verschiedenen Raum-Zeit-Ebenen scheinbar deutlich besser als ich). Die dazugehörige neue Platte erzählt die Geschichte eines reichen Jungen, der ausbrechen will, und einem Mädchen, das ihn herausfordert – und wie sie sich finden und wieder verlieren und einen Freizeitpark für alle gründen. Die Kirche ist für den neuen Bandsound zwischen Indie Pop, Jazz und Kammermusik-Elementen natürlich eine Location wie gemalt. Das hat eine unfassbare Leichtigkeit und strahlt vor erhabener Schönheit. Leider kommen die Vocals nur sehr undeutlich durch, und das ist wenn einem eine Geschichte erzählt werden soll doch ganz schön schade. Aber dafür soll man ja auch Platten kaufen und sich zuhause in Musik fallen lassen, und das sei hiermit ganz ausdrücklich empfohlen.
Die folgende Wartezeit überbrücke ich mit einem kurzen Snack bei <b>Holy Dogs</b> (der Santamaria mit Beef Roll, Salsa und Guacamole gehört immer noch zu meinen absoluten Festivalfood-Favourites) auf dem Spielbudenplatz und entdecke auf dem Bavaria-Showcase in der (übrigens öffentlich zugänglichen) Spielbude XL wunderbar treibende, sehr versierte und in jeder Hinsicht mitreißende Live Electronics im Bandformat von <b>Aera Tiret</b>, die ich mir sehr gut auf den After-Headliner-Slots meiner liebsten Boutique-Festivals vorstellen kann. Großes faszinierendes Kino ist das. Zum Abschluss des Abends geht’s ins Klubhaus St. Pauli, genauer gesagt ins UWE, denn dort spielt <b>Flawless Issues</b> aus Stuttgart, der es sich vermeintlich leicht macht: Seine Songs klingen beinahe durchweg 1:1 nach Edwin Rosen, sänge der englisch. Nicht umsonst stehen die Indie Kids mit den Rosen-Shirts ganz vorne und tanzen zu dem natürlich qualitativ total hochwertigen New-NDW-Postpunk-Mix, angetrieben von einem Künstler, der ohne Band, sondern mit Musik vom Rechner augenscheinlich sehr viel Spaß hat. Schade, dass er seinen besten Song „Alone Tonight“ (Anspieltipp!) gleich als allererstes spielt.
Weil ich erst zu spät wieder auf den Weg nach Hamburg komme, bleiben mir vom hochgeschätzten Dutch Impact-Showcase nur noch zwei Bands übrig. Der sonnendurchflutete Indie Pop von <b>Loupe</b> klingt sehr facettenreich und originell, aber ich muss erst ankommen. Von <b>Tramhaus</b> aus Rotterdam hatte ich ein weiteres Postpunk-Tableau erwartet, doch so einfach ist es nicht. Das Ganze wird nämlich angereichert mit treibendem Indie Rock und Hardcore-Elementen und dargeboten von einem höchst energiegeladenen Frontmann mit Mick Jagger-Gedächtnisfrisur. Das geht sehr gut klar; wenn es gut läuft, sieht man diese Band im nächsten Sommer wieder. Doch nun begebe ich mich erstmal gemütlich ins Festival Village, genieße die Helga!-Verleihung und treffe Freunde und welche, die es werden könnten. Diese Pausetaste gefällt mir.
Was dann folgt ist ein absolutes Festival-Highlight: Den wirklich äußerst sympathischen <b>Orbit</b> hatte ich schon länger auf der Rechnung, fand allerdings weder die Zeit mich mit seiner Musik eingehender auseinanderzusetzen noch sie live zu erleben. Das hole ich jetzt in der Batcave, Verzeihung, im Mojo nach – und genieße jede Sekunde. Elektronischer Bedroom-Pop, der trotz seiner Zurückgenommenheit die ganz große Geste kann und dabei auch noch mit wirklich richtig guten Songs aufwartet („Friday Night“ bitte mal anspielen!): Das ist vom ersten bis zum letzten Ton wunderbar. Und die Dankbarkeit von Marcel Heym, Musik – im Staff organisiert von den Freunden, mit denen seine Geschichte begann – zu seinem Lebensinhalt machen zu dürfen, ist absolut authentisch und berührt. Dass Orbit tatsächlich bald eine Europa-Tour spielen darf, ist ihm so umso mehr zu gönnen. Da ist ganz viel Demut und ganz viel Talent, was für ein wichtiger Mix. Platten mitgenommen. Ehrensache.
Im Festival Village statte ich dann den <b>Hansemädchen</b> einen kurzen Besuch ab. Die Chorschwestern vom Kiez gehen grade ziemlich steil, seit sie zusammen mit Axel Bosse für „Ein Traum“ beim Hurricane Festival auf der Bühne standen, einen mächtig starken Camping Ground Gig inklusive. Nun müssen sie leider gegen KIZ anspielen, die nebenan als Surprise Act das große Geschütz auffahren, aber die Energie ist groß, der Sympathiefaktor auch, und mir gefällt sehr dass dieser Chor nicht auf akribische Perfektion, sondern auf Unity und Spaß setzt. Das kommt 1:1 an. Ich komme im Anschluss nicht an, also nicht rechtzeitig. Die Ampel fürs Molotow springt auf Rot. Keine Chance, Paerish zu sehen, auf die ich mich heftig gefreut habe. Also trete ich den Heimweg an: Ich habe alles vom Tag gehabt und muss schließlich morgen früh wieder arbeiten.
Der Freitag steht ganz im Zeichen des Indie Pop und beginnt im Spiegelzelt mit <b>Neeve</b> aus Stuttgart, die sich ein wenig so anhören wie die Giant Rooks mit lauteren Gitarren. Sommerlicher Feelgood Pop, macht großen Spaß. Genau wie <b>Whammyboy</b> auf der Fritz Kola Bühne, von dem ich der Beschreibung nach mäandernden Psychedelic-Pop à la MGMT oder Empire Of The Sun erwarten sollte, der aber mit treibenden Beats und mitreißenden Songs im Festival Village die Indie Disco eröffnet. Ein kurzer Blick zurück ins Spiegelzelt zu <b>Dekker</b> mit seinem hochsympathischen Folk Pop, ich geh in Gedanken zu den besten Strandmomenten des Sommers zurück, immer wieder ein Genuss. Und dann geht es ins Drafthouse zu den hierzulande noch sträflich unbekannten Briten von <b>Kawala</b>, irgendwo zwischen Folk und Beach Pop, mit zweistimmigem Gesang und unfassbar catchy Songs, überaus harmonisch und treibend, ein wahnsinnig starkes Konzert. Das hatte ich mir auch von den Flyying Colours in der SkyBar erhofft – dass es dazu nicht kommt, liegt an einem der ehernen Reeperbahn Festival-Gesetze, in dem wunderbare Wiedersehensfreude mit guten Freunden gefälligst zu mindestens einem Konzertabend-Abbruch führen muss. Und so ist es auch gut.
Nach einem wirklich wichtigen ersten Ausschlafen seit Tagen steckt wie immer am Festivalsamstag die Woche in den Knochen und das Energielevel hat sich irgendwo in der unteren Hälfte eingependelt. Zeit also, sich gemütlich mit einem Kaltgetränk vor den kleinen Open Air Bühnen zu positionieren und noch ein paar Eindrücke mitzunehmen bevor das schönste Septemberwochenende des Jahres endet. Erwartungsgemäß holt mich der Berliner Rapper <b>SQF2000</b> überhaupt nicht ab. Das heißt: Die Beats schon, die sind grandios, aber die Texte brauch ich nicht. Also auf zum N-Joy-Reeperbus, wo man Bands und Künstler*innen des Tages in appetitlichen 15-Minuten-Häppchen serviert bekommt und zwischen den Acts immer so viel Pause hat um sich ein neues Getränk zu holen. Dort begegne ich dem blutjungen Songwriter <b>TJARK</b>, der zwar irgendwie genau den Indie Pop macht, den in Deutschland gerade alle machen, wenn sie nicht Edwin Rosen nacheifern; selbstreflektierende Texte, ein Trennungs-Lied (insert Mädchenname of choice here, in diesem Fall ist es Isabell) und innere Zerrissenheit, alles da. Was TJARK aber auszeichnet ist, dass er tatsächlich gute Lyrics und wirklich gute Songs hat und auch solo am Klavier ausgezeichnet funktioniert. Von dem wird man noch ganz viel hören und sehen, das ist felsenfest sicher. Es folgen <b>Durry</b> aus Minneapolis, die anscheinend einen durch TikTok befeuerten Hype erleben – hört man diesen sehr klassischen Mix aus College Punk und Emo Pop, hier lediglich mit zwei Gitarren dargeboten, darf man darüber schon überrascht sein, dass so etwas heute noch zieht. Aber die Songs sind super, der Sympathiefaktor hoch. Das geht schon in Ordnung so!
Die darauf folgende Pause verbringe ich beim Lieblings-Inder, der aber nur noch Plätze draußen hat – wo ich leider plötzlich im Regenguss sitze. Danach ist alles kalt (mein Essen auch) und die Müdigkeit liegt tonnenschwer auf meinen Schultern. Und ich treffe eine Entscheidung, mit der ich wohl auch nicht alleine bin: Ich lasse die vergangenen Tage und die vielen Konzerte, Begegnungen und Schritte Revue passieren und finde, dass jetzt ein guter Zeitpunkt ist, einfach nach Hause zu fahren. Ein letzter kurzer Blick auf die Spielbude XL und die Show von <b>Chinchilla</b> – guter, energiereicher Mix aus Pop, Rap und EDM, unterbrochen von Gesängen der sich auf dem Kiez für den Abend stärkenden Schalker Fans, die am Abend am Millerntor beim FC St. Pauli gastieren – und dann geht’s in die Bahn.
Das Reeperbahn Festival hat mal wieder alles gegeben um meine Sinne zu beschäftigen und mich Inspiration tanken zu lassen. Der Ausflug in die unumgängliche Vollüberreizung ist ein weiteres Mal nicht weniger als eines der größten Highlights des Jahres zu bezeichnen – die soziale Batterie kann man überhaupt nicht schöner leer ziehen als an diesem Wochenende in Hamburg. Tolle Konzerte, viele Überraschungen, viel entdeckt, in Gesprächen verloren, wenig geschlafen, alles gehabt: Danke, dass es das gibt!
Und ich freu mich jetzt schon unglaublich aufs nächste Jahr.

<i>Text: Kristof Beuthner</i>]]></content:encoded>
			<category>Artikel</category>
			
			<pubDate>Sat, 30 Sep 2023 13:54:41 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Die große Nillson-Reeperbahn Festival-Preview: Läuft, wenn’s so läuft!</title>
			<link>https://www.nillson.de/artikel/lesen/die-grosse-nillson-reeperbahn-festival-preview-laeuft-wenns-so-laeuft.html</link>
			<description>Dass nach einem so vollen und reich gedeckten Festivalsommertisch noch Energie übrig ist, kann nur an einem liegen: Da kommt ja noch das Reeperbahn Festival! Hamburgs großes Branchentreffen bietet wieder über 700 Konzerte an vier Tagen – da wird man auch mit einer kleinen Laufplanempfehlung unsererseits definitiv nicht nur die Übersicht verlieren, es wird auch wieder ein grandioses Potpourri aus verpassten Gelegenheiten, wundervollen Begegnungen und überraschenden Entdeckungen. Kurzum: Die schönste Septemberzeit des Jahres.</description>
			<content:encoded><![CDATA[Da wir mal davon ausgehen, dass unsere Leser*innen nicht unbedingt zur Delegation der Reeperbahn Festival Conference gehören und ihre Tage auf den vielen Panels, Podiumsdiskussionen und Receptions verbringen, sparen wir schon mal die Hälfte aller Möglichkeiten ein und fokussieren uns auf die Musik. Da gilt wie in jedem Jahr die Qual der Wahl. Zwischen Knust und St. Pauli Kirche liegen immerhin knapp 3 Kilometer, und die sind prall gefüllt mit Ablenkungen, Schnacks, dem einen Konzert das man eigentlich gar nicht sehen wollte, ohne das deine Freunde aber keinen guten Abend haben, Schlange stehen, Alternativkonzepte checken und essen muss man ja auch irgendwann mal.
Da empfiehlt es sich durchaus, die zugegeben reizvollen großen Namen des Festivals eher zu meiden sondern sich auf eine attraktive Entdeckungsreise zu begeben. Nennen wollen wir sie trotzdem: Soul-Queen <b>Arlo Parks</b> zum Beispiel, die Bremer Punk-Institution <b>Team Scheiße</b>, die nimmermüden Schweden von <b>The Hives</b> um Howlin‘ Pelle Almqvist, der dieses Jahr in der Jury des Musiktalentpreises ANCHOR sitzt, vor allem aber die Slowcore-Pioniere <b>Arab Strap</b> und die wundervollen <b>Pretenders</b> um die markante Stimme von Chrissie Hydne. Und auch um die Elbphilharmonie-Konzerte werden wir in diesem Jahr wohl eher einen Bogen machen. Zwar sind die Auftritte von u.a. <b>Altin Gün</b>, <b>JEREMIAS</b> oder <b>Matt Corby</b> in diesem Setting eine vielversprechende Angelegenheit, aber sie sind eben auch recht zeitaufwändig – was man in der Zwischenzeit alles verpasst, nicht auszudenken!
Die hiesige Indie-Szene ist übrigens in diesem Jahr auch wieder abseits aller noch unentdeckten Trampelpfade recht namhaft vertreten. Künstler*innen wie die wunderbare <b>Brockhoff</b>, die zügellosen DIY-Punks <b>Get Jealous</b> oder die derzeit vielgebuchten <b>ENNIO</b> oder <b>Mayberg</b> haben uns bereits durch den Sommer begleitet. Und so schön ein Wiedersehen und Aufleben lassen der erlebten Gefühle sicherlich auch ist: Für uns steht eher das Füllen einer Schatzkiste zur Debatte, mit denen dann eine Reunion im Festivalsommer 2024 umso feiner wird, denn vielleicht waren wir die ersten, die aufmerksam wurden. Für uns Indie-Nerds ein unbezahlbares Attribut, gebt’s ruhig zu.
Ob es mit unserer Laufplanempfehlung klappt, ist natürlich eine ganz andere Frage. Denn das schöne am Reeperbahn Festival ist ja immer auch das Wiedersehen mit alten Freunden und Weggefährten, das Festquatschen und das Stehenbleiben. Das muss man genießen können, und wie so oft im Leben, die Mischung machts. Wir freuen uns jedenfalls unbändig auf vier ereignisreiche Tage auf der Reeperbahn, viel neue Musik, viele warme Umarmungen und einen prall gefüllten Jutebeutel.
<b>Was wir empfehlen möchten:</b>
<b>Mittwoch, 20.9.:</b>
19:30, Knust: <b>Mar Malade</b><br /> Diesem Duo dürfte man durchaus auch schon vorher mal begegnet sein, bisher hatte es eher die Nachmittags-Slots auf unseren Lieblingsfestivals inne. Aber ein zweiter und genauerer Blick lohnt: Das ist lässig-sommerlicher Indiepop, der die Sonne im Herzen ganz hell strahlen lässt. Beautiful!
21:10, St. Pauli-Kirche: <b>Artur &amp; Vanessa</b><br /> Es reicht, die beiden Namen zu nennen, die hinter diesem Projekt stehen: Francesco Wilking und Moritz Krämer, our very own Indie Darlings, of Die höchste Eisenbahn, Crucchi Gang oder Tele-Fame und natürlich heißgeliebtem Solo-Output mit einem neuen Projekt, das die wunderbare Geschichte von Artur und Vanessa mit dem gewohnten Charme und ganz viel Liebe erzählt. Muss man sehen.
23:20, UWE: <b>Flawless Issues</b><br /> Schon lange ist die ganz neue neue deutsche Welle wieder ganz stark im Fokus, mit Edwin Rosen an der Spitze und tollen Bands wie Steintor Herrenchor oder eben Flawless Issues im Gefolge. Letztere singen aber auf Englisch, was sie dann doch wieder von den erstgenannten unterscheidet. Ein starker Trip in tiefste 80er Wave- und Postpunk-Gefilde, düster und wunderschön.
<b>Donnerstag, 21.10.:</b>
16:00, Molotow Club: <b>Tramhaus</b><br /> Wer die Holländer am Vorabend verpasst hat, bekommt mit etwas Glück beim obligatorischen Dutch Impact Showcase im Molotow eine nächste Gelegenheit. Auch hier regiert der Postpunk, allerdings noch etwas dringlicher und drängelnder als bei den deutschstämmigen Artverwandten.
19:45, Mojo: <b>Orbit</b><br /> Das wird fantastisch werden. Wenn man am Vorabend Flawless Issues den Vorzug gab, darf man Orbit einen Tag später im immer schönen Mojo Club aka The Batcave genießen. Filigraner Schlafzimmerpop ohne langweilig zu sein, nimmt an die Hand in die Gefühlswelt zwischen Schlaf und Wach, höchst faszinierend.
21:45, Sommersalon: <b>Another Sky</b><br /> Nicht nur die 80er feiern Revival, auch die 90er sind mal wieder stark vertreten. Hier Gott sei Dank eher mit Grunge und epischem Britpop als mit Eurodance und Gagapop. Vor allem die Foo Fighters lassen bei Another Sky schön grüßen: Beileibe nicht die allerschlechteste Referenz.
22:50, Molotow Club: <b>Paerish</b><br /> Zugegeben, da muss man rennen, aber die Franzosen von Paerish sind für mich das absolute Must See des Wochenendes. Da steckt so viel drin: Grunge, Emo, Shoegaze und eine nicht mal kleine Portion Pop. Das wird ein Arme ausbreiten und genießen wie bei einer Dredg-Reinkarnation auf Höhe von „Catch Without Arms“ – falls man im sicher rappelvollen Molotow Platz findet.
<b>Freitag, 22.9.:</b>
17:00, Molotow Backyard: <b>Flyying Colours</b><br /> Zum Aussie BBQ im Molotow lässt man sich freitags ja eh gerne blicken und kann sich eigentlich gut treiben lassen, aber wenn man Bands hervorheben möchte, sind die Flyying Colours aus Melbourne ein absolutes Muss. Dreampop, Shoegaze und Psychedelia vereinen sich zu einer faszinierenden Mixtur, betören und berühren. Wird toll. Nochmal abends um 23:40 in der SkyBar.
17:30, Molotow Club: <b>The Omnific</b><br /> Mal wieder eine gute spannende Prog- bzw. Postrock-Band gefällig? Dann bitte mal mit The Omnific probieren. Die nicht nur genretypisch ohne Vocals auskommen, sondern spannenderweise auch ohne Gitarren. Dafür haben sie zwei Bässe. Neugierig, wie das Trio auch noch Metal, Funk und Nintendocore in ihr Spektrum mit einfließen lässt? Ich schon!
18:00, Molotow Backyard: <b>Floodlights</b><br /> Den Aussie-Nachmittag runden Floodlights ab, bei denen man sich schon mal für den Abend in Form shaken kann. Zu 80s-referenziellem Garage Rock, mit dem man ja ohnehin nie irgendwas falsch machen kann und der hier in wirklich äußerst guter Qualität angeboten wird.
20:00, Headcrash: <b>Chalk</b><br /> Das traditionsreiche Headcrash und irischer Post Punk mit tiefer Düsternis und äußerster Dringlichkeit? Das passt wie die Faust aufs Auge. Auch dieses Genre wurde in den letzten Jahren reichlich gefüttert – dank Bands wie Chalk kriegen wir immer noch nicht genug davon.
21:40, St. Pauli-Kirche: <b>Angie McMahon</b><br /> Das wird wundervoll: Die großartige Angie McMahon wird ein Konzert in der St. Pauli-Kirche spielen, und wer die Dame aus Melbourne noch nicht kennt, sollte das schleunigst nachholen. Wunderbar persönlicher Songwriter-Pop-Folk; könnte eines der Wochenend-Highlights werden.
23:55, Molotow Backyard: <b>Egyptian Blue</b><br /> Zum Abschluss geht es nochmal ins Molotow und zu Egyptian Blue. Es ist wieder Postpunk, etwas mehr angereichert mit Krautrock und Shoegaze als z.B. bei Chalk, aber auch wieder sehr treibend und faszinierend. Denn auch dank Bands wie Egyptian Blue kriegen wir immer noch nicht genug davon.
<b>Samstag, 23.9.:</b>
19:30, Indra: <b>William The Conqueror</b><br /> Gewohnheitsgemäß sind die Reserven am Samstag immer ziemlich erschöpft und man kann es beschaulich ausklingen lassen ohne an Qualität sparen zu müssen. Großartiger Country-Folk mit einnehmenden Indie-Pop-Elementen von William The Conqueror dürften eine gute Wahl sein.
21:30, St. Pauli-Kirche: <b>Bayuk</b><br /> Seit ich diesen Indiepop-Tausendsassa zum ersten Mal sah bin ich fasziniert von ihm. Das liegt an seiner Gemeinsamkeit mit Konstantin Gropper aka Get Well Soon, trotz ihrer riesigen Unterschiede. Aber beiden gelingen mit großer Qualitätsdichte feierlich-epische Indie-Hymnen mit äußerster musikalischer Versiertheit und hoher Faszination. In der Kirche? We’re on!
23:10, Resonanzraum: <b>Jean-Michel Blais</b><br /> Und dann zum Abschluss ein schönes Glas Rotwein und Neoklassik im Resonanzraum. Das hat Tradition, das schließt das Wochenende wundervoll ab. Celli, Klavier, cineastische Klangwelten: Augen schließen, wegträumen, Kopfkino einschalten.
Und dann wieder raus in die Nacht und mit den guten Menschen um einen herum die große Nachlese einläuten. Wir wünschen viel Erfolg und sehen uns da!

<i>Text: Kristof Beuthner</i>
<i>Foto: Florian Trykowski</i>]]></content:encoded>
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			<pubDate>Mon, 18 Sep 2023 19:20:27 +0200</pubDate>
			
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