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		<lastBuildDate>Mon, 04 May 2026 19:31:47 +0200</lastBuildDate>
		
		
		<item>
			<title>Carlos Cipa - Retronyms [Warner Classics]</title>
			<link>https://www.nillson.de/artikel/lesen/carlos-cipa-retronyms-warner-classics.html</link>
			<description>Ein Retronym steht für die neue Bezeichnung für etwas Althergebrachtes. Die Umcodierung klassizistischer Klangwelten ist Carlos Cipa auf seinem dritten Album nun wirklich sehr faszinierend gelungen: Ein unfassbar detailreicher Soundkosmos, der nachhaltig berührt und beeindruckt.</description>
			<content:encoded><![CDATA[Es ist für mich immer wieder erhebend, einem zeitgenössischen Komponisten beim Weiterentwickeln seines Klangspektrums beizuwohnen. Carlos Cipa gehört dabei schon länger zu meinen wichtigsten Wegbegleitern, zwei ganz wunderbare Piano-Alben beim Essener Nischensound-Label Denovali waren der Grund dafür, „The Monarch &amp; The Viceroy“ von 2012 und „All Your Life You Walk“ von 2014. Im Grunde klassische Klavierwerke, was das Instrumentarium anbelangte, geprägt aber auch von einem sehr besonderen Gefühl für Melodien und Arrangements, die eine Nähe zum Pop und zur einfühlsamen Eingängigkeit gar nicht verleugneten - warum auch? Dass Carlos Cipa in seinem Schaffen nicht im Purismus stehen bleiben würde, hatte er zuletzt schon auf der EP „Relive“ gemeinsam mit Sophia Jani, mehr sogar noch auf der Zusammenarbeit auf „Trow“ mit dem Elektronik-Produzenten Occupanther versprochen, als er sich mehr und mehr dem Experimentalismus und dem Jazz auf der einen und technoiden Soundscapes auf der anderen Seite näherte. Und er hält nun Wort: „Retronyms“, Cipas drittes Album, markiert einen vorläufigen Höhepunkt dieser Reise, ist sein vielseitigstes, spannendes und definitiv reizvollstes Werk bis dato.<br /> <br /> Das beginnt schon mit dem Intro namens „Fanfare“, das das Spektrum der Erwartbarkeit des Folgenden mit einem Mitschnitt der Einspielübungen des Posaunisten vom ersten Moment an ad absurdum führt - eine knapp einminütige, scheinbar atonal-avantgardistische Einführung, die in das fast schon wunderbarste Stück auf „Retronyms“, „Senna’s Joy“, mündet, das mit gedämpften Klavierklängen beginnt und ergänzt wird durch Bläser (hier nun keineswegs atonal oder avantgardistisch, sondern&nbsp; dezent angejazzt), gezupfte Streicher und synthetische Soundflächen, wunderbar wärmend, gleichzeitig zutiefst melancholisch und introspektiv, prachtvoll und sehr innig. „Mame“ wirkt auf seinen knapp zweieinhalb Minuten wie eine akustische Momentaufnahme, ein Experiment; dann „And She Was“, das vorab schon ein wunderschönes Stück war, im Gesamtzusammenhang des Albums aber noch weit mehr Sinn ergibt, weil es mit seinen detailreichen Klavierfiguren die Brücke zwischen dem minimalistischen Ansatz der ersten Alben und dem ausladenderen Klangkonzept von „Retronyms“ bildet. So öffnet das darauf folgende kryptisch betitelte „awbsmi“ wieder eine neue Tür, surreal-verfremdete Streicher untermalen eine düster-nebelverhangene Szenerie, mit der wir aber schon nach gut anderthalb Minuten wieder allein gelassen werden, bevor das wundersam leicht und erlösend klingende „Slide.“ wieder mit Sonnenstrahlen das Setting erhellt, hier hören wir plötzlich eine Gitarre, eingängig, einprägsam und betörend hoffnungsvoll - und dann dieses Finish, die Streicher, die auf einmal einfach da sind und so sehr am Ziel wirken, aber gleichzeitig sind da diese dystopischen Drones, und wir fühlen uns diffus, gar nicht mehr so geborgen. Was wartet, wenn wir diesen Klangwald verlassen? Der „Dark Tree“. Hier tritt Carlos Cipas sehr feingliedriges Klavierspiel in den Dialog mit jazzigen Trompeten, und darunter liegen sphärisch-elegische Soundscapes, surreal und weltfern. Das Finale, „Paon“, ist dann ein improvisatorisches Zusammenspiel zwischen Cipas Klavier und der Trompete von Matthias Lindermayr, quasi eine sowohl klangliche als auch für den Hörer fühlbare Quintessenz des Albums - melancholisch und detailverliebt, hoffnungsvoll und gleichsam introvertiert, kunstvoll und leicht. Und dann ist es vorbei, hinterlässt uns glücklich und bereichert, still innehaltend. Diese Vielfalt muss man erstmal verpacken.<br /> <br /> Weil ein Retronym eine neue Bezeichnung von etwas althergebrachtem meint, ist der gesamte Begriff der Neoklassik, in dem sich auch Carlos Cipa im weitesten Sinne bewegt, generell allumfassend darunter einzuordnen, und es ist wahrhaft bereichernd, wie hier Strukturen aufgebrochen, erweitert, neu gedacht werden. Definitv ist dieses Album ein sehr eindrucksvoller Beweis dafür, was mit klassizistischen Ordnungen getan werden kann, wenn der Horizont breiter gemacht wird, wenn Ergänzungen aus zeitgenössischer Musik ein Zugang zu minimalistischen Strukturen geschaffen wird. Eine wunderbare Erdung erhält dieses dritte Album von Carlos Cipa übrigens durch das immer mal wieder hörbare Rauschen; die spürbare Nahbarkeit der Produktion entsteht durch den stetig wiederkehrenden Improvisationscharakter in den acht Stücken, den Fokus auf das Organische. „Retronyms“ ist ein klangliches Wunderwerk, suggestiv, experimentell, zuweilen hörbar dem Moment verschrieben, dann wieder so detailreich, dass die Kreativität in seiner Konzeption förmlich überwältigt. Es ist fraglos der bisherige Höhepunkt im Schaffen von Carlos Cipa - und es sollte ihn dringend endlich in den Kreis der gefragtesten Künstler der sogenannten Contemporary Music befördern.<br /> <br /> <br /> <i>Text: Kristof Beuthner</i>]]></content:encoded>
			<category>Rezensionen</category>
			
			<pubDate>Sat, 24 Aug 2019 11:28:35 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>OVE - Abruzzo [Tapete / Indigo]</title>
			<link>https://www.nillson.de/artikel/lesen/ove-abruzzo-tapete-indigo.html</link>
			<description>Das ist so eine Sache mit dem Nichtgelingen von Dingen: Du kannst dich darüber ärgern oder geile Geschichten darüber erzählen. Dass sich die Ove-Kapelle für letzteres entschieden hat, ist ein Segen: Selten klangen Stories über die Unwegbarkeiten des Lebens so mitreißend positiv.</description>
			<content:encoded><![CDATA[Dabei war die Idee, das dritte Album nach „Ove wenn und aber“ (damals noch als Game Ove &amp; Die Spielfiguren) und „Ich will mir nicht so sicher sein“ in den italienischen Abruzzen aufzunehmen, so mega stark. Es kam dann doch anders, und trotzdem wohnt dieser Platte der Geist des guten Gedankens inne. Das fängt damit an, dass sie trotz alledem „Abruzzo“ heißt. Und auch genauso klingt. Nach Italien, Sonnenschein und leckeren Kaltgetränken, mit Falsettchören, beeindruckend laid back gespieltem Yacht Pop, funky Afrobeat-Licks (Paul Simon-Gedenkmoment auf „Der Türsteher“!), sonnigem Folk und feinst konstruiertem Pop. Vor allem sind es aber die Geschichten, die Ove Thomsen und seine Jungs hier erzählen, die einem ein breites Grinsen ins Gesicht malen: Die handeln nämlich auch vom Wunsch als Vater des Gedanken, von guten Ideen und auch von nicht so guten. „Annegret und Anders Andersen“ planen, ihre Karriere als Aalverkäufer auf Amrum gegen ein neues Leben in Amerika einzutauschen: „Lieber Hand in Hand ne dicke Lippe riskieren als blank auf der Bank die Gräten zu sortieren“. Eine „Nachtwanderung im Süderlügumer Wald“ mit einer sowieso schon nur geht-so-wissbegierigen Jugendgruppe endet mit eiskalten Füßen und großer Unzufriedenheit. Wenn in „Fahrrad in der Nacht“ auf dem Nachhauseweg wahlweise der Reifen platt ist oder die Kette reißt, ist die Hand des guten Typen neben dir an deinem Lenker ein Freundschaftsbeweis sondergleichen. Und es geht noch weiter: Am Ende einer leider unterm Strich misslungenen alternativen Kindererziehung im Wald steht auf „Captain Fantastic 2.0“ zwar die Isolation des hippieesken Elternpaares vom inzwischen erwachsenen Nachwuchs, aber dank diverser berauschender Kräutlein und guten Songs am Lagerfeuer fühlt sich das nur halb so schlimm an. Hängt halt immer davon ab, ob man das Glas halb leer oder halb voll sehen möchte. Und selbst wenn Ove in „Zum Download bereit“ auf dem Weg in die ungewisse Zukunft einen Autounfall baut, blinkt immer noch das Display des unvermeidlichen Smartphones. Siri ist immer noch bei dir, selbst wenn dir sonst keiner mehr hilft. <br /> <br /> Alles das sind Stories, die unvorteilhaft ins Klamaukige abdriften könnten - dass OVE diese Falle umschiffen, ist die allergrößte Stärke von „Abruzzo“. Der vor Spielfreude nur so sprudelnde Soundmix beantwortet die Frage nach halb leer und halb voll sowieso schon eindeutig; Thomsens nordfriesisch-lakonischer Charme eignet sich perfekt, um dat büschn Trabbel im Leben mit der entsprechenden Gelassenheit zu relativieren; im besten Sinne „down to earth“, wie man so schön sacht. So gut wie auf „Abruzzo“ waren OVE noch nie, klanglich wie lyrisch. Und auch, wenn die Platte jetzt schon eine ganze Zeit lang draußen ist: Sie wird das ganze Jahr über noch für eine Menge Freude sorgen, mindestens.<br /> <i></i>]]></content:encoded>
			<category>Rezensionen</category>
			
			<pubDate>Sun, 14 Apr 2019 15:02:36 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Thomas Dybdahl - All These Things [Ferryhouse Productions / Warner]</title>
			<link>https://www.nillson.de/artikel/lesen/thomas-dybdahl-all-these-things-ferryhouse-productions-warner.html</link>
			<description>Wenn du mit 19 deine erste EP rausbringst, ist es auch nicht beachtlich, dass du im Alter von 40 Jahren schon auf sechs Alben-Releases kommst. „All These Things“ ist demnach schon das siebte Vollwerk des Norwegers Thomas Dybdahl, und es ist schön, dass er immer noch etwas zu sagen hat.</description>
			<content:encoded><![CDATA[Wenn man nämlich kurz vor der 40 steht, also wieder mal vor einer runden Zahl, dann ist es zum zweiten Mal Zeit, Bilanz zu ziehen (mit 10 ist man noch zu jung und mit 20 wahrscheinlich auf irgendeiner Studi-Party und einem gehört die Welt). Die 30 markiert da schon einen heiklen Punkt und das Altwerden lauert bedrohlich am Horizont. Aber 40? So alt habe ich mir nie vorgestellt, überhaupt werden zu können, und habe dafür auch noch ein wenig Zeit, aber Thomas Dybdahl stellt für sich fest, dass die Zeit bis dahin scheinbar wie im Flug vergangen ist, mehr noch, dass sein Leben womöglich genau jetzt halb vorbei ist. Und da kann man sie schon mal Revue passieren lassen, all die richtigen und falschen und ambivalenten Entscheidungen, die man getroffen hat und die einen an genau den Punkt gebracht haben, an dem man gerade steht, und darüber kann man sehr glücklich sein - wie Dybdahl zum Beispiel darüber, dass er Papa ist - oder das heulende Elend kriegen, weil so viele Dinge einfach nicht revidierbar sind und sich nicht wie materieller Ballast einfach abwerfen lässt, wenn er einem zu viel wird.<br /> <br /> Ist „All These Things“ nun also eine Midlife-Crisis-Platte geworden? Nun ja: Sie klingt definitiv sehr erwachsen und reif, natürlich auch sehr nachdenklich, aber nicht unbedingt nach Krise. Thomas Dybdahl hat sich dafür mit einem illustren Kreis sehr versierter Musiker, unter anderem aus dem Umfeld von Tracy Chapman, Springsteen, Paul Simon oder Sheryl Crow, umgeben, die mit relaxten Percussions, Pedal Steel, Mandoline, Hammond-Orgel und anderen instrumentalen Preziosen den neun Songs ein überaus edles Gewand verleihen. Die Finesse von Dybdahls Band weckt nach den ersten Tönen des Openers (zugleich der Titeltrack) kurz den Verdacht, es könnte sich bei „All These Things“ um eine Mucker-Platte handeln, doch das Herz sieht ganz klar über die technische Brillanz. Die zeitlosen Arrangements von Songs wie „Can I Have It All“ oder „Look At What We’ve Done“, die irgendwo zwischen Songwriter-Folk, samtschwarzem Blues und dezentem Jazz mäandern, sind ein idealer und zeitgemäßer Rahmen für die logischerweise eben auch nicht mehr jugendlichen Gedankenwelten eines sehr ehrlichen, sich offen hinterfragenden Künstlers, dem es einmal mehr gelingt, trotz seiner mal falsettierten, mal gehauchten Vocals eine ungeheuer intensive Präsenz in seinen Songs auszustrahlen. Auf „When I Go“ hat er sich dann auch noch die Folk-Sängerin Lera Lynn dazu geladen, die man vielleicht von einigen Auftritten aus der Serie „True Detective“ kennt (ich nicht), auch das ist ein wunderschönes und wahrhaftiges Stück, das vom Lieben und Loslassen handelt - ja, möglicherweise steckt in diesen Songs dann doch die Krise im Älterwerden Thomas Dybdahls, aber sei’s drum. „All These Things“ ist klanglich ein sehr zurückgelehntes und entspanntes Album geworden, trotz der schweren thematischen Tragweite; es ist eine Platte, die in die Nacht gehört, wenn man nicht schlafen kann, weil sich der Kopf dreht und man dringend einen Anker sucht, von dem aus man mit sicherem Boden unter den Füßen in die nächste aufregende Phase seines Lebens starten kann; ein Album für den einsamen Hocker an der Bar zwischen Zigarettenrauch und einem guten Wein oder den verlorenen Blick aus dem Fenster ins Dunkel.<br /> <br /> <br /> <i>Text: Kristof Beuthner</i>]]></content:encoded>
			<category>Rezensionen</category>
			
			<pubDate>Fri, 12 Oct 2018 13:52:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>PeterLicht - Wenn wir alle anders sind [Tapete / Indigo]</title>
			<link>https://www.nillson.de/artikel/lesen/peterlicht-wenn-wir-alle-anders-sind-tapete-indigo.html</link>
			<description>Lang, lang ist’s her seit PeterLicht der Gesellschaft mit seiner präzise-grotesken, zwischen Dada-Lyrik und herzerwärmendem Aufrührertum schwankenden Pop-Spielart zuletzt den Spiegel vorhielt. Selten hat sie aber ein Album wie „Wenn wir alle anders sind“ so gebraucht wie jetzt.</description>
			<content:encoded><![CDATA[Ja, der Typ, der auf dem Sonnendeck ist wenn nicht hier, der sein iPhone an der Biegung des Flusses begrub; der wusste, dass wer überhaupt nicht entspannt, eigentlich ja schon tot ist und den Wolf im Fuzzi-Pelz zum Leben erweckte - aber mit Songs wie „Alles was du siehst gehört dir“ oder „Neue Idee“ auch so dringliche wie wunderschöne Popstücke mit unmessbarem Mehrwert erdachte, ist wieder da. Und beginnt sein erstes Album seit sieben Jahren mit der Zeile „Erst wenn der letzte Chips gegessen ist, werdet ihr sehen, dass man Chips nicht essen kann“. Das zweite Stück heißt „Candy Käsemann“. Und dann gibt es die erste nicht zwischen Dadaismus und Kunstlyrik versteckte Ohrfeige: „Emotionale, auf zum letzten Verzicht! Die hinterfotzigen Systeme kommen jetzt ans Licht!“ PeterLichts Interpretation der „Internationale“, dieses großen Kampfliedes der Arbeiterbewegung, ist eine dieser neuen Hymnen, von denen der Künstler möchte, dass man sie singt; ein geniales Stück, das absolut jeden, der sich auf dem so offenkundig falschen Weg befindet, abwatscht mit tätowierfähigen Zeilen wie „Blutsverwandte und Benässte, nässt euch ein und seid stolz / auf eure richtigen Pigmente, ihr seid das Holz auf dem Weg, auf dem ihr geht“. Dass die größte Geißel dieser Zeit der Mensch höchstselbst ist, wird auf „Menschen“ deutlich, das vor all den Wichtigtuern zu kapitulieren scheint, all den Meinungsinnehabern und Plänemachern und dem Scheitern an deren Weltverständnis, das sie so starrköpfig rennen lässt, ohne dass sie irgendwo ankommen. Das „Kontolied“, das „Umentscheidungslied“ und das „Liebeslied von unten“ - Hastewasbistewasse, chronisch Unschlüssige, selbstverliebte Selbstoptimierer, sie alle sind die Typinnen und Typen aus dem Albumtitel, die mit „wir“ so beschrieben werden, dass man sich beim selbst an die Nase fassen ertappt. Denn man muss kein intellektueller Potenzprotz sein, um aus PeterLichts Betrachtungen zu schließen, dass sie - oder wir, wenn wir so sind, wie PeterLicht uns zu sein befürchtet - das Leben miteinander nicht besser, sondern bloß komplizierter machen. Was die Frage beantwortet, was denn nun ist, wenn wir alle anders sind. Aber dieses Album ist kein Plädoyer für die große Gleichschaltung: Der große Krieg, den PeterLicht zum Abschluss beschreibt, ist offenkundig der gegen uns selbst, unsere übersteigerten Bedürfnisse und obskuren Ängste, unseren Fatalismus und unsere Geltungssucht, den Hedonismus und Egoismus, der uns hat vergessen lassen, wie wichtig eine gute Gemeinschaft ist, in der wir alle auf natürliche und gute Weise anders sein dürfen, und trotzdem am Leben bleiben - weil das anders sein nichts mit besser und wichtiger sein zu tun hat. In diesem Sinne: „Ich glaub, wir haben was falsch gemacht - wir müssen uns wieder umentscheiden“.<br /> <br /> <i><br /> Text: Kristof Beuthner</i>]]></content:encoded>
			<category>Rezensionen</category>
			
			<pubDate>Wed, 10 Oct 2018 15:14:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Theodor Shitstorm - Sie werden dich lieben [Staatsakt / Caroline International]</title>
			<link>https://www.nillson.de/artikel/lesen/theodor-shitstorm-sie-werden-dich-lieben-staatsakt-caroline-international.html</link>
			<description>Das Herz frohlockt bei dieser Platte, denn sie markiert die Wiederkehr von einer, die sich mit ihrem Debüt „Wenn die Nacht den Tag verdeckt“ vor vier Jahren aus dem Stand zu einer der tollsten Songwriterinnen dieses Landes gemacht hat: Desiree Klaeukens nämlich.</description>
			<content:encoded><![CDATA[Doch, Achtung, da muss man jetzt aufpassen: Sie ist nämlich nur die eine Hälfte, sozusagen das eine Elternteil des Kindes Theodor Shitstorm. Weil nämlich während dieser letzten vier Jahre eine ganze Menge passiert ist und Desiree Klaeukens Ausflüge in die Schauspielerei genommen hat, wo sie den Filmemacher Dietrich Brüggemann kennen gelernt hat. Da kristallisierte sich schnell eine Faszination für die jeweilige Kunst des anderen heraus, er bringt sie zum Film, sie ihn zur Musik, und am Ende der Phase steht eine Platte, die man nicht als Comeback von Desiree Klaeukens bezeichnen darf - oder doch? - sondern als Geburtsstunde eines wunderbaren neuen Duos, das hinter dem Moniker eines imaginären Kindes (inzwischen Jugendlichen) so weise und waidwund, so ironisch und feingeistig diesen seltsamen Apparat namens Leben zu erklären versucht, daran mit Pauken und Trompeten scheitert und mit Wein aus dem Tetrapak darauf anstößt, dass man immerhin noch sich selber hat.<br /> <br /> All die Weisheit, die wir meinen, in uns zu tragen und weiterzugeben, wird im grandiosen „Ratgeberlied“ ad absurdum geführt: „Alles, was du weißt, passt in einen Satz, aber den hast du vergessen und dein Kopf ist leer, du bist klug und gebildet und du weißt überhaupt nichts mehr“. In „Schuld“ wird eine Gesellschaft beschrieben, die zwanghaft für alles einen Verantwortlichen finden will, ohne bei sich selbst anzufangen. „Depression“ beschreibt die totale Vereinzelung in urbanen Lebensräumen wie im ländlichen Gemütlichkeitsidyll. „Kunst“ ist - ja, was ist das eigentlich? Darüber wird ja seit geraumer Zeit fleißig diskutiert, und Theodor Shitstorm findet dafür eine Menge Antworten. Und „Getriebeschaden in der Slowakei“ ist ein unglücklicher Roadtrip durch die täglichen Fehlbarkeiten der Welt um uns herum. Das alles wird durchgängig lakonisch, aber mit unfassbar präziser lyrischer Finesse erzählt, und es könnten einem ein Sven Regener oder ein Nils Koppruch aus der Referenzschublade entgegen winken, in deren Tradition „Sie werden dich lieben“ durchaus stehen mag, aber es ist etwas eigenes daraus entstanden, das Desiree Klaeukens als eine der besten Texterinnen des Landes weiter etabliert und Dietrich Brüggemann als absolut adäquaten Sidekick ins Rampenlicht rückt. Klar ist das Ganze klanglich in kein bahnbrechendes Konzept gebettet; eine Gitarre, ein Laptop, Golo Schulz am Bass und Florian Holoubek am Schlagzeug komplettieren die Theodor Shitstorm-Band, und auch hier denkt man zuweilen an Element Of Crime und Fink, an den frühen Gisbert und an Liedermacher der alten Schule, aber das ist insofern einerlei, weil Theodor Shitstorm keine Mucker-, sondern eine Textband ist, und zwar eine, auf die wir ganz offensichtlich lange gewartet haben - endlich sagt das alles jemand endlich wieder so, dass Kopf und Herz sich einig sind. „Sie werden dich lieben“ darf als programmatischer Titel verstanden werden: Dieses Album ist vielleicht das beste deutschsprachige Werk des in seine Endphase schlitternden 2018.<br /> <br /> <br /> <i>Text: Kristof Beuthner</i>]]></content:encoded>
			<category>Rezensionen</category>
			
			<pubDate>Tue, 09 Oct 2018 14:42:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Jessica Einaudi - Black And Gold [Overhear / Indigo]</title>
			<link>https://www.nillson.de/artikel/lesen/jessica-einaudi-black-and-gold-overhear-indigo.html</link>
			<description>Eine Review über Jessica Einaudi, ohne darauf zu verweisen, dass ihr Vater der große Komponist Ludovico Einaudi ist und gute Musik so gesehen in der Familie liegt? Schwierig, aber halt auch ungerecht, ihr Talent rein über den Familiennamen zu definieren. Darum sei der Sache mit diesen einführenden Worten Genüge getan.</description>
			<content:encoded><![CDATA[Denn Jessica Einaudi hat in den letzten Jahren genug unternommen, um sich selbst einen relevanten Namen in der Szene zu verschaffen. Da wäre das gemeinsame Album mit ihrem Ehemann Federico Albanese unter dem Moniker La Blanche Alchimie oder ihr erstes eigenes Werk, das noch unter dem Namen J Moon erschien und genau wie ihr neuer Longplayer „Black And Gold“ von Federico Albanese produziert wurde - was auch nicht die schlechteste Hausnummer ist, immerhin ist uns der Gute durch seine wunderbaren Klavierwerke sehr ans Herz gewachsen und man darf zuversichtlich sein, dass er weiß, was er tut. Aber auch hier sollen die Referenzen nicht über die Kunst Jessica Einaudis gestellt werden - denn die Italienerin mit der beeindruckenden Lockenpracht legt in „Black &amp; Gold“ ein sehr schönes Album vor, das durch die Reduktion in der instrumentalen Breite einen sehr intimen Touch bekommt. Ein Keyboard, sehr selten auch mal ein analoges Klavier, ein Gitarrenlick, das im Hintergrund verhallt und sehr dezente Beats - was dann doch nach einigem klingt, bleibt angenehm hintergründig, denn „Black And Gold“ lebt von der Aura, die Einaudis Stimme transportiert - zuweilen hypnotisch, schwebend, aber dabei dann doch wieder so direkt, dass die Vocals problemlos als warm-weiches Kissen fungieren, in das man sich nur zu gern betten mag, denn sie klingen dabei so ungekünstelt und unaffektiert, dass das intime Storytelling der zehn Stücke auf „Black And Gold“ trotz aller Sanftmut und Leichtigkeit nie an Bodenhaftung verliert. Der edle Approach an Songwriter- und Dreampop lässt den Albumtitel Wirklichkeit werden: Mit sachtem Fluss umschmeicheln die melancholischen Melodien das Ohr, streicheln die Seele, faszinieren durch ihre schwerelosen Arrangements. Schwarz und Gold: Der dunkle, häufig introspektive Duktus von Einaudis Texten, gepaart mit den glänzenden Kompositionen dieser verträumten, doch niemals vollends weltfernen Songs - das passt. Highlight der Platte ist übrigens der nur knapp zweiminütige, von wabernden Drones getragene Ambient-Blues von „Among The Shadows“, der ganz kurz Assoziationen zu den brillanten Birds Of Passage weckt.<br /> <br /> <br /> <i>Text: Kristof Beuthner</i><br /> <br /> ]]></content:encoded>
			<category>Rezensionen</category>
			
			<pubDate>Mon, 08 Oct 2018 14:43:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Svavar Knútur - Ahoy! Side A EP [Dimma / Believe]</title>
			<link>https://www.nillson.de/artikel/lesen/svavar-knutur-ahoy-side-a-ep-dimma-believe.html</link>
			<description>Unser liebster isländischer Folkbarde hat eine richtige Band bekommen. Schon sein letztes Album „Brot (The Breaking)“ erklang im ausladenderen Gewand; was Svavar Knutur aber teilweise auf der „Ahoy! Side A“-EP bietet, haben wir so von ihm noch nicht gehört.</description>
			<content:encoded><![CDATA[Bisher war der Troubadour, dessen sanfter, zerbrechlicher und zumeist auch überaus kathartischer Folkpop traditionell im krassen Gegensatz zu seinen höchst unterhaltsamen, tierisch lustigen und teilweise ganz schön schwarzhumorigen Live-Ansagen steht, auf seinen Alben immer eher sanft unterwegs gewesen, in der Regel sogar nur von Gitarre und/oder Ukulele begleitet, allenfalls mal von nettem Schmuckwerk aufgehübscht. Dass er es auch anders mag, deutete er auf seinem 2015 erschienenen bis dato aktuellsten Album „Brot (The Breaking)“ an; schon da wandte er sich klanglich deutlich offensiver dem Bandformat zu. Aber mit dem Opener seiner neuen EP, „The Hurting“, überrascht Svavar Knutur dann doch gehörig: Mit stoisch stampfendem Schlagzeug, elektrischer Gitarre und verzerrten Vocals, die sich zu einem hymnischen, beinahe schon geschrieenen Refrain steigern, hat dieser Typ zum ersten Mal einen waschechten Rock-Song im Angebot. Passt aber auch zum Thema, immerhin geht es darum, dass es im Leben immer wieder zu Situationen kommt, in denen der Schmerz über das eigene Selbstbild, den Verlust von Freunden und Verwandten oder sonstige Alltagsgeißeln Überhand zu nehmen droht - die Kunst allein ist, sich nicht davon in die Tasche stecken zu lassen. Kraftvoller hätte Mr. Knutur uns diese Form von Haltung nicht nahe bringen können. Und auch das isländisch gesungene „Morgunn“ klingt anders als man es vom Soundspektrum Svavar Knuturs gewohnt ist, bietet Synthesizer-Einsprengsel, Streicher und verhallte Gitarren; so geht skandinavischer Folk-Pop, der das eine Auge auf die 80s und das andere auf Americana geworfen hat. Ach, und dann wäre da noch „Cheap Imitations“, das fast schon Synthie-Pop ist und als einziges der neuen Stücke nicht so recht zünden will.<br /> <br /> Dazwischen aber serviert uns Svavar Knutur seine Kunst so, wie wir sie kennen und schätzen: Auf dem schwelgerischen „Lady Winter“, dem wunderschön heimeligen „Haustvindar“ und den Neuvertonungen von vier alten Stücken („Undir Birkirtré“, „Ölduslod“, „Yfir holá og yfir haedir“ und „Tiger &amp; Bear“), für die der Isländer zuvor nicht die finanziellen Mittel, die Zeit oder die Erfahrung hatte, um sie so klingen zu lassen, wie er sie sich vorstellte. Dass diese vier auf „Ahoy! Side A“ mit dabei sind, gibt er EP noch einen schönen Zeitreise-Touch. Nicht, dass man das so bräuchte: Nach wie vor sind Svavar Knuturs Songs vollkommen zeitlos und schlicht wunderschön; jedes neue musikalische Lebenszeichen von ihm setzt da noch eine kleine Stufe obendrauf, und so ist die neue EP ein schönes und dank des neuen Soundgewandes auch spannendes Wiedersehen. Sagt ja keiner, dass man sich immer das gleiche erzählen muss, wenn man sich nach langer Zeit wieder trifft.<br /> <br /> <br /> <i>Text: Kristof Beuthner</i>]]></content:encoded>
			<category>Rezensionen</category>
			
			<pubDate>Sun, 07 Oct 2018 14:25:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Doe - Grow Into It [Big Scary Monsters / Topshelf / Al!ve]</title>
			<link>https://www.nillson.de/artikel/lesen/doe-grow-into-it-big-scary-monsters-topshelf-alve.html</link>
			<description>Nicola Leel und ihre Band Doe veröffentlichen ein Album, das eine Antithese zur männerdominierten Coming-of-Age-Emo-Haltung darstellen soll und stellt klar, dass Männer an den falschen Sachen kranken - Frauen leiden auch, aber einfach mit mehr Auge fürs Wesentliche.</description>
			<content:encoded><![CDATA[Denn, so Leel, der Schmerz über das Älterwerden äußere sich bei den Jungs vor allem darin, dass jegliche Form von Erwachsensein strikt abgelehnt wird. Man(n) will lieber forever young bleiben, rumhängen und sich mit seinen Kumpels gepflegt aus der Atmosphäre schädeln, anstatt Verantwortung zu übernehmen und jeder Lebensphase das Positive zu entnehmen. Erleuchtung und Freiheit im Alter und Selbstständigkeit im Tod mit Bewusstsein für die allzumenschliche Weiterentwicklung, die in punkto Körperlichkeit natürlich auch Verschlechterungen beinhaltet - darum soll es gehen! Wer sich nur ständig selbst leid tut und sich in Nischen flüchtet, verpasst die neuen Herausforderungen - die dann auch wieder Nährboden für künstlerisches Schaffen darstellen, na klar.<br /> <br /> Dass „Grow Into It“, das zweite Album von Doe, dann trotzdem wie ein retrospektiver 90s-Traum in bester Tradition der Breeders, von Pavement oder Weezer klingt, ist eine ironische Randnotiz, denn dieser Zutaten bedienen sich die weinerlichen Männer schließlich auch, um dem Unvermeidlichen den Mittelfinger entgegen zu recken, bevor sie trotzig die Konsole anschmeißen und sich ein Dosenbier aufmachen. Das macht aber insgesamt nichts, weil der Feind die Haltung, nicht der Sound ist, und ein so lässig dahingeschludertes Lo-Fi-Prachtstück wie „Grow Into It“ - die Drums scheppern, die Gitarren auch, aber immer wieder gniedelt sich auf höchst erfreuliche Weise einprägsames kleines Riff in unser Ohr und bringt uns zum Lächeln, und die Gesangsharmonien steigern sich innerhalb von Sekunden von lakonischen Statements zu hymnischen Refrains - ist einfach gemacht für die Unzufriedenheit und das vom Wohnzimmer aus gelenkte Aufrührertum im wachen Geist. Denn dass in der Welt von Nicola Leel alles gut ist, hat ja keiner behauptet: Es ist nur eine andere Form der Wahrnehmung, denn wenn man schon krankt, dann eben wenigstens an den richtigen Dingen. Weil Doe sich bei allem Lo-Fi und der vertrackten Rhythmik von Stücken wie „But It All Looks The Same“ aber immer wieder auch himmlischen Pop-Harmonien öffnen, ist „Grow Into It“ eine formidable Erwachsenwerde-Platte, die die Verspieltheit des inneren Kindes klanglich keinesfalls negiert, aber den Blick insgesamt nach vorne richtet und dich dabei an die Hand nimmt. Das ist klasse und wird nicht nur Frauen gefallen.<br /> <br /> <br /> <i>Text: Kristof Beuthner</i>]]></content:encoded>
			<category>Rezensionen</category>
			
			<pubDate>Thu, 04 Oct 2018 15:58:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>John Metcalfe - Absence [Neue Meister / Edel]</title>
			<link>https://www.nillson.de/artikel/lesen/john-metcalfe-absence-neue-meister-edel.html</link>
			<description>Dass sich John Metcalfe bisher unter meinem Radar bewegte, ist insofern eine Schande, dass er zu den gefragtesten Sound-Arrangeuren Großbritanniens gehört und unter anderem mit Größen wie Coldplay oder Max Richter arbeitete. Dass sein fünftes eigenes Album, auf dem er sich mit dem Tod seines Vaters auseinander setzt, ein klangliches Glanzstück geworden ist, überrascht so gesehen nicht wenig.</description>
			<content:encoded><![CDATA[Es markiert aber auch die Geburtsstunde der sogenannten John Metcalfe-Band, denn der Meister, der auf „Absence“ an der Violine zu hören ist, befand, dass seine Abhandlungen über das Hinübergleiten auf die vielzitierte andere Seite erst in ausladenderem Soundformat ihre wahre Aussagekraft fände. „Es geht um die&nbsp;imaginierten Gespräche, wenn sich jemand in den finalen, physischen Stadien des Todes befindet, wenn die Elektrizität unseren Körper verlässt. Und es geht um die letzten Gedanken dessen, der im Sterben begriffen ist und dessen, der weiterleben muss“, so Metcalfe; ein Satz, so aussagekräftig, dass er zitiert werden muss. Denn unterstützt von Ali Friend am Bass und Daisy Palmer am Schlagzeug, vor allem aber von Rosie Doonans glasklaren und gleichsam elfenhaften und glasklar-naturbelassenen Vocals, vertont John Metcalfe die ambivalente Gefühlswelt zwischen Schmerz und Angst, Erleichterung und Loslassen, Schwere und Leichtigkeit mit enormer künstlerischer Raffinesse. Die Arrangements sind mal cineastisch, mal flächig und treibend, aber, und das mag bei der thematischen Schwere überraschen, nie introspektiv. „Above The Waves Of Crystal Water“ klingt mit seinen sprudelnden Synthies, den groovenden Bassläufen und dem hektischen Schlagzeug sogar fast schon euphorisch und machen deutlich: Verlust und Loslassen implizieren ganz offensichtlich nicht nur Melancholie und Trauer. Und obwohl mit „Solitude“ dann doch wieder ein sehr persönliches, tragisches und schmerzvolles Stück folgt, verliert auch das nicht seinen erzählerischen Fokus, denn „Absence“ klingt trotz aller Katharsis immer adressatenorientiert, die Hand Metcalfes umfasst unsere und lässt nicht los. <br /><br />Die stilistische Bandbreite ist dabei enorm: Vom Celtic Pop von Clannad oder Enya (!) bis hin zum majestätischen Triphop von Portishead und - das sind die stärksten Momente wie auf dem knapp siebenminütigen „Feel The Land“ - dem sphärischen, von energetischen Ausbrüchen getragenen Postrock von Gregor Samsa reicht John Metcalfes Spektrum, und alles vereint sich unter den scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten der Virtuosität, die das so schwer definierbare Genre der Contemporary Classic bietet. So gesehen ist „Absence“ nicht nur thematisch spannend, sondern auch ein klangliches Faszinosum, das die Kitschfalle nicht immer umgeht, sich aber niemals in ihr verfängt. Eine definitiv hörenswerte, Grenzen erweiternde und intensive Platte. <br /><br /><br />Text: Kristof Beuthner
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			<category>Rezensionen</category>
			
			<pubDate>Wed, 03 Oct 2018 12:16:00 +0200</pubDate>
			
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			<title>Fatherson - Sum Of All Your Parts [Easy Life Records / The Orchard]</title>
			<link>https://www.nillson.de/artikel/lesen/fatherson-sum-of-all-your-parts-easy-life-records-the-orchard.html</link>
			<description>Manchmal ist es gut, alles hinter sich zu lassen: Fatherson aus dem schottischen Kilmarnock umschifften nach einem grandiosen Debüt mit ihren zweiten Werk „Open Book“ die Kitschfalle oft nur knapp und fühlten sich nach langem Touren ausgebrannt. Ein Neustart schien die beste Option für Ross Leighton und seine Jungs - so klingt Album Nummer 3 namens „Sum Of All Your Parts“ auch.</description>
			<content:encoded><![CDATA[Spulen wir kurz zurück ins Jahr 2014, als „I Am An Island“ erschien und fulminant einschlug; jemand sagte damals zu mir, Fatherson spielten große Musik, die den Weg in große Hallen aber wohl nie finden werde - zu viele Haken schlugen gnadenlos starke, emotionale Hymnen wie „I Like Not Knowing“ oder „James“ dann doch, fanden die Mitte in leidenschaftlichem Gesang Leightons und We Were Promised Jetpacks-Intensität. Ganz offensichtlich suchte die Band den Weg in eben diese Hallen dann aber doch; der Nachfolger „Open Book“ geriet zwar deutlich zupackender und poppiger, dadurch aber auch leider ein Stück weit beliebiger. War „I Am An Island“ noch eine Hitplatte durch und durch, blieben vom Zweitling nur die Singles „Always“ und vor allem „Just Past The Point Of Breaking“ mit seinem unwiderstehlichen Leadriff nachhaltig im Gedächtnis.<br /> <br /> Nun also alles auf Null, alles zurück - nicht in Bandbesetzung und Charisma (Ross Leightons wunderbar exhaltierte Vocals dürften uns alles erzählen), wohl aber in Habitus und Songwriting. „Sum Of All Your Parts“ präsentiert uns zwar keine neuen Fatherson und Gott sei Dank auch keine Stilkehrtwende, da wird immer noch kraftvoll-emotionaler Breitwand-Rock gespielt, aber mit weit mächtigeren Riffs und auch mal atonalen Kanten wie am Anfang der Single „Making Waves“, wenn Ross Leighton scheinbar an den ersten Gitarren-Licks vorbei singt, um das Stück dann doch wieder mächtig und strahlkräftig aufzutürmen. Im Opener „The Rain“ starten Fatherson sogar mit einem Klavier bevor die Drums einsetzen und der Bombast-Rock, der die Band nicht von ungefähr ins Vorprogramm von Biffy Clyro oder Twin Atlantic gespült hat, sich Bahn bricht. Doch das Stück bleibt die Ausnahme in punkto Opulenz und Emo-Glanz; „Sum Of All Your Parts“ klingt deutlich rauer und ungeschliffener als beide Vorgänger, strahlt dafür aber eine noch intensiver wirkende Power aus, und man merkt deutlich, dass der Wille, sich über die Konventionen und bereits erhaltene Schubladen zu erheben, der Band Flügel verliehen hat. Die Platte klingt nicht nach einem Kompromiss oder nach gewolltem Rückwärtsgang, mit Postrock-Gitarren und Shoegaze-Elementen sogar stilistisch trotz all der Roughness breiter und offener, vor allem aber deutlich selbstbewusster als die ersten beiden Alben. Das könnte Ross Leighton nebst Band den oben genannten großen Hallen wieder ein Stück ferner rücken lassen, aber das Risiko dürften Fatherson gerne in Kauf nehmen - für so viel spürbare Einigkeit und Selbstvertrauen kann man den Verlust von ein paar Pop-Fans schon mal in Kauf nehmen.<br /> <br /><br /> <i>Text: Kristof Beuthner</i>]]></content:encoded>
			<category>Rezensionen</category>
			
			<pubDate>Tue, 25 Sep 2018 17:49:00 +0200</pubDate>
			
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